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2008-11-06

Novemberpogrom 1938 in Kärnten - Teil 1

DOKUMENTE - BERICHTE - INTERVIEWS

Herr Engelhart Anton aus Villach erinnert sich:

Im Jahre 1938 bin ich in die 2. Klasse Hauptschule gegangen – in die Richard Wagner Schule. Gewohnt haben wir in Tarvis. Mein Vater war Eisenbahner und hat in Villach gearbeitet. Ich bin immer mit dem Zug hin und her gefahren. Einen Tag haben wir Vormittagunterricht gehabt und am nächsten Tag Nachmittagunterricht. An jenem Tag haben wir Nachmittagunterricht gehabt. Als wir in die Schule gekommen sind hat der Schulwart zu uns gesagt:“ Heut ist kein Unterricht, heute ist Judenverfolgung.“ Wir sind also gleich in die Stadt gegangen. Beim Fischbach in der Italienerstraße, gegenüber dem Buchmarkt „Libro“, haben wir zugeschaut wie Sachen aus dem Fenster im 1. Stock herausgeflogen sind. Es waren SA-Leute in Uniform, die das gemacht haben. die SA-Männer sind von hinten über den Hof mit einer Leiter eingedrungen. Alles wurde auf die Straße hinuntergeschmissen: Bücher, Geschirr, Silberbesteck, Bettwäsche, Lebensmittel, auch die Vorhänge wurden heruntergerissen. Was nicht durch das Fenster gepasst hat, ist zuerst zertrümmert worden. Zum Schluss sind große Stoffballen heruntergeschmissen worden. Viele, die sich daran beteiligt haben, und keine SA Uniform gehabt haben, haben eine schwarze Hose, ein weißes Hemd mit einer Hakenkreuzbinde und eine schwarze Krawatte angehabt. Öfter habe ich Frau Fischbach beim Fenster gesehen. Eine zweite Frau ist auch oben gewesen. Die ist ihr beigestanden und hat sie getröstet. Dann bin ich weitergegangen. Beim Glesinger (Oberer Kirchenplatz) sind auch die Sachen auf der Straße gelegen. Eine Leiter war beim Fenster angelehnt. Neben der Buchhandlung Pfanzelt (westlich) war ein kleines Geschäft. Dort wurde eine Frau herausgeschliffen und zur Gestapo hinuntergeführt. Warum das weiß ich bis heute nicht. Der Hauptplatz war voller Menschen. Ein unglaublicher Tumult. Auf dem Sockel der „Pestsäule“ sind Jugendliche gestanden, die immer wieder geschrieen haben: „Hoch hänge der Jude am Laternenpfahl.“ und „Jude verrecke im eigenen Drecke“. Daran kann ich mich ganz genau erinnern. Später habe ich einmal einen großen Mann mit einer gelben Armbinde und einem Judenstern gesehen. Er ist neben dem Gehsteig über dem Hauptplatz hinaufgegangen.

Quelle: Aufzeichnung eines Gesprächs gemacht mit dem Autor im September 1998

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Arabella Weißberger beschrieb unmittelbar nach dem Kriegsende in einem offiziellen Bericht die Zerstörungswut der NS-Meute in ihrer Privatwohnung, Peraustraße 33.

„Die Nazis brachen die Wohnungstür auf und hatten dafür auch mehrere Werkzeuge mit. Sie machten sich über die Möbel her und warfen fast alles aus den Fenstern, zerschnitten die Vorhänge und Bilder und zerschlugen das schöne Geschirr. Dann warfen sie auch die Münzen aus der Sammlung meines Mannes auf die Straße, und was sie an Schmuck und Edelsteinen fanden, zertraten sie entweder am Boden oder warfen es aus den Fenstern.“

Quelle: August Walzl : die Juden in Kärnten und das Dritte Reich. Klagenfurt 1987, S. 214.

