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Walther Schütz

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2006-05-06

Alles nur ein FAIRES Spiel?

Die heimliche Botschaft des Begriffes FAIRNESS

Mehr Beiträge zu diversen Aspekten um „König Fußball" unter TOOOOR!

Oft habe ich mit so was wie einem schlechten Gewissen beobachtet, wie meine Kolleg/innen in der NGO-Szene mit vollem Geschick jedes Event benutzen, um auf der Welle der Popularität reitend entwicklungspolitische Inhalte zu vermitteln. Grad jetzt aktuell: Die WM in Deutschland. Da werden ganze didaktische Themenhefte rund um Fair play angeboten. Und auch wir vom "Bündnis für EINE Welt" haben in unserem Angebot für die Schulen einen r Fußballworkshop. Klar, warum sollte man nicht die Gelegenheit beim Schopf packen und den Kindern und Jugendlichen über den Einstieg "Fußball" die Arbeitsbedingungen etwa in Pakistan, wo Kinder unter unwürdigsten Bedingungen eben diese Fußbälle herstellen, nahebringen?

Und dennoch: Ich bring's nicht so einfach zusammen. Zu sehr ist da die Erfahrung aus den eigenen Schulpraktikumsjahren: Da steht man als Lehrer vor den durch die Institution Schule vom Leben getrennten Schüler/innen und versucht mittels "Motivation" das zum "Stoff" entfremdete Leben den Anbefohlenen schmackhaft zu machen. Das hat nichts mit deren eigenem Leben zu tun, das ist keine emanzipatorische Bildung, das ist halt "Schule".

Naja, der Zweck heiligt die Mittel ... könnte man meinen. Und trotzdem schaffe ich es nicht, denn da ist noch was anderes. Was das ist, möchte ich mit einem Gedankenexperiment veranschaulichen. Dazu ersuche ich Sie, geneigte Leser/in, einmal vor Ihrem geistigen Auge das Bild auszumalen, das Sie haben, wenn die Anleitung lautet:
Die Kinder spielen!

Vermutlich haben Sie folgendes vor Augen: Kinder, die friedlich z.T. miteinander, z.T. alleine Verschiedenes spielen: Puppen, Lego, in einer Sandkiste, ....

Setzen wir nun unser Gedankenexperiment fort. Nun lautet die Anleitung - Was sehen Sie vor ihrem gedanklichen Auge, wenn der Satz lautet:
"Die Spieler spielen fair!"?

Mit einiger Wahrscheinlichkeit sehen Sie einen Wettkampf, in dem Spieler gegeneinander spielen, sei es Fußball, sei es Tennis ...Unabhängig aber davon, was gespielt wird, ist klar, was gemeint ist, wenn die Sprache auf Fairness kommt:

  • Es geht um EIN Spiel und damit um einheitliche Regeln (und nicht etwa darum, dass jede/r nach seinen / ihren Bedürfnissen Verschiedenes spielt);
  • es geht um ein Spiel, das auf Gegeneinander / Wettkampf / Konkurrenz beruht;
  • daher muss es Sieger/innen und Verlierer/innen geben;
  • fair ist, wer sich an die Regeln hält

Wenn also Handlungsansätze mit dem Zusatz "Fair" angeboten werden (Workshops zu Arbeitsbedingungen, angeblich alternative Formen des Handels etc.), dann wird etwa neben der Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder in Pakistan gleich was anderes mit untergejubelt. Der heimliche Lehrplan lautet bei "Fair-Play-Kampagnen" etc.:

