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2015-12-20

BAD WEIHNACHTEN

Wir leben in einem krisengeschüttelten Zeitalter. Von den verschiedensten Krisen heimgesucht, sprechen wir gar nicht mehr von Einzelkrisen, sondern einfach von der Krise. Da es uns nur dann gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht, ist aber in allererster Linie die nicht enden wollende Wirtschaftskrise gemeint, von der alle anderen Krisen ausgehen: Es gibt eine Flüchtlingskrise, weil die Einquartierung von Kriegsflüchtlingen und die Errichtung von Drahtverhauen so teuer ist, eine Wirtschaftsflüchtlingskrise, weil Wohlstands-Suchende aus der islamischen Welt nach Europa geflohen kommen, eine Sicherheitskrise, weil in Europa bereits banlieu-beheimatete Muslime sich sehr gerne dschihadistischen Gruppierungen anschließen, eine Krise der katholischen Kirche, weil den Leuten die Kirchensteuer zu hoch ist, eine Demokratiekrise, weil Politiker zu viel verdienen und zuwenig arbeiten, wohingegen es sich bei sogenannten Lohnsklaven genau umgekehrt verhält. Relativ krisensicher ist in unserem Zivilisationskreis lediglich das Weihnachtsgeschäft, dessen Umsätze Jahr für Jahr steigen. Aus diesem Grund werden auch die Geschäfte und Geschäftsstraßen früher als früher weihnachtlich dekoriert. Schon Anfang Oktober sind die ersten Glaskugeln, Synthetikchristbäume und Weihnachtsengel zu sehen, zu Allerheiligen öffnen die ersten Weihnachtsmärkte und ab dem ersten Novemberwochenende herrscht in den Städten jeden Samstagnachmittag ein weihnachtseinkaufsbedingtes Verkehrschaos.
Die Kommunalregierung von Niklasberg hat diese Entwicklungen in Betracht gezogen, um ihre Stadt aus der Krise zu führen, sie für Touristen und Investoren attraktiv zu machen und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Ohne Zweifel hatte Niklasberg mit seinen etwa zwanzigtausend Einwohnern schon immer einiges zu bieten: eine schöne Umgebung mit Bergen, Wäldern und Gewässern, einer Stadtmauer samt Wehranlagen, einen Stadtkern mit gut erhaltener Bausubstanz aus Gotik, Renaissance, Barock und Biedermeier, eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Dennoch hatte schon in den Nullerjahren ein Einzelhandelsgeschäft nach dem anderen zugesperrt, die traditionsreiche Maschinenbaufabrik Rumpel&Stilz, die Papierfabrik Gebrüder Blattl, drei Hotels und mehrere Gasthöfe waren bankrott gegangen, die durch Niklasberg führende Bahnlinie war eingestellt und die lokale Niklasbank war – wie man auf Neudeutsch sagt - abgewickelt worden. Die Abwanderung nahm zu, die Zuwanderung nahm ab: Niklasberg war am Boden.
Kein Wunder, dass bei der mittlerweile legendären Gemeinderatswahl von 2010 die etablierten Parteien schwere Verluste erlitten, der langjährige Bürgermeister Anton Schantl und die Kommunalregierung abgewählt wurden. Die Bürgerliste BÜLINIK mit ihrem charismatischen Vorsitzenden Dr. Kevin Iso - einem promovierten Wirtschaftswissenschaftler - feierte einen Erdrutschsieg. Iso hatte mit einem griffigen Akrostichon geworben:
AUFBRUCH
DURCH
VOLLEN
EINSATZ:
NIKLASBERG
TRAUT SICH!
Das sogenannte Adventskonzept – wirtschaftlicher Aufschwung durch gesteigerten Weihnachtseinkaufsumsatz – hatte er bereits damals fix und fertig im Kopf; eine reine Adventskonzeptkampagne war ihm allerdings als zu riskant erschienen. Innovationen werden von der breiten Masse der Wähler anfangs oft für Firlefanz gehalten. Einmal angelobt, ging Bürgermeister Iso jedoch sofort daran, das Adventskonzept umzusetzen. In zahllosen Einzelgesprächen und etlichen Diskussionsrunden leistete er die notwendige Überzeugungsarbeit. Bei Wirtschaftstreibenden war das verhältnismäßig einfach, bei Lehrern, Ärzten und Kulturschaffenden schon schwieriger. Freilich versteht es Dr. Iso wie kein Zweiter, die Menschen mitzureißen, ihnen Hoffnung und Optimismus einzuimpfen.
Schon im Frühjahr wurde die Niklasberger Innenstadt entsprechend umgestaltet, und zwar durch den Einsatz beziehungsweise das Einsetzen junger Tannenbäume, die Befestigung vorderhand noch unbeleuchteter Lichterketten, die Errichtung sogenannter Bethlehems-Ställe. Die Niklasberger Betriebe Blumenwerkstatt Dorner, Tischlerei Schiefer und Elektro Birndl durften sich über beträchtliche Umsatzsteigerungen freuen.
