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2008-11-08

Novemberpogrom 1938 in Kärnten - Teil 3

DOKUMENTE - BERICHTE - INTERVIEWS

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Zeitungsbericht: Was ist ein jüdischer Gewerbebetrieb?

[…] Da für Parteimitglieder und Mitglieder aller Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung sowie für Beamte Verbote über den Einkauf in jüdischen Geschäften bestehen und außerdem bei der Vergebung öffentlicher Aufträge oder der Zulassung von Verkaufsstellen zur Entgegennahme von Ehestandsdarlehen usw. der Begriff des jüdischen Gewerbebetriebes sehr wichtig ist, ist nunmehr auf Grund der Verordnung eine endgültige Entscheidung über diese Frage ergangen.

Der Artikel I der Verordnung behandelt den Begriff des jüdischen Einflusses, der bei einem Betrieb eines einzelnen Kaufmannes oder Handwerkers einfach dadurch gegeben ist, dass klar gestellt wird, ob der Inhaber Jude ist oder nicht.

[…] Eine Aktiengesellschaft bereits dann als jüdisch anzusehen ist, wenn im Vorstand oder Aufsichtsrat auch nur ein Jude vertreten ist.

[…] Die jüdischen Gewerbetriebe werden in Listen zusammengefasst und diese zur Einsichtnahme für jedermann offen gelegt. Damit jeder Volksgenosse die Gelegenheit hat, sich darüber zu unterrichten, ob ein Geschäft jüdisch ist oder nicht, werden voraussichtlich die untersten Verwaltungsbehörden mit der Auflegung der Listen betraut. Die bisher im Umlauf befindlichen Listen fallen nach der Aufstellung der gesetzmäßigen Liste fort.

Der Artikel III bestimmt, dass diejenigen jüdischen Geschäfte, die sich nicht arisieren, in absehbarer Zeit ein besonderes Kennzeichen führen müssen.

Quelle: Freie Stimmen, 19. 6. 1938, S. 3, zitiert nach Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten.

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Die Reisepässe für Juden.

Das Polizeiamt Villach gibt bekannt: Im Reichsgesetzblatt vom 7. Oktober 1938 wurde eine Verordnung des Reichsministers des Innern über Reisepässe von Juden veröffentlicht. Nach dieser Verordnung, die mit ihrer Verkündigung in Kraft getreten ist, werden alle deutschen Reisepässe von Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die sich im Inlande aufhalten, ungültig. Die Passinhaber sind verpflichtet, die Pässe derselben Passbehörde im Inland, in deren Bezirk der Passinhaber seinen Wohnsitz hat […] innerhalb von zwei Wochen nach Inkrafttreten dieser Verordnung, d. i. somit 21. d. M., einzureichen. Die Einreichung hat in Villach beim Polizeiamt zu erfolgen. […] Wer seinen Pass nicht oder nicht rechtzeitig einreicht, macht sich strafbar. Die mit Geltung für das Ausland ausgestellten Reisepässe von Juden werden wieder gültig, wenn sie von der Passbehörde mit einem vom Reichsminister des Innern bestimmten Merkmal versehen werden. […]

An Stelle der ungültig gewordenen lnlandpässe für Juden treten die Kennkarten, die durch die seit dem 1. d. M. geltende Verordnung des Reichsministers des Inneren über Kennkarten vom 22. Juli d. J. eingeführt worden sind. Hinsichtlich der Ausstellung von Kennkarten für die Juden wird eine besondere Verlautbarung ergehen.

Quelle: Kärntner Grenzruf, 17. 10. 1938, S. 6, zitiert nach Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten.

