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Martin Mittersteiner

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2001-02-20

hexa

Ausschnitt I
Das hölzerne Kästchen wirbelte zischend durch den Tunnel. Es erschien zur Mittagszeit in einer weißen Haufenwolke über einer 60 000-Einwohner-Stadt in Österreich und öffnete sich für den Bruchteil einer Sekunde, um das Kistchen in die Welt von heute zu katapultieren. Sofort verschwand der Strudel wieder in der Wolke.

Das Kistchen flog in einem schrägen Winkel auf einen kleineren Hochhauskomplex zu und landete unsanft und lärmend auf dem LKW einer Speditionsfirma.
Die beiden jungen Angestellten, die gerade beim Losfahren waren, standen unter immensem Zeitdruck und hatten es sehr eilig mit dem Wegfahren.
"Mensch, bitte! Wir sind wieder viel zu spät! Los, los! Wie müssen uns beeilen!"
"Ja, Gas, Gas! Von mir aus kann's losgehn. Gemma, gemma!"

Zur gleichen Zeit kam Martin von der Schule heim. Er fuhr mit seinem schrottreifen Fahrrad den schmalen Spazierweg entlang, und die Schule "...kotzt mich ja so was von an! "

Er schien in letzter Zeit ein wenig vom Pech verfolgt zu sein, er fühlte sich als unscheinbarer Dauerversager. Was er auch in die Hand nahm, man konnte sicher sein, dass es schiefging. Oft genug jedenfalls, dass er schon ziemlich entmutigt und desillusioniert war. Auch verliebte er sich immer in die, die einem völlig anderen nachliefen, und das dümmste war, dass er schrecklich lange nicht von ihr loskam. Das machte jetzt bereits fast zwei Jahre, dass...

Plötzlich verlor er ungeschickterweise die Kontrolle über die Lenkstange seines Fahrrades. Er kam ins Wanken, und die schwere Schultasche trug auch ihren Teil dazu bei, dass er voll auf die Biomülltonnen zufuhr. Schnell reagierte er und wollte bremsen, zwecklos, seine beiden Bremsseile waren seit einigen Wochen gerissen. Außerdem war das Ventil des Vorderreifens schon so vernuppelt (verbogen und kaputt), dass er keine Luft mehr rein bekam (Folgen eines Bandenkrieges). Darum war der Reifen auch ziemlich luftleer, was zur Folge hatte, dass er nicht mehr richtig lenken konnte und mit voller Wucht in die Plastiktonnen krachte. TACK! Wie konnte es auch anders sein: Die Lenkstange zwischen die Beine gestoßen. Er fluchte leise und kniff die Augen zusammen. Sein schmerzverzerrtes Gesicht zeigte, dass der "Donald-Duck-Pechvogel-Effekt" wieder einmal voll ins Schwarze getroffen hatte...

Der Lastwagen kam in Bewegung und raste mit Vollgas quietschend um die Kurve, an der sich auch die Biomülltonnen befanden. Martin wachte aus seiner tranceartigen Regenerationsphase auf und sah staunend, wie sich der Lastkraftwagen der Speditionsfirma so stark in die Kurve legte, dass die rechten Reifen kurz in der Luft waren. Lautstark donnerte das Gefährt auf die Straße zurück, und mit voller Radiolautstärke zogen die beiden Arbeiter unter wildem Technogehämmer auf die Hauptstraße zu und verschwanden um die Ecke.


