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Astrid Körner

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2019-11-09

Gedenkfeier Novemberpogroms 1938

Wenn ich nur wüßte,
Worauf dein letzter Blick ruhte.
War es ein Stein, der schon viele letzte Blicke
Getrunken hatte, bis sie in Blindheit
Auf den Blinden fielen?
Oder war es Erde,
Genug, um einen Schuh zu füllen,
Und schon schwarz geworden
Von soviel Abschied
Und von soviel Tod bereiten?
Oder war es dein letzter Weg,
Der dir das Lebewohl von allen Wegen brachte
Die du gegangen warst?
Eine Wasserlache, ein Stück spiegelndes Metall,
Vielleicht die Gürtelschnalle deines Feindes,
oder irgendein anderer, kleiner Wahrsager
Des Himmels?
Oder sandte dir diese Erde,
Die keinen ungeliebt von hinnen gehen lässt,
Ein Vogelzeichen durch die Luft,
Erinnernd deine Seele, dass sie zuckte
In ihrem qualverbrannten Leib?

Eines jener zehn „Gebete für den toten Bräutigam“, der jüdischen Lyrikerin Nelly Sachs, das 1946 im ihrem erstem Lyrikband „In den Wohnungen des Todes“ erschienen sind. Aus annähernd gleicher Zeit stammt die weithin bekannt gewordene Frage Adornos, welches Recht Poesie denn nach Auschwitz noch haben könne…
– eine Frage, die er zwar später revidierte, die aber gerade in ihrer provokanten Übertreibung Ahnung vom Angemessenen ermöglicht.
– Eine Frage, auf die „Gebete“ schon damals eine stille Antwort gaben.
Wenn ich nur wüsste… schreibt Nelly Sachs in ihrem Gebet, das selbst nur aus Fragen besteht, …
Ein eindringliches, schonungsloses, doch poetisches Fragen nach dem unverloren Menschlichem…
Vermag es doch die Kunst, die Dimensionen des Grauens auf eine Weise zu vermessen, die das von jedem Verstand Unfassbare berührbar macht.
Und wohin denn sonst, sollten all die ermordeten Bräutigame, Mütter und Väter und ihre Kinder, Geschwister und Freunde und Nachbarn begraben werden, wenn nicht in Gedichte und Gebete?
Wenn ich nur wüsste, ….
Wir wissen noch lang nicht genug….
So werden und dürfen nie aufhören: die offenen Fragen und das unerfüllte Sehnen nach Versöhntheit…
Und so sind wir hier zu einem Abend des Gedenkens, des Hinhörens auf Worte und Gedanken aus den „Wohnungen des Todes“ wie sie Erich und Zenzl Mühsam erlebten.
Genau heute vor 81 Jahren – in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 - organisierte und lenkte das nationalsozialistische Regime Gewaltmaßnahmen gegen Juden und Jüdinnen im gesamten Deutschen Reich. Mit den Novemberpogromen begann die groß angelegte systematische Verfolgung und Ermordung der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen.
Im Zeitraum weniger Tage wurden hunderte Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Als unmittelbare
Maßnahme erfolgte darauf die Zerstörung von über 1.400 Synagogen, Gebetsräumen und sonstigen Versammlungsorten sowie tausender Geschäfte, Wohnungen und jüdischer Friedhöfe.
Auch hier in Villach hatten jüdische Familien über Jahrzehnte das Alltags-, Kultur und Geschäftsleben geprägt. Am Morgen des 10. Novembers sammelten sich die Zerstörungs- und Terrortruppen an verschiedenen Orten der statt, zur Gruppeneinteilung und, um genaue Instruktionen zu erhalten, wie Wohnungen und Geschäfte der ahnungslosen jüdischen Familien demoliert werden sollten. Immer mehr Neugierige versammelten sich vor den Wohnungen ihrer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, um das Spektakel zu beobachten, applaudierten und beteiligten sich an den Ausschreitungen.
Die Novemberpogrome waren kein zufälliges Ereignis. Sie sind nicht einfach vom Himmel gefallen wie ein Meteorit, der völlig unerwartet auf eine heile Welt herabstürzt. Jüdinnen und Juden hatten seit Jahrhunderten Verfolgung, Anfeindung, Herabwürdigung und Diskriminierung erleiden müssen. Und es war nicht allein der Antisemitismus der Nationalsozialisten, der auf eine abwegige Rassenideologie aufbaute. Es war auch eine Theologie der Verachtung gegenüber dem Judentum, derer sich die Christenheit schuldig gemacht hat.
An Gedenktagen wie heute machen wir uns laut und bekennend bewusst, welche Verantwortung an der Mitgestaltung von Verhältnissen zu tragen ist. In diese Verantwortung sind wir auch gerufen angesichts der Verhältnisse, die wir gegenwärtig in unserer Welt wahrnehmen.
So begrüße ich Sie in der Evangelischen Kirche im Stadtpark zu diesem Abend des Gedenkens und auch der Würdigung von Zivilcourage und Widerstandskraft.
Es ehrt uns, heute die Schauspielerin und Autorin Mercedes Echerer bei uns begrüßen zu dürfen, die mit dem Regisseur Stefan Ebner Texte von und über das Ehepaar Mühsam lesen wird.
Ich begrüße außerdem…
Ein Dank an Alenka Piotrowicz für die musikalische Mitgestaltung und Hans Smoliner für die Fotoinstallation.
Die Spenden dieses Abends kommen dem Verein Erinnern zu Gute.
Im Anschluss laden wir noch zum Zusammenbleiben in den Saal im Pfarrhaus ein.
Ein Dank an den Verein Erinnern und alle, die ihn unterstützen.
Ein Dank an alle, die diesem Gedenken mit ihrer Teilnahme Bedeutung geben, Verantwortung übernehmen und ein Zeichen der Solidarität und Wachsamkeit setzen.
So danke ich Ihnen allen.
Astrid Körner

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