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Walther Schütz

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2009-02-16

Warum versagt das Wundermittel Bildung?

Ein paar nicht vollständig systematisierte Zweifel, Gedanken und Fragen zum Bildungsbegriff

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„Staatskunst ist etwas anderes, etwa: Das Notwendige populär machen. Das setzt ein Bekenntnis zum Unpopulären voraus, eine Idee vom großen Ganzen und viel Mut."
Hubert Patterer, „Woche der Eintrübung". In: Kleinen Zeitung, 15.2.2009

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Mit der Bildung sei was nicht in Ordnung, hört man allerorten. So hat Erich Ribolits in seinem vor kurzem auf kärnöl veröffentlichten Beitrag –> „Wer bitte sind hier die Bildungsfernen?" die Zuschreibungen von bildungsfern versus gebildet, etc. einer gründlichen Kritik unterzogen. So sei das Problem mit den Halbgebildeten, dass sie möglicherweise sogar sehr viel gelernt hätten, aber ihr Wissen – im Gegensatz zu jemandem, auf den die Bezeichnung „Bildung" zu Recht angewandt wird – bloß in verdinglichter, domestizierter Form gebraucht anwendeten (wie etwa das systemkonforme Eingangszitat Hubert Patterers vorführt).

Ein anderer – mit dem vorgenannten eng verknüpfter – Diskussionsstrang lautet, dass das Bildungsideal in der heutigen Zeit verraten werde und Schule etc. nur mehr AUS-Bildung vermittle ... Auch hier: DA das Ideal von Bildung, DORT die schnöde Realität.

Nun arbeite ich ja selbst in einer Organisation (dem ÖIE-Kärnten), die sich explizit als Bildungseinrichtung (und nicht etwa, wie andere NGO's, als Lobbyorganisation, als Kampagneorganisation ...) definiert. Und in dieser ständigen Beschäftigung mit Bildung steigen mir allmählich Zweifel auf, ob der immer wieder (auch von uns selbst!) ausgesprochene Vorwurf, dass die eine oder andere Weichenstellung in der Bildungspolitik ... nicht mit „wirklicher" Bildung vereinbar sei, dass da ein Ideal „verraten" werde, ob also diese Gegenüberstellung überhaupt zu halten ist. Womöglich liegen die Probleme nicht in einem Missbrauch von Bildung, sondern in der Bildung selbst, womöglich ist Bildung selbst das Problem!

Bildung: Alles andere als eine menschliche Seinskategorie

Das klingt ja nun wirklich absurd, wie kann man die hehre Bildung anzweifeln? Zunächst einmal eine banal erscheinende Beobachtung:

Würde man etwa einem weisen Menschen im Regenwald Amazoniens (also einem sogenannten Indigenen) begegnen (z.B. einem Medizinmann), also einer Person, die viel über die Pflanzen und ihre Heilkräfte weiß, die viel Erfahrung hat, vorausschauend agiert und was halt so alles zum Klugsein gehört und dieser Mensch wäre außerdem noch nie mit unserer Kultur in Kontakt gekommen, würde man diese weise Person als „gebildet" bezeichnen? Wohl nicht, irgendwie würde der Begriff nicht zutreffen. Daraus ist zu lernen, dass „klug und weise sein" und „gebildet sein" unter Umständen irgendwie zusammenspielen können, dass sie aber grundsätzlich etwas Verschiedenes bezeichnen.

Machen wir einen Sprung nach Europa: Man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber meines Wissens kennt das Englische den Begriff Bildung nicht, gemeinhin wird „Bildung" mit "education" übersetzt. Das aber hat eine andere Konnotation als die deutsche Bildung, "education" kommt ja wohl eher dem deutschen Begriff „Erziehung" nahe. Sollte womöglich das schnöde, dem Gelde nachjagende Britannien ungebildet sein, wie es so lange das deutsche Bild vom Rivalen jenseits der Nordsee war? Doof, aber reich und mächtig? Und dem gebildeten Kulturvolk den „Platz an der Sonne" verwehrend, so das Urteil des deutschen Bildungsbürgertums vor und nach dem 1. Weltkrieg?

