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Stephan Jank

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2007-03-08

Christian Ortner hat schon recht

Die Welt soll eine Scheibe sein

Worum's hier geht:
iv-positionen – Dezember 2006/Jänner 2007
Zukunft der Bildung - Schule 2020

kärnöl-Links zum Thema:
Industrie macht Schule
Bildung als Ware?
Denn sie dürfen nicht, was sie sollen
Im Namen der Industrie: Lebenslänglich lernen

Schon im Beitrag Industrie macht Schule habe ich auf den Kommentar "Ist Export ein Wirtschaftsdelikt?" von Christian Ortner auf Seite 4 der Dezember 2006/Jänner 2007 Ausgabe der iv-positionen (Mitgliederzeitschrift der Industriellenvereinigung) hingewiesen. Dieser strotzt derart von menschenverachtendem Zynismus, dass es mir erlaubt sei, noch einmal gesondert darauf einzugehen.

"Die Sozialisten in allen Parteien, denen Hayek dieses Buch gewidmet hat, müssen wieder einmal überzeugt oder niedergerungen werden, wenn sie und wir freie Menschen bleiben sollen.", schrieb Milton Friedman 1971 in seinem Vorwort zur zweiten Auflage von Friedrich A. Hayeks "Der Weg zur Knechtschaft". Was sich der Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1976 unter "überzeugen" und "niederringen" vorstellte, verdeutlichte er mit seinen "Chikago Boys" spätestens ab 1975 in den Ministerien des chilenischen Terrorregimes von Augusto Pinochet. Dort nämlich gaben Friedman und seine Marktschreier bis ins letzte Detail vor, wie ein FREIER Markt auszusehen hat. Für das Gelingen ihres ökonomischen Experiments am lebenden Menschen sorgten damals Tausende (vor allem sozialistische) Chileninnen und Chilenen mit ihrem Tod in den Folterkellern des widerlichen Generals. Der Markt in Chile war in der Tat frei - frei von Sozialisten.

Milton Friedmans Ton war aber geradezu nobel verklärt als er den Sozialisten 1971 andeutete, wie FREIER Markt spätestens 1975 in Chile aussehen sollte. Um wie vieles derber und klarer sind da schon die Worte von Christian Ortner, die er im Namen des FREIEN Marktes über die österreichichen Lehrerinnen und Lehrer verliert. Basierend auf dem Ergebnis (irgend)einer Umfrage unter 339 Lehrerinnen und Lehrern zum Thema Globalisierung doziert er in der Dezember/Jänner-Ausgabe der iv-positionen:

"Wenn diese Umfrage auch nur halbwegs stimmt (was leider zu befürchten ist), dann haben wir mit unseren Lehrern wirklich ein Problem. Denn was sie zu diesem zentralen wirtschaftspolitischen Zukunftsthema von sich geben, ist ungefähr so fundiert, als wären nur 6% der Ansicht, dass die Erde um die Sonne kreist, während ein Drittel meinte, sie sei in Wahrheit eine Scheibe.

Jemanden, der so denkt, auf unschuldige kleine Kinder loszulassen, ist in hohem Maße fahrlässig. (Wobei der Schaden des astronomischen Irrglaubens noch gering ist im Vergleich zu jenem, den das wirtschaftspolitische Irresein des Lehrkörpers anrichtet.)"

Das lässt an Deutlichkeit aber gar nichts mehr vermissen. Es ist wieder soweit. Wieder einmal sollen Menschen im Namen des FREIEN Marktes nicht überzeugt sondern niedergerungen werden. Denn wo die (Markt)FREIHEIT ihren Hobel ansetzt, da fallen schon einmal ein paar Menschenspäne ab. Dass Kommunisten, Sozialisten, links-linke Intellektuelle und wie all die bösen Buben sonst noch heissen mögen, den bornierten liberalen Marktschreiern nicht zu Gesicht stehen, ist bekannt und uns gute Gewohnheit. Dass aber plötzlich auch DIE Lehrer in ihr Visier geraten, möge letzteren ein lautes Warnsignal sein.

Es ist kein schweres Erdbeben, sondern entspricht eher einer grundlegenden Verschiebung in der ideologischen Tiefentektonik dieses Landes, wenn da plötzlich einer kommen kann und im Namen des FREIEN, globalisierten Marktes den gesetzlich geregelten Bildungsauftrag einer ganzen Bevölkerungsgruppe als FAHRLÄSSIGKEIT der (Volks?)Gemeinschaft diffamiert und ihr selbst wirtschaftspolitisches IRRESEIN unterstellt. Da muss dann (wie der Artikel durchgängig zeigt) überhaupt nichts mehr argumentiert werden, wenn man mit - oder besser gesagt - über Irre spricht. Mit solchen Menschen wird nicht diskutiert. Mit solchen Menschen wird verfahren. Solche Menschen sind "wirklich ein Problem". Und wo freies Unternehmertum herrscht, dort werden Probleme bekanntlich gelöst.