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Der Villacher Rechtsanwalt Marcell Glesinger

geboren am 21. Juni 1892 in Leoben; mosaischen Glaubens; vier Geschwister (drei Brüder, eine Schwester); Teilnehmer des ersten Weltkriegs, zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen; Studium der Rechtswissenschaften in Graz. Mitglied der jüdischen schlagenden Verbindung »Charitas« Dr.jur.; 1933 Ansiedlung als Anwalt in Villach, wohnhaft: Hans Gasser-Platz 2, wo sich auch die Kanzlei befand; verheiratet mit Sophie Glesinger (geboren am 15. Juli 1906 in der Ukraine); 1933 Geburt der Tochter Sascha, 1937 Geburt des Sohnes Eduard; nach dem Entzug der Berechtigung als Rechtsanwalt zu arbeiten; (12.4.1938!) und nach mehrfachen Plünderungen der Wohnung flüchtete die vierköpfige Familie mit zwei Koffer und zwei Taschen noch vor dem Novemberpogrom nach Wien (19. 8. 1938 Berechtigung zur Ausreise vom Polizeikommissariat Villach); vor dort im September nach Holland; Fluchthilfe durch einen Wehrmachtsoffizier; am 31. März 1939 Ausstellung eines »Visa for Palestine«; mit dem Zug nach Triest, von dort mit dem Schiff nach Alexandrien, weiter nach Haifa; vorerst keine Arbeitserlaubnis, Gelegenheitsarbeiten (u. a. als Nachtportier); bis zu seinem Tode (November 1976) in ärmlichen Verhältnissen gelebt; niemals eine Entschädigung oder Pension erhalten.

Quelle: zitiert nach Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten, S. 21

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Arthur Glesinger, Geschäftsmann und engagierter Villacher.

Villacher Kaufmann, Freidenker, verheiratet mit Josefine Glesinger, einer Bauerntochter aus Treffen bei Villach; zwei Kinder (Herta und Herbert); Leiter einer Zweigstelle des Leobner Familiengeschäfts, mit weitern Niederlassungen in Hermagor und Treibach; Mitbegründer eines sozialdemokratischen Turnvereins in Villach; nach dem »Anschluss« Liquidierung seines Geschäftes durch die Nationalsozialisten; zum Schutz von Ehefrau und Kindern Scheidung erwirkt; Flucht über Wien nach Palästina (Haifa) im Sommer 1938; Rückkehr nach Kriegsende; Wiederverheiratung mit Josefine; keine Rückgabe seines geraubten und zerstörten Gutes; ab 2. März 1938 neues, kleines Geschäft geführt; Altersheim; gestorben 1957, begraben am Zentralfriedhof Villach.

Quelle: Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten

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Auszug aus einem Brief des zurückgekehrten Arthur Glesinger
an den Sozialdemokraten Joseph Buttinger und dessen Ehefrau Muriel. Joseph Buttinger und sein ebenfalls in die USA emigrierter Bruder Alois – vor 1934 Leiter der Villacher Kinderfreunde – haben für das Nachkriegs-Villach, vor allem für Kinder und Jugendgruppen, enorme Hilfslieferungen organisiert.

[…] ganz überraschend bekam ich vor einigen Tagen ein C.A.R.E. Paket, als dessen Absender Frau Dr. Muriel Buttinger bezeichnet war. Gesprächsweise erwähnte Herr Zwerling, dass er Ihnen von meiner Notlage geschrieben habe und sie ersuchte, mir ein Liebesgabenpaket zu senden. Ich Ihnen vielmals für Ihre Güte. Diese Gabe ist eine große Wohltat für uns. Wie Sie wissen hatte ich ein sehr gut gehendes Geschäft und habe ich seinerzeit alle Arbeiterorganisationen, insbesondere aber den Turnverein und den Sportverein und nicht zuletzt die Kinderfreunde mit ziemlichen Mitteln unterstützt. Durch die Nationalsozialisten bin ich um mein ganzes Vermögen gekommen und musste ich ohne Geldmittel nach Palästina emigrieren, wo ich mich schlecht und recht durchbrachte. Nach Befreiung Österreichs kam ich wieder zu meiner hier gebliebenen Familie zurück. Ich dachte irgendeine Wiedergutmachung zu erhalten. Auch eine Anstellung, um die ich bei der Gemeinde ansuchte, wurde mit dem Hinweis auf mein vorgerücktes Alter verweigert. Ich habe nach langem Suchen nun wieder ein kleines Geschäftslokal erhalten und habe nachdem ich alle mir verbliebenen Gegenstände, wie goldene Uhr, Fotoapparat und dergleichen, verkaufte, wieder mit einem Geschäfte begonnen.

