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Angelika Hödl

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2009-07-10

Neuhaus / Suha

Innenministerin Fekter sucht einen Ort für ein Erstaufnahmelager für Asylwerber/innen in den südlichen Bundesländern. In Kärnten hatten die Bürgermeister von Neuhaus / Suha und Eisenkappel / Železna Kapla Interesse bekundet. Eindrücke von einer „Informationsveranstaltung des Landeshauptmannes“

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Ausgangspunkt: Der Saal beim Had´n Wirt – zu ¾ voll (ca 100 bis 130 Besucher/innen), alles eingeschworene BZÖ-Fans. SPÖ-, ÖVP-Politiker/innen und kirchliche Vertreter sind nicht anwesend.

Im Publikum: Frauen und Männer, u.a. mit € 300 und 360,-- monatlicher Rente. Einer davon ohne Strom, Fließwasser und sanitäre Einrichtungen zu Hause (auch das gibt es in Kärnten !), jahrelang hat er die kranken Eltern gepflegt, ohne Beihilfe und Unterstützung.

In Neuhaus: Ca. 1.000 Einwohner/innen. Eine Volksschule mit 17 Kindern, der Unterricht von der 1. bis zur 4. Klasse findet in einer Gesamtklasse statt, die Eltern sind mit dem Unterricht nicht zufrieden, die Kinder würden zuwenig lernen und zuwenig gefördert.

Für viele bietet das Mahle-Filterwerk die einzige Arbeitsmöglichkeit, der Schichtbetrieb bringt mit sich, dass die Großmütter die Enkelkinder versorgen müssen. Im Filterwerk werden ständig Kündigungen vorgenommen, weils immer mehr »kostengünstigere« Arbeitskräfte gibt.

Alles in allem also von Existenznöten geplagte Menschen, Nöte und Probleme die »hausgemacht« sind und mit AusländerInnen noch gar nichts zu tun haben. Die Leute haben Angst und sie sind verunsichert, dass ihnen angesichts der Krise ihre knappe Existenz auch noch zerbricht. Der Bürgermeister (die SPÖ ) hört nicht hin, hilft nichteinmal Fließwasser und Strom in dem einen Haushalt zu ermöglichen, oder die Schulmisere zum Besseren zu wenden. Soviel tägliche Lebensangst muss – psychologisch nachvollziehbar – weggepackt werden und wenn die Landespolitik die »Ausländer« dafür verantwortlich macht, ist das Ventil aufgetan.

Mein Eindruck ist, dass es in Neuhaus einen enormen Kommunikationsbedarf gibt. Zum einen über die eigene miserable Lage und zum anderen darüber,

  • was den Flüchtlingen tatsächlich zur Verfügung gestellt wird und was ihnen aus rein humanitären, aber auch gesetzlich geregelten Gründen zusteht. (Anstelle von Fakten dominieren Gerüchte);
  • in welchen Bereichen die Arbeitsplätze für die »Einheimischen« entstehen sollen. Sollen sie putzen, kochen, eine Wäscherei betreiben? Was werden das für Arbeitsplätze sein? Was heißt »Flüchtlinge betreuen«? Welche Ausbildung braucht es dafür? Darauf braucht es konkrete Auskünfte, denn die Leute in Neuhaus haben wenig bis keine Vorstellung, warum im Zusammenhang mit 135 oder 200 Flüchtlingen 130 Arbeitsplätze enstehen sollen;
  • wie der Schulunterricht aussehen wird, wenn »so viele« Flüchtlingskinder in die Volks- und Hauptschule kommen und unsere Sprache nicht sprechen. Wird es z.B. das beste dafür geschulte Lehrpersonal geben? Werden die einheimischen Kinder von einem professionellen zwei- und mehrsprachigen Unterricht profitieren? Wie soll das funktionieren, wenn es schon mit dem zweisprachigen Unterricht hapert?
  • welcher Arbeit Flüchtlinge nachgehen können und ob sie den »Einheimischen« Arbeistplätze wegnehmen werden
  • welche konkreten Infrastrukturverbesserungen für die Gemeinde sind denn gemeint? Werden die Straßen besser, wird es mehr Lebensmittelgeschäfte geben, werden Bauern, Bäcker etc... tatsächlich mehr Produkte verkaufen können?

