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Werner Koroschitz

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2004-07-01

Außenansichten I

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die bürgerliche Bildungsreise unter dem aufklärerischen Motto »Wer reiset, der liest im Buche aller Bücher« einen allgemeinen Aufschwung. Wissbegierige durchstreiften die Landstriche Europas, ihre Reiseberichte erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Eine meist mehrere Länder umfassende Tour führte die Reiseliteraten mitunter auch nach Gorenjska (Krain).

Die Überquerung des Loiblpasses zählte dabei zu jenen Erlebnissen, deren Schilderung in keiner Reisebeschreibung fehlen durfte. Benedikt Franz Hermann erinnerte die »vortrefflich angelegte Straße« auf seiner Reise nach Krain im Jahre 1781 gar an ein »großes Amphitheater«. Während zahlreiche Gelehrte die Länder mit der Postkutsche durcheilten, galt Benedikt Hermanns Interesse dem Arbeitsalltag der Landesbewohner. Entlang der Straße zum Loibl begegnete er im »Wirtshaus zum deutschen Peter«, der »elendsten Hütte«, die er ausmachen konnte, ein paar Krainern aus Gottschee, »die sich sogleich durch ihren schlechten Anzug und durch ihr abscheuliches Deutsch verrieten. Es waren dies Leute, die ihre steinige unfruchtbare Heimat zwingt, auswärts Brot zu suchen und die mit Lorbeerblättern, Zitronen, Strohhüten etc. in allen Provinzen herumwandern, um mit einem elenden Gewinne wieder heimzukehren. « Auf der Passhöhe angekommen, beobachtete Hermann »eine Menge hölzerner Pferdeställe und Wägen oder Schlitten, welche den krainischen Eisenfuhrleuten gehörten«, und wie das Metall aus Kärnten »auf krainische Fuhrwerke umgeladen wurde, um auch den Krainern einen Verdienst zu lassen«.

In seiner aufklärerischen Haltung wusste Benedikt Hermann eine Fülle von wissenswertem Material über die ärmlichen Lebensverhältnisse der Einheimischen festzuhalten. Trzic erlebte er als »unansehnlichen, aber sehr bevölkerten Marktflecken, wo Eisengeschirre, Sensen und wollene Strümpfe hergestellt werden. Beinahe in allen Haustüren saßen Sockenstrickerinnen, worunter viele Kinder von 7 bis 10 Jahren waren, die mit Behändigkeit arbeiteten, und sich wenigstens des Tages 6 bis 7 Kronen verdienten, welches für diese Kleinen schon von Wichtigkeit ist.«

Die beiden Doktoren Hornschuh und Hoppe lobten in ihrem 1816 erschienen »Tagebuch einer Reise nach den Küsten des adriatischen Meeres und den Gebirgen von Krain« die Vorteile von Trzic (Neumarktl) als Spediteurszentrum: »Der ganze Ort ist mit Fuhrwägen und Fuhrleuten besetzt, welche die Waren mit großer Anstrengung auf die Spitze des Loibls schaffen müssen. Deswegen ist für guten Wein gesorgt, der stark ist und Kräfte gibt. Auch wir ließen uns die Bushanka schmecken und als abends Musik ertönte und die krainischen Schönen zum Tanze selbst die Hand boten, konnten wir keine abschlägige Antwort erteilen, ungeachtet des beschwerlichen Marsches von acht Stunden über den Loibl.

Benedikt Hermanns Reisebriefe enthalten auch Informationen über frühe Formen der Arbeitsmigration, wonach »die Thysische Tuchmanufaktur in Klagenfurt nie emporgekommen wäre, wenn sie sich nicht mit krainischen Spinnereien und Webern versehen hätte.

