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Hans D. Smoliner

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2006-04-08

mal di testa

Einführende Worte zur Ausstellungseröffnung von Helen Consolati.

Kopfschmerzen bei Künstler(innen) sind erst seit einigen Jahrhunderten bekannt. Früheren kunst- und kulturhistorischen Epochen waren sie noch fremd. Erst mit der Entfremdung des kreativen Tätigseins von der sozialen Dimension des gemeinsamen Genusses und mit der Etablierung eines gewinnorientierten Kunstmarktes nahmen die Kopfschmerzen zu. Vor allem in neoliberalen Zivilisationsgesellschaften, wo zwanzig Prozent der „gesunden Kunstschaffenden“ angeben unter Kopfschmerzen zu leiden. Die Statistik zeigt weiters, dass Männer etwas häufiger davon betroffen und die „oberen Schichten der kunstmarktetablierten Künstler(innen)" überrepräsentiert sind.

All diese Fakten erstaunen wenig, wenn wir einmal – wie Helen Consolati – versuchen uns über die Symbolik des Kopfes ein wenig den Kopf zu zerbrechen. Der Kopf besitzt eine deutliche Polarität zum kreativen Handeln. Durch die konsequente Jahrhunderte lange Anwendung der manipulativen Bentham´schen Pädagogik wurde er zur obersten Instanz unserer kreativen Ausdrucksfähigkeit. Mit der im Kopf infiltrierten Idee des Kunstmarktes be-haupten die Künstler(innen) sich. Der Kopf – Kunstmarkt – repräsentiert das oben – ein von sozialemanzipatorischen Aspekten entfremdetes, kreatives Tätigsein – und bestimmt wie die Hand das unten – eigentlich ein sozialemanzipatorisch orientiertes, kreatives Tätigsein – ausdrücken darf. Kreatives Tätigsein wurde und wird so zur Kunstarbeit, zum Frondienst für den Kunstmarkt degradiert.

Helen Consolati nimmt ohne Kopfschmerzen eine leere, weiße Fläche. Eine konsequent, mit fein dosiertem Duktus geführte Hand zieht eine scheinbar in sich geschlossene Linie, zitiert eine archaische Kopfform, reduziert einen Strich zum Lächeln, zur Frage und drängt den monochrom gestalteten Hintergrund fragmentarisch in den Vordergrund. Dieser Vorgang wiederholt sich fast automatisch. Assoziationen mit steinzeitlicher Höhlenmalerei oder mit Kinderzeichnungen drängen sich auf. Dem sozialemanzipierten Betrachter bereitet die Ästhetik der bildnerischen Manifestierung des kreativen Aktes von Helen Consolati auf jeden Fall Vergnügen, den Kunstmarkt verpfändeten Galeristen und Kritikern Kopfschmerzen.
Die Ästhetik von „unten“ – dem Ausdruckserleben als alltägliches sozialpsychologisches Phänome – können sie den Bildern Helen Consolatis und ihrer künstlerischen Kreativität zwar nicht absprechen.
Aus dem Blickwinkel einer Ästhetik von „oben“ – den „schöngeistigen“ Wahrnehmungskriterien des Kunstmarktes – jedoch, widersprechen ihre Persönlichkeit und ihr damit verbundenes künstlerisches Tätigsein auf allen Linien den Gesetzen des Kunstmarktes.

Helen Consolati ist viel zu jung, um sie als für den Kunstmarkt lukrative Künstlerin integrieren zu können:
Das heißt, die Wahrscheinlichkeit der Quantität gewinnbringender künstlerischer Werke hält sich in Grenzen.

Sie ist konsequent ausdrucksorientiert künstlerisch tätig:
Das heißt, ihr künstlerisches Tätigsein, ihre Werke sind letztlich auf ein sozialemanzipatorisches Ausdrucksbedürfnis reduziert.

Ihr autodidaktischer künstlerischer Werdegang widerspricht der Bentham´schen kunstpädagogischen Karriereplanung:
Das heißt, außer dem Publikum gibt es keine für den Kunstmarktswert förderlichen Kritiken und Empfehlungen.

Mit feinsinnigem Humor widerspricht sie dem Kunstmarktsyndikat, das die Künstler(innen) „zwingt ihre Persönlichkeit in einem Maße aufzugeben, dass sie nicht einmal das Recht haben, ihre Werke zu signieren.“ (nach Marcel Duchamp, 1961)
Die Bilder von Helen Consolati, ihr bildnerischer Ausdruck sind asketische Kunst, das Werk als Produkt für den Kunstmarkt gewinnlos. Oder wie schon Marcel Duchamp 1961 voraussagte: „The great artist of tomorrow will go kärnöl.”

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