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2005-02-03

Werksbad Bleiberg V

Biisher erschienen:
r Werksbad Bleiberg I
r Werksbad Bleiberg II
r Werksbad Bleiberg III
r Werksbad Bleiberg IV

Eine Schilderung über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse lieferte 1887 die sozialistische Zeitung „Gleichheit“: “Die Lage der Arbeiter ist dort eine tieftraurige, die Bewohner der umliegenden Dörfer werden von vielen Bettlerinnen und bettelnden Kindern heimgesucht, die um etwas Salz, Brot oder Mehl von Haus zu Haus gehen müssen. Die Bleiberger Bergwerke beschäftigen 1600 männliche und weibliche Arbeiter. Über Tag wird von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, in den Gruben von 6 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags gearbeitet. Mit 14 Jahren tritt der Bergmann die Arbeit an und wird erst zum „Kutten“, später zum Schieben der Wägen, dem „Hundelaufen“ verwendet. Die ganz jungen Arbeiter verdienen 22 Kreuzer. Die Hauer kommen auf 65 Kreuzer im Tag. Bei diesen Lohnsätzen müssen sich die Arbeiter noch eine barsche Behandlung gefallen lassen.“

Drei Jahre später, am Vorabend der erstmals weltweit abgehaltenen 1. Maifeierlichkeiten im Jahre 1890, streikten die Bleiberger Arbeiter ohne großen Erfolg. Die kargen Verdienste einerseits und die steigenden Gewinne der Unternehmung auf der anderen Seite führten in Bleiberg am 21. April 1890 zur Arbeitsniederlegung, wobei eine Anhebung des Schichtlohnes gefordert wurde. Daraufhin ließ die Direktion der BBU das Militär aufmarschieren. Eingeschüchtert durch die Anwesenheit der bewaffneten Macht nahmen die Knappen ihre Arbeit wieder auf. Der Schichtlohn wurde nur minimal erhöht. Zudem verbot die Direktion den Bergarbeitern an den bevorstehenden Maifeiern teilzunehmen bzw. an diesem Tag die Arbeit einzustellen, da ihnen ansonsten nicht nur schmerzliche Lohnkürzungen, sondern auch die Entlassung drohe.

Unter einem ungeheuren sicherheitspolizeilichen Aufwand – Polizei- und Gendarmeriepatroullien sowie Militäreinheiten prägten schon Tage vor dem eigentlichen Ereignis das Erscheinungsbild der Städte – wurden die ersten Maikundgebungen der Arbeiterbewegung abgehalten. Die Atmosphäre, welche im Vorfeld des sozialdemokratischen Arbeiterfesttages in Villach herrschte, schilderte der Bezirkshauptmann in seinem Bericht an den Kärntner Landespräsidenten am 2. Mai 1890: “In Befolgung des Erlasses vom 28. April 1890 beehre ich mich zu berichten, dass die Arbeiterbevölkerung am 1. Mai sich ruhig verhielt und dass die von Arbeitern in Villach bereitete Festfeier anstandslos verlief. Die Niederdrückung des Streiks in Bleiberg scheint gut gewirkt zu haben. Eingehende Vorsichtsmaßregeln wurden in jeder Beziehung getroffen, und viele Militärpatrouillen verschafften der Bevölkerung Beruhigung.“

Die Angst des Bürgertums vor den Arbeitermassen schwingt in den Worten nach, mit denen die „Freien Stimmen“ vom 3. Mai 1890 über das Maifest in Villach berichteten: “Geängstigte Gemüter atmen erleichtert auf, der gefürchtete 1. Mai ist ohne Blutvergießen, Brand und Plünderung vorübergegangen. Die Stadt vermittelte einen kriegerischen Charakter, da in mehreren öffentlichen Gebäuden Militär in Bereitschaft stand und die Gendarmen fleißig patrouillierten. Aber niemals war Anlass zum Einschreiten geboten, in musterhafter Ordnung ist die Versammlung, vollkommen anständig und friedlich das Volksfest und Kränzchen verlaufen.“

Das zentrale Anliegen der demonstrierenden Arbeiter war der Ruf nach einer gesetzlich reglementierten Arbeitszeit auf acht Stunden täglich. Die populäre Forderung lautete: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit, acht Stunden Schlaf.