In Skofja Loka bestand der Nebenerwerb der Einwohner fast ausschließlich im Handel mit Leinwand, Zwirn und Spitzen: »Es ist fast unglaublich, wie sehr sich diese Leute auf Spinnerei und Weberei verlegen, Mannsleut und Frauenvolk, alles spinnt und webt. Kinder, wenn es auch ein Dutzend wären, sind willkommene Gäste; nur spinnen müssen sie lernen. In jedem Bauernhause wird im Winter hindurch oft bis gegen Mitternacht gesponnen. Die Gesellschaft vertreibt sich die Zeit mit Singen und mit Erzählung von Gespenster- und Hexenhistörchen. Man hat den nachahmungswürdigen Versuch gemacht, verschiedene angenehme und nützliche Erzählungen in die Landessprache übersetzen zu lassen und unter das Volk zu verteilen.

Die Aufklärer entwickelten zunehmend eine Leidenschaft für die unverdorbene Volkskultur. Eifrig dokumentierten sie ländliche Sitten und Bräuche, notierten Volkssagen und Volkslieder oder beschrieben mit Akribie landesübliche Kleidungsgewohnheiten. Nicht immer entzückte die zur Landestracht erhobene Alltagskleidung das Auge des bürgerlichen Betrachters. Die Engländer Gilbert und Churchill staunten um 1860 bei Radovljica über »eine der hässlichsten Trachten, die man sich denken kann. Die Haupteigentümlichkeit derselben sind am Knie ganz offene Hosen, unter welchen weite, schmutzige Unterhosen herabfallen und in kurze, oben weite Stiefel gesteckt sind.

Im Volkslied manifestierte sich für den Ethnographen jener »unmittelbare Naturlaut, der sich ungekünstelt dem Herzen entwindet« und dem die »Denkweise sowie Gefühlsrichtung einer Nation« zugrunde liegt. Die »Weisen der krainischen Volkslieder mit ihrer süß wehmütigen Melancholie« rührten dabei so manchen Besucher des Landes zu Tränen. Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich der englische Schriftsteller Andrew Paton überwältigt vom »Pathos der slowenischen Lieder«. Für ihn korrespondierte die düstere Schönheit der Krainer Landschaft mit dem »windischen Charakter«, den er als »melancholisch, scheu und misstrauisch« empfand. Heinrich Costa wiederum beschrieb in seinen zur selben Zeit gedruckten »Reiseerinnerungen aus Krain« die Oberkrainer als »cordial und fröhlich, die hartnäckig an alten Gebräuchen und Gewohnheiten festhalten«. Ein Dorn im Auge waren Costa die krainischen Zigeuner, die er als eine Landplage des schönen Oberkrains bezeichnete: »Dieses Bettler Gesindel zieht heimatlos durch die Wälder Oberkrains und erpresst mit Fluchen und Drohungen den Unterhalt. Seit der Deportierung der gefährlichen Häupter dieser Banden in auswärtige Zwangsarbeitshäuser, ist das Land durch sie nicht mehr beunruhigt, und der arbeitsame Oberkrainer genießt im Frieden die Früchte seines Schweißes und die harmlosen Freuden seiner Erholungstage.

Mit der Erforschung volkstümlicher Traditionen verfestigten sich bereits bestehende nationale Vorurteile. Die populäre Verbreitung nationaler Stereotypen führte zwangsläufig zu Vergleichen zwischen den einzelnen Volksgruppen. Dabei stellten die deutschsprachigen Besucher Krains der slowenischen Wesensart wiederholt ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Zwei Botaniker hatten vor Antritt ihrer um 1800 unternommenen Reise nach Krain »von den Bewohnern und der Gastfreundschaft dieses fernen Landes nicht viel Rühmliches gehört. Doch, sieh da! überall zogen die Leute ihre Hüte ab, überall schallte den zweien in slawischer Sprache der christliche Gruß: Hval jen bodi Jesus Kristus, entgegen. « Zuvor relativierte schon Julius Gottlieb Schlegel in seiner 1798 erschienen Publikation »Reise durch einige Theile vom mittäglichen Deutschland und dem Venetianischen« festgefahrene Vorurteile: »Man wirft den Slowenen Tücke, Schlauheit, Hass gegen die Deutschen, Betrug und Diebstahl vor. Ich habe vieles davon übertrieben gefunden, und wenn sie sich in mancher Hinsicht gegen die Deutschen vergehen, so haben diese meist Gelegenheit genug dazu gegeben. « Während Schlegel sich gegen allgemein verbreitete Zerrbilder aussprach, wurden diese von Kärntner Historikern des 20. Jahrhunderts freudig übernommen. 1922 operierte Martin Wutte in seiner propagandawirksamen Abhandlung »Kärntens Freiheitskampf« mit gängigen Feindbildern, indem er den Laibacher Politikern Verschlagenheit, Hass, Unredlichkeit, Bosheit und Neid unterstellte. Der nationalsozialistisch orientierte Wutte leitete von 1923 bis 1942 das Kärntner Landesarchiv.