Diese Konstruktion eines ANDEREN, eines IRREN, ist eines der wesentlichen Grundmuster faschistischer Identitätskonstruktion. Wer nicht glaubt, was WIR ihm sagen, wer also etwa den absurden Nonsens glaubt, "... dass die Industrieländer des Nordens durch die Globalisierung reicher, die Entwicklungsländer hingegen ärmer würden;", der wird dem Hohn und dem Spott der tüchtigen Mehrheit ausgeliefert und ist für wirtschaftspolitisch IRRE erklärt. Wer nicht glaubt, was WIR ihm sagen, glaubt, " sie [die Erde] sei in Wahrheit eine Scheibe." Christian Ortner hat seinen Goebbels gut gelesen.

Sprach man selbst in liberalen Kreisen bis vor kurzem noch von der Globalisierung als Chance und erlaubte man sich da und dort sogar noch das Nachdenken über etwaige Risken dieser Globalisierung, so soll heute bereits als IRRE gelten, wer das neoliberale Globalisierungsbrevier nicht bis zum letzten i-Punkt mitbetet. Warum nur habe ich Angst vor einem solchen FREIEN Markt, zu dem man nicht eingeladen wird, sondern dessen struktureller Herrschaft sich alles und jeder bedingungslos und ohne Hinterfragung unterzuordnen hat? Andernfalls er als wirtschaftspolitisch IRRER ein Problem darstellt, das dann wohl irgendwie gelöst werden muss. Könnte es sein, dass solche Problemlösungen dann aussehen wie damals in Chile? Demokratisch jedenfalls geht da nix mehr, wie Christian Ortner die Rute schon richtig ins Fenster stellt:

"Merkwürdigerweise ist Politik traditionell so gut wie völlig außer Stande, fundamentale Dysfunktionen wie diese zu reparieren. Dafür fühlt sich keiner zuständig."

Zwar ist die Welt (noch) keine Scheibe. Aber sie soll zu einer werden. Zu einer 1,5mm dicken Bimetallscheibe. Zur Münze. Zur baren Münze soll die Welt werden. Koste es, was es wolle. Das ist es, was die Lehrer den Kindern sagen sollen in der Schule. Da hat er schon recht, der Christian Ortner.

Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

Walther Schütz, 2007-03-08, Nr. 3470

Danke, Stephan. Ich habe schon mit ein paar Menschen über den Artikel von Christian Ortner gesprochen - und allen geht es zunächst gleich: Empörung und Schock!

Doch versuchen wir das, was da die iv in ihrer Zeitschrift hat verlauten lassen, einzuordnen:

1) Es zeigt sich klarer als sonst hinter den ideologischen Rauschwaden der Demokratie eine der Grundfunktionen von Staat: Wenn's mit der Ideologie nicht mehr klappt, wenn die Menschen aufzuwachen drohen, dann wird im Zweifelsfalle die Ordnung mit Gewalt hergestellt. Vorher aber wird die Gewalt angedroht.

2) Dass aber solche Drohgebärden notwendig erscheinen, verweist darauf, dass die Widersprüche des Systems den Menschen bewusst werden. Zumindest wird nicht mehr jede Kakaopfütze, durch die man sie zieht, genussvoll geschlürft. "Globalisierung" - korrekter zu übersetzen als mörderischer Konkurrenzkampf quer über den Globus - ist halt nur für ausgesprochene Masochisten sexy.

3) Natürlich ist eine Herrschaft nur dann von Dauer und stabil, wenn sie sich zumindestens zum größten Teil auf die Zustimmung der Beherrschten verlassen kann. Gewalt ist nur kurzfristig für das System verkraftbar. Und in dieser Beziehung gibt es leider grausige Kontinuitäten: Erinnert sei nur an den Keppler-Kreis, der in den Jahren 1932/33 bei der Industrie das Geld sammelte, um die Nationalsozialisten an die Macht zu bringen. (siehe Eberhard CZICHON, Wer verhalf Hitler zur Macht? Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimarer Republik. Köln 1978, 5. Auflage). Und zu Recht erwähnst du, Stephan, einen weiteren Punkt in diesem Strang aus Blut und Leid, den Putsch in Chile am 11. September des Jahres 1973.