Es mag banal erscheinen – und das ist es auch – doch aus Neuhaus nehme ich mir mit, dass die Menschen dort abgeholt werden müssten, wo sie sich befinden, und bevor darüber geredet wird, was alles für die Flüchtlinge gemacht und getan wird, zumindest aber parallel dazu, sollten den »Einheimischen« auch die Vorteile, die sie dadurch hätten, gut und verständlich vermittelt werden.

Nachsatz: Wenn nicht einmal der Versuch gemacht wird zu informieren, wenn niemand mit den Leuten redet und ihnen zuhört, sind sie umso empfänglicher für einfache Parolen und Verallgemeinerungen.

Klagenfurt am 06.07.09

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Die Autorin ist aktives Mitglied beim → Aktionskomitee für mehr Menschlichkeit und Toleranz in Kärnten

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Zum Weiterlesen

→ Karnt'n is lei ans? Fragen und Gegenthesen. Zum intimen Verhältnis von Kärntner/innen und Antikärntner/innen und dem Versuch einer Dekonstruktion dieses Beziehungsgeflechts

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Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

diana, 2009-07-10, Nr. 4523

Ich möchte kurz einiges anschneiden:
für mich ist es logisch, dass zu so einer infoveranstaltung genau diese menschen strömen, weil die wahrheit halt doch diese ist, dass genau diese partei
(welche sich als sogenannte „robin hood“ partei mit einfachen parolen stilisiert) mit den leuten redet (die inhalte seinen dahingestellt...), sie geben diesen menschen das gefühl für sie da zu sein, vielleicht hat am ende der veranstaltung einer der orangen köpfe es auch noch „angepackt“ und endlich dafür gesorgt, dass dem angesprochenen herrn wasser und strom eingeleitet wird. so werden nun mal stimmen gemacht. das ist nichts neues, die menschen wollen sichtbare hilfe, eine schnelle vermittlung bei behördlichen endloswegen, ein unbürokratisches vorgehen, einfach&schnell, so zu sagen: vitamin B.

ich tu was für dich ABER dafür bis du mir in ewiger loyalität verbunden...

ist so was ein politisches bewußtsein???? wo bleibt die persönliche politische meinung des kleinen bürgerleins? UND JA, auch einem menschen, ohne strom und wasser, oder ohne hauptschulabschluss, IST SO WAS ZUZUMUTEN, nämlich eine meinung. und –bitte- eine politische meinung hat nicht unbedingt mit der bekennung zu einer farbe/partei zu tun.
wo haben die leute überhaupt eine eigene meinung? und ist eine meinung zu haben auch schon eine politische meinung?
heide schmidt hat was wirklich bezeichnendes über die österreicher gesagt: die österreicher haben keine „meinungskultur“ (so ähnlich halt). in österreich hat man irgendwie keine eigene und klare meinung, es wird gewendet und gedreht. diese meinungslosigkeit ist vielleicht ein relikt aus vergangenen tagen...aber sie schleppt sich durch die zeit...wir haben ein verrutschtes bild zum thema meinung, wir glauben nämlich meinung = konflikt. weil eine meinung zu haben, kann auch bedeuten auf jemanden zu stoßen, welcher nicht der gleichen meinung ist. dieses vorurteil der freien meinung gegenüber wuchert aus der familie hervor. im grunde sind wir ein verwirrtes orientierungsloses konfliktscheues meinungsfaules völkchen... in uns schlägt nach wie vor das herz der übermächtigen, wir sind gerne schafe ( natürlich bitte nicht auf alle umwälzbar)
wie sollen wir also bitte menschen von anderen kulturen begreifen? wie sollen worte wie barmherzigkeit/mitgefühl/menschlichkeit für fremde bei uns ankommen? und wie sollen wir überhaupt mit flüchtlingen, als menschen die hilfe suchen umgehen wenn wir in uns unklar sind und auch unseren familien gegenüber unklar sind. was mich immer zum brüllen bringt, sind oft aussagen wie, die familie ist uns wichtig, wir sind familienmenschen, was im nebenhaus passiert, da hört aber unser familiensinn auch schon wieder auf und die wahrheit ist doch diese, oft wird familie nur oberflächlich gespielt.
wenn also in neuhaus ein enormen kommunikationsbedarf herrscht, dann muss der ansatz dieser sein, diesen menschen überhaupt mal beizubringen wie normale kommunikation überhaupt funktioniert. ich glaube die themen sind anfangs nicht unbedingt arbeitsplätze und schulunterricht, er ansatz ist ein anderer. dazu fällt mir eine reportage vom ORF ein, es wurden verschiedene gemeindebausiedlungen in wien besucht, wo die ausländer/inländerproblematik enorm schwierig ist, dort kommen die leute einfach auf keine gemeinsame meinung... als gegenbeispiel wurde ein gemeindebau besucht, wo es sehr wohl ein miteinander möglich ist. verantwortlich dafür ist die eigeninitative einer EINZIGEN dame, die alle kinder bei sich einladet, die sportveranstaltungen organisiert etc., wo ängste und vorurteile abgebaut werden. da hat also JEMAND eine meinung und siehe da, es funktioniert. es ist also möglich auch als einzelner was zu bewegen und es ist auch möglich die welt zu begreifen ( im wahrsten sinne des wortes), ich glaube ganz fest daran, die eigene familie und die familie es nachbarn etc.. ist die lösung dazu!

