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2008-11-07

Novemberpogrom 1938 in Kärnten - Teil 2

DOKUMENTE - BERICHTE - INTERVIEWS

Zurück zu r Teil 1

Auszüge aus der Vernehmungsprotokoll des Beschuldigten F. Meyer

[…] Ich bekleidete bei der SA in Villach den Rang eines Sturmführers. Am l0.November 1938, als ich von der Arbeit nachhause kam, lag auf dem Tisch in meiner Wohnung ein schriftlicher Auftrag, der von einem Melder der SA-Standarte Villach überbracht wurde, auf welchem geschrieben stand, dass ich mich unverzüglich bei der Standarte der SA einzufinden habe. Ich begab mich auftragsgemäß zur SA-Standarte in Villach, Kernstockstrasse. Dort habe ich vom seinerzeitigen Obersturmführer der SA Huber Franz den Auftrag erhalten, in die Wohnung des Leon Zwerling zu gehen u. dort unter den Vorwand nach Waffen zu suchen, in die Wohnung desselben Einlass zu erlangen u. dort die Wohnungseinrichtung u.s.w. zu zerstören. Huber erklärte mir bei diesem Auftrag, dass gegen die Juden eine große Aktion in Vorbereitung sei. Huber erklärte mir weiters, dass ich einige Männer der SA verständigen möge, die bei dieser Aktion teilzunehmen haben. Auf Grund dieses Befehles suchte ich einige Männer der SA zusammen.

[…] Wir begaben uns denn in die Wohnung des Zwerling. Ich hatte den Auftrag die ganze Aktion zu leiten. Ich erklärte Zwerling der gerade im Garten arbeitete, dass ich mit den anderen Männern den Auftrag habe bei ihm eine Haussuchung vorzunehmen bzw. nach Waffen zu suchen. Zwerling begab sich mit uns sogleich in seine Wohnung. Auf dem Weg dorthin erklärte mir Zwerling, dass er keine Waffen besitze. Ich habe den 3 SA-Männern auf dem Wege bereits erklärt, was in der Wohnung des Zwerling zu machen ist, dabei gab ich ihnen den Auftrag alles was in der Wohnung ist zu zerstören. Wir gingen alle in die Wohnung des Zwerling und begannen dort mit der Zerstörung der Wohnungseinrichtung und dgl.

[…] Während meines Aufenthaltes in der Küche habe ich gehört, wie Kästen umfielen und auch noch andere Gegenstände auf den Boden geworfen wurden. Als die Zerstörung im Schlafzimmer beendet war, kamen alle in die Küche. Ich selbst habe mich an der Zerstörung des in der Küche vorhandenen Geschirrs beteiligt. Bemerken möchte ich, dass in der Küche selbst nur ich allein die Gegenstände zerstört habe. Die Zerstörung beschränkte sich nur auf das Schlafzimmer und die Küche. In den übrigen Räumen wurde nichts beschädigt. Es kann möglich sein, dass während der Zerstörungsaktion einige Schimpfworte gefallen sind. Ich glaube, dass jeder von uns einige dieser Worte wie Judenweibl, Saujuden usw. gebraucht hat.

[…] Ich bin mir meiner Schuld vollkommen bewusst u. sehe auch ein, dass wir uns in der Wohnung nicht menschlich benommen haben. Ich stehe für meine unrechtmäßige Handlungsweise vollkommen ein.

[…] Ich stelle richtig, dass auch im Wohnzimmer Sachen beschädigt wurden.

Unterschrift: Friedrich Meier

Quelle: Landesgericht Klagenfurt, Strafakten Sch 196 Vr 463/46

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Otto Friessner aus Villach erinnert sich.

Mein Vater war Eisenbahner, Schmied von Beruf. Meine Mutter kam vom Bauernhof.

Mit 6 Jahren bin ich zu den Kinderfreunden gegangen und dann später zu den roten Falken. Unser Erzieher war Alois Buttinger. Wir trafen uns immer im „Sonnenhof Lind“ 1936 wurde ich ausgeschult und 1937 bekam ich eine Lehrstelle beim Konsum.

