2007-01-24
Jännerloch
VSV - Salzburg 2:6
Zur Großwetterlage: Das Genuatief, welches Villach seit geraumer Zeit mit seinen Ausläufern streift, hat sich gestern endgültig bei den Adlern eingenistet. Deutliches Anzeichen dafür: Die Niederschläge nehmen zu. Haben wir uns den ganzen Herbst über noch gewundert, dass wir heuer von Formkapriolen weitgehend verschont geblieben sind, so befinden wir uns derzeit auf einer Kneipp-Kur. Kalt – Warm.
Vor allem das Hineinfinden in eine Partie will uns in den letzten Spielen so gar nicht mehr gelingen. Das schaut oft aus, wie wenn ein Formel 1 Wagen mit dem Retourgang losfahren würde. Wir kommen in die Matches einfach nicht hinein. Das ist jetzt nicht so dramatisch, wenn dir das gegen die Nachzügler passiert. Weil, wenn du gegen die rechtzeitig von der Dritten in die Vierte schaltest, reicht das meistens noch für einen Sieg. Den Bullen hingegen solltest du von Anfang an tief ins Auge schauen. Fragen Sie einmal einen Torero, wenn Sie ihn das nächste Mal treffen.
Und so hat uns Salzburg gestern also noch mitten in den Derbyfeierlichkeiten vom Sonntag erwischt. Ein bisschen verkatert mussten wir zuerst raus, um ausgiebig Schnee zu schaufeln. Danach stand bei uns eigentlich ein lockeres Auslaufen auf dem Terminplan. Das dann auf einmal die Red Bulls in der Halle standen und uns zu einem Meisterschaftsspiel forderten, kam uns dann eher ungelegen. Wir hatten noch unser Werktagsgewand an. Auch sonst waren wir keineswegs auf Besuch eingestellt. Den Gästen war das allerdings wurscht. Und nachdem die üblichen Höflichkeiten ausgetauscht waren, war es auch schon vorbei. Mit der Zurückhaltung der Arbeitskollegen. Wie die Berserker wüteten sie an dem Buffet, das wir so liebvoll hergerichtet hatten. Die ließen uns, außer den Liptauerbroten, grad einmal ein paar Knochen zum Abnagen. Na Bravo.
Mit einer, geradezu aufreizenden Stetigkeit, silberten sie uns ein ums andere Mal, wahrscheinlich als Zeichen ihrer Wertschätzung, die leer gemampften Teller um die Ohrwaschel. Viermal bereits nach 2 Drittel. Da war nix zu sehen von Erster gegen den Meister. Das war Erster gegen Lehrbuben. Die waren uns in allen Belangen überlegen. Vor allem ihr Tempo verursachte bei uns kräftiges Sodbrennen.
Aber dann in der Pause das erlösende Samarin. Die Unsrigen kommen zum letzten Drittel aus der Kabine, als wären wir 4:0 voraus. Das schaut aus, als ob jetzt eine andere Truppe am Eis stehen täte. Da gehen dann auf einmal wieder Dinge, die dich zwei Drittel lang verzweifeln ließen. Weil sie eben nicht gegangen sind. Aber nicht, weil die Stiere etwa einen Gang zurückgeschaltet hätten. Nein. Sondern, weil die Adler auf einmal wieder ihr meisterliches Spiel aufziehen konnten. Das reißt dich echt von den Sitzen. Wenn die angasen. Da ist eine Stimmung in der Halle. Da wird dir richtig warm ums Herz. Und zweimal haben wir dann auch zugelangt. Der Nikki Petrik und der Micky Ellick haben eine Runde spendiert.
Und vor allem die Hoffnung geweckt, die Partie noch zu drehen. 14 Minuten blieben ja noch. Der Druck war auch da. Und es kamen sogar zwei Powerplaychancen. Und es waren gute Powerplays, die wir ins Eis schnitzen. Aber halt doch nicht gut genug. Das 4:3 wollte sich nicht zwingen lassen. Und jetzt im hintennach gesehen, wäre es vermessen gewesen zu glauben, wir könnten das Spiel doch noch herumdrehen. Da hätte ich Ihnen dann etwas erzählen müssen. Von den tausenden Eishockeyspielen, die ich schon in den diversen Hallen dieser Eishockeywelt gesehen habe. Und das so ein Turn-over vielleicht fünf, sechsmal dabei war.
Aber es kam, wie es kommen musste. Gegen Ende von unserem letzten Powerplay, fingen wir uns einen Short-hander ein. 2:5. Auch gut. Probiert haben wir es noch. Den Salzburgern zum Schluss die Rechnung für die Zeche in den Sack zu schieben. Aber die haben sich als eingeladen betrachtet. Und so konnten wir zusammen packen und den Abwasch alleine machen. Blöd gelaufen. Beim Verabschieden haben wir als kleines Andenken noch ein letztes Törchen der Mozartstädter verabreicht bekommen. Das hat eigentlich keinen mehr gejuckt, sei aber der Vollständigkeit halber erwähnt.
Zuzuschreiben haben wir uns das 6:2 selbst. Wir sind derzeit einfach nicht in der Lage 60 Minuten am Stück konsequent Eishockey zu spielen. Wir können derzeit nur phasenweise wirklich solide Arbeit abliefern. Und das ist dann halt oft zu wenig. Wenn nur 20, vielleicht 25 Minuten Druck erzeugt werden kann. Das du den Gegner beherrscht. Ihm dein Spiel aufzwingst. Und deine Dominanz dann zwangsläufig in Tore umsetzen kannst. Das musst du in dieser knallharten Liga zu mindestens 50 Minuten spielen können. Allerdings ist das jetzt kein Grund nervös zu werden. Weil so einen Hänger haben wir in Villach alle Jahre wieder. Oft am Anfang der Saison. Manchmal nach längeren Pausen. Oder zu Weihnachten. Und sogar schon im Play-off. Und da ist mir ein kleines Jännerloch noch alle mal lieber, als die Launen des Aprils.
vsvfan