tja, vielleicht konnte ich ein wenig anregen.

mimenda, 2009-07-11, Nr. 4524

"in österreich hat man irgendwie keine eigene und klare meinung, es wird gewendet und gedreht."

hm, wenn das stimmen sollte und ich den deutschen im umkehrschluss zugestehen wollte, ihre meinung sei eigen und klar und es würde sich nicht geziert, dann wäre da vielleicht etwas dran, aber nur um einen preis, der höher wäre als der, den ihr für euer angebliches gebrechen zahlt.

das drehen und wenden mag etwas verdrängen wollen, ist aber eher noch zeichen von wehen und bevorstehender geburt als der steife und starre armin der cherusker im teutoburger wald, den ich als wahrzeichen meines "volks" oft so treffend finde.

diana, 2009-07-12, Nr. 4525

ja, mimenda,
deine interpretation: "zeichen von wehen und bevorstehender geburt"
gefällt mir gut, klingt auch versöhnlicher...als drehen&wenden...

wir sind im werden. wir reifen auch als gemeinschaft und gesellschaft im kollektiv, was jeder einzelne inhaliert, wird zum ganzen.

ich frage mich, wie schaffen es die, die dieses bild einer "besseren" welt im kopf haben, an die ranzukommen, die noch nicht so weit sind?

mimenda, 2009-07-14, Nr. 4527

wenn die anderen noch nicht so weit sind, sind wir selbst auch noch nicht weit genug. es geht vieles in menschen vor, das sich nicht hinreichend mitteilt. und so sehr ich den spruch verabscheue, man müsse die menschen da abholen, wo sie stehen, so ist doch etwas wahres dran.

man muss sich selbst erst einmal klar machen, wo und wie man steht, dann kann man sich - vielleicht - von dieser standpunktphilosophie lösen und zu objektiven erkenntnissen gelangen.

diese den menschen aber so darzulegen, dass sie sich selbst in der kritik der zustände verstehen, ist in unserer zeit m.e. ein ding der unmöglichkeit, denn der mensch ist durch die ausdifferenzierung des kapitalismus sich selbst so sehr verlustig gegangen, dass er jeden für deppert halten muss, der ihm einen halbwegs klaren spiegel vor das entseelte antlitz hält.

mimenda, 2009-07-21, Nr. 4529

nein. wenn wir (wer auch immer das ist) uns zugute halten, von dem, was ist und soll, mehr zu verstehen als andere, haben wir diese offenbar noch nicht mit auf den weg genommen. mir geht es darum, wie die einsicht derer zu ermöglichen ist, die nur auf aussicht aus sind.

machen, das hatten wir schon einmal, nicht wahr? machen kann man seinen haufen erst, wenn er heraus will. vorher kommen nur flatulenzen :-).

diana, 2009-07-21, Nr. 4528

klingt nach ausrede. ich meine überleg doch mal, die anderen die noch nicht so weit sind, sind deshalb noch nicht so weit, weil die, die schon so weit sind, im grunde auch nicht so weit sind???? klingt nach stillstand. also deshalb einfach gar nix machen, und die dumpfbacken im sumpf ihrer unwissenheit weiter vor sich hinköcheln lassen?

