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Andreas Exner

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2013-01-19

Bodenfreikauf

Ein neuer Ansatz für eine solidarische Landwirtschaft in Österreich

Steigende Wohnungskosten und Lebensmittelpreise sind eine der Folgen, wenn Grund und Boden zur Ware geworden sind. Und die Ware „Boden“ wird nicht an jene verkauft, die ihn für sich praktisch nutzen wollen, sondern an den Meistbietenden. Boden ist ein wichtiges Spekulationsobjekt. Nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA und vielen anderen Ländern baut sich in Österreich und Deutschland erneut eine Immobilienblase auf. Der Dachverband der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften in Österreich beklagt: Er komme seinem Auftrag kaum mehr nach, die in den letzten Jahren stark gestiegenen Grundstückspreise machen Wohnraum unerschwinglich.

Obwohl Wohnraum für jeden Menschen notwendig ist, bekommen wir ihn nicht einfach so, sondern müssen zahlen. Zahlen können aber nicht alle, die Wohnraum brauchen, denn sie hängen davon ab, als „Arbeitskräfte“ von „der Wirtschaft“ „nachgefragt“ zu werden. „Die Wirtschaft“ nutzt Menschen dann auch nur als „Arbeitskräfte“, als Menschen werden sie nicht respektiert. Sie zahlt so wenig wie nötig und entlässt „Arbeitskräfte“ kurzerhand, wenn sie keinen Profit mehr abwerfen.

Immer mehr Menschen geraten deshalb in Not.

Ähnlich ist die Situation in der Landwirtschaft. Alle müssen essen, doch bekommen wir das Lebensnotwendige nur, wenn wir uns an „die Wirtschaft“ auch zu bestimmtem Preis verkaufen können. Während für das Problem der Wohnraumbeschaffung in Österreich kaum Lösungsansätze gibt – auch Gemeinschaftsprojekte sind in der Regel sehr teuer, jedenfalls von erheblichen Einkommen abhängig – sieht es in der Landwirtschaft etwas besser aus.

Solidarische Landwirtschaft will die kapitalistischen Prinzipien von Konkurrenz, Wachstum und Tauschlogik überwinden. Ein prominenter Ansatz dabei ist „Community Supported Agriculture“ (CSA). Eine Gruppe von KonsumentInnen soll zusammen mit den ProduzentInnen die Produktion eines Jahres planen, sie schießt die Produktionskosten vor und arbeitet zum Teil auch mit am Feld.

Doch nur ein kleiner Teil der CSA-Projekte überwindet den Warencharakter von Grund und Boden. In der Regel bleibt der Hof im Privateigentum der Bäuerin oder des Bauern. Bei den österreichischen Projekten ist das bisher durchwegs der Fall, die CSA-KonsumentInnen verfügen nicht über die Produktionsmittel, sie helfen allenfalls bei der Arbeit mit, bleiben aber wesentlich KonsumentInnen.

Das Machtungleichgewicht zwischen Privateigentümer und Konsumentin bleibt somit bestehen. Dies bedeutet, dass sowohl die Höfe als auch die KonsumentInnen von Geldeinkommen abhängig bleiben. Wer nicht zahlt, kann an einer CSA üblicherweise nicht oder nur mit Schwierigkeiten teilnehmen. Wer nicht verkauft, kann keine CSA betreiben. Der Markt bleibt intakt und mit ihm der Kapitalismus.

Doch gibt es eine Reihe von neuen Ansätzen, die den Bodenmarkt zurückdrängen wollen. Während in Frankreich das Netzwerk Terre de Liens dabei schon gewisse Erfolge erzielen konnte, wenngleich auf sehr kleiner Stufenleiter, gibt es in Österreich erst die Idee. Die Agrarkommune Wieserhoisl auf der Koralpe (Steiermark) möchte ihren Hof in das Eigentum eines Trägervereins oder einer Stiftung überführen, die den Hof dauerhaft dem Markt entzieht. Die Kommune bliebe die Nutzerin, das Eigentum aber wäre durch die Trägerstruktur neutralisiert, dem Markt entzogen, siehe www.wieserhoisl.at.

