kärnöl-Logo Independent Carinthian Art & Cult
Mon May 20 2013 14:31:10 CET
ÜBERBLICK
Aktuell
Glossen
+Alle Beiträge
Autoren
Veranstaltungen
Links
Kontakt
LESERFORUM
Leserbriefe
Reaktionen

Globale Bildung im Bündnis für Eine Welt

r Globale Bildung
im Bündnis für Eine Welt

Krise - Themenschwerpunkt 2009

r Unser aktueller Themenschwerpunkt

www.karawankengrenze.at

r Unser Projekt gemeinsam mit dem Verein Erinnern

Nationalsozialismus in Villach

r Hans Haider:
"Nationalsozialismus
in Villach"
(pdf downloaden)

Jüdinnen und Juden in Kärnten

r Hans Haider:
"Jüdinnen und Juden
in Kärnten"
(pdf downloaden)

Pizzakarton Sgt kärnöl´s Lonely Hearts Club Band

r Nähere Informationen zum schönsten Pizzakarton der Welt

WASSER? - Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

r WASSER?
Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

Bildung - Themenschwerpunkt 2007

r Unser Themenschwerpunkt 2007

(c) Arbeit

r Alle Informationen zum Themenschwerpunkt Arbeit

(c) Eigentum

r Unser Themenschwerpunkt Eigentum
r Überblick über alle Themenschwerpunkte

Eins DOKUMENT

Reaktionen auf den Beitrag

Print Version

2010-01-07

BRAND, Ulrich: Es wird nichts mehr, wie es einmal war

In Alpbach diskutiert man Politik für die Zukunft: Wie lassen sich Wirtschaft, Klima und Entwicklung vereinbaren? Ein nichtgehaltener Input bei der Tagung → „Wege aus der Krise?"

.

Einige jüngere Entwicklungen und euphorische Meldungen legen nahe, dass die seit knapp einem Jahr offen ausgebrochene Krise vor allem konjunktureller Natur sein könnte und mit den bestehenden finanz- und wirtschaftspolitischen Instrumenten bearbeitbar sei. Der Konjunkturmotor, so die Annahme vieler, könnte in 2010 wieder anspringen. Es scheint vor diesem Hintergrund immer weniger um die Krise selbst zu gehen, sondern um die Verteilung der damit verbundenen Kosten, etwa im Streit um eine Vermögens(zuwachs)steuer und Grundsteuer einerseits oder Mehrwertsteuer andererseits.

Dabei werden jedoch einige Dimensionen unterschätzt. Selbst wenn der Finanzsektor und andere Wirtschaftsbereiche zunächst stabilisiert werden, bleiben enorme Überkapazitäten in wichtigen Branchen. Das produktivistische Dogma – Produktion für den Weltmarkt als höchste Priorität – wird zum Strukturproblem, wenn die Verschuldungsspirale des Importweltmeisters USA nicht mehr in den Himmel wächst.

Realistischerweise sollten Krisenpolitiken davon ausgehen, dass die Wachstumsraten der letzten Jahrzehnte nicht mehr erreichbar sind – und aus ökologischen Gründen auch nicht wünschbar.

Die Arbeitslosigkeit, das bleibt bei den Meldungen der letzten Tage mit der ausschließlichen Fixierung auf Wachstumszahlen außen vor, wird im Herbst höchstwahrscheinlich zunehmen.

Übersehen wird meist der Kern der Krise, nämlich ihr multipler Charakter. Wir erleben eben nicht nur eine Finanz- und Wirtschaftskrise mit höchst unterschiedlichen Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen, sondern die geht einher mit einer Energie- und Klimakrise sowie mit einer Ernährungskrise.

Umverteilung wie gehabt

Der neoliberale Kapitalismus, der einige Jahre mehr schlecht als recht funktionierte, ist immer weniger in der Lage, wirtschaftliche Instabilität, soziale Spaltung und ökologische Zerstörung aufzuhalten. Obwohl öffentlich viel über die „Krise des Neoliberalismus" gesprochen wird, bleibt bislang ein Kernelement neoliberaler Politik erhalten: die Umverteilung von Einkommen, Vermögen und Macht von unten nach oben.