Ausschnitt II
"Halt!"
Martin hatte bemerkt, dass in der wilden Kurve ein kleines, hölzernes Etwas aus dem LKW gefallen war.
Er stieg vom Rad ab und schob es zu dem Gegenstand. Er betrachtete ihn kurz. Ein quadratisches Kästchen aus Holz, vermutlich um kleine, eigentlich unnötige Gegenstände aufzubewahren. Sein kleiner Bruder hatte auch lauter "geheime" Kästchen, Truhen und Schatullen, in denen er Spielzeugpistolen und deren Platzpatronen, kleine Militärfiguren, Sammelkarten, Sheriffsterne, alte Gummibären, Nüsse und Kastanien, Überraschungseierfiguren und sonstigen Krimskrams versteckte. Es war vermutlich völlig wertlos. Aber dennoch, oder gerade deshalb, schien es ihn magisch anzuziehen. Er wollte, er musste es nehmen. Und da es wertlos war, konnte er es mit ruhigem Gewissen behalten, ja, es war gewiss wertlos, sonst hätte es nicht so leicht runterfallen dürfen.
Langsam berührte er es, und er spürte, wie in ihm die Spannung stieg. Er hob es auf, setzte seine schwarze Schultasche ab und packte schnell das Kästchen ein. "Oh, geheimnisvolle Truhe mein, was mag wohl in dir drinnen sein?"

Er nahm sein Fahrrad und beschloss es besser die letzen Meter bis zur Eingangstür des Hochhauses zu schieben. Eins war klar: Es war höchste Zeit für ein neues Bike. Im Herbst würde er beim Abverkauf zuschlagen. Geschafft von dem harten Schultag sperrte er langsam die Eingangstür auf und betrat, wie immer mit einem Riesenhunger, den Lift. Die schwere Last der Schultasche auf seinem Rücken schien seine Situation widerzuspiegeln : "Erdrückt vom Schulstress". Der Schulalltag war einfach nicht mehr auszuhalten! Martin drückte den Knopf für den 5.Stock und der Lift setzte sich mit einem Ruck in Bewegung.

Das Kästchen...

1 Eigentlich könnte ich ja kurz reinschauen. Vielleicht ist ja was drinnen? Er setzte die Schultasche ab, öffnete sie und nahm das hölzerne Kästchen heraus. Es hat keine Öffnung. Ist es einfach nur ein Holzwürfel? Aber dazu ist es zu leicht!

2 Dann schleuderte er den Ranzen schwungvoll auf seinen (bemitleidenswerten) Rücken zurück und drehte das Kästchen in seinen Händen. Er bemerkte an der Unterseite eine Vertiefung in Form einer Hand. Er runzelte fragend die Stirn und konnte es freilich nicht lassen, versuchsweise die Hand hineinzulegen. Und als er mit der Hand auf den Abdruck fuhr, geschah das Unfassbare: Seine Hand passte!

3 Doch damit nicht genug. Als er die Hand ganz in die Einbuchtung gelegt hatte, verschmolz sie plötzlich mit dem Holz! Die Farben des Holzes und seiner Haut schienen ineinander zu fließen, kleine, strahlend pink-violette Blitze tauchten unter seinen Fingern auf! Erschrocken zog er die Hand zurück, und als hätte er in etwas wabbeliges, klebriges, puddingartiges gegriffen, blieb etwas Holz an seinen Fingern kurz haften, und er zog die Würfelseite in die Länge! Dann schnalzte es wie etwas aus Gummi zurück, wabbelte noch kurz hin und her und wurde sofort wieder zu hartem Holz. Martin staunte nicht schlecht. Doch nun begann es im Kistchen zu rumoren!

4 Und plötzlich war auf der Vorderseite (wenn man die Hand als Unterseite nahm) ein geschnitztes Bild zu sehen, das gerade vor seinen Augen erschienen war! Es zeigte einen Menschen, der auf einer Art Säule stand, er streckte seine Arme Y-förmig in den Himmel, parallel dazu wuchsen zwei riesige Metallspitzen neben ihm aus der Säule, sodass auch die Säule eine Y-Form bildete. Es war sehr ungenau und grob geschnitzt gewesen, doch Martin glaubte, darin das Richtige zu erkennen.

