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2013-04-10

Texte: KÄRNTEN – SLOWENIEN – FRIAUL - LITERARISCH

Auf seinem Landsitz in S. am Wörthersee habe der deutsche Multimillionär und Wahlkärntner Helmut H. zu einer Geburtstagsfeier geladen. Diese Geburtstagsparty habe sich, was den Aufwand betreffe, schließlich als Festivität entpuppt, die einen manchmal geradezu an den Wiener Opernball habe denken lassen.

Der Konzernherr, von dem der berühmte Ausspruch stamme, er könne nicht „auf hundert Millionen Mark genau sagen“, wie reich er eigentlich sei, halte sich nunmehr am liebsten in Kärnten auf, in einem Land, das ihm ob der reizvollen Landschaft und der Urigkeit und Freundlichkeit der Bevölkerung im Lauf der Jahre zur Wahlheimat geworden sei. Und das, obwohl er neben seiner Villa in S. ja noch ein Schloß und Jagdgut in der Steiermark, eine ganze Bahama-Insel, eine Besitzung im Tessin, das Stammhaus in Düsseldorf und eine Villa am Cap d'Antibes sein eigen nenne. Aber die Gegend am Wörthersee sei nicht nur der Ort, wo er, von Unterbrechungen, verstehe sich, abgesehen, lebe, sondern wo er auch, zusammen mit seiner Frau Heide, begraben sein wolle. Bekanntermaßen habe H. sich auf seinem Grundstück am See eine Kapelle bauen lassen, in deren Gruft er dereinst zur letzten Ruhe gebettet sein möchte.

Noch aber sei es nicht soweit. Am Donnerstagvormittag bereits habe eine kleine Vorfeier stattgefunden: der Vizebürgermeister der Gemeinde R. habe sich mit einem Männerquartett bei diesem wohl prominentesten Wahlkärntner als Gratulant eingestellt. Der Vizebürgermeister habe dem Geburtstagskind eine gebundene Ausgabe der gesammelten Werke des großen Kärntner Dichters Josef Friedrich Perkonig als Geschenk überreicht, das Männerquartett einige Kärntnerlieder wie „Karntn is lei ans“ oder „Da Hergot hot gsungan“, da „Hergot hot glocht“ zum Vortrag gebracht. Der Jubilar habe für die ihm zuteil gewordene Ehrung gedankt und die Gratulanten auf eine original Kärntner Brettljause eingeladen. Bedankt habe er sich nicht zuletzt ja schon vorher, habe er doch für die Kirche von R. ein neues Dach gestiftet.

Die Vorbereitungen zum eigentlichen Fest seien unter strengster Geheimhaltung vor sich gegangen, man habe entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen, da gegen den Multimillionär anonyme Drohungen eingegangen seien und ein Anschlag der Baader-Meinhof-Bande habe befürchtet werden müssen. Die etwa achtzig prominenten Festgäste, teilweise mit H.'s Privat-DC-9 nach Klagenfurt eingeflogen, seien schwerbewacht und dennoch so unauffällig wie möglich in den Hotels Linde und Astoria untergebracht worden. Manchmal, habe der Millionär scherzend versetzt, wünsche er sich geradezu, ein einfacher Mann zu sein, um wenigstens ungestört und unbedroht seinen Geburtstag feiern zu können.

Die Zusammenarbeit mit der hiesigen Exekutive, habe H. anerkennend hervorgehoben, sei „vorbildlich“ gewesen. Und beeindruckend wie das Fest selbst auch die Sicherheitsmaßnahmen! Das große Anwesen sei auf der Landseite, entlang der Mauer von Gendarmerie und Staatspolizei umstellt gewesen - habe die Exekutive doch zwanzig Stunden lang (die Party habe die Nacht über bis Freitag Mittag gedauert) die Verantwortung für die Sicherheit der Gäste und den ungestörten Ablauf des Festes zu tragen gehabt: nehme man es genau, auf Kosten der Steuerzahler. Das Seeufer des H'schen Besitzes sei von zwei auf dem See kreuzenden Kanonenbooten der Gendarmerie gesichert worden, um auch die Möglichkeit eines Raketenangriffs von vornherein auszuschließen. H's Sekretär sei von seinem Büro in der Villa aus mit dem Kommandanten der Kanonenboote und den Einsatzleitern der Sicherheitsorgane auf der Landseite in ständigem Funkkontakt gestanden. Zur Labung- eine schöne Geste - seien den tüchtigen Beamten heißer Tee und kalte Brötchen gereicht worden. Aus München habe der Millionär außerdem noch zehn Leibwächter einfliegen lassen, die schwerbewaffnet, mit zehn Bluthunden das Gelände innerhalb der Mauer, etwa den weitläufigen Park, während des Festes durchstreiften.

