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Hans D. Smoliner

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2006-05-23

In Regel ist die Frau

Einleitende Worte zur Dia- und Wortinstallaion von Maria Grimm und Erika Stengl

…des 21ten Jahrhunderts emanzipiert, das heißt durch die feierliche Handauflegung des Kapitals in die Eigenständigkeit entlassen und - global betrachtet - als größte gewinnbringende Zielgruppe hervorragend in das neoliberale Wirtschaftssystem integriert und etabliert.

Wen stört es schon, dass die „hochgewachsene, arbeitsame, nordisch-blonde Frohnatur“ (Anna Maria Sigmund: „Die Frauen der Nazis“, Seite 6, Ueberreuter 1998), in mitten vieler Billigregalen um ein Drittel weniger verdient als ihr männlicher emanzipierter Arbeitskollege, ein schriftliches Ansuchen zur Notdurftbefriedigung stellen muss, so lange sie „keine Sehnsucht nach dem Büro und dem Parlament hat und ihr ein trautes Heim, ein lieber Mann und eine Schar glücklicher Kinder ihrem Herzen näher steht." (Adolf Hitler) ?
Den entpersonalisierten neoliberalen Konzernen sicher nicht, höchstens Kapitalfeministinnen, die durch ihre Forderung nach Gleichberechtigung in den im kapitalistischen Duktus geschriebenen demokratischen Gesetzesbüchern, letztlich den Entsolidarisierung- und Entfremdungsprozess des identitätsstiftenden Tätigseins fördern und die Verkapitalisierung der Frau beschleunigen.

Anima - für Jung der "Archetyp des Lebens" schlechthin - liegt neben dem schon von der kapitalistischen Arbeitsstarre heimgesuchten Animus (von lat. animus = Geist) im Sterben. Hat die Benthamsche Pädagogik des zu Gott gewordenen Kapitals ihr Ziel erreicht?

Mit sensiblen Porträts von Frauen in alltäglichen Situationen, mit scheinbar kontroversiellen, immer austauschbaren Wortpaaren zeichnen Maria Grimm und Erika Stengl ein Frauenbild, das sich der Routine der Hochglanzvermarktung entzogen hat und trotzdem in seiner künstlerischen Reduziertheit die Vielfältigkeit des Lebens widerspiegelt.
Zwei Frauen, zwei Künstlerinnen die mit ihrer Dia – und Wortinstallation, den in den Hintergrund der Tagtäglichkeit emigrierten Geist Animas aufspürten und in Erinnerung rufen. Frauengesichter, viele gezeichnet von den subtilen Traumata der Benthamschen Pädagogik und den soziopathischen Nebenwirkungen der vergöttlichten Arbeit werden mit Eigenschaftswortpaaren, die uns die neoliberalen Heilsversprechungen – genannt Werbung – tagtäglich vermitteln, assoziiert, ergeben ein Frauenbild, das uns - oberflächlich betrachtet - nur allzu vertraut erscheint. Erst bei genaurer Betrachtung tauchen die Störungen Animas auf.
Eine Geste, ein Blick, ein Lächeln, ein Wort, die das harmonisch gestylte kapitalistische Frauenbild stören und dessen Erwartungen nicht mehr entsprechen.
Ungeschminkte Frauengesichter sind Störungen in der neoliberalen Forderung nach Emanzipation der Frau.

Maria Grimm und Erika Stengl demaskieren mit ihrer Dia- und Wortinstallation die Scheinheiligkeit der kapitalistischen Emanzipation und emanzipieren sich durch künstlerische Ausdrucksmedien erst selbst, bevor sie andere emanzipieren, denn in der Regel hat sich Emanzipation nicht bereits im Zusprechen von Freiheitsrechten erfüllt, sondern wird es erst im bewussten Wahrnehmen, Reflektieren und Gestalten derselben.

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