Besonders arg entwickelten sich die Lebensverhältnisse für die Bergarbeiterfamilien in den Kriegs- und Nachkriegszeiten. Während die Kriege der vergangenen Jahrhunderte immer wieder die Konjunktur der Bleiproduktion belebten, sahen sich die Arbeiter in den Kriegszeiten mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert. Die BBU erzielte in den Weltkriegsjahren 1916 bis 1918 Dividenden zwischen 30 und 40 Prozent. Die ständige Nachfrage der Rüstungsindustrie ließ die Gewinne in derart sagenhafte Höhen schnellen: “Die Ansprüche der Heeresverwaltung an Blei für Munitionszwecke waren derart große und dringende, dass die Abgabe von Blei an die Fabriken eingestellt werden musste“ (BBU-Chronik 1915). Während das Unternehmen mit Fortdauer des Krieges hohe Profite erzielte, hatten die Bergarbeiterfamilien mit immer schlimmeren Versorgungsengpässen zu kämpfen. Anstelle der eingerückten Knappen wurden, kostengünstigere, russische Kriegsgefangene als Arbeitskräfte eingesetzt. Bei der ersten Mobilisierung 1914 mussten von Bleiberg 270 Beschäftigte einrücken, das waren immerhin 25 Prozent der Belegschaft. Dagegen erfuhr „der Preis für das Blei, das als unentbehrlicher Kriegsbedarf in unerwarteten Mengen verbraucht wurde, nicht bloß in kriegführenden, sondern auch in neutralen Staaten eine erhebliche Steigerung“ (BBU-Chronik 1916).

Heinrich Noe vertrat schon um 1880 die Ansicht, dass ein beträchtlicher Teil des in Bleiberg gewonnenen Bleis vom Wiener Arsenal beansprucht wurde: “Im Arsenal wird praktische Politik vorbereitet. Damit Kugeln zum Erschießen gemacht werden können, müssen die Menschen, die in den Schmelzhütten arbeiten, hinsiechen und unter den giftigen Dämpfen an der Bleikolik zu Grunde gehen.“ Über den Werdegang des in Bleiberg gewonnenen Erzes bis hin zum tödlichen Geschoss wusste der folgendes zu berichten: “Jetzt kommt das Erz in die Hitze und das Feuer. Ein Teil verflüchtigt sich, um dem Gesichte eines vierzigjährigen Mannes das Ansehen eines Greises zu geben, ein anderer wird einmal nach irgendeiner Schlacht als breit ausgefranster Zylinder aus dem Muskelfleisch eines Menschen herausgeschnitten.“

Die unmittelbaren Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren geprägt von Hunger, Krankheit (allein die Kindersterblichkeit lag bei 30 Prozent) und einer galoppierenden Inflation. Das Elend der Arbeiterschaft nahm bedrohliche Formen an. Arbeiterkinder wurden auf Betteltouren geschickt, arbeitslose Knappen emigrierten nach Deutschland oder Amerika.

Als Folge der Weltwirtschaftskrise wurde im Jahre 1931 der Bergbau in Bleiberg endgültig stillgelegt, wobei von den 1000 Bergarbeitern nur 16 Angestellte und 56 Arbeiter, meist Professionisten, ihren Arbeitsplatz behielten. Das Elend der Belegschaft wurde von Tag zu Tag größer, denn nach 20 Wochen endete die Arbeitslosenunterstützung und die danach einsetzende Notstandshilfe war ein unzureichender Ersatz. Die Schlagzeilen in der Wochenzeitung „Kärntner Volksblatt“ geben ein Stimmungsbild der Krise wieder: “720 Arbeiter des Bleiberger Bergwerkreviers zum Hungern verurteilt“ hieß es im März 1931 oder „280 Arbeiter in der St. Magdalener Zellulosefabrik gekündigt“ im September 1932.

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