  • Wir haben in einem "Globalen-Mensch-ärgere-dich-nicht" mittels Geld und Markt gegeneinander anzutreten, eine Kooperation ist nicht drin! (Außer solche Formen der Kooperation, deren Ziel verbesserte Bedingungen im Kampf gegen andere sind - zwecks besserer Wettbewerbsfähigkeit kann man sich zu Rudeln gegen andere zusammenschließen - genannt "Clusterbildung", "Teams" ...)
  • Zwar soll jeder gegen jeden in Wettbewerb stehen, aber wenn einer zu viel siegt (Konzerne!), dann ist er verdächtig! Dann sind nicht etwa die Regeln der Konkurrenz schuld, dann ist da Unfairness, Verschwörung dunkler Mächte ... im Spiel: Struktureller Antisemitismus, schau oba!
  • Sich nicht an die Spielregeln zu halten ist unfair. Damit ist jede Gesellschaftsveränderung schon einmal von vorneherein kriminalisiert!
  • Das ist besonders die Lehre für die Verlierer/innen: Du bist selbst schuld, dass du verloren hast (Vielleicht hast du dich zu wenig durch lebenslanges Lernen qualifiziert?, wie etwa eine Vorstandssprecherin eines Multinationalen Konzernes neulich wieder einmal verlautete!)! Aber nur ja nicht das "Mensch-ärgere-dich-Spielbrett" in die Ecke werfen, wie es die Kinder noch tun. Nein, die Krot musst du schon fressen - denn du bist ja ein FAIRER Verlierer.

Naja, und wer dann sein ganzes Leben sich selbst (und damit die Mitmenschen) verleugnet hat, bei dem bricht dann halt entweder die Aggression gegen sich selbst oder gegen Minderheiten, in die man das Schlechte dieser Welt hineinhalluziniert, mit voller Wucht aus. Aber auch dafür gibt es schon wieder Antiaggressionsprogramme, stehen die Kohorten der NGO's bereit, gibt es sicher auch wieder EU-Mittel anzuzapfen.

P.S.: Seit mir klar geworden ist, was mich an "Fair play" so stört, fällt mir auch auf, wie oft im Zusammenhang mit den kapitalistischen Zumutungen die Metapher vom Spiel vorkommt: So, als am 25. April 06 Industriellenvereinigung, Katholische Aktion und Siemens ein Symposium veranstalteten mit dem Titel "The Global Game!". Und auch die Sozialdemokratie verlautbart in Vorwahlzeiten immer wieder das Prinzip der Fairness - und bestätigt damit, dass sie mit den Grundprinzipien des Systems, der Konkurrenz, dem Gegeneinander ... ihren Frieden gemacht hat.

Da halte ich mich lieber an Wolfgang Ambros, der die Haltung der Spielverweigerung besingt: "I dra zua, wal I bold gnua hob ..."

Ein Nachsatz:

Reinhilde hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Erich Fromm schon vor 50 Jahren (Erstausgabe 1956) auf die Problematik einer Moral der Fairness aufmerksam gemacht habe. Fromm schreibt:

"Fairness bedeutet, beim Austausch von Waren und Dienstleistungen keinen Betrug und keine Gaunerei zu begehen, und dasselbe gilt für den Austausch von Gefühlen. 'Was du mir gibst, gebe ich dir', lautet in der kapitalistischen Gesellschaft die vorherrschende ethische Maxime sowohl für die Waren als auch für die Liebe. ...
Die Gründe für diese Tatsache liegen im Wesen der kapitalistischen Gesellschaft begründet. ...
Und tatsächlich unterscheidet sich die jüdisch-christliche Norm der Nächstenliebe völlig von der Moral der Fairness. Sie [die Nächstenliebe] bedeutet, den Nächsten zu lieben, das heißt sich für ihn verantwortlich und mit ihm eins zu fühlen; die Moral der Fairness dagegen bedeutet, sich nicht verantwortlich und eins zu fühlen, sondern als getrennt - also die Rechte des Nächsten zwar zu respektieren, nicht jedoch ihn zu lieben."
Erich Fromm, Die Kunst des Liebens (Frankfurt/M - Berlin - Wien 1979), S. 166 f.

Wem die Aussagen Fromms zu schwülstig sind, der möge den Begriff Nächstenliebe durch Solidarität etc. ersetzen. Was aber gemeint ist, dürfte klar sein!

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Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

rVk, 2006-05-06, Nr. 2535

Eine grandiose Betrachtung des Begriffes Fairness, lieber Walter. Gratuliere zu dem Artikel.
Allerdings macht mich der letzte Satz stutzig. Was bitte ist an dem Begriff Nächstenliebe schwülstig???

