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Clemens Scharf

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2006-10-01

Im Namen der Industrie: »Lebenslänglich Lernen«

Siehe dazu auch die beiden Beiträge

rMitschwimmen oder widerstehen? von Werner Wintersteiner bzw.
rVom Globalen (Auswendig)Lernen von Stephan Jank

Wenn es um Bildung geht, dann geht es um die Wurst. Wurst als Köder, der von der kurzen Leine der Angel baumelt, die mit Bedacht so auf den Rücken des Hundes geschnallt ist, dass er nicht zubeißen kann, da die Wurst immer voranflattert. Der Hund, weil er den Schwindel nicht merkt, läuft der Wurst hintendrein, hält sich auf Trab, läuft bis er müde wird, schläft ein wenig, wacht auf und läuft wieder nach der Wurst. Hauptsache wir tun etwas, damit die Menschen besser ausgebildet werden. Bedenklich und merkwürdig finde ich, dass man kaum hört, „damit die Menschen besser gebildet werden“ und schon gar nicht „damit die Menschen sich besser bilden können“. Nein sie sollen besser ausgebildet sein. Bildung versteht sich offenbar heute als Theorie, deren Praxis die Ausbildung ist. Oder anders gesagt: Bildung, die einst vor allem etwas Inwendiges meinte, scheint im Begriff, zu etwas Auswendigem zu werden. Dies folgt der Tendenz, Wörter ehemals höheren Sinns semantisch herunterzuholen, damit sie irdisch werden und damit jedem geläufig. Und weil nun am Himmel längst schon keine platonischen Ideen mehr hängen, die Sinn stiften könnten, wird ihnen Sinn gemacht. Die Industrie schreckt auch vor dem Wort nicht zurück, entreißt ihm den Logos und bläst es auf mit präfabriziertem Unsinn, den die stets noch ansehnliche und angesehene Worthülle verdecken soll. So wie ein Unternehmen seine Philosophie hat, haben dessen Manager Visionen wie sonst nur Propheten, Heilige oder Geisteskranke.

Und die Universitäten haben Exzellenzcluster. Wo Bildung der Eros abhanden kommt, bedarf sie zum Ersatz mechanischer Hilfsmittel, die ihr den Höhepunkt erleichtern, ohne dass Befriedigung sich einstellte. Um dessen innerliche Qualität schert sie sich wenig, desto mehr aber um die äußerliche Quantität. So lesen wir etwa im „Merkblatt Exzellenzcluster“ der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft), das im Titel vorgibt, es gehe ihm um die Förderung von Wissenschaft und Forschung, folgende einleitende Sätze:

Mit den Exzellenzclustern sollen an deutschen Universitätsstandorten international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen etabliert und dabei wissenschaftlich gebotene Vernetzung und Kooperation ermöglicht werden. Die Exzellenzcluster sollen wichtiger Bestandteil der strategischen und thematischen Planung einer Hochschule sein, ihr Profil deutlich schärfen und Prioritätensetzung verlangen. Sie sollen darüber hinaus für den wissenschaftlichen Nachwuchs exzellente Ausbildungs- und Karrierebedingungen schaffen. Zusammen mit den Graduiertenschulen und den Zukunftskonzepten zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung tragen Exzellenzcluster dazu bei, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
(Siehe: rwww.dfg.de/forschungsfoerderung)