diana, 2009-07-23, Nr. 4530

schau, ich will mich nicht in der erklärung von wörtern wie "machen" etc. verlieren. es mag schon stimmen, dass wir ALLE unfertig sind (verzeih, dieses wort, darüber könnte man jetzt ja auch schon wieder streiten!) und trotzdem gibt es erziehung und menschen die von anderen menschen lernen wollen/müssen.
ein traumatisierter kindersoldat ist gebrochen worden, durch menschen.
menschen werden durch erfahrung im umgang mit anderen menschen "gemacht".

ich bin mir nicht sicher ob du mich und ich dich verstanden haben, ist deine aussage jetzt ein rein philosophischer ansatz?

ein beispiel:
nehmen wir mal an, du weißt etwas sehr wichtiges, etwas was mich als mensch reifen läßt, dann wäre es doch fatal wenn du es mir vorenthalten würdest, nur weil wir alle noch gas im eigenen bauch sind?

mimenda, 2009-07-23, Nr. 4531

beispiel: du hast eine gute idee und willst sie an frau und mann bringen. die idee kann noch so genial sein: wenn sich nicht auch das "zeitfenster" öffnet, das dir die möglichkeit ihrer umsetzung gibt, wird nichts draus.

ähnlich ist es m.e. mit den ideen der menschen bezüglich eines besseren oder gerechteren lebens. marx' theorie ist da ein willkommenes beispiel, wie ich meine. dass er recht hat (seine theorie also die wirklichkeit objektiv beschreiben mag), ist dabei nebensächlich, solange die, welche seiner theorie zufolge revoltieren müssten, wenn sie ihre objektive misere erkennen und zugleich auch erleiden würden, es nicht tun, weil sie durch allerlei manipulation oder menschliche bequemlichkeit in ihrem bewusstsein vernebelt bleiben.

diesen nebel zu lichten, müssten sich die anschicken, welche objektiv über die misstände bescheid wissen. aber sie können natürlich auch nicht mit letzter sicherheit von sich behaupten, keine ideologie (also irgendeine subjektive meinung) zu vertreten. aber nehmen wir mal an, sie seien im besitz der objektiven wahrheit. dann wäre es an ihnen, jenen, die nicht in deren besitz sind, diese nahezubringen und sie mitzunehmen oder meinetwegen auch mitzureißen (?).

da sie dies aber nicht vermögen, denn es ändert sich ja nichts spürbares (meine meinung) an den verhältnissen, sondern der großteil der menschen wird im gegenteil immer mehr vernebelt; da sie dies nicht vermögen, sind sie m.e. auch noch nicht so weit wie sie sich selbst glauben machen. ihre aktionen geraten daher zum aktionismus (was du etwa an den vielen säuen sehen kannst, die in punkto bildung durch's dorf getrieben werden): am wesen der misere ändert sich nichts, sie erscheint dem betrachter bloß anders.

die eigene ideologische verneblung zu erkennen, halte ich daher für erstrangig. sobald man dann etwas siehst, kann man schon mal losgehen, aber ratsamer wäre es, man ginge erst, wenn man weiß, wo man steht und wo man hingehen will.

diana, 2009-07-24, Nr. 4532

>wenn sie ihre objektive misere erkennen und zugleich auch erleiden würden, es nicht tun, weil sie durch allerlei manipulation oder menschliche bequemlichkeit in ihrem bewusstsein vernebelt bleiben.

diesen nebel zu lichten, müssten sich die anschicken,<

okay, vernebelt, ich versuche dich zu verstehen, manipulation&menschliche bequemlichkeit im bewusstsein-woher kommt diese? sie zu erkennen ist vielleicht der letzte schritt? diese dynamik, welche sich über generationen entwickelt, diese vernebelungs-dynamik, wird diese nicht in einfachen nachahmungsmustern wieder und wieder wiederholt? nach dem motto:wenn etwas immer schon so war, warum soll es dann was anderes geben? wenn sie die letzte generation nicht mehr erinnert, was in der vorvorletzten generation war? was dann?
es liegt dann doch am einzelnen? willst du mir das sagen?
dieser gedanke, der/die einzelne muss sich selbst erkennen, klingt für mich schon wieder nach kapitalismus. jeder kann es schaffen, jeder hat sein leben selbst in der hand.jeder kann sich SELBST und ALLEINE vom kapitalismus befreien?

