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Walther Schütz

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2006-12-13

Radikales Denken lernen

Teil 1 - Über das notwendige Scheitern

Der Beitrag r Manchmal könnte man schon resignieren … , den wir anlässlich der 25-Jahrfeier des ÖIE erhalten haben, hat mich tief berührt. Dies nicht nur wegen seiner Ehrlichkeit und der Selbstzweifel, sondern weil sich darin die Autorin mit einem Thema beschäftigt, das ich schon länger in der „Szene“ ansprechen möchte, aber die Wenigsten Zeit zur Diskussion finden: Gibt es vielleicht jenseits des fehlenden guten Willens der von uns angesprochenen Menschen gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten, die uns – die wir uns einbilden, die „Moral mit dem Löffel gefressen zu haben“ – mit unserem Appell an das gute Gewissen scheitern lassen müssen? Vielleicht ist es nicht nur eine immer noch praktizierte Pädagogik des erhobenen Zeigefingers, sondern ein Mehr, das uns scheitern lassen muss?

Dazu möchte ich zunächst einmal einen Text aus der Kleinen Zeitung in Erinnerung rufen, den ich auf kärnöl bereits 2003 analysiert habe - r Nachhaltige Abhängigkeit garantiert! Über den Zwang, immer neue Bedürfnisse zu produzieren und diese niemals befriedigen zu dürfen :

Der satte Kunde hat noch Appetit - Marktforscher analysiert: Gesellschaft sieht Konsum als Glücksdroge ...

Die Gesellschaft sei zwar satt, aber „je größer der Bauch, desto größer ist der Hunger“, analysiert Werner Beutelmeyer vom Market-Institut Linz die Konsumbereitschaft der Österreicher bei einem Vortrag im Marketing Club Kärnten. .... Der Konsum ist laut Beutelmeyer eine Glücksdroge: „Wenn wir nichts mehr kaufen sind wir unglücklich.“ Das Glück sei in anderen Bereichen nämlich immer schwerer zu erreichen. Einerseits gäbe es bei Partnerschaft, Familie, Gesundheit und Beruf zwar immens hohe Ansprüche, erfüllen könne diese aber fast niemand."

Oho, da könnte man ja im ersten Moment meinen, dass da jemand kritisch über die Gier unserer Gesellschaft nach immer mehr Waren nachdenkt, über all den Konsumwahn mit seinen verheerenden ökologischen Folgen! Aber weit gefehlt:

Den Hunger zu wecken erfordert aber geeignete Mittel. Denn die Zeiten der Nachkriegsversorgungs-Gesellschaft, die auf ein Riesenschnitzel, das über den Tellerrand hängt, bestand, seien vorbei, so Beutelmeyer. Heute sucht die Erlebnisgesellschaft die gelungene Inszenierung. .... Der Kunde wolle nicht mit Massenprodukten zufrieden gestellt werden, sondern überrascht und begeistert werden."
(alle Zitate aus: Kleine Zeitung 17. Oktober 2003, S. 32)

Merke: Herrn Beutelmeyer geht es nicht darum, von der Sucht zu therapieren, sondern bei zunehmender Unlust von noch härteren Drogen abhängig zu machen. Objektiv gesehen ist eine solche Haltung in einer Welt, in der 20% der Menschheit 80% der Ressourcen verbrauchen, eine riesige Schweinerei! Bereits jetzt ist dies eine Übernutzung unseres Heimatplaneten – und schon gar nicht ist dieses Modell der reichen 20% übertragbar auf die ganze Welt.

Warum wird nun der zitierte Herr Beutelmeyer, der ja in seinen eigenen Worten Mittel für Abhängigkeit von der Droge Konsum vorschlägt, nicht polizeilich verfolgt? Wo doch sonst auch noch der kleinste Haschischanbauer mit dem Argument der Drogenbekämpfung vor den Kadi gezerrt wird?

Oder besteht die besondere Qualität der Aussagen des Herrn Beutelmeyer darin, nur etwas offen auszusprechen, was andere nur denken oder gar nur fühlen? Woher kommt nun diese Wurstigkeit des Mainstreams gegenüber den grundlegenden zivilisatorischen Problemen? Woher dieser Tanz auf dem Vulkan?

Die Antwort liegt darin, dass wohl fast jede/r weiß (der Rest spürt es zumindest), dass Konsum nicht nur eine individuelle Droge, sondern eine Droge ist, von der diese Gesellschaft als Ganzes abhängig ist. Erst wenn der Drogenkonsum läuft, ist eine der Voraussetzungen für den Kreislauf von Warenproduktion – Verkauf – Profit – Investition – erneuter Produktion ... gegeben.

Was umgekehrt gilt, ist logisch, aber schon viel weniger bewusst: Wenn sich tatsächlich die Menschen an die – von den „Gutmenschen“ propagierte – Notwendigkeit halten würden, nämlich „verantwortungsvoll“ zu konsumieren (z.B. möglichst wenige Autos zu kaufen und Öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen) und die ganze Fülle an Waren nicht kaufen würden, dann würde diese Wirtschaft ins Stocken geraten. Auf einmal würde es zu Arbeitslosigkeit kommen, zu Krisen ... Aus dem freiwilligen, vernünftigen Verzicht würde auf einmal der unfreiwillige Verzicht, die Not!

