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Ludwig Roman Fleischer

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2014-06-22

RATTENFÄNGER VON WIEN

PROLOG IM KELLER

Kommerzialrat Leopold Leopold Schabenberg studierte das Neue Österreich und wischte einen Klecks Eigelb von der Schlagzeile EIN FREIES LAND. Schwarz-Gelb: Die Farbe jener letzten Endes besseren letzten Zeit, der man künftig nachtrauern würde. Gedämpftes Violingewinsel drang aus dem Volksempfänger: Sender Rot-Weiß-Rot. Der Kommerzialrat schüttelte den Kopf und zwirbelte seinen Schnurrbart. Haydns Kaiserquartett, zweiter Satz: Süßes Ohrenschmalz und ein wenig Augensalz statt der heiligen Herrenmenschenschauer, die einen bis vor Kurzem überlaufen durften, wenn diese Melodie erbrauste.
Himmelkreuzdonnerwetter noch einmal,
versuchte der Kommerzialrat zu schnauzen, doch es klang unverkennbar Wienerisch, nach schlappstem Defätistendeutsch.
Kein Vergleich…
Poldo, Poldo, du wirst alt,
sagte Schabenberg zu sich selber. Er klingelte seiner Haushälterin und trat ans Erkerfenster: Drunten, parallel zum bleigrau vorbeischlierenden Donaukanal, marschierte ein kleiner Zug von Fahnenschwenkern über das Kopfsteinpflaster: Hoch! Hoch! Freiheit!
Es klang wie Oh, oh! Ei, ei!
Der Herr Kommerzialrat haben geläutet?
Die Vodička schob ihre dienstbare Leibesfülle zur Tür herein. Sie trug einen Kochtopf-förmigen Filzhut, mit Perlmutternadel am Zopfknödel fixiert, und ihren Bisamrattenmantel, der weitaus bessere Tage gesehen hatte. Gehen Sie zu einer Hochzeit oder zu einer Leich´, Fräun Vodička?
Aber Herr Kommerzienrat!
Das Wort „Hochzeit“ trieb dem guten alten Mädchen die Jungfernröte ins Gesicht.
No, wo doch hait der große Tag is, auf den mir alle gewartet ham. Geh ich halt zu Schloss vom Prinzen Aigähn, zu die Faierlichkaiten, wenn der Herr Kommerzienrat erlauben.
Schon gut, Fräun Vodička. Hauptsach, Sie amüsieren Ihnen.
Schabenberg holte das Portemonnaie hervor und plättete seiner Haushälterin drei Scheine hin. Die Vodička errötete aufs Neue. Verlegen zupfte sie an ihrer filzenen Haupthülse herum und stach sich die Perlmutternadel in den Finger.
Waiß ich schon, dass der Herr Kommerzienrat haite a bissl depressioniert sind…
Feiern´S nur brav, Fräun Vodička. Ich brauch Sie heut eh nimmer. Morgen übrigens auch nicht.
Die Vodička setzte zu einer Aufzählung der Natur und des Aufbewahrungsortes aller im Haus befindlichen Viktualien an, wurde aber von Schabenberg mit freundlicher Bestimmtheit aus dem Zimmer komplimentiert. Eine heftige Erregung hatte den Kommerzialrat erfasst, ein Froststurm in der Magengrube und ein Hitzegewitter zwischen den Schläfen, wie seinerzeit, wenn er – ein Knabe noch – im Keller die ersten Gefechte in Angriff nahm. Er kramte nach dem EK Zwo in seiner Börse, heftete es sich an den Rockaufschlag und trat vor den Spiegel am Treppenabsatz. Zackig salutierte der Schabenberger, den zweiten Satz des Kaiserquartetts im Marschtakt intonierend: Tamm-terrammtamm-tamm-terrammtammtamm. Nochmals Salut, dann wandte er sich treppab, Parolen von Zucht und Ordnung im Sinn. Im Erdgeschoss empfing ihn ein Rumoren, das stärker wurde, je näher er der Kellertür kam.
Allerdings, sagte er, das würd´ heut´ passen. Himmelkreuzdonner...
Das Rumoren verstummte kurz und setzte dann mit doppelter Stärke wieder ein. Der Kommerzialrat schloss die Augen und presste die Zeigefingerspitzen in seine Schläfen. Es war soweit, wohl wahr. Dabei war beim letzten Wurf sogar ein König darunter gewesen, eine Rarität, die selbst Urgroßvater Johann Baptist beeindruckt hätte: Ein richtiger König, im Südteil des Kellers, hinter den Feuerwehrschlauch gekringelt wie eine Schlange, sieben verschlungene Schwänze, die Königskinder noch rosig nackt und fruchtblasenfeucht. Rex rattus germanicus, hatte der Hausherr mit sich vor Entzücken überschlagender Stimme ausgerufen.
Schabenberg kramte den Schlüsselbund aus seiner Hosentasche, die Schlüssel schepperten in seiner zitternden Rechten. Er trat durch die Pforte und drehte das Licht auf: Glasscherben glitzerten im düsteren Schein der Glühbirnen. Nochmals besann sich der Kommerzialrat, dann murmelte er: Es muss sein, trat an das weitläufige Gittergeflecht heran, entriegelte und öffnete: Kurz ebbte das Rumoren ab und setzte dann mit Vehemenz wieder ein, ein Huschen und Stieben durchdrang das Gewölbe, umsauste die Füße des Kommerzialrats, der die Schlüssel fahren ließ und beide Augen mit seinen Händen bedeckte, als die wilde Jagd die Treppe emporwieselte, seiner nicht achtend, Froschmeuseler und arvicolae, rattus bellicosus und germanicus, mus musculus und norvegicus.
Schabenbergs Glückes Ende. Mein Reich ist nicht mehr von dieser Welt,
ächzte Poldo Poldo Schabenberg, während tausende Beinchen ihn umtanzten, in einem tausendfachen Apokalypso, und von oben, von der Kanallände her, weitere Oh, Oh, Ei, Ei-Rufe hörbar wurden.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors:
Ludwig Roman Fleischer, "Rattenfänger von Wien", SISYPUS, 2014

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