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Stephan Jank

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2014-07-03

Rede bei der Friedensmahnwache am 30. 6. 2014

Liebe Freundinnen und Freunde,

wie uns schon der Happy Capitalist Song von all den absurden Dingen berichtet, die wir den ganzen Tag über so verrichten, so könnten auch wir uns an dieser Stelle montags fragen, was wir hier eigentlich tun. Offensichtlich halten wir eine Mahnwache für den Frieden ab. So jedenfalls steht’s auf den Transparenten und in der Ankündigung.

Aber was für ein Frieden soll das sein, den wir hier bewachen? Etwa jener Zustand, der uns alle umgibt? Schaut Euch doch um! Das ist doch ein Frieden, der es uns immer wieder auf’s Neue erlaubt, uns in jener unerträglichen Unschuld zu wiegen, die keinen einzigen von uns verantwortlich macht oder gar schuld spricht, wenn im Namen von uns allen in Südamerika der Regenwald abgeholzt wird oder wenn wir alle zusammen Millionen Tonnen von C02 in die Atmosphäre blasen. Oder meinen wir hier jenen Frieden, den wir mit uns und der Welt geschlossen haben, damit wir objektiv und in aller Ruhe auf die unerträglichen sozialen Verheerungen blicken können, die unsere Bekleidungsindustrie in den Textilfabriken Bangladeschs und die unsere Kommunikationsindustrie in den Chip-Fabs Südost-Chinas anrichten?

Ich denke, ein solcher Friede ist keinen Pfifferling wert. Ein solcher Frieden geht nämlich mit dem Kriege schwanger wie die Wolke mit dem Regen. Für einen solchen Frieden sollten wir keine Sekunde Wache schieben!

Ich lese auf den einschlägigen Websites, wir stehen hier auch für Gerechtigkeit. Aber auch dabei befürchte ich, dass die Ungerechtigkeiten, die in unserer Welt passieren vielleicht weniger schwer wiegen als die Gnadenlosigkeit und Unbarmherzigkeit unserer sogenannten Gerechtigkeit. Selbst die sogenannten Qualitätsmedien können mittlerweile nicht mehr umhin, von den über 700.000 Erwerbstätigen in Österreich zu berichten, denen ihr Einkommen Monat für Monat auf das Existenzminimum weeggepfändet wird. Natürlich auf Punkt und Beistrich dem Gesetz entsprechend. Legal und damit rechtmäßig. Gerecht – sozusagen. Darunter tausende alleinerziehender Müter, deren Kinder an bzw. unter der Armutsgrenze in diese Gesellschaft sozialisiert werden, nur weil ihre Mutter einmal ihre Unterschrift auf die Bürgschaftserklärung eines Kreditvertrag gesetzt hat.

Eine solche Gerechtigkeit ist keinen Pfifferling wert. Nichts ist jämmerlicher, keine Witzfigur trauriger als der glückliche Sklave, der bereit ist die härtesten Arbeiten zu verrichten und auch noch die einschneidendsten Sparpakete zu ertragen, wenn er dafür nur gerecht behandelt wird. Keine Sekunde sollten wir für diese Gerechtigkeit Wache schieben.

Ich lese, wir stehen hier für Freiheit. Aber was ist das für eine Freiheit? Etwa jene, die es jedem Einzelnen erlaubt, in jeden beliebigen Flieger zu steigen und beliebig oft an jeden beliebigen Ort dieses Planeten zu fliegen? Oder meinen wir jene Freiheit, die es jedem Einzelnen von uns erlaubt, beliebig viele Autos – vorzugsweise SUVs – zu besitzen und mit diesen beliebig viele Kilometer abzuspulen? Oder meinen wir etwa die Freiheit, die jedem Einzelnen von uns erlaubt, in jedem Internet-Forum aus der Deckung der absoluten Anonymität jede noch so bescheuerte Wortspende als seine eigene – vorzugsweise freie – Meinung zu posten? Eine Meinung, die in den meisten Fällen ja noch nicht einmal bereit oder gar in der Lage wäre, sich an sich selbst messen zu lassen.

Ich sage Euch, diese Freiheiten sind keinen Pfifferling wert. Wir sollten keine Sekunde für solche Freiheiten Wache schieben!

Liebe Freundinnen und Freunde,

wenn es hier also ein weiteres Mal darum gehen soll, die Dogmatik der aufgeklärten Moderne auf die immer gleiche Weise durchzudeklinieren, dann bin ich nächsten Montag nicht mehr dabei. Denn ich werde Euch sagen, was in den Paketen drinnen ist, auf denen „Freedom, Democracy and Human Rights“ draufsteht:

Bedingungs- und alternativloses Wirtschaftswachstum, ein erbarmungsloser Leistungsimperativ, gnadenloser Wettbewert, Arbeit überall und um jeden Preis, selbst dort wo schon lange keine mehr zu verrichten ist, Bildung auf Teufel komm‘ raus und ungeachtet jeglicher Inhalte, Deregulierung der öffentlichen Daseinsvorsorge, Kosteneffizient koste sie an sozialen Verwüstungen was immer sie wolle, Radikalisierung und Totalisierung von Marktmechanismen, usw …

Und es kommt noch schlimmer: Diese Pakete erhalten wir nicht von irgendwelchen „Amerikanern“ oder von dubiosen Absendern aus einer „dunklen“ Finanzindustrie! Nein, wir selbst sind es, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach Arbeit winseln. Wir sind es, die Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit fordern – vorzugsweise immer für die anderen, die gerade keine haben. Wir sind es die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jener Unternehmen, bei denen wir die Kundenkönige sind, gnadenlose Freundlichkeit, Einsatz und Effizienz bei der Erledigung unserer Aufträge abpressen. Wir sind es, die unseren Politikern die immer neue Erzeugung von Wirtschaftswachstum auftragen und dieses von ihnen abverlangen. Wir sind es, die für unser Kinder Bildung, Bildung und noch einmal Bildung fordern. Am besten schon im Mutterleib. Wir sind es, die den kosteneffizientesten Einsatz unserer Steuergelder fordern.

Liebe Freundinnen und Freunde,

in diesem Krieg sind wir nicht die Opfer. In diesem Krieg sind wir die Täter! Und ich befürchte dass da noch lange kein Frieden sein wird, den wir bewachen könnten. Den Frieden in diesem Krieg, den müssen wir uns erst erkämpfen, den müssen wir uns erst erstreiten. Und dazu müssen wir erst einmal jene gleiche Augenhöhe herstellen, auf der man einen solchen Frieden auch nachhaltig verhandeln kann. Das aber werden wir nicht in der Ukraine tun können oder in Nigeria, nicht vor den Küsten Somalias oder im Irak. Auch nicht in Afghanistan oder in Syrien. Diesen Krieg können wir nirgendwo anders beenden als hier bei uns.

Hören wir auf zu bewachen, was uns kaputt macht! Beginnen wir kaputt zu machen, was uns bewacht! Dekonstruieren wir endlich das Vokabular und die Grammatik der aufgeklärten Moderne und entwickeln wir eine Sprache, die uns aus diesem Korsett befreit. Halluzinieren wir uns nicht länger die Einsicht in jede noch so absurde „Notwendigkeit“ zur „Freiheit“ um!

In diesem Sinne:

Venceremos!

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dw, 2014-07-28, Nr. 6289

Nieder mit den Anarchokapitalisten

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