Bevor Kärntens Historiographen neben allgemeinen Vorurteilen auch rassentheoretische Konzepte in ihr germanisches Weltbild einfließen ließen, sahen sie in der Sprache den wichtigsten nationsbildenden Faktor. Die Landessprache spielte schon bei der folkloristischen Wiederentdeckung »des Volkes« eine große Rolle. Benedikt Hermann würdigte die »vortrefflichen Manuskripte in slawischer oder krainischer Sprache«, die es seiner Meinung nach verdienten bekannter gemacht zu werden. Der Arzt und Naturgelehrte Belsazar Hacquet wünschte sich in seiner 1778 publizierten »Physikalischen Erdbeschreibung des Herzogthums Krains«, »dass sich ein eifriger und unparteiischer Patriot hervorthäte, der die Geschichte des Landes und der Nation lieferte«. Zumal Hacquet »kein Land in Europa bekannt war, welches im Verhältnis der Größe so verschiedene Gebräuche, Kleidertrachten, Sitten, Sprachen und Nationen hätte, als das Krainische«.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlichte die Zeitschrift »Carinthia« auch Aufsätze in slowenischer Sprache. Ein von France Preseren verfasster Beitrag wurde von der »Carinthia« mit dem Hinweis herausgegeben, dass die deutsche Übersetzung weit hinter »Wohllaut und rührender Schönheit« des slowenischen Originals zurückstehe. Dem »kulturellen Erwachen« der Slowenen standen die Machthaber, beeinflusst von Herder und der romantischen Hinwendung zu Volkssprache und Volkskultur, noch positiv gegenüber. Nachdem sich die kulturelle Renaissance spätestens seit dem Revolutionsjahr 1848 auch in politischen Forderungen artikulierte, schlug das Wohlwollen des deutschen Bürgertums in Gegnerschaft um. Die slowenischen Emanzipationsbestrebungen stießen auf massiven Widerstand, da die »Deutschen« ihre wirtschaftlichen und sozialen Vorrechte gefährdet sahen. Den Slowenen wurde die Gleichberechtigung unter Anwendung nationaler Argumentationsmuster verweigert, die sie als unzivilisiertes Bauernvolk ohne eigene Sprache und Kultur hinstellen ließen. Mit dem Hinweis auf ihre historische Führungsrolle bekämpften die »Deutschen« jegliches Mitspracherecht der Slowenen.

1871 ereiferte sich ein Autor in der »Carinthia« über die »windischen Machthaber in Laibach«, die den Nationalhass schürten, indem sie der »deutsch gesinnten Bevölkerung in Radmannsdorf« eine Bahnstation vorenthielten. Radmannsdorf (Radovljica) war nach Ansicht des Autors ein Ort, wo »alle ordentlich gebildeten Menschen deutsch sprechen« und wo »allein im Gasthause dem „deutschen Fremden“ auf deutsche Fragen vom unteren Dienstpersonale „nix deutsch“ erwidert wird« (in der »deutschen Stadt« Radovljica lebten Ende des 19. Jahrhunderts ungefähr 35 Deutsche und 700 Slowenen). In einem »Aufklärungsbuch über das Deutschtum in Krain« aus dieser Zeit hieß es: »Die Deutschen sind nicht Gäste in Krain, sie essen nicht slowenisches Brot. Krain ist deutsches Land und muss es bleiben. « 1942 rühmte Martin Wutte das »staatsmännische Genie Adolf Hitlers«, das »die Voraussetzungen für den Anschluss Krains an das Deutsche Reich geschaffen und damit den Sehnsuchtstraum jedes Kärntners erfüllt hat.

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