Ähnlich das Projekt "Bodenfreikauf", das ebenfalls in der Steiermark nach einer Fläche sucht. Noch fehlen 3 BeiträgerInnen á ca. 8.000 Euro, siehe bodenfreikauf.wordpress.com/. Das Konzept: Alle erhalten ein lebenslanges Nutzungsrecht an der Fläche, ein Teil der Ernte soll verschenkt werden.

Ein dritter Ansatz wird in Vorarlberg entwickelt. Der Verein "Bodenfreiheit" will Bauland dem Markt entziehen und die Versiegelung verhindern. Für jede Fläche soll ein Nutzungskonzept zum Wohle der Allgemeinheit erstellt werden. Der Verein will die Freikäufe über Spenden finanzieren, siehe http://www.bodenfreiheit.at/.

Am 31. Jänner 2013 findet nun an der Universität für Bodenkultur in Wien eine öffentliche Diskussionveranstaltung zum Ansatz des Bodenfreikaufs statt. Er wird von La Via Campesina organisiert. Siehe dazu den folgenden Veranstaltungshinweis. Auch auf dem Kongress Solidarische Ökonomie in Wien, 22.-24.Februar, wird es Workshops zum Thema Bodenfreikauf geben, siehe solidarische-oekonomie.at

Veranstaltungshinweis: Bodenfreikauf – Land für solidarische Landwirtschaft

Do, 31. Jänner 2013 16:00-19:00 Uhr Universität für Bodenkultur, Hörsaal EG03 im Simonyhaus, Peter-Jordan-Straße 65, 1180 Wien

Eine Veranstaltung der ÖBV - Via Campesina Austria, des TÜWI-Vereins, des ÖH Boku Frauenreferates und Attac Österreich.

Am Podium:
• Jochen Fick, Mitglied der AMAP Vilard de Lans (F) und Unterstützer von Terre de Liens • Elke Müllegger (Mitglied des Kollektivs Wieserhoisl) und Maria Dahlhoff • Markus Distelberger, Initiator des Vermögenspools

Jochen Fick stellt die französische Stiftung "Terre des Liens" vor, die 2003 gegründet wurde, derzeit über 1200 Mitglieder und schon 100 landwirtschaftliche Betriebe erworben hat, die sie an Bauer_innen ohne Land verpachtet. Das Land muss nach biologischen Kriterien bewirtschaftet werden; unterstützt wird vor allem CSA (community supported agriculture) und kleinbäuerliche Landwirtschaft.

Elke Müllegger vom Hofkollektiv Wieserhoisl in der Steiermark und Maria Dahlhoff erzählen von der Initiative, in Österreich einen Dachverband/Trägerverein zu gründen, der freigekaufte Höfe verwaltet und diese an Nutzungsvereine verpachtet. Die Höfe sollen so dauerhaft dem Markt entzogen und einer solidarischen Bewirtschaftung zugeführt werden.

Markus Distelberger stellt das Konzept eines genossenschaftsähnlichen Vermögenspools vor. Das Innovative daran ist, dass ein zinsenloser Vermögenskreislauf geschaffen wird, indem einerseits Menschen laufend Beiträge zum Pool einbringen können und andererseits andere auch laufend aus dem Pool von ihrem Anteil entnehmen können. Am besten ist er für Finanzierungen von Grund und Gebäuden zu verwenden. Denn dies ermöglicht eine gediegene Sicherstellung durch eine Hypothek im Grundbuch. Es wird im rechtlichen Rahmen einer Genossenschaft oder eines genossenschaftsähnlichen Vereines auf sozial sinnvolle Weise gemeinschaftlich Vermögen gebildet, in seinem Wert erhalten und gesichert.

Anschließend wollen wird die vorhandenen Ansätze diskutieren und gemeinsam überlegen, wie wir das Thema vorwärtsbringen können.

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