Da kommst du mir daher wie die heutige sozialdemokratische Partei, die sich auch das Wort Marx nicht mehr aussprechen traut.
Ja, ja die Nächstenliebe ist christlich und hat mit Gott zu tun. Und Gott ist groß. Aber, dass darf scheinbar in einer gesellschaftspolitischen Diskussion nicht gedacht oder eingebracht werden.
Oder es ist dir vielleicht nicht ganz recht, wenn die Leser plötzlich erkennen, dass sehr vieles, was hier auf kärnöl steht, zu tiefst christlich ist. Ich kann deine Abscheu davor nicht verstehen, auch wenn ich sehr gut deine Abscheu vor christlichen Kirchen verstehen kann.

Es soll mir allerdings recht sein, wenn du Solidarität für Nächstenliebe einsetzt. Solange auch tatsächlich Nächstenliebe gemeint ist und nicht die Solidarität, die heute in der Gesellschaft, in der Wirtschaft, in den Schulen und Betrieben, in der Politik und selbst im ÖGB gelebt wird.

rVk

Walther, 2006-05-06, Nr. 2536

Lieber Robert, danke für deine Gedanken zum Artikel.
Zum "schwülstig": Da hast du was missverstanden - damit habe ich NICHT gemeint, dass für mich dies zu schwülstig sei, sondern dass dies Leser/innen mit atheistischem Hintergrund so empfinden könnten.

Walther

erika, 2006-05-08, Nr. 2538

zu 2535 = VW

man könnte doch auf kärnöl unwörter des jahres einführen, denn da gibt es ja einige, die man nicht ungerügt in den mund nehmen darf, wie z.b.: gerechtigkeit, stolz, liebe, demut usw.

es ist für mich interessant und sehr nützlich, dass man sich über die bedeutung dieser "schwülstigen" begriffe gedanken macht , darüber diskuteirt und überprüft, welche bedeutung sie in unserer heutigen gesellschaft haben, bzw. für jeden einzelnen.

ich muss aber gestehen, dass ich durch meine großmuttergottes- erziehung in jungen jahren wohl dosierte schwülstigkeit heiss liebe.

vielleicht hat es aber einfach auch mit gefühlen zu tun?

mit solidarischem gruss

erika

Mimenda, 2006-05-11, Nr. 2544

Sehr bedenkenswerter Beitrag!

In einer als Fortsetzung der Dialektik der Aufklärung gedachten Schrift von 1942 schreibt Adorno Folgendes:

"Schon der Sport ist kein Spiel, sondern ein Ritual. Unterworfene feiern die eigene Unterwerfung. Sie parodieren Freiheit durch die Freiwilligkeit des Dienstes, den das Individuum dem eigenen Körper noch einmal abzwingt. In der Freiheit über diesen bestätigt es sich dadurch, daß es das Unrecht, das ihm selber vom gesellschaftlichen Zwange widerfuhr, an den Sklaven Körper weitergibt. Die Leidenschaft für den Sport, in der die Herren der Massenkultur die eigentliche Massenbasis ihrer Diktatur wittern, gründet darin. Man kann sich als Herr aufspielen, indem man den alten Schmerz symbolisch, in zwangshafter Wiederholung sich selber und andern noch einmal bereitet. [...] Zugleich wird im symbolischen Vollzug die Grenze von Leiden und Tun, eigener und fremder Gewalt verwischt. [...] Nach Regeln darf man weh tun, nach Regeln wird man mißhandelt, und die Regel dämmt die Stärke, um noch die Schwäche als Stärke zu vindizieren: Filmhelden werden gern gefoltert. Wie die Marktregeln sind die des Sports, gleiche Chance, fair play für alle, doch nur als Kampf aller gegen alle."

Na, da sind wir doch heutzutage wahrlich (fast) alle "gut aufgestellt".

Doug Some of that, 2015-12-11, Nr. 6410

Doug Some of that money was mine! Isn't it impossible for vouartlnily donate money to be misallocated? I'll tell you the advantages I saw from the campaign: 1) I had no idea there were that many people out there that would support his message it was very encouraging. 2)Who would have ever thought you would have seen any campaign rally where they cheer eliminating the Fed? 3) A lot of people came for the Antiwar message and (hopefully) learned something about economics.Do I wish he would have won? or been a bit more aggressive? or stopped answering every question at the debates in context of fiat money to try to win some votes? Sure. But would I have paid that $300 just to see Fox squirm at a Sinclair Lewis quote? Oh Yea!

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