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Tassilo Blittersdorff

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2003-11-08

Unsterblich sterben im Zweikampf

Eine Kontrafiktion

Der Ausgang von Zweikämpfen (auch der von Schlachten und vielen Kriegen ist für die Spezies „Mensch“ gleichgültig. Der Tod von einem oder mehreren Exemplaren fällt auf Grund der immensen Größe des Gesamtbestands überhaupt nicht ins Gewicht. Für den (oder die) Kämpfer bedeutet „auf der Strecke bleiben“ das Ende des individuellen Daseins. Sein Einzelschicksal verschwindet für immer von der Landkarte der Menschheit.

Die numerische Distanz zwischen Einzelwesen und Gesamtheit ist dermaßen groß, dass zwischen beiden Positionen weder sichtbare noch vorstellbare Verbindungen bestehen. Um diese Kluft zu überbrücken und das zahlenmäßige Übermaß übersichtlich zu gestalten, wurde der Gattungsbegriff eingeführt. Er ist flexibel und unkompliziert in der Konstruktion, seine Handhabung einfach und nutzbringend. „Konkrete“ Einzelwesen werden solange imaginär vermehrt, bis jene “abstrakte“ Masse entstanden ist, aus der sich leicht Bezeichnungen wie „Menschheit, Rasse, Nation, Volk, Klasse, Gesinnungs- oder Glaubensgemeinschaft etc.“ herstellen lassen.

Für diesen Vorgang genügt schon ein einziges statistisches Detail, welches vielen, verschiedenen Individuen gemeinsam ist. Es wird Kriterium einer Kategorie, welche Einzelwesen zu fiktiven Gruppen zusammenfasst. Die klare Unterscheidbarkeit und Übersichtlichkeit solcher Gruppen befriedigt den menschlichen Ordnungssinn; das Imaginationsvermögen kann ihnen unbegrenzt Bedeutung beimessen und schließlich bieten sie Identifikationspotenzial, welches die Grenzen des eigenen Ichs weit übersteigt und so das Selbstbewusstsein erhöht.

Als gemeinsame Kriterien kommen, von allgemeinsten Übereinstimmungen, wie z.B.: “Mensch-Sein“ bis zu speziellen Zugehörigkeiten, wie z.B.: „rechtshändig erzogene Linkshänder“ alle möglichen Eigenschaften in Frage. Bezeichnungen aus dem Sozialbereich wie z.B.: „AutofahrerInnen, FußgängerInnen, ManagerInnen, ArbeitnehmerInnen, PensionistInnen, SteuerzahlerInnen, KonsumentInnen, etc“ ergänzen das Repertoire klassischer Zuordnungskriterien, wie z.B.: weiß, arisch, europäisch, österreichisch, bürgerlich, christlich, konservativ etc.“

Die beliebige Herstellung neuer Gattungsbegriffe lässt sich problemlos auf fast alle zwischen-menschlichen Angelegenheiten anwenden und ist besonders für die gesellschaftliche und politische Praxis geeignet. In jedem Fall wird die schwer berechenbare und diskontinuierliche Vielfalt von Einzelwesen durch die leicht handhabbare Allgemeingültigkeit konstruierter Kategorien ersetzt.

Das Erzeugen fiktiver menschlicher Gemeinschaften, welche durch, aus statistischen Details abgeleitete Kriterien zusammengehalten werden, gehört zu den Grundprinzipien abstrakten Denkens. Ohne solche Kategorienkonstrukte wären viele zivilisatorische, soziale und politische Errungenschaften unmöglich: Der Staat könnte nicht zwischen Staatsbürgern und Ausländern, Gut und Böse, Steuerzahlern und Steuerhinterziehern unterscheiden oder sich gegen Staats- Rassen- oder Klassenfeinde abgrenzen.

Politische Rhetorik braucht Ansprechpartner um vaterländische Gesinnung aufzubauen und Kriege heldenhaft zu führen, deshalb wird der einzelne zur Masse hochgerechnet und durch mediale Infrastruktur entsprechend präpariert. Ausgangsmaterial für die Produktion von Staatsbürgern und anderen staats- und system-tragenden Kategorien ist die Masse: sie kommt in mehreren Zuständen vor, die untereinander fließende Übergänge haben: am häufigsten ist sie fiktiv. Virtuelle Latenz entsteht dann, wenn die Masse lang genug erregt wurde, z.B. Von den großen Worten, die immer dort fallen, wo „Geschichte gemacht wird“ und welche die Masse aktiv „historische Momente“ miterleben, den „totalen Krieg“ gegen die „Achse des Bösen“ führen, die „Reinheit der Rasse“ durch-setzen oder den „Klassenfeind“ bekämpfen lassen.