4) Ein nicht unwichtiger Punkt bei Herrn Ortner sollte auch erwähnt werden: Im letzten Absatz fordert er (weil ja auf den Staat für Ortner zu wenig Verlass sei - sprich: Weil die formellen demokratischen Garantien ja auch ihren Wert haben!) "Eigeninitiative" von den "Eltern". Das ist eine ganz unmittelbar gefährlich Drohung insofern, als hier den Menschen, die systembedingt unter einem ständig steigenden Druck sind, aufgefordert werden als Mob zu fungieren: Schuld an ihrem Elend ist NICHT das System, sondern .... (und da kann man halt alles einsetzen von pragmatisierten Lehrer/innen, Sozialschmarotzer bis hin zur Ostküste).

5) Was WIR aber auch sehen sollten: Ortner hat Angst. Die iv hat Angst. Das System ist nicht so stabil, wie es gerne sein will. Es wäre ein Ortner nicht notwendig, gäbe es nicht genau die Friktionen im System, deren Thematisierung er, der Ortner, so gerne verschwiegen hätte. Und das ist die gute Nachricht!

Stephan Jank, 2007-03-09, Nr. 3472

Wer glauben sollte, dass mein Chile-Vergleich mit der aktuellen ökonomischen Globalisierung nichts zu tun hätte, und daher ein wenig zu weit hergeholt sei, dem sei ein Blick auf einen bemerkenswert aufschlussreichen Artikel empfohlen, der im amerikanischen COUTERPUNCH-Newsletter anlässlich des Todes von Milton Friedman im November vorigen Jahres erschienen ist.

"Milton Friedman and the Economics of Empire", http://www.counterpunch.org/grandin11172006.html

Hans Haider, 2007-03-09, Nr. 3473

Was wir ebenfalls wissen sollten:
Der Artikel von Christian Ortner erscheint unter der Überschrift "KOMMENTAR VON AUSSEN". Damit will sich die Industriellenvereinigung klammheimlich aus der Verantwortung schleichen. Eine Hinterfotzigkeit der besonderen Art.

Mimenda, 2007-03-14, Nr. 3475

http://www.extradienst.at/jaos/page/main_archiv_content.tmpl?ausgabe_id=85&article_id=15782
Christian Ortner: "Wie man ein Intellektueller wird"

Wenn das derselbe Ortner ist, wovon ich ausgehe, dann wundere ich mich, dass eine solch platte Dumpfbacke in eurer Alpenrepublik hat reüssieren können. Aber gut, kleinere Staaten mögen solche "Intellektuellen" noch leichter nach oben spülen als die großen. Es ist aber wohl allen gemein, dass meist braun ist, was oben schwimmt, auch wenn es sich als wer "weiß" was vorkommt.

Aber High-Level-Consulting (darin macht der Herr) hört sich gut an, wenigsten in den den Ohren der meisten. Und da liegt das Problem.

Was du zu Eingang deines Beitrags zitierst, sollte eigentlich ausreichen, um den Autor Friedman nicht lesen zu wollen: "Die Sozialisten in allen Parteien, denen Hayek dieses Buch gewidmet hat, müssen wieder einmal überzeugt oder niedergerungen werden, wenn sie und wir freie Menschen bleiben sollen." Gut, es war die zweite Auflage und womöglich der gemeinsame Erfolg schon zu Kopf gestiegen.

Aber: jemanden wieder einmal überzeugen zu müssen, heißt, es als lästige Pflicht zu empfinden. Beim Überzeugen muss man aber bei der Sache sein, sonst gerät man in die Gefahr nur überreden zu wollen oder gar solange einzureden oder zu -heizen, bis dem "Ellinquenten" das Blut aus dem Ohr läuft (hierzu empfehle ich dem geneigten Hörer den Sketch "Hesse James" von Badesalz). Die Sozialisten sollen sich zudem wohl noch glücklich schätzen, dass jemand wie Hayek ihnen, den Unverbesserlichen, ein Buch widmet. Dass Friedman allerdings ggf. auch das Niederringen für nötig hält, lässt darauf schließen (was ja wohl auch so war), dass er zum Zeitpunkt der Niederschrift des Vorworts sich der gemeinsamen Sache noch nicht vollends sicher sein durfte. Dass die Bedingung der Möglichkeit von Freiheit sich allerdings just im Deckeln widriger Meinungen solcher manifestieren soll, zu deren ungebetenem Fürsprechern er sich macht, kann nicht allein aus dem Geist des Kalten Krieges erklärt werden, sondern nur aus dem Geist eines kalten Totalitarismus.

REDAKTION, 2007-03-15, Nr. 3476

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