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2004-04-26

Stronach kommt! Aber wohin geht Villach?

Frank Stronach, vom Villacher Mitteilungsblatt über den tpv in St. Magdalen montiert. Wunschtraum? Nein! Bittere Realität.
(Foto: www.villach.at)

Der neoliberale Geifer der Villacher Politik tropft aus jedem ihrer Mitteilungsblätter. "Riesenchance", "Enorme Kompetenz", "Mehrwert", "Teure Forschung", "Cluster", "Positionsstärkung", "innovative Produkte", "Stärkung der Wettbewerbssituation", sind nur einige der Schlagworte, die man etwa in einem Artikel über das, im tpv entstehende "Kompetenzzentrum für Automobil-und Industrieelektronik" nachlesen kann. Das ist genau jene Terrorsprache, mit der das transnationale Kapital antritt, wenn es darum geht, die Lüge der Alternativlosigkeit zu seiner völligen Entbettung aus der politischen und damit menschlichen Einflussnahme zu zementieren. Die Bürger (nicht nur) unserer Stadt werden im Zuge dieser Entwicklung von, nur mehr als geisteskrank zu bezeichnenden lokalen politischen Eliten als Kanonenfutter in einen gemeingefährlichen Standortwettbewerb getrieben, dessen katastrophale Auswirkungen sie wohl eher kurz- denn mittelfristig in voller Härte zu spüren bekommen werden. Die bornierte, wirtschaftspolitische Anbiederung gerader unserer Stadt an einige der exponiertesten Vertreter der neoliberalten Globalisierung nimmt dabei beängstigende Ausmaße an.

Nicht genug damit, dass bei Infineon an die 1500 Arbeitsplätze (und die daran hängenden Familien, Privatkredite fürs Eigenheim, etc...) auf Gedeih und Verderb dem Belieben der Outsourcer in der Münchener Konzernzentrale ausgeliefert sind. Nein. Jetzt wird auch noch der allgemein bekannte Wohltäter Frank Stronach (persönliches, von den Medien lauthals verbreitetes Motto: "Wer das Geld hat, schafft an") als weiterer "Standortpusher" umleckt und umworben.

So jubiliert etwa BGM Manzenreiter auf www.villach.at: "Mit dem neuen Kompetenzzentrum für Automobil- und Industrieelektronik tut sich für unsere Stadt eine Riesenchance auf!". Und der Leiter des Infineon Entwicklungszentrums DI Reinhold Petschacher lässt die Medien wissen, "...dass sich das neue Forschungszentrum für alle Beteiligten auszahlt, weil Elektronikforschung für Autos sehr teuer und langwierig sei."

Für wen sich das Ganze "auszahlt": "Partner dieser neuen Forschungs- und Technologie-Transfereinrichtung sind die Unternehmen AT+S, EPCOS, Infineon Technologies, die Siemens AG Österreich und Magna Steyr sowie heimische Universitäten und Forschungseinrichtungen."
(www.villach.at)

Werfen wir also einmal einen Blick auf jene Beteiligten, für die sich das alles auszahlen wird. Da wäre zum einen Frank Stronach mit seinem Magna-Konzern. Bekanntlich ist Stronach in seinen Werken ein strikter Gegner von Betriebsräten. Wie sehr sich dieser Mann sonst noch um lang erkämpfte Rechte der österreichischen ArbeitnehmerInnen schert, davon berichtet Der Besuch des reichen Onkels. Man kann in diesem Zusammenhang gespannt sein, was der Ex-Infineon-Betriebsrat und nunmehrige Kärntner AK-Chef Goach zu dieser Kooperation sagen wird. Oder wird er etwa nichts dazu sagen? Egal. Denn das alles geht den Sozial?-Demokraten? im Villacher Magistrat sowieso am Arsch vorbei. Wer Stronach will, der darf halt nicht so genau hinschauen.

