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ÖBV- Via Campesina Austria

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2011-05-27

Thomas Gröbly: „Gemeinsam geht’s besser!“

Am Beispiel mit einer Bauernfamilie, einer Großmolkerei, einer einkaufenden Familie, einer Bank und eines Großverteilers zeigt sich, wie Ernährungssouveränität funktioniert und funktionieren könnte.

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Redaktionelle Anmerkung

Nebenstehender Beitrag ist zuerst erschienen in der äußerst empfehlenswerten Zeitschrift:

Heuer stand der Weltladentag unter dem Motto r „öko&fair ernährt mehr!“. Weil die erhobenen Forderungen aus unserer Sicht – bei aller auszudiskutierender Widersprüchlichkeit – in die richtige Richtung gehen, hat sich der ÖIE in Villach an der Aktion beteiligt.

Für uns ist das der Grund, in den nächsten Wochen einige Beiträge zum Thema Landwirtschaft und Perspektiven unserer Ernährung zur Diskussion zu stellen. Ganz herzlichen Dank an die ÖBV-Via Campesina Austria für die Kooperation.

Die Bauernfamilie Berger hat 20 Kühe und liefert ihre Milch der Großmolkerei Thaler ab. Bergers möchten qualitativ gute Milch liefern, soviel dafür bekommen, dass sie gut leben können und den Hof ohne hohe Schulden an ihre Tochter oder ihren Sohn abgeben können. Herr Thaler, der eben drei Kleinmolkereien aufgekauft und in eine moderne Anlage zur Milchverarbeitung investiert hat, möchte einen tiefen Milchpreis und seine Produkte auch im nahen Ausland verkaufen. Er erwägt, günstigere Milch von da zu kaufen. Da er quasi das Monopol hat, können Bergers zurzeit nirgends sonst ihre Milch liefern. Die Bank Thalheim hat Thaler für seinen Wachstumskurs Geld geliehen. Auch wenn der Zins tief ist, scheint das für die Bank ein sicheres Geschäft zu sein. Herr und Frau Heimthaler wollen gute und günstige Milch für ihre Familie mit den fünf Kindern. Sie zahlen jährlich in den Pensionsfonds der Bank Thalheim ein und sind im Alter auf die Rente angewiesen. Sie möchten also einen möglichst hohen Zins auf ihr hart Erspartes. Sie kaufen die Milch beim Großverteiler Bergheim, welcher die regionale Milch mit einem Label versieht. Bergheim ist bekannt für sein ökologisches Engagement, insbesondere seine „Grünmilch“.

Die richtigen Fragen stellen

So ist, etwas vereinfacht gesagt, unsere Ernährung organisiert. Die verschiedenen Akteure haben je eigene Interessen, welche mit anderen im Konflikt stehen. Wer die größte Macht hat, wird seine Interessen durchsetzen.

Könnte die Bäuerliche Landwirtschaft in einer solchen Wirtschaftsordnung die Welt ernähren? Diese Frage darf aber nicht abgelöst von anderen Fragen gestellt werden. Welche Lebensmittelproduktion und Lebensmittelvermarktung kann:

  • die Armut radikal vermindern?
  • den Klimawandel verringern und den Planeten abkühlen?
  • die Biodiversität, Agrobiodiversität und die Bodenfruchtbarkeit vergrößern, sowie die Wasserressourcen schonen?
  • die Verteilung und Märkte so organisieren, dass ein hohes Maß an Mitsprache über die Agrar- und Handelspolitik besteht?
  • die Arbeits- und Lebensbedingungen für alle verbessern?
  • genügend Lebensmittel von guter Qualität, reich an Nährstoffen für neun und mehr Milliarden Menschen erzeugen?

Meine These lautet: Das geht nur mit Biolandbau und Ernährungssouveränität.

Peak everything als Herausforderung

Zu den Fragen der Wirtschaftsordnung kommen heute noch weitere Herausforderungen auf uns zu: Peak Oil, Hunger und Armut, Energiekrise, Klimakrise, Wasserkrise, Bodenkrise, Finanzkrise also ein „Peak Everything“. Sind wir bis heute davon ausgegangen, dass für alles genug Energie da ist, müssen wir uns neu orientieren und diskutieren, was wir mit der beschränkten Menge machen wollen. Beschränkt ist die Menge, weil das Erdöl zu Ende geht und die Atomenergie keine Alternative ist. Wir müssen vom stetigen Wachstum und dem „größer-schneller-mehr“ Abschied nehmen. Das ist auch eine Krise der Seele, weil wir meinen, Lebensqualität und Glück sei identisch mit Energie- und Naturverbrauch, mit Wachstum und Beschleunigung.

An der Landwirtschaft verdienen!

