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Peter Gstettner

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2012-11-11

Rede anlässlich der Eröffnung der „Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal“ am 28. Oktober 2012 in Greifenburg

Peter Gstettner (Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška), am 28. Oktober 2012 in Greifenburg

Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Freunde und Freundinnen, hochgeschätzte Gäste,

es ist mir eine Ehre als langjähriger Begleiter und Förderer dieser Gedenkstätte das Wort ergreifen und die heutige Eröffnung des Denkmals miterleben zu dürfen. Worte der Anerkennung und des Dankes sind hier angebracht, denn in diesem Denkmal sind die Namen und Geschichten von Menschen festgehalten, die lange vergessen und aus dem kulturellen Gedächtnis Kärntens gelöscht waren.
Ich danke ihnen, dass sie mit ihrem Erscheinen die langjährigen Recherchen von WissenschaftlerInnen, die zähe Arbeit von Erinnerungskultur-Aktivistinnen und –Aktivisten und das eindrucksvolle Engagement von Künstlerinnen und Künstlern würdigen. Ich danke ihnen, dass sie darüber hinaus mit ihrer Anwesenheit den ehemals vergessenen Menschen nunmehr den notwendigen Respekt erweisen, denn in dieser Gedenkstätte wird die Erinnerung an jene Menschen aufbewahrt, deren gewaltsamen Tod wir als Mahnung im Gedächtnis behalten wollen. Auch wenn wir selbst hier keine Angehörigen betrauern, so sind wir doch hier, weil uns die Mit-Menschlichkeit, die Verbundenheit mit den Opfern, dazu nötigt, uns die damaligen Ereignisse zu vergegenwärtigen.

Vor noch nicht allzu langer Zeit neigte die Holocaust-Forschung dazu, der Einfachheit halber vier Gruppen zu unterschieden: die NS-Opfer, die Nazitäter und die kleine Gruppe der Helfer und Retter; das waren jene unerhört mutigen Menschen, die Juden vor dem Holocaust retteten und die deshalb von Israel bzw. Yad Vashem als „die Gerechten unter den Völkern“ ausgezeichnet werden. Die vierte, die größte Gruppe, wurde aber als „unbelastet“ eingeschätzt, schlimmstenfalls als „Mitläufer“ bezeichnet. Was für eine Entlastung für die Mehrheit der Gesellschaft, nur „Zuschauer“ gewesen zu sein und nicht Mittäter! Gerade diese große Gruppe der angeblich unbeteiligten Zuschauer und ahnungslosen Wegschauer wird von der neueren Forschung heute stark in Frage gestellt. Waren nicht die „unbeteiligten Zuschauer“ (rein quantitativ) die Hauptstützen des Systems? Die Nazi-Verbrechen, die in aller Öffentlichkeit geschahen, die Jagdszene in der Umgebung, die Hinrichtungen am Dorfplatz und das gar nicht so heimliche Verscharren der Ermordeten an der äußeren Friedhofsmauer - wären all diese Verbrechen in dem Ausmaß möglich gewesen, wenn sich das Nazisystem nicht auf die stille Duldung und Zustimmung der schweigenden Masse hätte stützen können?
Selbst nach 1945 hielt sich die Empörung der Augenzeugen, der Mitwisser und der angeblich Unbeteiligten in Grenzen. Sie zogen es vor, zu schweigen und dem Vergessen das Wort zu reden.