mimenda, 2009-07-24, Nr. 4533

die verneblung ist tradition, indem sie irgendwann in der vergangenheit begann. jedoch ändert sie sich auch fortwährend und erzeugt in den individuen das gefühl von fortschritt.

es liegt m.e. ebenso am einzelnen wie am "system", weil der einzelne die nebelwand mitten in sich trägt und diese zugleich durch das "system" bestimmt wird. wenn ein solcher einzelner die freiheit mit den mitteln des nebels erringen will, kommt wieder nur nebel dabei raus. das ist dann die kontinuität der tradition.

die frage scheint mir, wie es gelingen kann, ein umdenken der meisten zu erreichen, ohne dass sich die verhältnisse bereits radikal geändert haben. die aktuelle "krise" ist doch symptomatisch: gedacht wird viel, gemacht wird nichts oder dasselbe wie zuvor, nur ein bisschen anders, um fortschritt vorzuschützen. und diejenigen, die an ihr gewinnen, machen nichts (warum auch?) und wollen auch nicht, dass etwas getan wird, während jene, die ihretwegen verlieren, keine macht haben und zudem derart vernebelt sind, dass sie sich eher die lamentablen verhältnisse vor der krise zurückwünschen als eine radikale änderung derselben. da mag angst dahinterstecken, aber die war ja bekanntlich noch nie ein guter ratgeber.

der einzelne kann wahrscheinlich die geschehnisse bloß beobachten und sie zu analysieren suchen. erst wenn die zeit reif ist (aufgrund der materiellen bedingungen, die wir alle gemeinsam durch unser vernebeltes handeln verschulden), werden wir handeln, um die not zu wenden. jetzt (schon) radikale änderungen des lebens - und sei es nur auf dem finanzsektor - zu erwarten, scheint mir illusorisch.

insofern: nein, niemand kann sich selbst und allein vom kapitalismus befreien. das müssen wir alle gemeinsam tun auf der basis einer veränderten resourcenlage. aber solange die für den mächtigen teil der welt (noch recht) gut ist und für den ohnmächtigen miserabel, wird sich nichts wesentliches ändern.

dennoch entbindet das nicht von der reflexion über die lokalen und globalen zustände und wohl auch nicht von sowas wie verantwortbarem handeln in kleinem rahmen.

diana, 2009-07-24, Nr. 4534

genau deshalb beginne ich wieder rückgreifend auf mein erstes posting:
KOMMUNIKATION

obwohl es mich immer wieder wundert und überrascht, wie kommunikation auch durch die tagesverfassung des menschlichen gehirnes und deren auffassung sich verändern kann.
wenn wir also kommunizieren, müssen wir sicher auch in der emotionalen lage sein, unsere worte so anzuwenden um nicht wieder mehr missverständnisse zu produzieren.

vielleicht ist das die herausforderung der jetztigen gesellschaft/dieser zeit, zu lernen verständlich zu sprechen aber auch zu lernen zuzuhören.

ich glaube ganz fest daran!

>lieber wortgewaltig kommunizieren als gewalttätig sich die schädel einschlagen<

CM, 2009-07-26, Nr. 4536

Bitte den Artikel von A. J. Jacobs lesen.

www.neon.de/kat/fuehlen/psychologie/276242.html

Auszug:
wurde Opfer von zwei Fehlleistungen meines Gehirns. Zum einen vertrauen wir zu sehr auf Autoritätspersonen. Blind folgen wir dem Kapitän, selbst wenn er über die Reling springt. Zum anderen vergessen wir schnell, woher wir etwas wissen. Wir lagern Informationen zuerst in einer Hirnregion namens Hippocampus ab. Mit der Zeit verschieben wir dieses Wissen aber in die Großhirnrinde, wo - wie die Autoren Sam Wang und Sandra Aamodt es nennen - wir »dieses Wissen von dem Kontext trennen, innerhalb dessen wir es gelernt haben. Wir wissen zwar, dass Sacramento die Hauptstadt von Kalifornien ist, wissen aber nicht mehr, wo wir es erfahren haben.« Das bedeutet: Eine Nachricht aus dem »Wall Street Journal« halten wir für ebenso glaubwürdig wie die Geschichte, die uns der Cousin unseres Friseurs gesteckt hat.

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