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Eine anonyme Zeitzeugin:

Die „Kristallnacht“ in Villach verfolgt mich noch immer. Ich war zwölf Jahre alt und war am Nachhauseweg durch die Stadt, als ich Zeuge wurde wie SA-Gruppen Fensterscheiben einschlugen und Möbel auf die Straße warfen und diese anzündeten. Während ich das Haus meiner Schulfreundin, deren Eltern Juden waren, erreichte, versuchten gerade zwei SA-Männer deren Klavier aus dem oberen Fenster hinauszuwerfen. Damit dies gelingen sollte, schlugen sie mit einem schweren Hammer Teile aus dem Klavier, so dass sie es durch das Fenster auf die Straße darunter werfen konnten. Wie ich vorbei ging, beobachtete ich entsetzt wie das Klavier plötzlich auf dem Boden stürzte und jubelnde SA-Schläger sich darauf stürzten und es schnell zerstörten. Meine Schulfreundin erschien am nächsten Tag nicht in der Schule. Ich habe sie nie wieder gesehen.“

Quelle: Reg Herschy, Freedom at midnight, Austria: 1938 – 1955, A story of the traumatic years of occupation. Worcester 1989, S.21.

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Berichte aus Gendarmerieprotokollen über das Novemberpogrom 1938 im Bezirk Villach

Velden: Ein noch nie dagewesenes Ereignis trat am 10. 11 in den Abendstunden ein. In grenzenloser Erbitterung über den erfolgten Tod des Gesandtschaftsrates von Rath, der durch jüdische Mörderhand in meuchlerischer Art herbeigeführt wurde, versammelten sich Teile der Bevölkerung des Ortes in spontaner Weise und fielen gruppenweise über jüdische Besitzungen her. Es erfolgte eine wüste Zerstörung der unbewohnten jüdischen Häuser Villa Arnstein, Giebelhaus, Seehof, Helene, Weisshut und Landhaus Freisler. Der hierbei angerichtete Schaden belief sich nach provisorischer Schätzung auf ca. 100.000 RM.

Quelle: Chronik des Gendarmeriepostens Velden am Wörthersee, 1938, DÖW 17858/21

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Obere Fellach bei Villach: Der Papierfabrikant Josef Sternschuss “Jude“, Inhaber der Pappenfabrik Albeko in Obere Fellach wurde im Jahre 1938 durch das Stadtkommando Villach in Schutzhaft genommen und sein Eigentum arisiert. Die Fabrik wurde durch den Wiener Fabrikant August Ahlborn sodann käuflich erworben. Sternschuss befindet sich derzeit in Haifa in Egypten. Näheres über sein Schicksal ist unbekannt.

Quelle: Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Untere Fellach an das Bezirksgendarmeriekommando im Jahre 1946. DÖW 8351/K20

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Heiligen-Gestade: Nach dem Umbruch am 13. 3. 1938 wurden von Nazis aus Villach sämtliche Einrichtungen des Juden Dr. Erich Loewe, in Berghof in Heiligen-Gestade am Gutsbesitz, zertrümmert und zerschlagen. Später wurde der Besitz arisiert und am 9. 2. 1940 von der Deutschen Arbeitsfront übernommen.

Quelle: Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Sattendorf an das Bezirksgendarmeriekommando im Jahre 1946. DÖW 8351/K20

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Stöckelweingarten: Die Einrichtungen des Juden Kaufmann Glesinger aus Villach, im Wochenendheim in Stöckelweingarten, wurden von jugendlichen Nazis aus Villach nach dem Umbruch zertrümmert. Das Heim wurde dann vom Glesinger verkauft.
Die Pension des Juden Emil Rohland Richter in Stöckelweingarten wollte man nach dem Umbruch auch zertrümmern, wurde aber durch rasches Eingreifen durch hiesige Gendarmerie vereitelt. Pension wurde dann später von Richter verkauft.

Quelle: Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Sattendorf an das Bezirksgendarmeriekommando im Jahre 1946. DÖW 8351/K20

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Sattendorf: Das Wochenendheim des Juden Rogar in Sattendorf mit ca. 1000 Quadratmeter Grund wurde arisiert und später vom Radischnig, Hauptamtsleiter der NSDAP erstanden. Letzterer derzeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Gattin in Stöckelweingarten wohnhaft.

Quelle: Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Sattendorf an das Bezirksgendarmeriekommando im Jahre 1946. DÖW 8351/K20

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Velden: Am 10. 11. 1938 wurde wegen der Ermordung des deutschen Gesandten von Rath in Paris durch die SA Velden die Einrichtung der Judenhäuser Arnstein, Mayer, Löbenfeld-Russ, Kern, Weisshut und Edihaus in Velden demoliert und zum Grossteile vernichtet.

