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Walther Schütz

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2003-12-31

Vollkaskomentalität 2

Hallo Tine, danke für deine nunmehr ausführlicheren Darstellung des Begriffes „Vollkaskomentalität“ im Leserbrief 842. Für mich zeigt es aber genau das, was ich von Anfang an mit dem Begriff assoziiert habe – nämlich dass er ein schwammiger Begriff ist, der vor allem problematische Bilder einschließt. Ich bgehe im folgenden auf die genannten Beispiele ein:

„Fingierte Unternehmenskonkurse“
Da geht es ganz einfach um Kriminelles. Dieses Beispiel ist genau die Ebene, auf der im 1. Beitrag meine Beispiele angesiedelt sind. Es zeigt eins: Vom vielgepriesenen Unternehmerrisiko ist in der Realität nicht so viel zu sehen, Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Ob es sinnvoll ist, diese strukturelle Bevorzugung gegenüber den Lohnabhängigen unter dem Begriff Vollkaskomentalität zu subsumieren, ist meines Erachtens fraglich, aber von mir aus ....

„Jene die Autobatterien nächtens zur Müllinsel schleppen und dann abhauen“
Ein unerfreuliches Phänomen. Da wird ein Punkt angesprochen, der tatsächlich bedenkenswert und für mich schwierig zu handeln ist. Meines Erachtens ist der Punkt ein Merkmal unserer Gesellschaft, das uns so selbstverständlich ist, dass es uns gar nicht mehr auffällt: Es ist dies die sonderbare Arbeitsteilung zwischen KonsumentIn (das ist eine entfremdete, weil durch das Geld deformierte Form des Verbrauchens) und den ProduzentInnen und VerkäuferInnen (die ja auch in der kapitalistischen Form der Arbeitsteilung darum bemüht sein müssen, nicht gegenüber der Konkurrenz in Nachteil zu kommen). Diese Kette führt zu einer strukturellen Verantwortungslosigkeit, hat aber wenig mit Mentalität zu tun. Auch wenn da natürlich mit der Zeit ein spezieller psychologischer Charaktertyp entsteht, der ja auch unter Linken weit verbreitet ist (Über gesündere Lebensweise oder über ökologisch verträglicheres Einkaufen nachzudenken wird da von manchen geradezu als reaktionäre Zumutung empfunden ...). Aber was ich betonen will ist, dass der Teil des Problems, der mit Einstellungen zu tun hat, nichts mit „dem Menschen an sich“ zu tun hat, sondern eben Produkt einer speziellen Sozialisation ist. Und vielleicht ist das Problem sogar noch komplexer: Möglicherweise ist nicht nur die kapitalistische Form der Arbeitsteilung (siehe oben) das Problem, sondern überhaupt die Tatsache der Arbeitsteilung überhaupt – meine These ist, dass eine Nachhaltige Gesellschaft sich die Frage der Arbeitsteilung an sich anschauen muss: Nur wenn jedeR Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche der Gesellschaft erhält, lehrt einen das eigene Tun die Konsequenzen des Handelns. Anzuschließen wäre hier an eine der Utopien aus den Frühschriften von Karl Marx, die es jedeM ermöglichen sollte, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu betrieben, nach dem Essen zu kritisieren ..., ohne je Jäger, Fischer oder Hirt oder Kritiker zu werden“, wie es in der Deutschen Ideologie heißt.

„Falschanmeldung von Hauptwohnsitzen um Pendlerpauschale einerseits und Mietbeihilfe andererseits zu erschleichen“
Eine vergleichsweise Lapalie

„9-jähriges Beziehen von Arbeitsloser/ Notstandsgeld bei 100%iger Erwerbsfähigkeit während dem AMS vorgegaukelt wird daß die vermittelten Stellen schon besetzt/ nicht zumutbar wären“
Unsauber, aber die Frage zu stellen wäre: Die Tatsache, dass da eine unsaubere Vorgangsweise vorliegt, verweist ja nur auf das Problem, dass es so etwas wie ein Grundeinkommen in unserer Gesellschaft nicht gibt! Mindestens 2 strukturelle und keine einzige moralische Ebene stecken dahinter:
1) Eigentlich müsste die Gesellschaft demjenigen, der in Zeiten, in denen auf jeden freien Arbeitsplatz weit mehr als 10 Arbeitssuchende kommen, einen Orden verleihen. Denn derjenige verzichtet von sich aus auf einen Teil des Einkommens, das er haben könnte, wenn er doch noch einen Job ergattern würde. Und derjenige nimmt Druck aus dem Konkurrenzkampf um die wenigen offenen Stellen und gibt anderen den Vortritt.
2) Und wer sagt den überhaupt, dass etwas für die Gesellschaft sinnvolles herauskommt wenn jemand sich in ein Lohnarbeitsverhältnis begibt?

„Der Begriff „wohlerworbenes Recht“ wie er letzterzeits in verschiedenen politischen Diskussionen im typischen Sozialstaat Österreich vorkam“
Und damit subsumierst du unter Vollkaskomentalität etwas, das leider nicht Selbstverständlich ist, aber Erkämpfenswert wäre Es geht um Rechte! Das einzige, was in den Nachkriegsjahrzehnten den Kapitalismus überhaupt ein wenig erträglich gemacht hat, war die Tatsache, dass es ein paar wohlerworbene Rechte gegeben hat und noch immer gibt, auch wenn sie jetzt immer mehr wegreformiert werden.

Zusammenfassung:
Das Problem bei solch schwammigen Begriffen wie Vollkaskomentalität allerdings ist, dass ihre Botschaft sehr konkret ist: Da werde ein zu teures System massenhaft von moralisch nicht sauberen Menschen ausgenutzt – und nachdem nun einmal der Mensch schlecht sei, müsse Vater Staat einschreiten: weg mit den Sozialleistungen, mehr Kontrollen, härtere Strafen.
„Vollkaskomentalität“ – das ist wie z.B. „Sozialschmarotzertum“ ein autoritärer Kampfbegriff! Du selbst hast ja die Botschaft derer, die diesen Begriff in Umlauf bringen, so verstanden, wie aus deiner rhetorischen Frage hervorgeht: Neoliberalismus als Selbstschutz des Sozialstaates?

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bernhard teferle, 2003-12-31, Nr. 870

danke walther. du sprichst mir aus der seele.

Erika, 2003-12-31, Nr. 871

Der offenbar von Dir selbst verfasste Artikel,
überzeugt, spricht mich an und macht mich für einiges wieder aufmerksam.
Danke
Erika

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