Als es im März 1938 zum sogenannten Anschluss kam wurde der Konsum sofort aufgelöst. Es erfolgte eine Umbenennung in Verbrauchergenossenschaft und ein kommissarischer Leiter wurde eingesetzt. Am ersten September 1939, als der Krieg ausbrach, bin ich mit 17 Jahren Leiter der „Konsum-Filiale“ in Lind geworden. Nach dem Anschluss hat sich im Konsum eine Widerstandszelle gebildet. Ich erinnere mich noch an die Genossen Janz, Traninger Paul, Zwitter Valentin, Schicho Anton. Vor allem sammelten wir Geld für in Bedrängnis geratene Genossen. Auch mit Lebensmittel haben wir geholfen. Es gab immer ein „schwarzes Lager“ mit Lebensmitteln. Unsere Kontaktperson, der wir immer unsere Spenden übergaben, war Genosse Populorum, später SPÖ-Stadtrat von Villach.

Im Jahre 1941 bin ich eingerückt. Zuerst kam ich zum Reichsarbeitsdienst (RAD), dann zur Wehrmacht. 1945 geriet ich in französische Kriegsgefangenschaft.

An das Judenpogrom im November 1938, die sogenannte „Kristallnacht“, kann ich mich recht gut erinnern. Ich bin damals um 15 Uhr 30 mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Als ich in die Peraustraße einbog sah ich wie beim Notar Weissberger verschiedene Sachen aus dem Fenster geschmissen wurden. Ein großes Klavier, das nicht durch das Fenster passte, zerschlug man zuerst und warf dann die einzelnen Teile herunter. Dabei wurde geschrieen und gejohlt. Ich bin dann weitergefahren in die Italienerstraße zum Fischbach. Auch hier bot sich mir ein Bild der Verwüstung. Unter dem Gejohle einer Menschenmenge wurde buchstäblich alles, Bettwäsche, Bilder, Geschirr, usw., aus dem Fenster geschmissen. Am Abend bin ich mit dem Fahrrad über den Hauptplatz nach Hause gefahren. Das Geschäft des Juden Filip Lilian am unteren Hauptplatz war ebenfalls ausgeplündert. Viele Sachen sind auf dem Platz herumgelegen. Der Herr Lilian ist vor dem Geschäft auf einem Rucksack gesessen und hat geweint. Daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Gleich nach dem „Anschluss“, noch im März 1938, sind alle „jüdischen Geschäfte“ gekennzeichnet worden, indem man „JUDE“ auf das Geschäft hinaufschrieb. Es war verboten bei einem Juden einzukaufen. Leute, die es trotzdem wagten, stellte man zur Rede. Einmal habe ich beobachtet wie man drei oder vier Leute, es waren keine Villacher, den Hauptplatz hinunter führte. Sie hatten alle eine Tafel umgehängt, auf der geschrieben stand: „Dieses arische Schwein kauft bei einem Juden ein“.

Quelle: Aufzeichnung eines Gesprächs, gemacht mit Hans Haider im Oktober 1998

Anmerkung zur Person Filip Lilian
geboren am 20. Jänner 1881 in Galizien
zuletzt wohnhaft in Villach Italienerstraße 15

Filip Lilian, von Beruf Kaufmann, hatte ein kleines Geschäft auf dem Hauptplatz in Villach. Am 12. September 1909 Eheschließung mit Luzia Hauslich aus Wien geb. am 5. Juni 1883. Das Ehepaar hatte drei Söhne: Ignaz geboren am 2. Februar 1911, Josef geboren am 25. Juni 1915 und Leo geboren am 17. Februar 1918. Alle drei besuchten in Villach die Richard-Wagner Schule. Trotz Nachforschung ist über das Schicksal der Familie Lilian nichts bekannt.