Was soll man von einer derartigen Selbstentlarvung halten, der man Absicht nicht wird unterstellen können? Offenbar sind die Autoren so sehr vom Fetisch dessen gebannt, was sie da anbahnen, dass sie es nicht einmal für nötig halten, ihre Ideologie mit dem sonst obligaten Zierrat zu tarnen. Das liest sich wie eine Mischung aus Webseitenauftritt (ja, das Web ist eine Bühne!) eines international agierenden Unternehmens und der Werbebroschüre einer Armee. Die Förderung der Wissenschaft und Forschung ist allein noch da zu erahnen, wo es um die exzellenten Ausbildungsbedingungen (nota bene nicht Bildungsbedingungen) geht. Aber diesen bleiben die Karrierebedingungen derart hart auf den Fersen, dass sich der Eindruck aufdrängt, sie möchten Böses gegen jene im Schilde führen. Kurzum, da steht nichts davon, dass und wie Wissenschaft und Forschung verbessert wird, sondern nur, wie sie sich besser präsentiert und verkauft. Einem Gedanken Adornos zufolge habe Bildung ursprünglich das Ziel gehabt, einerseits die animalischen Menschen durch ihre Anpassung aneinander zu bändigen, andererseits das Natürliche im Widerstand gegen den Druck der von Menschen gemachten Ordnung zu retten. Sobald die Spannung zwischen diesen widerstreitenden Positionen dahin sei, herrsche nur noch Anpassung. Das Resultat sei eine Regression, die auf bloße darwinistische Naturgeschichte hinausliefe (vgl. Soziologische Schriften I: Theorie der Halbbildung, S. 95).

Was nun an Geist bei dieser „Rück-Bildung“ übrig bleibt, wird dazu benötigt, sich fit fürs Überleben zu machen und zu halten. Und das nicht angesichts einer wilden Natur, sondern einer Ordnung, die der Mensch zwar selbst gemacht hat, der er sich aber in unverhoffter Demut unterwirft, als ob sie Gotteswerk wäre. Ein Aberglaube, der sich für aufgeklärt hält, weil ihm sein eigenes Maß zu dem aller Dinge geworden ist und ihn darum blendet.

Und zur besseren Anpassung an diese Ordnung bilden wir uns nicht nur für unser Berufsleben, sondern auch – wie man uns weismachen will – weiterhin ganz allgemein für das Leben selbst „aus“ (eine Paraphrase des immer schon falschen non scholae, sed vitae discimus). Dabei tun wir scheinheilig so, als gäbe es da noch einen ernstzunehmenden Unterschied.

Wo bloße Anpassung gefragt ist, muss der Inhalt notwendig zugunsten der Form in den Hintergrund treten. Denn im Kampf aller gegen alle, der sich euphemistisch Konkurrenz nennt, geht es nicht mehr um die rohen Kräfte, sondern um das Anschmiegen an die Macht des Faktischen (alias menschengemachte Ordnung). Da diese Kräfte nicht roh sind (und auch allem Brachialen zu entraten scheinen), sondern geschmeidig und – geballt – sogar akrobatisch wirken, genießen sie ungerechtfertigten Nimbus. Ungerechtfertigt ist er, weil er nicht darüber Rechenschaft ablegen kann, worauf er sich inhaltlich stützt. Er ist vor allem Effekt, also Wirkung ohne Ursache.

Wir haben es mit einer gesellschaftlichen Produktion von Unbewusstem zu tun, die sich nicht in den Schatten schauen lassen will, weil sie sich davor fürchtet, einen zu werfen. Deshalb strahlt sie ihre Worthülsen desto unerträglicher von allen Seiten her grell an. Es gibt schlicht nichts Natürliches mehr, das zu retten wäre, nurmehr Domestizierung, die so tut, als habe der moderne Mensch alles Animalische längst hinter sich gelassen.

Unter deren Herrschaft gedeihen heute, wohl viel mehr noch als ehedem, Sozialkrankheiten wie Aggression, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie sogenannte Geisteskrankheiten. Diese richten sich ob der Repression, die Domestizierung ihrem Wesen nach ist, gegen sich selbst, jene gegen die Mitmenschen. Die Krankheiten sind Teil des Schattens, der nicht geworfen sein will und der sich hermetisch gegen die Auffassung abzuschirmen sucht, sie könnten von der menschengemachten Ordnung gefördert oder gar hervorgerufen sein. Die Abwehr der Einsicht in diesen Umstand scheint heute so stark, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn man uns bald das Gen noch präsentieren wollte, das für die Enstehung dieser Krankheiten verantwortlich sei.

