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Soziale Innovationen für Postwachstum

Mitglieder des Kibbutz Ein-Harod bei der Arbeit in einem Steinbruch 1941. Die Kibbutz-Bewegung ist ein frühes Beispiel dafür, dass Kooperativen sich anstatt am Profit an konkreten menschlichen Bedürfnisse neu ausrichten können. Solche Bedürfnisse können befriedigt werden und erzwingen daher kein fortwährendes Wachstum.

Am Anfang des 21. Jahrhunderts befinden wir uns in einer eigenartigen Situation: Obwohl kaum jemand noch die tiefe ökologische Krise der Menschheit bestreiten würde, scheinen wir gefangen in einem Netz von Annahmen, die eine praktische Lösung verhindern. Wir wissen, dass der Konsum von Energie und Stoffen drastisch abgesenkt werden muss [1],[2]. Doch immer noch glauben viele daran, dass Reformen innerhalb des bestehenden Systems von Produktion und Konsum diese beachtliche Herausforderung bewältigen werden.

Zugleich ist weithin anerkannt, dass die vorherrschenden Ansätze zur Lösung der ökologischen Krise alles andere als zufriedenstellende Resultate gebracht haben. Eine wachsende Gruppe von Wissenschafterinnen und sozialen Aktivisten fordert deshalb ein nachhaltiges Postwachstum. Diese Forderung basiert auf der Einsicht, dass eine Reduktion von Energie- und Stoffverbräuchen auch eine Abnahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bedeutet[3]. Postwachstum verweist ganz offensichtlich auf eine fundamentale Transformation der ökonomischen Strukturen. Doch worin genau bestehen die notwendigen Schritte?

Ein Paradigmenwechsel: Soziale Basisinnovationen von unten

Im Gegensatz zur Illusion, dass wir nur mehr vom Selben zu machen brauchen – das heißt, neue marktwirtschaftliche Ansätze oder auf staatlichen Interventionen beruhende Lösungen der Krise, die von marktwirtschaftlichen Ansätzen und staatlichen Interventionen verursacht wurden – scheint es viel vernünftiger zu sein, nach einem neuen Weg zu suchen, der die festgefahrene Dichotomie von Markt und Staat umgeht. Solche Wege erkunden Solidarische Ökonomien und Gemeingüter, so genannte Commons, wie im Folgenden noch diskutiert wird. Sie erlauben einen Wechsel unserer Ökonomie vom endlosen Wachstum zum Postwachstum – die freiwillige Reduktion von Energie- und Stoffverbrauch zur Erweiterung von Freizeit und Wohlstand.

Doch wie wäre es praktisch anzustellen, das Wachstumsparadigma durch ein Paradigma des guten Lebens für alle zu ersetzen? Not tut eine neue große soziale Transformation, soviel ist klar. Tatsächlich sind die sozialen Innovation, die als Elementareinheiten dieses Wandels fungieren könnten, bereits heute zu sehen. Sie entstehen von unten und entfalten sich in geschützten sozialen Räumen. Dort entwickeln sich geteilte Perspektiven, es finden Experimente und soziales Lernen statt, und es werden Verbindungen zu weiter ausgreifenden Machtnetzen geschmiedet. Zwei herausragende Beispiele dafür sind die Solidarökonomie Brasiliens und die globalen Informations-Commons.

Solidarische Ökonomie

Die Bewegung der Solidarischen Ökonomie entstand in Brasilien in den späten 1990er Jahren als das Land aufgrund der Liberalisierung der Kapitalmärkte in eine schwere ökonomische Krise schlitterte [4], [5]. In der darauf folgenden Rezession gingen viele Unternehmen Bankrott und die Armut nahm zu. Die Arbeitslosigkeit stieg an. Für einen bedeutenden Teil der Gesellschaft verdüsterten sich die Aussichten, den Wiedereinstieg in den formellen ökonomischen Sektor zu schaffen.