Quelle: Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Velden am Wörthersee an das Bezirksgendarmeriekommando im Jahre 1946. DÖW 8351/K20

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Herta K. Geborene Glesinger:

Meine Tochter war noch klein. Ich habe sie nach dem Essen ins Bett gelegt. Da sind sie gerade gekommen. Eine ganze Horde. Mit einem intelligent aussehenden Anführer. Und dann hat meine Mutter gesagt: „Ich bin in Scheidung. Es gehört ja alles mir!“ Sie haben uns Trotzdem alles weggenommen. Wir sind im Geschäft gewesen. Und da sind sie hereingekommen und stante pede haben wir hinaus müssen. Sogar die Geldbrieftasche, Einnahmen von einer ganzen Woche war noch in der Kassa, da war alles weg. Wir haben nicht mehr hinein dürfen. Es ist wohl weiter verkauft worden. Sie haben einen Leiter gekriegt. Vor der Tür sind zwei SA-Männer gestanden und so breitbeinig, und haben jeden, der hinein wollte gesagt: „Das ist eine jüdische Firma!“

Quelle: Auszug aus einem Interview mit Herta K. geführt von Andrea Lauritsch veröffentlicht in alpe adria 4/98

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Die Verwüstung des Warenhauses von Osias Fischbach in der Italienerstraße

Bereits im Juni 1938 wurde das Warenhaus des Osias Fischbach einem kommissarischen Leiter übergeben. In einem Gerichtsprozess Ende 1938 wurden diesem Veruntreuung bewiesen. Im Zuge der Zeugeneinvernahme schilderte Herr ... die Zerstörungsaktion gegen Hab und Gut des enteigneten Osias Fischbach. „Am 10.11.1938 gegen 8.30 Uhr erhielt ich von Herrn W. den Auftrag, mich mit einigen Leuten in unser Magazin (= NSV Magazin) zu begeben, um die dort eingelagerten Sachen des Juden Fischbach auf einen bereitstehenden Lastwagen verladen und in die Wohnung Fischbachs zurückführen zu helfen. Bei meiner Ankunft im Magazin war bereits der Mitarbeiter Rs (...) anwesend. Unmittelbar darauf erschien im Magazin auch R. und ging gemeinsam mit S. an die Zerschneidung und Zerreißung der dort befindlichen Sachen und Gegenstände über. R. forderte uns auf, an dieser Aktion teilzunehmen, und sagte in diesem Zusammenhang , man müsse diese Sachen einer gründlichen Musterung unterziehen, da sich unter den Polstern, Matratzen, Divan usw. Geld befinden könnte. Da ich wusste, dass R. bei der Kreisleitung Villach tätig war, nahm ich an , dass diese Aktion im Auftrag derselben durchgeführt und vorgenommen wurde. Sämtliche, dort vorhandenen Wäsche- und Bekleidungsstücke wurden mit Messern zerschnitten und teilweise zerrissen. R. selbst beteiligte sich an der Sache bis zum Schluss. (...) Von der NSV (= Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) waren an der Sache Herr M. von Villach und G., ebenfalls von Villach, beteiligt. (...). Ich bin jederzeit bereit, meine vorstehend gemachten Angaben mit meinem Eide zu bekräftigen.“ F.P.

Quelle: Alpe Adria 4/98, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten, S. 10.

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Frau E. S. aus Villach erinnert sich.

In diesem Haus, heute Peraustraße 33, lebte die Familie Weißberger. Herr Weißberger war Jude. Eine Villacherin, die damals 9 Jahre alt war, erinnert sich:

Ich war neun Jahre alt und war statt in der vierten Klasse Volksschule in der Vorbereitungsklasse für das Gymnasium. Plötzlich hat man uns mitten aus dem Unterricht geholt und wir mussten alle auf den Hauptplatz marschieren. Das ganze Gymnasium ist unter der Führung der Lehrer zum Hauptplatz marschiert. Dort hat man durch Lautsprecher eine Rede gehört. Irgend etwas von einem Mord in Paris. Ich habe nichts verstanden. Als ich heim kam, sind die Mutter und die Tante weinend in der Küche gesessen. Sie haben vor Aufregung gezittert, weil im Nachbarhaus die Möbel aus dem Fenster geflogen sind, und die Teppiche usw.

Sie erzählte, dass Arbeiter in blauer Arbeitermontur mit Lastautos hergeführt wurden. Das war organisiert. Das war kein Volkszorn, sondern die sind aus irgendeiner Fabrik geholt worden und mit dem Lastauto zu den jeweiligen Judenwohnungen gebracht worden. dort haben sie dann alles kaputt gemacht. Sie haben die Gläser mit dem eingekochten gegen die Wand geschmissen und auch die Eier. Der Herr Weißberger war schon eingesperrt. Die Frau war keine Jüdin, sie war mit der Tochter allein zu Hause und musste alles miterleben.