Diese Widersprüche zeigen sich nicht nur bei den großen zivilisatorischen Fragen, sondern begleiten uns tagtäglich:

  • Da baut etwa die ehemalige rot-grüne Regierung in der BRD per „Reform“ den Sozialstaat ab, „motiviert“ die Leute zur Eigenvorsorge für die spätere Pension (=Sparen), und wenn dies alles brav befolgt wird, dann entdeckt Herr Schröder die Sparneigung der Konsument/innen als Feind des Aufschwunges.
  • Und dieses Plädoyer für den Konsum hält die selben Kreise nicht davon ab, hochverschuldete Jugendliche als handysüchtig zu verurteilen, obwohl sie doch nur die Ratschläge der Werbeindustrie befolgen und gemessen an den Kriterien der Wirtschaftswissenschaften wertvollste Konsumarbeit leisten – noch dazu bis zur finanziellen Selbstaufgabe, dem Bankrott.
  • Kurz: Wir leben in einer Gesellschaft, deren Logik darauf beruht, dass der/die Einzelne nur dann etwas bekommt, wenn er/sie es schafft, anderen etwas zu verkaufen. Um unsere Bedürfnisse befriedigen zu können, müssen wir dafür sorgen, dass die Bedürfnisse nie befriedigt sind. Wir alle sind dazu verdammt, „belieferungsbedürftige Mängelwesen" (so die deutsche Philosophin Marianne Gronemeyer) zu schaffen und auch selbst zu sein. Wir sind – um in der Drogenmetapher des eingangs zitierten Beutelmeyers zu bleiben – wechselseitig Dealer und Süchtige.
Das große Tabu

Diesen Widerspruch möglicherweise sogar zu sehen, ihn aber achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen und nicht dagegen zu rebellieren, ist allerdings nur dann möglich, wenn die Verhältnisse, die dieses Verkehrte hervorbringen, tabu sind. Tabu ist, darüber zu reden, ob man diese Gesellschaft mit ihrer indirekten Bedürfnisbefriedigung über Markt und Waren nicht ersetzen könnte durch andere Formen des Zusammenlebens, in denen freie Menschen sich darüber verständigen, was zum Wohlbefinden der Gesellschaft wie der einzelnen not–wendig sei und wie dieser Zustand mit möglichst wenig Aufwand und unter Berücksichtigung der langfristigen Konsequenzen herbeizuführen sei. Wenn direkt für Bedürfnisse erzeugt wird, sind Produktion und Verbrauch zwar mit wachsender gesellschaftlicher Ausdifferenzierung („Arbeits“-Teilung) nicht eins, aber unmittelbar aufeinander bezogen. Im Kapitalismus aber sind Produktion und Konsum (als die kapitalistische Form des Ge- und Verbrauchens) strukturell auseinandergerissen. In dieser Arbeitsteilung ist es angelegt, nicht auf die Konsequenzen schauen zu dürfen – etwa in ökologischer Hinsicht.

Wäre beispielsweise die Kette von den Produzent/innen von Lebensmitteln hin bis zu den Abnehmer/innen solidarisch organisiert, so könnte es zwar zu Fehlentscheidungen in der Ressourcenallokation kommen. Im Prinzip aber müssten alle Beteiligten schauen, wie sich das Potenzial an Futter mit dem Fleischverbrauch ausgeht.

Nicht so in einem Warenproduzent/innen–Konsument/innen–Verhältnis: Aus diesem Verhältnis heraus ist nur wichtig, dass möglichst viel Fleisch konsumiert wird. Was das an Raubbau wegen des dafür notwendigen Futtermittels Soja bedeutet? Egal! Konsument/innen und Produzent/innen, die sich da um die Konsequenzen in den Herkunftsländern der Futtermittel Sorgen machen, müssen da die bekannte Ausnahme von der Regel bleiben.

Zu Teil 2 von "Radikales Denken lernen": r Kritik der Strukturen

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rÜbersicht: ÖIE-Kärnten rNachdenken über Bildung und unser Tun rUnser Ansatz: Emanz. Entwicklungspol. Bildung
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I told Delobi that I, 2015-09-26, Nr. 6368

I told Delobi that I hoped people didn't read this post as one that baelms the victims. No one deserves to be injured or killed or frightened. But we do need to know that safety is never guaranteed in life. The schools can't guarantee it, the cops can't guarantee it, and parents can't guarantee it. I think this generation has been very protected by their parents and perhaps that has given them confidence in some areas but also a false sense of security.The civilized and natural worlds are both dangerous and deadly. I'm not sure I want students to have to go through gunman drills like they do tornado drills. But I do think everyone can benefit from some personal safety training. Strangely enough the best I ever received was at the Mpls. Fed while an employee.

That's an inuegions, 2016-01-27, Nr. 6441

That's an inuegions way of thinking about it.

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