In dieser beklagenswerten Situation wirkte eine kleine Gruppe sozial engagierter Akademikerinnen und Akademiker als Change Agents. Sie waren Teil einer nationalen Kampagne gegen den Hunger und lehrten an der Nationalen Schule für Öffentliche Gesundheit. So waren sie in der Lage, die Kooperativen arm gemachter Menschen zu unterstützen, indem sie Inkubatoren für Solidarische Ökonomie initiierten. Dort sollten die Kooperativen lernen, ihre Arbeit auf der Basis von Beziehungen der Gleichheit und wechselseitiger Hilfe zu organisieren. Die Kooperativen wurden auch dabei unterstützt technische Probleme zu lösen. Ein erheblicher Teil des Lernprozesses im Rahmen Solidarischer Ökonomie fand in den Inkubatoren statt, wo man die Erfahrungen erfolgreicher Kooperativen diskutierte, sie teilte und weiter entwickelte.

Darüberhinaus wurden soziale Netzwerke zwischen Gewerkschaften, Universitäten und Verbänden der Kooperativen aufgebaut. Sie stärkten Machtbeziehungen zwischen dieser Nische und der weiteren Gesellschaft sowie dem Staat. Auf diese Weise erreichte die Bewegung Solidarischer Ökonomie sogar die Einrichtung eines eigenen Staatssekretariats im Arbeitsministerium. Das Staatssekretariat unterstützt die Kooperativen zusätzlich mit einem nationalen Kartierungsprojekt. Ziel dieses Projekts ist eine Erhebung der Solidarischen Ökonomie in Brasilien als Basis für spezifische Hilfestellungen und rechtliche Reformen.

Wie Kooperativen operieren auch Informations-Commons zumeist außerhalb der konventionellen marktwirtschaftlichen Struktur der Lohnarbeit und der Dynamik des Profits. Das Open Architecture Network zum Beispiel stellt allen Interessierten freie architektonische und Design-Informationen zur Verfügung und hat hunderte von Projekten weltweit unterstützt, darunter das Design und den Bau von erdbebensicheren Häusern in Pakistan.

Im Fall der Solidarischen Ökonomie können wir die Entstehung einer sozialen Basisinnovation beobachten. Lohnarbeit wird hier durch Selbstverwaltung ersetzt. Darin besteht die Kerninnovation Solidarischer Ökonomie, und sie ist sicherlich nicht gering zu schätzen. Denn in der Tat ist die kooperative Selbstorganisation anstelle von Lohnarbeit die erste Voraussetzung für eine ökologisch verantwortungsvolle Produktion. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Erstens kann sich die Produktion nur auf der Grundlage der Selbstverwaltung der Arbeitenden an konkreten Bedürfnissen ausrichten (die ihrer Natur nach begrenzt sind und daher auch befriedigt werden können), anstelle von Shareholder Value und Profit (die ihrer Natur nach unbegrenzt sind, niemals zufrieden gestellt werden können und daher wachsenden Verbrauch von Energie und Stoffen nach sich ziehen). Zweitens ist die gleichberechtigte Kooperation innerhalb eines Unternehmens der Ausgangspunkt für die Kooperation mit anderen Stakeholdern und der Gesellschaft insgesamt, was schließlich auch das von der Konkurrenz verursachte Moment des Wachstumszwangs schwächt. So fand zum Beispiel eine aktuelle Studie heraus, dass die Mitglieder von Kooperativen sich gegenüber durchschnittlichen Arbeiterinnen und Arbeitern durch stärker prosoziale und demokratische Haltungen auszeichneten. Dieser Studie zufolge ist das weniger ein Ergebnis selektiver Einstellungspolitik, die Menschen bevorzugt, die ohnehin schon stärker sozial orientiert sind, sondern vielmehr eine Folge der Wirkung gleichheitlicher Arbeitsbeziehungen auf die einzelnen Mitglieder [6].

So nimmt es auch wenig Wunder, dass die Betriebe der Solidarischen Ökonomie in Brasilien häufig in Netzwerken kooperieren, zum Beispiel indem sie unabhängig voneinander hergestellte Produkte gemeinsam vermarkten. Auch Solidarische Produktionsketten, die verschiedene voneinander abhängige Produzenten miteinander verbinden, sind in einigen Fällen entstanden. Das bekannteste Beispiel ist die Textilkooperative Justa Trama [7]. Dort wird das Geldeinkommen, das an einem Ende der Produktionskette lukriert wird, mit allen Mitgliedern, die zum Produktionsprozess beitragen nach Maßgabe ihrer Bedürfnisse und Lebensbedingungen geteilt. Weil Solidarische Ökonomie nicht in erster Linie am Profit ausgerichtet ist und Geldverhältnisse häufig durch direkte Kooperation ersetzt werden, ist ihr primäres Ziel nicht quantitatives Wachstum. Sie fungiert vielmehr als ein wichtiges Sicherheitsnetz für Menschen, die aus dem kapitalistischen Sektor heraus fallen.