Kommt die Erregung auf den Höhepunkt kann die Masse auch real, greifbar werden, z.B.: Hunderttausende, auf einem Platz versammelt, jubeln ihrem „Erlöser“ zu. Doch sind solche Momente fast immer von kurzer Dauer. „Reale“ Masse ist anonym, existiert punktuell und zerfällt rasch wieder. Die Masse ist die Summe aller, in einem gesellschaftlichen oder politischen Bereich vor-kommenden Individuen, hat aber nichts mit deren Einzelschicksalen zu tun. „Konkrete“ Einzelschicksale würden der „abstrakten“ Unberührbarkeit der Masse widersprechen.

Das Nichtakzeptieren von Prinzipien der Gemeinschaft durch Einzelne hat deren sofortigen Ausschluss und oft individuelle Katastrophen zur Folge. Leid, Schmerz und Tod sind persönliche Angelegenheiten, welche die Masse nur peripher – vielleicht manchmal aus strategischen Gründen – interessieren.
Gleitende Positionierung zwischen Fiktion und Realität verleiht der Masse und allen von ihr abgeleiteten Begriffen eine fast magische Ambivalenz. Diese bewahrt sie auf wunderbare Weise vor Tod, Verwundung und schlechtem Gewissen.

Tragische persönliche Situationen passen nicht zum Verhaltensmuster angepasster Massen: „Glück durch positives Funktionieren.“ Ihre Ausdrucksskala ist begrenzt: Erhabenheit, Größe, Schönheit, Stärke – Pathos des Positiven gekoppelt mit ewigen Werten. Gesicht und Körper gehorchen diesem Kanon. Masse besitzt siegesgewohnte Überlegenheit, aber keine Persönlichkeit. Die Maske wird Monument. Materialien wie Marmor, Bronze und Betonguss sind ewigkeitsorientiert und nicht so peinlich persönlich wie Fleisch und Blut.

Die Stereotype der Heldenpose wiederholt sich beliebig: hehre Momente werden nicht langweilig und sollen so schnell nicht vergehen. Die Zweikämpfler ringen miteinander: offen bleibt, wer siegt; ob der Kampf Spiel ist, oder ernst und ob weitere Kämpfe folgen. Das Verwechseln von Fiktion und Realität ist gefährlich und kann tödliche Folgen haben.

Tassilo Blittersdorff,
Nowa Huta, im Oktober 2003

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Martin Moser, 2003-11-08, Nr. 662

Wer spricht hier in der Analyse der Relation/Dialektik von konretem Einzelindividuum und Gattung bzw. Masse? Elias Canetti in "Masse und Macht"? Das Verhältnis vom autonomen Individuum und Zugehörigkeit zur Gattung kann auf rechtsphilosophischer Ebene nicht gedacht werden ohne die Dialektik von Naturrecht/positivem Recht.

Notwendigerweise - weil zur Sicherung unserer nackten Existenz notwendig - haben wir uns mit der Unterwerfung des Naturrechts des Einzelnen unter einen Souverän einverstanden erklärt, somit die Demokratie, die es ja (noch) gibt, begruendet. Lesen sie doch mal nach bei Rousseau, Locke, Kant, vor allem Rousseau!

Weiters ist der Begriff des "Mensch-Seins" kein von irgendwelchen staatlichen Gewalten aufgezwungener Begriff, sonder ein unmittelbar mit erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Problemen verbundener. Es muss eine Bestimmung von einem Prinzip aus geben, das etwas als menschlich identifiziert und damít ein nicht mehr hintergehbares, - also ein nicht mehr wiederum zu begründendes Prinzip, denn sonst befänden wir uns in einem infiniten Regress - geben, dass solch eine Identifikation leisten kann. Ob dieses Prinzip Vernunft heißt, sei dahingestellt. Dahinter steckt seit Aristotels das Deduktions- bzw. Induktionsproblem.

Ausser Frage steht natürlich, dass, in allen totalitären Systemen, sei es Nationalsozialismus oder Stalinismus (Kommunismus) und in all den dazugehörigen und begründendend abstrakten Denksystemen, Philosophien, Weltanschauuungen, (Hatte der Nationalsozialismus nicht auch eine eigene Philosophie? Wo gibt es im Marxismus Menschenrechte?) das Individuum nicht existiert. Einer der sich massivst gegen die Aussloeschung des Einzelnen wandte, war Nietzsche. Aber das fuehrt zuweit.

der Sub, als Anhänger des Einzelnen.
Wien

Erika Stengl, 2003-11-08, Nr. 667

Also wirklich verstehen kann ich deinen artikel nicht!
Vermittelt bekomm ich: es geht alles unter ....
Dein artikel wirkt auf mich populistisch!!!
Viel masse und wenig essenz!

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