Quelle: Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten

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Große Protestkundgebung

Am 12.d.M. versammelte sich die Bevölkerung Villachs im Kasinosaale, um gegen die feige Mordtat des Juden Grünspan und die gehässige Kampfansage des Weltjudentums an das Dritte Reich Stellung zu nehmen. War es am Donnerstag die in berechtigter Empörung überschäumende Volksseele , die sich in spontanen Aktionen Luft gemacht hatte, so war diese Kundgebung der Ausdruck des unbeugsamen Willens, mit dem Judenproblem gründliche Abrechnung zu halten und die Abwehr seiner Übergriffe auf gesetzlichen Wege durchzuführen. Der Ortsgruppenleiter Villach-Mitte Pg. Czeitschner ergriff das Wort zu einer großangelegten Rede. Er ging von den Ereignissen des Donnerstag aus, betonte, dass die Einzelaktion von den zuständigen Parteistellen weder gewollt noch befohlen worden waren, wenngleich sie angesichts der frechen jüdischen Übergriffe psychologisch verständlich seien. Alle Volksgenossen leisteten übrigens der Weisung des Ministers Dr. Goebbels auf die Sekunde Folge. Wenn aber einige empfindliche Volksgenossen die Aktionen allzusehr kritisierten, so möchten sie doch bedenken, welcher Schaden größer gewesen sei, dass ein Radio oder ein Klavier auf die Straße geworfen und zertrümmert oder dass das Leben deutscher Menschen infolge des Terrors des mit Klerikalismus und Kommunismus verbündeten Judentums vernichtet wurde. In packenden Vergleichen geißelte der Redner die zersetzende Tätigkeit des Judentums und sein Parasitentum im Wirtschaftsleben des deutschen Volkes, seine ständige Hetze gegen das Dritte Reich, und die immer wieder in lebhaften Beifall und Zwischenrufen sich äußernde Zustimmung der Volksgenossen bewies, dass der Redner allen aus dem Herzen gesprochen hatte. Besondere Empörung rief die Mitteilung hervor, dass im Hause des Juden Weisberger in Villach ein Waffenlager gefunden wurde, wie dies ja auch in anderen Städten der Ostmark der Fall war. Die Kundgebung trug wesentlich dazu bei, die Gehirne durch das allzu rührselige Getue mancher Volksgenossen, die sich ja doch zumeist um die letzten Trümmer der österreichischen Volksfront Kommunismus-Klerikalismus-GmbH gruppieren, nicht vernebeln zu lassen. Alle warten allerdings auf die endgültige und durchaus in der Linie des nationalsozialistischen Aufbau- und Reinigungsprozesses liegende gesetzmäßige Regelung der Judenfrage. Hervorzuheben ist, dass viele Volksgenossen infolge der beispiellosen Überfüllung des Kasinosaales nicht mehr Einlass finden konnten.

Quelle: Kärntner Grenzruf Jg. 1, Nr. 63 (14.11.1938), S.6

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Bericht aus der Heiligengeister Schulchronik aus dem Jahr 1924:

Die hiesige Erian Villa "Alpenheim" wurde im Frühjahr 1924 vom Besitzer an die akademische Sektion der Naturfreunde um angebliche 60 Millionen Papierkronen verkauft. Diese bewohnten bereits im Sommer 1924 das Gebäude. Hiesige Bevölkerung steht dem Unternehmen ziemlich feindlich gegenüber, erstens weil unter den Erholungssuchenden die meisten oder alle Juden seien, was zum Teil richtig sein dürfte, und zweitens weil alle männlichen wie weiblichen Geschlechtes schamlos nackt neben dem Wege sich zeigen. Letztere Behauptung ist aber völlig übertrieben. Gefertigter hat nur Männer gesehen Luftbäder nehmen und die Neugierde besonders des weiblichen Teils der Bewohner brachte es dahin,. dass mit Ferngläsern das Tun und Lassen der genannten Hausinsassen kontrolliert wurde.