Im Mai wurde der Niklasberger Zoo eröffnet, dessen besondere Attraktionen Rentiere, Ochsen und Esel sind. Auf dem brach liegenden Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Rumpel&Stilz nahm im Juni die Weihnachtsschmuckmanufaktur Stillenachthalle GmbH ihren Betrieb auf, im Juli öffnete das Original Niklasberger Weihnachtsmuseum seine Pforten, im August die Wachszieherei und Lebkuchenbäckerei St. Josef, im September die Geschenkboutique XMAS, bald darauf das Restaurant Père Noёl, das ganzjährig Weihnachtsdîners serviert. Am ersten Oktober wurde auf dem Domplatz der Niklasberger Weihnachtsmarkt eröffnet.
Schon in den ersten drei Jahren unter Bürgermeister Iso verdoppelte sich die Anzahl der Weihnachtseinkaufstage; heute wirbt so gut wie jeder Laden der Stadt jahraus jahrein mit Geschenksideen zum Fest: Die Weihnachtsdekoration ist im Sommer ein wenig dezenter als im Advent, aber sie ist vorhanden, und das zur Freude der Besucher Niklasbergs. Auch die meisten Einwohner der Stadt bewerten die saisonunabhängige Weihnachtsstimmung positiv, hat sie ihnen doch Arbeitsplätze und Wohlstand gebracht. In Niklasberg kann man im August Kunststoffchristbäume in allen Größen, Plastikadventkränze, Weihnachtsschmuck aller Art und selbstverständlich – wenn man denn will - auch weihnachtliche Naturware kaufen. Mehrere mit Flüssiggasmotoren betriebene Bimmelbahnen im Weihnachtsschlitten-Design fahren permanent durch die Stadt, Abend für Abend erleuchten bunte Lichterketten mit Christbaum-, Engels- und Kometenschweif-Anordnungen die Straßen. Niklasberg hat sich zur Weihnachtsstadt schlechthin entwickelt, wie es auf seiner Homepage heißt. Zahllose in- und ausländische Touristen besuchen diese außergewöhnliche Stadt, besonders beliebt ist sie bei Amerikanern und Japanern, das Original Niklasberger Weihnachtsmuseum ist ein richtiger Renner und muss infolge des gewaltigen Besucherandrangs erweitert werden.
Niklasberg boomt und der Wirtschaftsmotor brummt (wie das auf Zeitgenössisch heißt). Freilich muss man weiterdenken und in die Zukunft investieren. Niklasberg ist für Investoren aus aller Herren Länder interessant, erst neulich sind der Schweizer Pharmakonzern Ziehbar-Fiedli und die Alibaba-Investmentgruppe aus Dubai eingestiegen, mit einigen Multis gibt es vielversprechende Verhandlungen.
Bürgermeister Iso hat aber noch ganz andere Pläne.
Meine Damen und Herren,
sagte er im Vorjahr zu seinem Regierungsteam,
wir müssen unsere Stadt noch attraktiver machen und noch innovativere Investitionen tätigen. Bedenken wir die steigende Lebenserwartung bei gleichzeitigem Geburtenrückgang: unsere Clientèle wird immer älter und älter. Abgesehen davon, dass wir unser gesamtes Angebot noch greisenfreundlicher gestalten müssen, sollten wir daran denken, dass vor allem in unserer überalterten Gesellschaft Wellness ein über die Maßen prosperierender Wirtschaftszweig ist. Wellness mit W wie Weihnachten, Kolleginnen und Kollegen. Was, wenn wir die im Rahmen unseres Adventskonzepts als Marke bestens eingeführte Weihnachtsschiene mit einer Wellnessschiene verbinden? Weihnachten und Wellness im Ganzjahresmodus. Ich behaupte: Was uns fehlt, ist eine Therme.
Wenig später fanden die ersten Bohrungen statt und wenn man in unserem Land genügend lange bohrt, bringt man fast immer irgendeine mindestens lauwarme Quelle zum Sprudeln. Dann braucht man nur noch eine Leitung für das notwendige Ergänzungswasser zu bauen und für genügend Druck zu sorgen. Schon im kommenden Jahr – zeitgerecht zu seinem Tausendjahr-Jubiläum - wird Niklasberg seine eigene Therme besitzen. Ein Weihnachts-Wellnessbad, in welchem die Bademeister in einer Weihnachtsmann-Uniform, die Bademeisterinnen im Engelskostüm ihrer Arbeit nachgehen respektive im Notfall ihrer Arbeit nachschwimmen. Die Niklasberger Therme wird die einzige sein, die rundum – auch in den Saunakammern, Infrarot- und Dampfbadkabinen, sowie im angeschlossenen Fitnessstudio - ganzjährig weihnachtlich geschmückt ist. Man denkt betreiberseits etwa an Rentier- Ergometer und Rudermaschinen im Schlittendesign. Dazu soll es – in dezenter Lautstärke – weihnachtliche Hintergrundmusik geben, von Rudolph, the Red-nosed Rentier über Alle Jahre wieder bis Stille Nacht.
Im Zuge dieser neuesten Entwicklung wird Niklasberg einen neuen Namen erhalten und fortan – im Sinne der communal identity und des product managements – Bad Weihnachten heißen. (Wien, Dezember 2015)

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