Spät am Abend ist eine Nachbarin, sie war eine illegale Nazisozialistin, sehr angesehen und konnte sich das erlauben, mit ein paar Kisten zu dieser armen Frau hingegangen und hat ihr die Kisten gebracht, damit sie nicht am Boden sitzen muss, weil die Wohnung war komplett ausgeleert. Am Abend sind die Eltern nachschauen gegangen, ob sie das überall gemacht haben – so viele Juden waren nicht in Villach – und bei den anderen Wohnungen war auch alles auf der Straße. Nach dem Krieg kamen sie zurück und die Tochter erzählte mir:

„Die gesamte Familie wollte später nach Italien auswandern aber die italienische Grenze war schon zu, und so sind sie nach Jugoslawien geflüchtet. Als die Deutschen in Jugoslawien einmarschiert sind, haben sie sich zu den Partisanen geschlagen. so haben sie die Jahre überlebt.“

Das Paradoxe dabei ist, dass er während des Kärntner Abwehrkampfes in Rosenbach oder Rossegg als Notar tätig war.

Jedenfalls hat er sich beim Abwehrkampf verdient gemacht und wurde auch ausgezeichnet. Ein Abwehrkämpfer musste also nach Jugoslawien fliehen um zu überleben. als sie nach dem Krieg wieder zurückkamen, haben sie die Wohnung wiederbekommen. Er hat dann wieder als Notar gearbeitet. Die Tochter hat die Matura als Externistin nachgemacht und dann Bodenkultur studiert.

Quelle: Interview durchgeführt von Herwig Burian im Jahre 1996

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Die Zeitzeugin Edith Schnattler kann sich an die „Kristallnacht“ in Villach noch erinnern:

Ich war damals 11 Jahre alt und bin die Hauptschule gegangen. Wir hatten Nachmittag-Unterricht, der um 13 Uhr begann. Nach der Schule bin ich bis nach Oberwollanig zu Fuß nach Hause gegangen. Im Herbst und im Winter war schon finster, wenn ich heim gekommen bin. An jenem Tag – nach der Schule – sind in der Italienerstraße – Ecke Technischer Hof, beim Fischbachgeschäft – sehr viele Leute herumgestanden. Ich bin näher hingegangen und dort war ein riesiger Haufen mit verschiedenen Sachen – Geschirr, aufgeschlitzte Mehlsäcke, zertrümmerte Möbel- auf dem Gehsteig. Rundherum lagen viele Postkarten verstreut. Eine davon hab ich aufgehoben. Ich konnte das Wort Gallizien lesen. Ein Wort, dass ich nie mehr vergessen habe. . Aus dem offenen Fenster im ersten Stock hat Frau Fischbach herausgeschaut. Sie war in Trauer, weil kurz vorher jemand gestorben ist. Ich habe sie gekannt, weil meine Mutter dort öfter eingekauft hat. Sie hat die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und geschrieen : „Mein Gott, mein Gott , so hört doch endlich auf.“ Zwei Männer haben sie an der Schulter gepackt und zurückgerissen. Ich war erschrocken und habe Angst gehabt. Ich habe das alles nicht verstanden.- Ich wusste nicht, was Juden sind. Mein Empfinden war: „Erwachsene sind gewalttätig.“. Als ich endlich daheim war, war es schon ziemlich finster. Ich habe alles meiner Mutter erzählt. Ich wollte, dass sie mir das alles erklärt. Meine Mutter sagte nur: “Mein Gott, was die da treiben, auch für die wird noch die Stunde kommen.“ Später, als ich schon in die LBA (Lehrerbildungsanstalt) gegangen bin, habe ich in Villach öfter einen Mann mit einer gelben Armbinde und einem schwarzen Judenstern gesehen. Er hat immer auf den Boden geschaut. Nach dem Krieg bin ich draufgekommen, dass das der Herr Zwerling vom Oberen Heidenweg gewesen ist. Der Zwerling hat diese Zeit überlebt.

Quelle: Interview vom Autor, 7.10.1998

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Abschrift der Anzeige von Leon Zwerling
eingebracht im Oktober 1945, wegen der Verwüstung seiner Wohnung anlässlich des Villacher Judenpogroms im November 1938.