Quelle: Heiligengeister Schulchronik, 1924

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Protokoll eines Interviews mit Frau Mathilde Wassertheurer
verwitwete Gradenegger betreffend Maria Gornik

In den Kriegsjahren bis 1944 wohnte Frau Wassertheurer, verw. Gradenegger, mit ihrem Sohn, dem späteren Abgeordneten zum Nationalrat Hofrat Dr. Johannes Gradenegger, und ihrem Ehemann als Mieter im Haus Adunka in Kiesweg 10 in Villach. Im selben Haus führten Herr Wilhelm Gornik und seine Frau Maria Gornik eine Greißlerei. Ihre Wohnung besaßen sie in der Oberfeldstraße, neben der Familie Raunjak. Herr Wilhelm Gornik hatte seine spätere Frau während des 1. Weltkrieges an der Ostfront kennengelernt. sie hatte ihm dadurch das Leben gerettet, dass sie ihn acht Tage lang versteckt hielt. Schließlich heirateten sie. Kinder hatte das Ehepaar keine. Frau Maria Gornik soll das außereheliche Kind des jüdischen Hausherren, bei dem ihre Mutter in Dienst stand, gewesen sein.

Eines Tages im Jahre 1942 wurde Frau Maria Gornik vor der Greißlerei in Anwesenheit von Frau Wassertheurer und ihrem Sohn, damals 10 Jahre alt, verhaftet. Frau Maria Gornik hatte schon längere Zeit davor Angst vor einer Verhaftung mitgeteilt, weil sie „mosaischen Glaubensbekenntnisses“ war. Die Verhaftung erfolgte durch einen zivilen Gestapobeamten und einen uniformierten Polizisten. Frau Maria Gornik wurde in den Gestapo-Arrest, Ankershofengasse in Villach gebracht. Laut Aussage eines Villacher Polizisten wurde sie während der Haft an den Haaren gerissen und geohrfeigt. Auf Bitten von Herrn Wilhelm Gornik faßte Frau Wassertheurer ihren ganzen Mut zusammen und ging in Begleitung ihres zehnjährigen Sohnes und ihrer dreijährigen Tochter, die sie zu ihrem eigenen Schutze mitnahm, zur Inhaftierten. sie brachte ihr RIF-Seife, Kreidezahnpasta, von Herrn Wilhelm Gornik selbst gebackene Kekse und andere Utensilien. Herr Wilhelm Gornik fuhr in die Reichskanzlei nach Berlin, um eine Enthaftung seiner Frau zu erwirken. Aber er konnte nichts erreichen. Frau Maria Gornik kam ins KZ Auschwitz. Eines Tages erhielt Herr Wilhelm Gornik den Totenschein. Frau Maria Gornik war im KZ verstorben, angebliche Sterbeursache war Lungenentzündung. Weiters erhielt Herr Wilhelm Gornik ein Päckchen, das er in Gegenwart von Frau Wassertheurer und ihrem Sohn öffnete. Darin befanden sich die Ringe und einige Utensilien der Frau Maria Gornik Herr Wilhelm Gornik schloss sich dem Widerstand gegen das NS-Regime an.

Quelle: Aufzeichnung eines Gesprächs durchgeführt von Adele Polluk im Jahre 1999

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Abschrift der Aussagen von Wilhelm Gornik,
Ehemann von Maria Gornik, die als Villacher Jüdin von den Nazis deportiert wurde und 1942 von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Nachstehende Personen, welche ich als Kriegsverbrecher betrachte, gebe ich hier an und stehe zu jeder Zeit gerne zur Verfügung um weitere und genaue Auskunft zu erteilen.