Dann wäre da noch die Infineon AG. Wie die mit ihren Mitarbeitern umgeht, das wiederum steht im Artikel 700 Stellen zum Spartarif auf www.manager-magazin.de. Dort erfährt man genau, wie mit unheimlicher Forschungskompetenz Standortvorteile genützt werden. Zitat: "Nach Angaben der IG Metall will Infineon im Werk Dresden bis 2007 rund 700 auslaufende, befristete Arbeitsverträge in Leiharbeitsplätze umwandeln. Die Beschäftigten würden dann für die gleiche Arbeit lediglich rund die Hälfte des vorherigen Gehalts bekommen, teilte die IG Metall am Montag mit.". Das alles liest man nicht im Mitteilungsblatt der sozial?-demokratisch? dominierten Villacher Stadtverwaltung. Denn wo mit innovativer Forschungskompetenz am Standortvorteil gehobelt wird, da können schon einmal ein paar soziale Späne fliegen.

Epcos-Chef Pegam: "Heute erzielen wir 50 Prozent unserer Wert-schöpfung in Niedriglohnländern "
(Foto und Zitate:
www.manager-magazin.de)

Und dann wäre da noch Epcos, wie Infineon ein Spin-OFF der Siemens AG und das, was deren Chef Gerhard Pegam zur Abwanderung von Standorten in Niedriglohnländer zu sagen hat: ".. dass [nämlich] auch die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche oder Lohnverzicht in Deutschland diesen Trend nicht stoppen könnten, solange für eine vergleichbare Arbeitskraft in China lediglich fünf Prozent der Arbeitskosten anfallen wie für einen Mitarbeiter in Deutschland." Aber was kümmert's die sozial?-demokratische? Stadtverwaltung, wenn Pegam genau aus diesem Grund sagt, "...dass der Bereich Automotive und Industrieelektronik in den kommenden Jahren einen Aufschwung an den osteuropäischen Standorten erleben wird." Dort nämlich, wo Löhne gezahlt werden, die zum Sterben gerade noch zu hoch aber zum Leben schon längst viel zu niedrig sind.

Für all die wird sich diese Kooperation auszahlen. Denn sie werden die Forschungsergebnisse jener "hochspezialisierten Arbeitskräfte", die sie sich von unserem Steuergeld einzig und allein zur Verwertung in ihrer Spezialdisziplin ausbilden lassen, in klingenden Shareholder Value verwandeln. Und neben den Shareholdern freut sich bereits jetzt die ganze Menschheit wie verrückt auf die Kooperationsergebnisse. Denn durch die Visionen und das Engagement von Pionieren wie Frank Stronach wird die Automotive-Fahrt von zu Hause an den flexibel lokalisierten, unterbezahlten (Leih)Arbeitsplatz und zurück erst so richtig sicher und angenehm werden.

Nicht auszahlen wird sich diese Kooperation allerdings für Tausende, die in Villach arbeitslos gemeldet sind und deren Lebenslauf kein hochspezialisiertes Studium der Mikroelektronik aufweist. Denn die Produktionen, wo auch diese Menschen ohne Doppeldoktorat ihr bisschen Geld verdienen könnten, die sind in ja nach Osteuropa oder China ausgelagert. Jedenfalls an einen Standort, gegen den Villach hoffentlich nie gewinnen wird. An einen Standort, an dem den Menschen um 5% unserer Arbeitskosten und ohne arbeitsrechtlichen Schutz die Lebensenergie zur Produktion von elektronisch geregelten Außenspiegelbelüftungen ausgesaugt wird.

Nicht auszahlen wird sich diese Kooperation aber wohl auch für den österreichischen Haushalt, denn wie hoch die Steuerleistungen der Kooperationspartner in Österreich wirklich sind, das steht wohl absichtlich nirgends zu lesen. Denn die "steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten" des transnationalen Kapitals, das ist die wahre Freiheit, die gemeint ist, wenn in Brüssel vom "Europäischen Projekt" gequatscht wird. Aber das alles kümmert die Sozial?-Demokraten? der Villacher Stadtregierung nicht wirklich. Denn Sie haben ja wieder einmal einen Standortwettbewerb gewonnen.

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