Warum aber sind die aktuellen Politiken gegen die multiple Krise unzureichend?

Ein Kennzeichen der Krisenregulierung ist, dass sie von den ökonomischen und politischen Eliten entworfen und vorgenommen wird. Die lassen sich ihre Interessen kaum infrage stellen. Die Kosten der Krise werden so ungleich verteilt werden, wie die gesellschaftlichen Machtverhältnisse sind. Deshalb sind alternative Krisendeutungen und weitergehende, der multiplen Krise angemessene Vorschläge kaum zu hören. Der Finanzmarktkapitalismus wird auch nach der Krise ein solcher sein. Wenn nicht die gesellschaftlichen Macht- und Kräfteverhältnisse und die damit verbundenen Interessenkonstellationen sich grundlegend ändern.

Die aktuellen Krisenpolitiken sind zudem strukturkonservativ und führen – wie immer in Krisen – zur Konzentration von Unternehmen und damit auch von Macht. Opel und Magna, Lufthansa und AUA lassen grüßen. Es gibt kaum Diskussionen und politische Initiativen für einen Umbau der Produktion und entsprechenden Konsum- und Lebensweisen. Bei einer jährlichen Überproduktion von weltweit etwa 20 Millionen Automobilen ist das – gelinde gesagt – Realitätsverweigerung. Die wird aus der Hoffnung gespeist, dass historisch aus jeder Krise einige Unternehmen gestärkt hervorgingen. Die politischen und ökonomischen Eliten aller Länder hoffen, dass „ihre" Firmen letztendlich zu den Gewinnern gehören.

Teil der Strukturkrise ist, dass die früheren Wachstumsraten nicht mehr erreicht werden, um den Produktivitätsanstieg auszugleichen. Sie sind auch nicht unbedingt wünschbar. Wir könnten uns gerade in der multiplen Krise daran machen, was ein Ziel effizienten Wirtschaftens und guten Lebens ist, nämlich die solidarische Verteilung mühseliger gesellschaftlicher Arbeit auf möglichst viele Schultern. Wir benötigen dafür eine radikale Umverteilung der Lohnarbeit, eine Abkehr vom Fetisch Lohnarbeit und eine Aufwertung nichtbezahlter, aber gesellschaftlich notwendiger Arbeiten. Hier ist die Diskussion um ein Grundeinkommen wichtig. Die aktuelle Kurzarbeit ist de facto eine Arbeitszeitverkürzung, sie hat nur keine Strukturwirkung. Chancen werden verschenkt.

Für einen weitreichenden Umbau der Produktions- und Lebensweise muss aber ein Dogma beseitigt werden, das derzeit in EU-Europa tabu ist: die Infragestellung von Freihandel und Wettbewerbsfähigkeit auf Teufel komm raus.

Das bedeutet für exportorientierte Wirtschaften wie die österreichische, ökologisch und sozial problematische Exportbranchen zu hinterfragen und einen entsprechenden Umbau voranzutreiben.

Die Gewerkschaften müssten ihre Mitglieder, andere politische Kräfte die Bevölkerung deutlicher von dem notwendigen Umbau der Produktions- und Lebensweise überzeugen und gleichzeitig deutlich machen, dass dies nicht zuvorderst zulasten der „kleinen Leute" gehen kann. Denn sonst ist dem Rechtsextremismus mit seinem Ressentiment gegen „die da oben" (rot und schwarz sowie Manager und Vermögenbesitzer) weiterhin Tür und Tor geöffnet.

An der Realität scheitern

Von daher wären die etablierten politischen Kräfte und die Medien gut beraten, wieder stärker Verteilungsfragen zu thematisieren. Das impliziert jedoch die Infragestellung bestehender gesellschaftlicher Machtpositionen und Verteilungsverhältnisse, die von den politischen Parteien und ihrem intellektuellen Umfeld ausgehen müssten. Wie das angesichts der engen Verquickung von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten geschehen soll, das weiß ich allerdings auch nicht.