Diese Krisen sind unter anderem durch ein Marktdenken, durch eine Ökonomisierung hervorgerufen, welche für unsere Zeit maßgeblich ist. Dazu drei Thesen:

  1. Die Marktdominanz führt zu einer Machtkonzentration: Was zwischen Bergers, der Molkerei Thalheim, der Bank Thaler, dem Grossverteiler Bergheim und der Familie Heimthalers abläuft ist eine raffiniert angelegte Form der Umverteilung von den Armen zu den Reichen. In jedem Liter Milch, die Familie Heimthaler beim Grossverteiler Bergheim kauft, stecken etwa 30 % an Zinszahlungen an die Kapitalgeber. Zins und Zinseszins sind zwangsläufig auf Wachstum angelegt, weshalb versucht wird, immer neue Bereiche ins Marktsystem einzufügen: Saatgut und Gensequenzen sollen patentiert werden, öffentliche Güter wie Wasser, Luft, Biodiversität, Wissen und Forschung sollen in private Hände gelangen. Je höher die Renditeerwartungen sind, desto höher der Druck und letztlich die Machtkonzentration.
  2. Die so sogenannten freien Märkte stärken die Starken: Nun ist es aber so, dass Bergers auf den Boden und die Tiere angewiesen sind und ihre Milch nicht immer günstiger produzieren können. Ihr Betrieb könnte nur mit der Übernahme des Nachbarbetriebs wachsen. Das würde aber noch nicht heißen, dass ihre Milch billiger würde. Nur durch Ausbeutung von Mensch und Natur könnten sie billiger produzieren.
  3. Der freie Markt ist die weit verbreitete Entwicklungsstrategie: Das bedeutet, dass Bäuerinnen und Bauern auf der ganzen Welt für den Markt arbeiten sollen. Das ist aber fatal, weil sie keine Marktmacht haben und oft eben nur mit Ausbeutung von Natur und Menschen überleben können. Es ist bekannt, dass in den letzten Jahren in der Schweiz die Rohstoffpreise gesunken sind, während gleichzeitig die Konsumentenpreise steigen. Die Konsumenten zahlen immer mehr und die Bauern erhalten immer weniger. Es ist ein Bild für diesen Konzentrationsprozess. Die Wertschöpfung geschieht bei einigen wenigen. „Man kann nur an und nicht mit der Landwirtschaft Geld verdienen.“ Aus der Sicht der Bank und ihren Kapitalgebern, aber auch derjenigen, die fürs Alter Sparen ist dieses System ideal. Für die Landwirtschaft ist es jedoch fatal.
  4. Die Ökonomisierung bevorzugt kapitalintensive industrielle Lösungen: Gemäß dieser These kommen Lösungen außerhalb des Geldsystems nicht in den Blick. Es werden also nur industrielle, kapitalintensive Lösungen gewählt. Diese sind aber in der Regel nicht auf Kooperation mit der Natur angelegt, sondern auf Manipulation und Gewalt. Monokulturen, Pestizide, transgene Organismen, Zerstörung von Böden, Gewässer usw. sind ein paar Beispiele dafür.

Das Fazit dieser Analyse lautet, dass angesichts der vielfältigen Krisen der grosse Streit um die letzten Ressourcen stattfindet. Und da wird weder auf die Natur noch auf Menschen Rücksicht genommen. Sind die Folgen in vielen Ländern des Südens offensichtlich, sind sie bei uns oft nur schwer erkennbar. Die Ausbeutung der Landarbeiter in Almeria oder Sizilien, Existenznot der BäuerInnen und Working poors auf der ganzen Welt, usw. Alle Bauern weltweit leiden also unter ähnlichen Problemen: Ausbeutungen, Abhängigkeiten, Verschuldung, Finanznot und letztlich psychischen Not wegen einer grassierenden Zukunftsunsicherheit.

Ernährungssouveränität als Antwort

Es gibt verschiedene Definitionen von Ernährungssouveränität. Der Begriff droht zu einem Modewort zu werden. Das finde ich deshalb ein Problem, weil Gefahr besteht, dass der Begriff an kritischem Potenzial verliert. (Genauso geschah es mit der Nachhaltigkeit). Ich beziehe mich hier auf das Konzept von Via Campesina, weil es mir als sinnvoll erscheint und weil dahinter der größte Bauernverband mit mehr als 60 Millionen Bauern und Bäuerinnen steht.