Mit offenem Mund vor Staunen berührte er mit der Fingerspitze seines Zeigefingers das Bild und nun wanderten von seiner Fingerspitze aus diese grellen, violetten Blitze über das Holz, zuerst wahllos, dann jedoch eine bestimmte Richtung, nämlich nach oben, befolgend. Etwa einen Zentimeter vor der oberen Kante des Würfels teilte sich der Blitzfluss, und im rechten Winkel bog ein Teil nach rechts, der andere nach links ab. Hinten trafen sie wieder aufeinander, und als Martin seinen Finger wegführte, bildete sich ein flimmernder Blitzstreifen rund um den Würfel, einen Zentimeter unter der Deckfläche. Es schien, als zog er sich zusammen und schnürte so die Wand durch. Und tatsächlich: Mit einem Zischen war der Ring durch die Wand gebrochen, nur an der (von Martin aus gesehen) Hinterseite blieb der Strahl bestehen. Als er völlig verschwunden war, hinterließ er einen Spalt. An der Vorderseite war ein Verschluss angebracht, an der Hinterseite befanden sich Scharnieren. Der Würfel war also doch ein kleines Kistchen! Mit zitternden Fingern und weit aufgerissenen Augen öffnete er den Verschluss und hob den Deckel, der eben noch gar nicht existiert hatte.


Ausschnitt III
Was er erblickte war einfach unfassbar, nicht in Worte zu fassen. Fünf Millimeter unter dem Rand des Kistchens befand sich eine Schicht. Es war eindeutig eine zweidimensionale Fläche, auf der sich eine Art Spirale befand. Sie bewegte sich. Von außen wurden breitere Farbstreifen ins Innere gezogen, wo sie immer schmäler wurden. Und sie sahen so echt aus. Die meisten Farbstreifen erschienen in den unterschiedlichsten Pink- und Violetttönen, neben diesen grellen wurden aber auch vereinzelt schwarze Bänder ins mysteriöse Innere der Spirale gezogen. Ein faszinierender Anblick, und ehe ihm klar wurde, dass er mit seiner rechten Hand darauf zufuhr, da tauchte bereits sein erster Finger ein...

Und an der Stelle, an dem er seinen Zeigefinger immer weiter in das Bild einfügte trat ein neuer, hautfarbener Streifen in die Spirale ein und bewegte sich mit den anderen auf deren Zentrum zu. Er wurde in die Spirale gezogen!!! Doch er konnte sich nicht mehr dagegen wehren. Sein ganzer Arm befand sich bald als dünner Streifen auf dem eigentlich flächenartigen Bild der Spirale. Blitzschnell wurde er immer mehr hineingesogen, sein Gesicht wurde in die Länge gezogen, die eine Backe berührte bereits die Spirale, als die andere noch einen halben Meter weit weg war. Sein Kopf verschwand mit einem "Plop!" von dieser Welt in die Spirale, sein Hals und seine Schultern folgten seinem Vorbild. Ein bunter Streifen ergab sich, mit allen Farben, die Martin heute an sich trug, als nun mit einem "Schwupp!" der Rest seines Körpers hineingerissen wurde. Für einen kurzen Moment lang schwebte das Kistchen in der Luft, dann polterte es auf den Liftboden. Es war keiner mehr da, der es hätte halten können.
5
Nein, die Spirale war doch ganz schön räumlich!
Martin sah, wie wild er umhergezogen wurde, aus dem Strich in diesem mysteriösem Strudel ins Unbekannte formte sich langsam wieder ein verzerrter Körper. Er schrie so laut er konnte, was war das hier??? Er hatte seine ursprüngliche Körperform wieder eingenommen und stürzte in der Mitte des Strudels mit wahnsinniger Geschwindigkeit an dessen andere Seite. Er hatte den Eindruck, sein Körper würde explodieren, dauernd wurde er von allen Seiten angezogen.

"Waaaaaaahhhhhhhhhhh!!!"

Auf, nach hexa!

Und er verließ unsere Welt...

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