Ludwig Hecher, Villach, Wolfram von Eschenbachstrasse Nr. 18 als Haupt der Organisation mit Therese Bialowas, Villach, Kiesweg Nr. 11, Maria Plattner, Villach, Max Seuniggstraße Nr. 17 sowie Stefanie Raunjak, Max Seuniggstraße Nr. 29, haben täglich bei der Kapelle bei der Firma Teich, Villach, Ghonallee, Versammlungen über meine Frau und über mich abgehalten und beschlossen, wie sie mich und meine Frau ins KZ bringen könnten. Meine Frau haben die angeführten Personen ins KZ gebracht, wo sie, wie mir selbst die Gestapo mitgeteilt hat, am 16. Oktober 1942 ermordet wurde. Also haben diese Verbrecher meine Frau auf dem Gewissen.

Ludwig Hecher konnte sich als Nazi nicht genug rühmen und ging jede Nacht von Fenster von Fenster lauschen, ob nicht irgend jemand Auslandsender horcht. Zum Zeugen, Herrn Weltlich Karl sagte er, er werde auch seinen Bruder anzeigen, sollte er hören, dass er Auslandsender hört. Ludwig Hecher und der Gastwirt Dürnegger, Villach Auen, welcher sich stets rühmte nur er und seine Tochter sind die einzigen richtigen Nazi in den Auen, diese beiden Männer haben des öfteren durch den Blockwart Olbin, welcher ein geheimer versteckter Spitzel war, gegen mich Anzeige erstattet, dass bei mir in meinem Geschäft, welches ich nachher im Auftrage des Kreisleiters Piron schließen musste, jede Nacht kommunistische Versammlungen abgehalten werden und ich bin nur noch an einem Haar gehängt, so wäre ich ebenfalls ins KZ geschickt worden. Dies weiß ich ganz genau, da man es mir bei der Gestapo in Klagenfurt mitteilte.

Frau Streinig, Inhaberin der Lottokollektur, Villach Widmanngasse, hat gleich nach dem Einmarsch der Deutschen meine Frau angezeigt und falsche Tatsachen der Gestapo mitgeteilt, meine Frau horche jeden Tag das Ausland, worauf meine Frau sofort verhaftet und unser Radio, welches mir 400.- Schilling gekostet hat, beschlagnahmt wurde und ich erhielt es nie mehr zurück. […]

Herr und Frau Högl, welche ein Tuchgeschäft in der Paracelsusgasse führten, hielten immer im Geschäft Naziversammlungen ab, und weil wir es immer sahen und hörten hatten sie natürlich einen Zorn auf uns ,und deshalb wurde auch meine Frau von dieser Nazi auf offener Strasse angespuckt, wenn sie meine Frau auf der Strasse sah und schrie jedes Mal „pfui Teufel Saujüdin“.

Die ganze Familie Wenger, wo ich 19 Jahre wohnte, samt der alten Hausgehilfin Menie, hatten mich noch vor der Demolierung meiner Wohnung gerichtlich gekündigt mit der Angabe, sie , die Wenger könnten nicht mit einer Jüdin unter einem Dach wohnen, obwohl sie 19 Jahre wussten, dass meine Frau von Juden abstammt. Die Familie Wenger ist es auch gewesen, die mir meine ganze Wäsche gestohlen hat, als die Nazis meine Wohnung demolierten. […]

Frau Pollak Poldi, die Tochter der Weinhandlung Puffitsch hat mit Hilfe des Kellners Pfannhauser und der Kassierin Maltschi Adamitsch, mich und meine Frau vom Parkkaffee hinauswerfen lassen, weil meine Frau eine Jüdin war und kein Kaffee besuchen durfte, obwohl ich mit meiner Frau r. k. verheiratet war. […]