„Ernährungssouveränität bezeichnet das Recht der Bevölkerung, eines Landes oder einer Union, die Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik ohne Preis-Dumping gegenüber anderen Ländern selbst zu bestimmen. Das Konzept geht vom Vorrang der regionalen und nationalen Selbstversorgung aus. Produzent/innen, Verarbeiter/innen und Verbraucher/innen verpflichten sich zu transparenter Deklaration und kostendeckenden Preisen, damit die Bäuer/innen nachhaltig produzieren können.“

Die Ziele des Konzepts der Ernährungssouveränität bestehen darin, die bäuerliche Landwirtschaft zu stärken, die lokale Ernährungssicherheit zu erhöhen, eine möglichst große Unabhängigkeit von anonymen Märkten und multinationalen Konzernen zu erreichen sowie die Agrar- und Verbraucherpolitik demokratisch zu legitimieren. Es verbietet Preisdumping und garantiert den Bäuerinnen und Landarbeitern einen gerechten Lohn. Bäuer/innen sollen sich nur auf Märkte abstützen, welche sie zumindest teilweise kontrollieren können. Ernährungssouveränität ist ein Mittel dazu. Das ist keine rückwärtsgewandte Nostalgie, sondern ein notwendiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit des Planeten und der Landwirtschaft weltweit. Deshalb brauchen wir mehr Bäuer/innen!

Alle gewinnen

Was wäre nun anders, wenn wir dieses Konzept auf unser Beispiel übertragen? Die Bauernfamilie Berger hat sich mit anderen Bauernfamilien und Heimthalers und weiteren Konsument/innen zu einer Milch-Genossenschaft zusammengeschlossen. Diese Genossenschaft zahlt Bergers einen kostendeckenden Preis für ihre Milch. Es wird nur lokale Milch verarbeitet, welche dann auch wieder lokal verkauft wird. Heimthalers können nun eine gute Milch zu einem fairen Preis kaufen. Sie haben zudem ihr Pensionskassegeld in die Genossenschaft investiert. Es gibt da nur einen kleinen Zins, aber sie wissen, dass mit ihrem Geld etwas Gutes gemacht wird und dass es sicher angelegt ist. Welche Bank kann uns das heute noch garantieren? Die Molkerei Thaler ließ sich überzeugen, dass sie eine kleine Molkerei der Genossenschaft überlassen soll. Die Bank Thalheim hat mitgeholfen eine zinslose Regionalwährung aufzubauen. Somit besteht kein Druck mehr zum Wachstum, es werden faire Preise bezahlt und es werden neue lokale Arbeitsplätze geschaffen. Nur der Großverteiler Bergheim ist Verlierer, weil seine Milch zu teuer ist und er keine Bauernfamilien mehr findet, die ihm Milch liefern.

Ich habe hier etwas plakativ beschrieben, wie das Konzept der Ernährungssouveränität im Alltag aussehen könnte. Es fehlen natürlich noch viele Details und wir leben ja auch nicht von Milch alleine. Indem die Lebensmittel aus dem Geldwirtschaftskreislauf herausgenommen werden verschwindet der tödliche Wachstumszwang. Dadurch können die Bauern wieder Sorge tragen für ihren Boden, ihr Saatgut, das Wasser und Energie sparen. Eine Ökointensivierung produziert in vielfältigen Systemen mit geringem Input große Erträge und so, dass wir auch in Zukunft gesunde Lebensmittel anbauen können.

Wichtig ist auch, dass alle Beteiligten an Selbstbestimmung gewinnen, denn die Steuerung von Angebot und Nachfrage wird nicht mehr dem anonymen Markt überlassen, sondern wird vertraglich geregelt. Damit wird das Wetter- und Ernterisiko auf alle verteilt und es ist nicht mehr nötig, Überschüsse zu produzieren, damit genug geliefert werden kann. Es ist ein Ausweg aus der „Landwirtschaftlichen Tretmühle“, welche darin besteht, dass jede Effizienzsteigerung zu einem tieferen Preis führt. Es ist also ein finanzielles Nullsummenspiel, bei dem Natur und Menschen unter die Räder kommen.

Mehr Achtsamkeit mit Ernährungssouveränität

Ernährungssouveränität bedeutet eine solidarische Einbindung in die lokale und globale Welt mit einem Höchstmaß an Mitbestimmung und ein Ende der Ausbeutung von Menschen und Natur im Dienste des Kapitals. Es ist eine realistische und heute realisierbare Alternative und eine Antwort auf die verschiedenen Krisen. Ernährungssouveränität wird uns nicht geschenkt, sondern diese müssen wir uns nehmen, da wo wir leben. Für die Bäuer/innen liegt es auf der Hand sich für Ernährungssouveränität zu engagieren. Dies aus Eigennutz, aber auch aus der Überzeugung, dass wir eine Welt sind und als Menschen alle zusammen gehören. Der lokale Zusammenhalt und die hohe Verbindlichkeit ermöglichen Respekt und Achtsamkeit und nicht zuletzt eine gesicherte Existenz und Zufriedenheit.

Thomas Gröbly
ehemaliger Landwirt und Ethiker
r www.ethik-labor.ch

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