2006-09-28
angelus
Diana Wolschner: "angelus", Foto, 2006
Ausgehend von dem Gedanken Opfern eines Massakers post mortem eine Art Schutz zu verleihen und ausgehend von dem Bild Farbe über Repräsentanten dieser Opfer zu ergießen, entwickelten daphnediana das Bild eines Gebetes:
_Angelus_.
Diese Form der Trauerarbeit ist ein kleiner Beitrag für die Opfer aller Kriege und Schlachten, ein Gebet für all die ungehörten Todesschreie verzweifelter Zivilisten, die im Zuge von unzähligen Schlachten und Eroberungsfeldzügen ihr Leben lassen mußten.
Regie: Daphne Maria Tsukalas
Kamera und Technik : Michael Gerzabek
Stephan Jank, 2006-10-01, Nr. 2957
Das war schon ein beeindruckender Kurzfilm, den wir da am Freitag im Cafe Platzl zu sehen bekamen. Da wurde eine kurze, in ihrer subtilen Metaphorik aber unglaublich tiefreichende künstlerische Geste gegen den Krieg über einer beklemmend intensiven Tonspur vorgetragen, der Tanzmusik - sozusagen - für das gespenstische Menuett am Abgrund. Der Rhythmus dieser Musik ist der Rhythmus unserer aufgeklärten Zeit. 120 bps. Es war übrigens jene Musik, die unseren Rekruten während ihrer Ausbildung vorgespielt wird, damit sie im (Ernst)Fall auch noch unter diesem Stress funktionieren. Es war selten so still im Cafe Platzl, wie nach diesem Film.
Beeindruckend für mich auch das Gespräch, das sich danach aus dieser Stille zu entspinnen begann. Da waren keine Argumente mehr, die aufeinanderprallen wollten; ganz im Gegenteil waren die Beiträge gekennzeichnet durch eine seltsame Agonie angesichts der soeben erlebten Konkretisierung der "Fortführung der Politik mit militärischen Mitteln", wie Klausewitz einmal delirierte. Krieg aber hat noch nie etwas fortgeführt. Krieg hat immer nur beendet. Und zwar die Wünsche, die Hoffnungen und die Träume der Menschen.
Und das Leben von Millionen.