Quelle: Heimatrolle (Standesamt Villach). Gespräch mit Leopold Rovensky (Schulkamerad von Leo Lilian in der Richard-Wagner Schule)

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Bericht im „Arbeiterwille" vom 23. 9. 1922
über das von der Sektion Villach des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins DÖAV erlassene „Judenverbot":

Die Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenvereins hat vor längerer Zeit das Schutzhaus am Dobratsch als Eigentum erworben. Seit einiger Zeit prangen auf diesem Schutzhaus die Worte:

,Juden ist der Eintritt in dieses Haus verboten!‘ Diese Aufschrift ist natürlich mit dem Zeichen des Hakenkreuzes versehen. Wie wir hören, wurde diese Aufschrift über Beschluss der Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenvereines an dem Schutzhause angebracht. Außerdem soll die gleiche Ortsgruppe beschlossen haben, dass der Pachtvertrag, der mit dem Pächter des Schutzhauses abgeschlossen wurde, in dem Momente erlischt, wo der Pächter einem Juden den Eintritt in das Schutzhaus gestattet.

Quelle: Archiv Koroschitz – VIA, zitiert nach www.kärnöl.at

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Abschrift eines Briefes von Leo Fischbach.
Er erinnert sich in diesem Brief an seine Schulzeit im Villacher Peraugymnasium und an den alltäglichen Antisemitismus in unserer Stadt.

Ich bin am 12. August 1912 in St. Ruprecht bei Klagenfurt geboren und meine Eltern sind mit uns Kindern nach kurzer Zeit nach Villach übersiedelt. Die erste Erinnerung meiner Kindheit ist, als mein Vater im ersten Weltkrieg einrücken musste. Es war sehr schwierig für meine Mutter, meinen jüngeren Bruder Josef und mich allein aufzuziehen.

Bald nachdem Ende des Krieges kam ich in die Volkschule. Die Misere meines Lebens begann zu diesem Zeitpunkt. Täglich wurde ich von meinen Mitschülern mit folgenden Worten begrüßt: »Jüdchen, Jüdchen, hed, hed, hed, Schweinefleisch macht Jüdchen fett«. Nach einiger Zeit ist es ihnen gelungen, mich von meinem direkten Weg zur Schule zu vertreiben. Ich musste den Hauptplatz meiden und Seitengassen benützen, um diesen Stänkereien zu entgehen. Der Antisemitismus war ihnen schon in ihrer frühesten Jugend beigebracht.

Als ich dann ins Gymnasium (das heutige Peraugymnasium) kam, waren Willie Spierer und ich die einzigen jüdischen Schüler in der Schule. Willi machte seine Matura ein Jahr später und ich blieb als einziger Jude. Meine Lage wurde unerträglich.

Um meine nächsten 4 Jahre zu beschreiben, müsste ich ein Buch schreiben. Täglich um 10 Uhr morgens hatten wir eine Pause. Alle Schüler begaben sich in den Schulhof. Ich konnte nicht daran teilnehmen. Dasselbe galt für Ausflüge.

Es würde viel zu lange dauern, alle Beleidigungen und Verspottungen anzuführen. Was habe ich ihnen getan, so eine Behandlung zu verdienen?

Ich erinnere mich an einen besonderen Fall. Wir hatten als Deutschlehrer Prof. Freiherr von Schnehen Er verlangte von jedem Schüler über irgendein Thema zu sprechen. Als ich an der Reihe war, wählte ich als Thema den damals laufenden Film Ben Hur. Als Professor Schnehen am Ende der Unterrichtsstunde den Klassenraum verlassen wollte, stand der Schüler Fritz Wunderer aus Lienz auf und versperrte dem Professor den Weg. Mit seinen Armen an seinen Hüften erklärte er: »Herr Professor! Wir werden es nicht zulassen, dass über den Film Ben Hur gesprochen wird, da dieser Film eine Judenverherrlichung ist«. Ohne Wunderer zu antworten, versuchte der Professor zu verschwinden. Ich war so wütend und warf Wunderer gegen die Schultafel. Der Professor packte mich beim Genick und sagte: »Fischbach, nur keine Hitzköpfigkeit!« Dies war derselbe Professor der zu Professor Singer sagte: »Der Unterschied zwischen uns ist, dass mein Vater ein Adeliger ist und Ihr Vater ein Pinkeljude!« Prof. Singer verübte später Selbstmord. Als ich mein Untergymnasium beendete, sagte der Geschichte Professor: »Na, da sind wir aber froh, Sie los zu werden!«

Nicht alle Professoren waren gehässig. Schuldirektor Dr. Grossmann und Professor Kmeth waren sehr nett zu mir.