Angesichts der Repression stellt sich daher mitnichten die Frage, wie ein ICH, und schon gar kein starkes, aufzubauen wäre, sondern wie man dessen Überbleibsel halbwegs lebendig über die eigene Lebenszeit rettet. Am ausgeprägten ICH kann die Bildungsindustrie zudem schwerlich Interesse haben, weil ein solches deren Nivellierungsbestrebungen widerstünde. Ein starkes ICH (in Anlehung an eine Wendung Horkheimers) erschießt sich, wenn die große Liebe unerfüllt bleibt, es geht nicht zum Psychoanalytiker, der ihm diese Liebe ausredet und ihm damit hilft, sich der Realität anzupassen.

Die Bändigung des Tiers im Menschen scheint unseren Ausbildungsphilistern vorerst glänzend gelungen, allein die Natur des Menschen, das Zarte, Bedürftige, seine Liebe und seinen Eros, lassen sie außer acht. Bildung ohne Eros aber gleicht einer alten Hure, die es schwer hat, genügend Freier zu finden. Wo nur die Fittesten überleben, also jene, die sich am besten anpassen, ist das Alter chancenlos. Also Zwangseuthanasie mit 50, wenn doch ältere Menschen mangels Arbeitsmöglichkeit und Einkommen ohnehin nicht mehr zur Produktivität des XY-Volkes beitragen? Das wäre zumindest eine immanente und imminente Konsequenz der unsäglichen Wendungen vom „lebenslangem Lernen“ oder „lebensbegleitenden Lernen“, die man als Imperativ, wenn nicht als Drohung auffassen muss, die im Klartext lautet: Wer nicht (mehr) lernen kann, muss sterben.

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Franz Josef Neffe, 2007-03-27, Nr. 3496

In der Wortwurzel BIL steckt schließlich nicht weniger als WUNDERKRAFT. Ist es da verwunderlich, dass man den Menschen - wenn man sich schon dazu verurteilt hat, ihn BILden zu müssen - mit BILdung vor allem von BILdung abzulenken sucht?
Bei uns wird ja auch nicht gelehrt - dafür müsste man getreu der Wortbedeutung mit gutem Beispiel vorangehen - nein, bei uns wird unterrichtet. Man stelkt sich über andere und die müssen sich da unten nach einem richten. Wehe wenn einer dabei was lernt!
KÖNNEN darf bei diesem Spiek auf gar keinen Fall herauskommen. Da ertragen die selber impotenten Spielleiter nicht und müssen darum schon alle kleinen Kinder ständig unter ihr eigenes Nievau drücken: Wehe wenn einer soviel oder gar mehr oder leichter oder besser KANN als sie! So baut man das passende Schul"system" dazu, wo man dafür belohnt wird, dass man das, was man MUSS, immer noch perfekter macht als alle anderen. Betrügerischerweise wird man dann als Könner gefeiertm, dabei ist man doch nichts weiter geworden als ein SUPER-MÜSSER.
Ich habe mir erlaubt, dieser Du-kannst-nicht-also-musst-Du-Schule mit der neuen Ich-kann-Schule einen Spiegel vorzuhalten (mehr dazu auf meiner coue.org-Seite) . Lernen heißt, eine Sour des Lebens verfolgen, und das geht über das Papierformat der merkwürdigen Schrift, die wir traditionell "Lehrplan" nennen, weit, weit hinaus. Soll man jahrelang wie der Ziegenbock um den Pflock grasen, nur damit die Lernzielvollstreckungsbeamten nicht überfordert sind, für den Lehrnachweis alles anzukreuzen, was in ihrer kleinen, pappierenen Welt vorkommt?
Lernen war immer schon viel großartiger als die Schule davon weiß. Es ist nur dramatisch, weil das inzwischen alle vergessen zu haben scheinen. Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe

Natira, ich habe dei, 2014-05-24, Nr. 6203

Natira, ich habe deine Fotos bei Twitter heute leider nicht rihctig wfcrdigen kf6nnen. Aber es wirkte schon auf den flfcchtigen Blick, als ob du den Schnee genossen he4ttest. :) Angst vor Glatteis habe ich zur Zeit auch, da mein Mann gerade relativ viel mit dem Auto unterwegs ist, obwohl er nach ein paar Jahren ohne Autofahren recht unsicher hinter dem Steuer ist.

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