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2005-01-27

Werksbad Bleiberg IV

Biisher erschienen:
r Werksbad Bleiberg I
r Werksbad Bleiberg II
r Werksbad Bleiberg III

Während 1762 der damalige Bergrichter Richtschlager um Versetzung ansuchte, da ihm und seiner Frau die Luft in Bleiberg "zu schlecht tue", war es den Knappen kaum möglich ihrem tristen Leben zu entrinnen. Die Arbeiterfamilien in Bleiberg litten unter materiellem Mangel und dem Fehlen sozialer Einrichtungen. Über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im seit 1333 erstmals urkundlich erwähnten Bleiberger Bergbau existieren vor allem seit dem 16. Jahrhundert aufschlussreiche Dokumente.

1581 bemängelte der Bergrichter in einem Brief, dass die Entlohnung der Knappen nicht ausreiche um einen Familienstand mit zwei oder drei Kindern ohne “Kummer und Not“ führen zu können. Das Bleiberger Tal gelangte durch eine Schenkung Heinrich II an die Bischöfe von Bamberg, woraus diesen in späterer Folge beträchtliche Einnahmen erwuchsen. Zum einen entrichteten die Gewerken einen Teil ihrer Erträge an das Hochstift Bamberg und zum anderen zogen die Kirchenmänner ihre ansehnlichen Gewinne aus der Belieferung der Knappen mit Lebensmitteln, die diesen anstatt von Bargeld als Teil des Lohnes ausbezahlt wurden. Zudem mussten die Bleiberger Knappen von ihrem ohnehin kargen Einkommen die Lebensmittel zu überhöhten Preisen von der Kirchenobrigkeit beziehen. Während der Habsburgermonarchie hatten die Bergknappen wiederum unter den Teuerungswellen von Verbrauchsgütern zu leiden. Insbesondere die drückende Lebensmittelteuerung nach dem Österreichischen-Preußischen Krieg veranlasste die Knappen 1867 zur Gründung des Konsumvereines in Bleiberg. Bis dahin waren die meisten Knappen dazu verpflichtet, die Lebensmittel bei den mit ihren Arbeitsgebern in Geschäftsverbindung stehenden Viktualienhändlern zu erhöhten Preisen einzukaufen. Der Arbeiter-Konsumverein erlaubte es den Knappen die Lebensmittel unter Umgehung der ortsüblichen, beträchtlichen Gewinnspannen zu beziehen. Natürlich wandten sich die um ihr lukratives Einkommen bangenden Händler und Gastwirte gegen die Gründung eines Konsumvereines durch die Arbeiter. In einem Bericht an die Gemeindevorstehung diffamierten die Bleiberger Gastwirte den Konsumverein als “Schnapssäuferverein, der dem Unfuge, der Verworfenheit und dem Elende in moralischer und physischer Beziehung Tür und Tor öffnet.“

Über das wahre Elend der Arbeiterschaft, wie es sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Bleiberg darstellte, sind uns neben dem Bericht des Pfarrers Gregor Truck keine Stellungnahmen seitens der Gastwirte bekannt. Gegen Ende der napoleonischen Kriege hatte sich die soziale Lage in Bleiberg drastisch verschlimmert, wie dies die Schilderung des Dorfpfarrers eindrucksvoll veranschaulicht: “Schwer seufzte dieser Ort über die beständigen Missjahre. Die Preise des Getreides erreichten ungeheure Höhen. Halb schon in Verzweiflung sahen Eltern ihre Kinder um Brot bitten und waren nicht im Stande ihren Hunger zu stillen. Menschen fanden sich täglich auf den Wiesen ein, kochten Gras nur um den Hunger zu stillen. Tag und Nacht arbeiteten Väter und Mütter. Ihr Verdienst reichte bei weitem nicht um sich nur hinreichend Brot zu verdienen.“

Wer aufgrund von Krankheit, Invalidität oder altersbedingter Schwäche nicht mehr arbeiten konnte, blieb seinem Schicksal überlassen. Glücklich wer eine Familie hatte, die ihn versorgen konnte. Um den katastrophalen Zuständen zu begegnen, verfügte Maria Theresia 1773 eine allgemein gültige Bruderladenordnung. Dies waren bescheidene Anfänge, eine Art „soziales Netz“ zu knüpfen. In einen gemeinschaftlichen Fond für Kranke, Verunglückte, Invalide und Alte, hatten alle Knappen und Gewerken rund 1,6 Prozent ihres Einkommens einzuzahlen. Johann Gottfried Schlegel lobte die sozialen Zwecken dienende Gemeinschaftskassa, aus der “Arzneien, ein Chirurg, Unterhalt für den Kranken und sogar bei plötzlich Verunglückten für die Witwen derselben das Notwendigste bezahlt werden.“ Trotz der Bruderladenordnung gab es weiterhin Not und Elend unter den Bleiberger Knappen. Einem Bericht des Bergamtes Bleiberg von 1848 zufolge, waren bei dem knappen Einkommen der Bergarbeiter, auch Frauen und Kinder gezwungen etwas dazuzuverdienen. 1817 beschrieb der Kirchenhistoriker Franz Hohenauer das sommerliche Bleiberg als jene Jahreszeit, wo alle, “Knaben und Mädchen, oft kaum von 8 Jahren, Männer und Weiber, jung und alt, Arbeit haben.“