Im Großen und Ganzen, kann ich nicht sagen, dass meine Schulzeit in Villach eine angenehme war. Tatsache ist, dass die verbleibenden Wunden noch vorhanden sind, und ich daher außergewöhnlich scheu und gar nicht ausgegangen bin.

Nach meinem Untergymnasium ging ich allein nach Wien in die Textilschule, um mich in Strickerei und Wirkerei ausbilden zu lassen. Nach Vollendung eröffnete ich eine ganz kleine Strickerei. Der Erfolg war nicht groß, da ich kein Geld hatte, um mein Erzeugnis selbst zu verkaufen; so musste ich Lohnarbeit annehmen, die sehr schlecht bezahlt wurde.

Dann kam Hitler. Von einer Tante, die schon viele Jahre in den U.S.A. lebte, erhielt ich ein Affidavit und ich schiffte mich am 15. September in Antwerpen ein und erreichte New York am 27. September 1938.

Eine Woche nach meiner Ankunft fand ich Arbeit als Handmaschinenstricker. Bald darauf kaufte ich - mit geborgtem Geld - Visa für meine Eltern nach Kuba. Sie schifften sich im Februar 1939 ein. Der Name des Schiffes war die »St. Louis«. Die Kubaner ließen das Schiff nicht landen und die armen 1.000 Menschen mussten zurück nach Europa. Die vier Länder, England, Frankreich, Holland und Belgien haben sich bereit erklärt je 250 Leute aufzunehmen. Sehr viele haben Selbstmord verübt. Viele Jahre später wurde sogar ein Film über das »The Ship of the Damned« gedreht. Nebenbei: das Geld für die Visa habe ich nie wieder gesehen.

Meine Eltern wurden nach Südfrankreich gebracht. Die Franzosen internierten meinen Vater sofort im Lager Gurs. Nach seiner Freilassung war meine Mutter bereits im nazibesetzten Gebiet. Mein Vater ging zu meiner Mutter zurück. Kurz nachher verschied er im Alter von 51 Jahren. Meine Mutter wurde im Jahre 1941 nach Auschwitz verschleppt und ist in den Gaskammern umgekommen. Menschen, die in ihrem ganzen Leben niemanden ein Leid zufügten.

Nach einem Jahr in den U.S.A. heiratete ich eine reizende Wienerin. Für 54 Jahre hatten wir eine wunderbare Ehe. Meine geliebte Edith verschied ganz plötzlich, ohne irgendwelche Krankheit zu haben am 30. Sept. 1994.

Bald nach unserer Hochzeit eröffnete ich meine eigene Strickwarenerzeugung, obwohl ich klein begann, war mein Betrieb gleich ziemlich erfolgreich, und ich kann mit Stolz sagen, dass ich es bis auf 75 Mitarbeiter gebracht hatte. [….]

Quelle: Brief von Leo Fischbach an Professor Manfred Hubmann (Peraugymnasium). Gespräch mit Leo Fischbach am 14. August 2005.

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Zeitungsbericht: Eine spontane antisemitische Volkskundgebung.

Die Nachricht vom Ableben des Gesandtschaftsrates von Rath, auf den in Paris von einem feigen jüdischen Mordbuben ein Attentat verübt wurde, hat auch unter der Villacher Bevölkerung tiefste Empörung hervorgerufen. In der mittägigen Freizeit sammelten sich tausende und aber tausende Volksgenossen auf dem Adolf-Hitler-Platz und gaben durch Sprechchöre ihrem Abscheu vor dem jüdischen Meuchelmord Ausdruck. Die Empörung unter den Villacher Volksgenossen war so groß, dass sie sich nach der Kundgebung in antijüdischen Aktionen Luft machte.