Wer waren aber diese Menschen, deren Namen und Schicksale nun hier in Erinnerung gerufen werden? Waren sie Menschen, wie du und ich - und nur ein bisschen anders? Waren sie wirklich die Außenseiter, Sonderlinge, die widerständigen Zeitgenossen, die Minderleister und die Missgeburten, zu denen sie abgestempelt wurden? Weshalb hatten sie keine „Retter in der Not“, weshalb wurde ihnen Mitgefühl und Hilfeleistung verweigert? Weshalb versagte ihnen die Gesellschaft auch nach 1945 die Erinnerung in Anerkennung ihres Widerstandes und in Achtung ihrer menschlichen Würde?
Vielen Fragen steht uns geringes Wissen über diese Menschen gegenüber. Ein Versäumnis, das uns heute beschämt, ein Defizit, das diese verdienstvolle Denkmalsetzung nur teilweise gutzumachen vermag.
Dank der Forschungen von Peter Pirker wissen wir zumindest einiges: Die Opfer waren Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und unterschiedlichen Alters. Ihr einziges „Vergehen“ war, dass sie eine falsche Weltanschauung hatten, dass sie den Nazis Widerstand leisteten oder dass sie auf eine andere Weise als „abweichend“, als „politisch unzuverlässig“ und/oder als „Belastung für die deutsche Volksgemeinschaft“ eingeschätzt wurden. Es waren also keine „Verbrecher“, die da systematisch verfolgt und ermordet wurden, sondern es waren Menschen, die ehemals durchaus gemeinschaftsfähig und „integriert“ waren, Menschen, die ein Zuhause und eine Familie hatten, die Nachbarn, Eltern und Freunde hatten, deren Namen im Dorf bekannt waren. Die Menschen, deren Namen und Geschichten in diesem Denkmal festgeschrieben sind, wurden alle Opfer des Nazi-Rassenwahns und seiner gewalttätigen und grenzüberschreitenden Brutalität und Unmenschlichkeit. Und gerade deshalb fragen wir uns heute: Wer stand ihnen bei, wer liebte und beschützte sie, wer warnte sie vor der drohenden Gefahr? Alle diese Menschen hatten doch ihre je eigenen Herausforderungen des Lebens bewältigt, hatten Träume, Hoffnungen, Wünsche, die sich auf die Zukunft richteten, auf eine bessere Zukunft, wie wir annehmen dürfen.
Sie sollten aber keine Zukunft haben. Die Nazis nahmen ihnen alles; nicht nur das Leben sondern auch den Namen und das Andenken der Nachwelt. Deshalb hat dieses Denkmal – jetzt und in der Zukunft – eine nachhaltige aufrüttelnde Bedeutung. - Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat diese Bedeutung 2009 in einer Gedenkrede so beschrieben: „Wir erinnern uns aus Respekt vor den Opfern. Wir erinnern uns, um aus der Geschichte zu lernen. Und wir erinnern uns um unserer selbst willen. Denn Erinnerung bedeutet auch: Nach der Wahrheit, nach dem festen Grund für das eigene Leben suchen. Wer sich der eigenen Vergangenheit nicht stellt, dem fehlt das Fundament für die Zukunft. Wer die eigene Geschichte nicht wahrhaben will, nimmt Schaden an seiner Seele. Das gilt für jeden Menschen. (...) Denn nur mit der Erinnerung leben, birgt die Chance, mit sich und anderen ins Reine zu kommen.“1

1.www.bundespräsident.de/Reden-und-Inerviews; Ansprache anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktages 2009; zitiert auch in: P.Gstettner: Den Opfern eine Stimme geben – zum Beispiel im Drautal. In: P.Pirker/A.Profunser (Hg.): Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung – Die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal. Klagenfurt/Celovec 2012, S. 18-20

Wer mehr über die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal wissen möchte, dem sei dieser Link empfohlen:
www.nsopfer.kuland.org/
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Heinrich Untergantschnig, 2012-11-11, Nr. 5748

Danke!

Es ist ein Zeichen der Gerechtigkeit, die diesen Opfern aus dieser Zeit der NS-Gewalt-Herrschaft nun in Wertschätzung entgegen gebracht werden.

Diese Rede und dieses Denkmal im Drautal und anderswo, möge all jenen Menschen, die sich noch nicht mit diesen Themen beschäftigt haben, bewusst werden lassen, dass eine Gewaltherrschaft, die Menschen anderer Meinung und Zugehörigkeit verfolgt und schlimmstenfalls foltert und ermordet, kein lohnendes Ziel für ein Land und ihre Menschen ist und Zunkunft hat.
Die Menschen, die sich dieser Gewalt entgegen gestellt haben und auch heute noch stellen, haben jedenfalls ihren Wert in einer vielfältigen humanen Gesellschaft.
Das soziale Gefüge einer Gemeinde, eines Landes, eines Staates besteht aus allen darin lebenden Menschen, und Jede und Jeder trägt mit seinen Talenten und Fähigkeiten dazu bei, dass es ein Teil unserer Heimat ist, und sei es auch nur ein ganz kleiner Teil.

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