Quelle: Aussage vom 18. Juni 1945 im Archiv der SPÖ Bezirksorganisation Villach

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Erinnerungen von Frau Elsa Schluger.
Elsa Schluger ist Tochter von Robert Deman, 1931 in Wien geboren und lebt seit 1938 in Villach, auf der Heide Nr. 2. Als „Halbjüdin“ hatte sie immer Angst entdeckt zu werden:

Mein Vater wurde im Juni 1939 verhaftet weil er Jude war. Er arbeitete als Vertreter in der Textilbranche. Gleich nach dem Anschluss im März 1938 haben mich meine Eltern aus Sicherheitsgründen zu meiner Tante nach Villach geschickt. Meine Mutter, geb. Johanna Planer aus Steindorf am Ossiachersee, ist nach England gefahren und bemühte sich dort vergebens um ein Ausreisevisum für ihren Mann. Mein Vater und meine Großmutter wurden im Juni 1939 verhaftet und deportiert und die Wohnung wurde beschlagnahmt. Dann ist meine Mutter nach Villach gekommen und wir lebten alle zusammen bei der Tante auf der Heide Nr. 2. Den letzten Brief von meinen Vater erhielten wir aus Polen. Ich glaube die Stadt hieß Tarnopol oder so ähnlich. Leider sind die wenigen Briefe, die wir von ihm hatten, verloren gegangen. Als in Villach herumgemunkelt wurde, dass ich die Tochter eines Juden bin, schwebten wir in großer Gefahr, man wollte meine Mutter und mich verhaften und deportieren. Wir hatten Glück. Mein Onkel, er war ein Nazi, erzählte seinen Parteikameraden, dass ich eigentlich das Kind eines Italieners sei, das meine Mutter in die Ehe mit Robert Deman mitbrachte. Gott sei Dank haben die Nazi nicht genau nachgeforscht und so überlebten wir. Wir hatten immer Angst.

Quelle: Aufzeichnung eines Gesprächs von Hans Haider mit Frau Elsa Schluga im Juli 1999

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Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront in Wolfsberg

Wolfsberg. Sonntag den 10. Juli abends sprach Parteigenosse Seifert aus Hannover in einer Versammlung der Deutschen Arbeitsfront im Theatersaale in Wolfsberg zu einer großen Menge deutscher Volksgenossen. Nach der Begrüßung durch den Kreisleiter der Deutschen Arbeitsfront, Parteigenossen Ramschak, entwickelt Parteigenosse Seifert in klarer und überzeugender Rede den Werdegang der Deutschen Arbeitsfront, die Ursachen ihrer Gründung, den Zweck derselben, schilderte zusammenfassend den Beginn der marxistischen Epoche, die Art des jüdischen Einflusses, ihre Folgen, wie sie den Arbeiter im Kampf gegen den Kapitalismus zu ihren Knechten und durch schändlichsten Verrat zum Proleten machten und missbrauchten. Wie die jüdische Bande durch Gründung von Gesellschaften, Freimaurerlogen und Bünden (Bibelforscher) usw., sich die Macht eroberte, um das deutsche Volk zu unterjochen, bis endlich die bewusst gewordene Volksfront alle Fesseln abwarf und der freie Weg zum Aufbau offen stand. Alle Errungenschaften im Rahmen der Deutschen Arbeitsfront zeigte der Redner in klaren Ausführungen auf und schloss mit einem Hinweis auf die Schönheiten der Ostmark, die nun die große Tat des Führers dem Deutschen Reich zuführte; weiter gedachte er der Getreuen, die im Kampf um Deutschlands Freiheit ihr Leben lassen mussten, dieses einsetzten für die Wiedererstehung unseres Volkes.

Quelle: Kärntner Volksblatt, 17. 7. 1938, zitiert nach Andrea Lauritsch, Die Juden in Wolfsberg.

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