Quelle: Kärntner Grenzruf, 11. 11. 1938, S. 7, zitiert nach Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten.

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Zeitungsbericht: Judenfeindliche Kundgebung in Klagenfurt am 11. November 1938

lm Anschluss an das Bekanntwerden vom Ableben des Gesandtschaftsrates von Rath der Botschaft in Paris kam es - wie bereits gemeldet - sowohl im Altreich als auch in der Ostmark in verschiedenen Orten zu spontanen Demonstrationen gegen das Judentum. Die empörte Bevölkerung machte ihrer judenfeindlichen Stimmung durch Umzüge, Zusammenrottungen und Sprechchöre Luft. In Wien, Graz und anderen Städten wurden auch mehrere jüdische Synagogen angezündet.

In Klagenfurt war in den gestrigen Morgenstunden der Tempel zerstört worden. Im Laufe des Tages kam es in der Stadt wiederholt zu judenfeindlichen Kundgebungen. Besonders am Mittag versammelte sich auf dem Adolf-Hitler-Platz eine große Menschenmenge. Ein Redner geißelte in schärfster Weise die verbrecherische Tat des Juden Grünspan, für die nicht Grünspan allein, sondern das gesamte Weltjudentum verantwortlich zu machen ist.

Auf Anordnung des Reichskommissars Gauleiter Bürckel wurden bei zahlreichen Juden Hausdurchsuchungen vorgenommen, die erhebliche Mengen von Waffen, kommunistischem Hetzmaterial sowie unangemeldete Devisen zutage förderten. […]

Quelle: Kärntner Grenzruf, Amtliche Tageszeitung der NSDAP Gau Kärnten, Jg. 1 Nr. 62, 12. 11. 1938, S. 6, zitiert nach Andrea Lauritsch, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten.

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Zeitungsbericht:
Auf einer antijüdischen Großkundgebung in Klagenfurt ergriff der Kreisleiter Dr. Pachneck das Wort und sagte:

[…] Unsere Geduld ist zu Ende. Es ist selbstverständlich, dass zornige Empörung das ganze deutsche Volk wegen dieser Untat des jüdischen Untermenschentums erfasste. Denn unsere Geduld ist zu Ende! Wir können nicht mehr zusehen, wie man unsere deutschen Menschen hinschlachtet wie das wilde Vieh.

Das deutsche Volk hat es durch Jahrhunderte hindurch in einer beispiellosen Geduld über sich ergehen lassen, dass ein fremdes Volk, das das Gastrecht in diesem Land besitzt, dieses Gastrecht auf das schmählichste dazu benützt hat, um das deutsche Volk zu stürzen. Das Judentum hat unsere herrliche Bewegung zuerst mit Hohn und Spott verfolgt, dann hat man uns verleumdet, dann wollte man uns totschweigen. Als auch das nichts geholfen hat, hat man zum Terror gegriffen. Das hat aber alles nichts genützt, man konnte uns verbieten, einsperren und niederknüppeln, man konnte morden, unsere Idee konnte man jedoch nicht umbringen.

[…] Für die heutigen Vorfälle in unserer sonst so friedlichen Stadt lehnen wir Nationalsozialisten die Verantwortung ab, die Verantwortung dafür müssen die tragen, die im Ausland deutsche Nationalsozialisten morden.

[…] Wir wissen, dass die Nationalsozialisten Disziplin halten können, und diese Disziplin besteht darin, dass wir alle unsere Empörung und unseren Schmerz zurückhalten und die Sühne für die Dinge, die da vorgegangen sind, denen überlassen, die unser Führer dazu bestimmt. An Disziplin appelliere jetzt und ich weiß, dass dieser Appell nicht umsonst war. […]

Quelle: Kärntner Grenzruf, Jg. 1 Nr. 62, 12. 11. 1938. Andrea Lauritsch, Wo ist die Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten.

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