Die Frauen mussten sich mit schlechter bezahlten, aber ebenso gesundheitsschädlichen Arbeitsplätzen begnügen. Sie waren meist in der Erzwäsche bzw. Aufbereitung beschäftigt, wo sie bei jeder Witterung das geförderte Gestein sortieren und aussieben mussten. Bei der eintönigen Arbeit herrschte noch dazu absolutes Sprechverbot, dessen Nichteinhaltung mit empfindlichen Lohnabzügen geahndet wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Aufbereitung in geschlossene, aber im Winter wenig beheizte Anlagen verlegt. Kinder wurden ebenfalls für Arbeiten im Bergbau herangezogen. 1869 beschäftigte die BBU neben 699 Männern und 285 Frauen auch 120 Kinder. 1884 wurde die Kinderarbeit per Gesetz verboten, doch für diverse Obertagarbeiten wurden bis zum Ersten Weltkrieg weiterhin Knaben zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr eingesetzt. Nicht selten bedrängten die Eltern ärmlicher Haushalte die Behörden, die gesetzlichen Bestimmungen zur Kinderarbeit lockerer zu handhaben und ihre Kinder zur Arbeit zuzulassen.

Der Bergrevierarzt Dr. Franz Maruschitz war von 1867 bis 1885 als erster akademisch ausgebildeter Doktor der Medizin in Bleiberg tätig. Zuvor wurde die ärztliche Versorgung von zweifelhaften Wundärzten und Barbierchirurgen gewährleistet. Über das medizinische Wissen der in Bleiberg ansässigen Bader, äußerte sich bereits der aufklärerisch wirkende Johann Gottlieb Schlegel geringschätzig: “Wer sich hier anhaltend in den Gruben beschäftigen muss, ist, wie es unter solchen Umständen meist zu geschehen pflegt, Krankheiten und äußerlichen Verletzungen ausgesetzt. Die Bleikolik ist bei vielen der leidige Begleiter ihrer Arbeit, und wer je dies fürchterliche Übel einen Menschen durchwühlen sah, wird sich gewiss wundern, wie man noch Leute findet, die sich zu dergleichen Bleiarbeiten brauchen lassen. Mancher bricht sich bei einem Fehltritt ein Glied, mancher verunglückt beim Felsensprengen durch Pulver. Nur ist zu bedauern, dass bei der Kurzsichtigkeit der dortigen Bader so ein Kranker größtenteils vom Regen in die Dachtraufe kommt.“

Dem Mediziner Maruschitz oblag neben der medizinischen Versorgung auch das jährliche Verfassen von Sanitätsberichten über den Gesundheitszustand der Bleiberger Bevölkerung. Seine Gesundheitsberichte und Statistiken geben einige Aufschlüsse, nicht nur über die Lebensqualität der Bergarbeiter, sondern auch über die auffallend hohe Kindersterblichkeit unter den Arbeiterfamilien. Neben der gefährlichen Arbeit in den Gruben und bei der Verhüttung sah er die häufigsten Krankheitsursachen in den feuchten, überfüllten und von Ausdünstungen verpesteten Arbeiterwohnungen. Unzureichende Arbeitsbedingungen riefen seiner Meinung nach die häufigsten Gesundheitsschäden hervor. Die sauerstoffarme und mit schädlichen Gasen durchsetzte Luft verursachte häufige Erkrankungen der Atemwege. Die Feuchtigkeit in den Stollen führte wiederum zu akuten und chronischen Rheumatismus. Des Weiteren verurteilte Maruschitz die ungesunde Ernährung, hervorgerufen durch Milchmangel, zu geringer Fleischkost und übermäßigen Alkoholkonsum. Als bürgerlicher Angestellter der BBU verschloss er bei seinen arbeitsmedizinischen Analysen die Augen vor kausalen Zusammenhängen zwischen geringer Entlohnung, harter Arbeit und Unterernährung.

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