Bezirksgericht Villach Abt. 1, den 21. Okt 1945Gegenwärtig: Dr. Felber

Es erscheint Herr Leon Zwerling, Bahnbeamter i. R. in Villach, Oberer Heidenweg Nr. 34 und erstattet folgende Anzeige:

Ich war bis April 1939 Eigentümer des Hauses Villach, Oberer Heidenweg Nr. 34. Da ich Volljude bin, wurde ich vom Finanzamt Villach veranlasst, das Haus zu verkaufen. Am 16. Nov. 1942 bin ich über Auftrag der Gestapo nach Wien übersiedelt, von wo ich am 11. Okt. 1945 wieder zurückgekehrt bin. Am 10. November 1938 um ca. 4 Uhr nachmittags erschien in meinem Haus Villach Oberer Heidenweg Nr. 34 der Kaufmann Franz Wutte Villach Peter Roseggerstraße 9, der Malermeister Friedrich Meier Villach Meerbothstrasse Nr. 1, der Arbeiter Hubert Lattacher Villach Rennsteinerstrasse Nr. 10, ein gewisser Hans Triebelnig dzt. Wohnhaft in Radenthein und der Jugendliche J. L. Ich war damals gerade im Garten beschäftigt. Einer von den angeführten Personen sagte mir, zuerst, der Sturmführer wolle mich sprechen. Der Malermeister Friedrich Meier, gab sich mir gegenüber als Sturmführer aus und forderte mich mit den Worten „Jude gib die Waffen heraus“ auf zur Waffenabgabe. Ich erwiderte, dass ich keine Waffen habe und dass sie beruhigt meine Wohnung nach solchen durchsuchen können. Es begaben sich dann alle Vorgenannten in meine Wohnung im ersten Stock. Auf die neuerliche Aufforderung zur Herausgabe von Waffen, beteuerte ich keine zu besitzen, worauf Friedrich Meier das Kommando los gab. Alle 5 Personen, die gegen meinen Willen in meine Wohnung eingedrungen waren, machten sich dann daran, meine Wohnungseinrichtung zu zerstören. Es dauerte kaum eine halbe Stunde und fast meine gesamte Wohnungseinrichtung von 2 Zimmern, 1 Küche, 1 Speis und eines Badezimmers waren demoliert. Die genannten haben nicht nur Einrichtungsgegenstände, sondern auch Geschirr, Lebensmittel und dergleichen vernichtet. Ich schätze den mir daraus erwachsenen Schaden auf mindestens 6.000 bis 8.000 Schilling. Nach diesem Zerstörungswerk sind sie wieder fort und haben hinter sich die Wohnungstür abgesperrt und den Schlüssel von außen stecken lassen, sodass ich mit meiner Frau genötigt war, die Wohnung durch herablassen der Küchenbalken zu verlassen. Meine Frau und ich wurden bei diesem Anlass mit den Worten Saujud und Judenweibl beschimpft. Wir haben uns über diese mutwillige Zerstörung unseres Eigentums sehr aufgeregt. Meine Frau ist 66 Jahre alt und ich bin schon 75 Jahre. Ich bin in der Lage mehrere Zeugen über diesen Vorfall anzuführen. In der Folge musste ich mit meiner Frau, da wir gar keine Betten hatten, mehrere Tage auf den Boden liegen. Später erhielten wir von Verwandten Betten und Geschirr. Wir besaßen mehrere Service, die ebenso zerschlagen wurden. Außerdem wurden 53 Gläser mit Eingekochten vernichtet.

Ich bitte gegen die 5 Vorgeführten Personen das Strafverfahren wegen Verbrechen des Hausfriedensbruches, Einschränkung der persönlichen Freiheit und der boshaften Sachbeschädigung einzuleiten.

Ich schließe mich dem Strafverfahren vorläufig mit Schadenersatzansprüchen in der Höhe von S. 8000.-- als Privatbeteiligter an.

Meine Frau hat infolge der Aufregung einen Nervenzusammenbruch erlitten und war mehrere Wochen krank und bettlägrig.

Quelle: Landesgericht Klagenfurt, Strafakten Sch 196 Vr 463/46

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Dear Tina,We all owe, 2017-01-06, Nr. 6506

Dear Tina,We all owe so much to your father. It is impossible to express the inspiration and passion he has spread to so many gerseationn, myself included. His legacy will live on.My condolences to you and your family. Thank you for sharing.

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