Der Gebildete als der sich andienende Hofnarr

Oder ist es womöglich ganz anders? Schauen wir uns einmal an, wo die deutsche Aufklärung aufzukommen beginnt: In einem miefigen Umfeld, unter der Fuchtel autoritärer Klein- und Kleinstfürsten, da hat sich das herausgebildet, was sich als das Bildungsbürgertum definiert(e). Politisch schwächlich, sich besagten Herren andienend, voller Furcht vor dem heraufziehenden Kapitalismus, voll von Minderwertigkeitskomplexen und Neid auf Franzosen und Engländer, die bereits den Nationswerdungsprozess voll abgeschlossen hatten, träumt man vom Deutschtum, das mangels entfalteten Kapitals sein Wesen in inneren Werten findet.

In so einem Umfeld ist der Bildungsbegriff und sein sozialer Träger, der „Gebildete", entstanden. Bildung, ein Begriff, der einhergeht mit Sagern wie „Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit", der nur so strotzt vor Innerlichkeit, die irgendwie aus sich selbst herauswachse. Da gehe es „um die Ausbildung/Vervollkommnung der Persönlichkeit und das Erlangen von Individualität", Pestalozzi spricht von der „allgemeine(n) Emporbildung der inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Menschenweisheit", ... Fichte: „Das Ich als Werk meiner Selbst", Kant: „Sie ist Erziehung zur Persönlichkeit, Erziehung eines frei handelnden Wesens, das sich selbst erhalten, und in der Gesellschaft ein Glied ausmachen, für sich selbst aber einen innern Wert haben kann.“ (Zitate aus –> Wikipedia: „Bildung").

Der Gebildete ist in einem spezifischen Verhältnis zum gesellschaftlichen Ganzen: Er kritisiert zwar dessen Fehlentwicklungen, er empört sich über die Entartung, aber nicht über die gesamte Grundlage, er bleibt dem Ganzen (der Gesellschaft, dem Volk …) über seinen Bezug zum Staat verbunden. Der Gebrauchswert des Gebildeten für das System ist sein idealistischer Nachdruck / seine Emphase, der Appell an die Vernunft des Systems, an den ideellen Gesamtkapitalisten (=Staat), der in dieser historischen Phase der aufgeklärte Monarch ist. Und als Gegenleistung für seine systemkonforme Kritik will der Gebildete von Vater Staat auch ausgehalten werden.

Zwischenresüme: Der (deutsche) Bildungsbegriff hat aus seiner Entstehungsgeschichte heraus einen spezifischen Drall. Er meint nicht inhaltliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Gesellschaft, sondern ganz im Gegenteil: Diese Grundlagen werden wegen des Herumdokterns von Bildung am Individuum stillschweigend vorausgesetzt. Worum es tendenziell geht, ist die Anpassung des Einzelnen an die Verhältnisse und seine kulturelle Höherentwicklung innerhalb dieser Verhältnisse.

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Im nächsten Teil → „Bildung als Waffe"

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Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

niemand, 2009-02-20, Nr. 4398

Und was ist mit Humboldt?

schritt, 2009-06-20, Nr. 4514

Wann geht's (endlich) weiter?

Walther Sch., 2009-06-20, Nr. 4515

stimmt, ist noch ausständig. kommt noch, musste leider aufgeschoben werden, sorry, walther

Walther Sch., 2009-12-21, Nr. 4701

Zu Reaktion Nr. 4514: Wann geht's (endlich) weiter?

Die Fortsetzung der Überlegungen finden sich im Beitrag "Wenn Bildung zur Waffe wird" vom 17.12.2009. Hat länger gedauert tut mir leid, Walther Schütz

mimenda, 2011-09-14, Nr. 5263

Den spezifischen Drall des deutschen Bildungsbegriffs vermag ich nicht zu sehen. Bei Kant ist Bildung Erziehung zur Persönlichkeit, also zum freien Handeln. Das impliziert die Kritik der Verhältnisse und ist ihnen gegenüber nicht affirmativ.

Zuvor wurde der Mensch erzogen (educare = herausführen - kein Wunder, dass das bei den Briten so heißt) oder hatte sich noch früher bloß einer Bildung durch Gott, nicht an ihm oder den Dingen, zu überlassen. Dieses passive Element ist spätestens seit der Renaissance verschwunden, wird bei Humboldt sogar reflexiv, also zur Aufgabe, die das Individuum nur aktiv bewältigen kann, taucht aber heute in neuem passiven Kleid und unter demselben Namen wieder auf.

Das Problem sehe ich also nicht beim historischen Begriff, der einen kontinuierlichen Wandel erfährt, sondern bei dessen moderner Unterordnung unter den Diktat der Verwertbarket. Letzterer aber ist global.

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