Für das kulinarische Amusement habe der Münchner Feinkostspezialist und Party-Architekt Gerd Käfer verantwortlich gezeichnet. Aus München kommend, sei eine weitere Chartermaschine in Klagenfurt-Annabichl gelandet, und an köstlicher Fracht habe man ausgeladen: sechzig Hummer, dreihundert Krebse, dreitausend Austern, zehn Kilo Lachs, sechzig Kilo Spanferkel, tausend Weinbergschnecken, fünf Kilo iranischen Kaviar, sechzig Ananas, einen halben Zentner israelische Erdbeeren, hundert Flaschen Whisky und Wodka, acht Köche und zehn Kellner. Wein und Champagner habe der Gastgeber aus seinem eigenen Keller auftischen lassen – u. a. 1958er Wiltinger Gottesfuß feine Auslese, 1960er Mouton Rothschild Cadet und Heidsieck Monopol Red Top.

Unfaßbar beinahe, was H. an internationalen Attraktionen aufgeboten habe, um die Festgäste zu unterhalten. In der sogenannten Festhalle habe ein englisches Kammerorchester Musik der Renaissance und des Barock gespielt, in der Trophäenhalle ein Jagdhornquintett konzertiert. Im sogenannten Blauen Salon sei ein Büffet aufgebaut gewesen, dessen Reichtum und Vielfalt schier unerschöpflich geschienen habe; ein Kunstwerk des Party-Architekten Käfer, vor dem selbst Meister Fuchs anfangs in andächtigem Staunen verharrt sei (wenngleich dieses Büffet der kulinarischen Magie des Geldes habe entbehren müssen) Stark frequentiert die beiden Kegelbahnen und der Schießstand im Keller: haben beim Kegelschieben Rudolf August Oetker und Heino eindrucksvolle Proben ihres Könnens geliefert, so habe Karl Friedrich Flick am Schießstand bewiesen, daß er es mit jedem Terroristen aufnehmen könne. In der Trophäenhalle wiederum habe ein Bauchredner Witze erzählt, Hondo, international renommierter Magier, habe gezaubert; für sein Kunststück, Hausherrn H. die Börse zu ziehen, sei er heftig akklamiert worden. In der Festhalle habe ein Zigeunerensemble, aus Ungarn angereist, mit seinem atemberaubenden Spiel den Herrschaften tüchtig eingeheizt, eine monegassische Tanzkapelle habe mit eher langsamen Rhythmen manchen Playboys mit Silberflitter im Haar Gelegenheit gegeben, so manchen Schönen näherzukommen. Großen Gefallen habe eine philippinische Tanzgruppe gefunden, die der Gastgeber eigens für diese Party vom Lido de Paris engagiert hatte. Ein Höhepunkt nach dem andern! Die Popgruppe „Brotherhood of men“ habe Plattenaufnahmen in England unterbrochen, um in der Villa am Wörthersee live aufzutreten und Hits wie „Save your kisses“ zu bringen. Der absolute Höhepunkt des Abends aber, der Nacht, des Festes schlechthin, die Krönung, sei um Mitternacht der Auftritt von Showstar Donna Summer gewesen, die in H.'s DC-9-Jet eingeflogen und im Auto, von einem Leibwächter bewacht, zur Villa nach S. gebracht worden sei. Donna Summer, die ihre Lieder mehr stöhne als singe und während des Vortrags angeblich viel verspüre - ein Kennerpublikum habe sich davon überzeugen können -, habe, von heftigen Ovationen empfangen, ihre größten Erfolge gesungen. Höhepunkt dieses Höhepunkts: der Titel „I feel love“ den sich das Geburtstagskind gleichsam als Geburtstagsgeschenk bestellt habe. Der Applaus nach dieser Nummer habe kein Ende nehmen wollen, das schwarze Sex-Idol habe noch eine weitere Nummer zugeben müssen. - Ein Fest am Wörthersee. Wie heiße es? „Karntn is lei ans, is a Landle, lei a klans“, sei ein Land nur, ein kleines. Klein, aber oho!

Quelle: Kärnten. Literarisch, herausgegeben von Klaus Amann, Drava Verlag 2002.

Werner Kofler

Werner Kofler (* 23. Juli 1947 in Villach, Kärnten; † 8. Dezember 2011 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller.

Werner Kofler war der Sohn eines Kaufmanns. Eine Ausbildung zum Lehrer an der Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt brach er nach vier Jahren ab und ging auf Reisen. Anschließend übte er verschiedene Tätigkeiten aus. Ab 1963 war er literarisch tätig; seit 1968 lebte er als Schriftsteller in seiner Wahlheimat Wien, mischte sich aber weiterhin in die politischen Geschehnisse in Kärnten ein.[1]

Kofler verlegte sich nach frühen ausgesprochen poetischen Werken in der Hauptsache auf Prosawerke, in denen er die Techniken der Collage und Montage als Mittel der Sprach- und Gesellschaftskritik einsetzte. Der Autor war nicht zuletzt wegen seiner an Thomas Bernhard erinnernden Beschimpfungen bekannt, die sich häufig gegen den von Kofler vehement abgelehnten Realismus österreichischer Schriftstellerkollegen richteten.

Kofler war Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der IG Autorinnen Autoren.

Sein Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof.

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