.

Zur Person:
Ulrich Brand, geb. 1967, ist Professor für Internationale Politik an der Universität Wien und gab kürzlich mit Nicola Sekler ein Sonderheft der Zeitschrift "Development Dialogue" zur aktuellen Krise mit dem Titel "Postneoliberalismus" heraus (Uppsala 2009; www.dhf.se).

Der Beitrag ist zuerst erschienen in: DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.8.2009

Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

Keine Reaktionen vorhanden

Reaktionen auf andere Beiträge

.

ZUM VORMERKEN

Samstag, 1. Juni 2013 16:00

r Longo maï Hoffest und Tag der offenen Tür am Stopar

Einlagung zum Hoffest mit Musik und Tanz auf der Tenne
Lobnig 16, 9135 Eisenkappel

Mittwoch, 5. Juni 2013 18:30

r CROSSROADS-Festival für Dokumentarfilm und Diskurs, 05.06-16.06.2013

FORUM STADTPARK, Graz

ZUM NACHLESEN

Donnerstag, 16. Mai 2013
r »Das Unsichtbare sichtbar machen«
Vortrag mit Silvia Federici
Universität Klagenfurt, Vorstufengebäude, Raum V.1.07. Universitätsstr.

Mittwoch, 15. Mai 2013
r Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
Gedenkfeier für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit Gernot Haupt (Institut für Sozialarbeit), Julia Ismajlova und Felix Strasser vom »Freien Theater Vada«.
9500 Villach, Widmanngasse beim Stadtmuseum

Dienstag, 14. Mai 2013
r VOLXKÜCHE
Begegnungszentrum Kreml, Ludwig Walther Straße 29, Villach

Mittwoch, 8. Mai 2013
r Konzert mit BABSI WINKLER und GERNOT SCHWANTER
Konzert mit BABSI WINKLER und GERNOT SCHWANTER
Lücke, Villach

Dienstag, 7. Mai 2013
r Zwischen Tradition und Marktgesellschaft – landwirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel im Ecuadorianischen Amazonasgebiet.
Vortrag von Maike Wendland

Begegnungszentrum Kreml, Ludwig Walther Straße 29, Villach

Donnerstag, 2. Mai 2013
r Zentral- und Osteuropäisches Sozialforum. Revolten in der Peripherie. Wien: 2.-5. Mai
ASF (Österreichisches Sozialforum) goes international
Campus der Universität Wien, Alserstraße, 1090 Wien

Freitag, 26. April 2013
r Geschlossene Gesellschaft. Europäische Sicherheitspolitik auf Kosten von Menschenleben
Podiumsdiskussion mit: Eva Weissenberger, Kleinen Zeitung (Moderation); Elias Bierdel, Friedenszentrum Schlaining; Bettina Gruber, Uni Klagenfurt; Heinz Patzelt, Generalsekretär, Amnesty International Österreich
Parkhotel Villach, Bambergsaal

Freitag, 19. April 2013
r Begegnung mit Gästen aus Tansania.
Grenzenlose Mobilität - der Wettlauf um die fruchtbarsten Böden!

Sonnenalm. Milchstraße 1, 9373 Klein St. Paul

Dienstag, 16. April 2013
r BBBBB
Phone Tische Dich Tunk (Lautpoesie)

Texte von Daniil Charms, Velimir Chlebnikov,u.a. Auswahl und Vortrag: Yulia Izmaylova und Felix Strasser
Davor ab 18:30 Volxküche.
Kremlhoftheater Villach, Ludwig-Waltherstraße 29, 9500

Donnerstag, 11. April 2013
r Gurbet – In der Fremde, Filmabend in Anwesenheit des Regisseurs Kenan Kiliç
FILMSTUDIO VILLACH im Saal 3 des Stadtkino Villach, Rathausplatz

r Weitere Dokumentationen