Informations-Gemeingüter

In Unternehmen der Solidarischen Ökonomie teilen die Arbeitenden die Maschinen, Gebäude, Rohmaterialien und die Produkte und kooperieren auf gleicher Augenhöhe. Die Produktionsmittel sind folglich Gemeingüter, auf englisch „Commons“. Man könnte vermuten, dass Gemeingüter weltweit betrachtet ziemlich rar sind. Richtig ist jedenfalls, dass sie in den meisten Fällen der Marktwirtschaft untergeordnet sind. Doch im Bereich der Information sind Gemeingüter bereits ein wichtiger Teil unseres täglichen Lebens. Das bekannteste Beispiel von Informations-Gemeingütern ist möglicherweise die 2001 initiierte Online-Enzyklopädie Wikipedia. Wikipedia hat sich nicht nur zu einer verlässlichen, sondern wahrscheinlich auch zur weltweit bedeutensten Quelle enzyklopädischer Information entwickelt. Sie umfasst gegenwärtig 21 Millionen Artikel, die von rund 365 Millionen Userinnen und Usern gelesen werden, und das in 285 verschiedenen Sprachen[8].

Anders als traditionelle Enzyklopädien beruht Wikipedia weder auf Lohnarbeit noch wird diese Enzyklopädie vom Staat organisiert. Stattdessen wird Wikipedia von einer freiwilligen, globalen Gemeinschaft selbstorganisiert kooperierender Autorinnen und Autoren geschaffen. Die Verwendung von Wikipedia wird weder durch den Markt noch vom Staat beschränkt, sondern ist offen für alle, die über einen Computer und Internetanschluss verfügen. In diesem Sinn ist Wikipedia das perfekte Beispiel einer sozialen Basisinnovation, die die grundlegenden Strukturen des Kapitalismus überwindet – den Markt, die Lohnarbeit und staatliche Intervention – und nicht auf materielles Wachstum angewiesen ist.

Wikipedia ist nur ein Beispiel für eine viel größere Gruppe von Gütern in der Sphäre der Informationstechnologie, die eine gemeinsame Eigenschaft haben: Sie werden nicht auf der Basis von Lohnarbeit oder mit dem hauptsächlichen Ziel, einen Profit aus ihrem Verkauf zu ziehen, produziert, sondern sie entstehen mit Hilfe von kollektiv organisierter, freiwilliger Tätigkeit. Im Endergebnis liefern sie Produkte, die alle kostenlos und ohne die Beschränkungen des Marktes nutzen können. Die prominentesten Beispiele dafür sind Softwareprodukte wie etwa Firefox, Linux oder MeeGo. Sie sind in wachsendem Maße ernsthafte Rivalen ihrer kommerziellen Gegenstücke wie des Microsoft Internet Explorer. Abgesehen von Software sind Ronen Kadushin www.ronen-kadushin.com mit seinen offenen Möbeldesigns, das Open Architecture Network www.openarictecturenetwork.org, Arduino www.arduino.cc, das offene elektronische Hardware-Designs produziert, und viele weitere Projekte dieser Art Beispiele für Informations-Commons. Auch die One Laptop per Child Initiative www.one.laptop.org nutzt ein offenes Design.

Geistige Eigentumsrechte eröffnen paradoxerweise auch die juristische Möglichkeit, diese Informations-Gemeingüter davor zu bewahren, zu einer Ware gemacht zu werden. Dies geschieht durch „Copyleft“-Lizenzen, wobei vor allem die GNU General Public License für Freie Software und verschiedene Creative Commons-Lizenzen für andere Informations-Commons eingesetzt werden. Produkte, die unter einer diese Lizenzen hergestellt werden, sind explizit frei nutzbar und sie können kostenlos kopiert und verteilt werden, manchmal unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel dass Gebrauch und Verteilung nach nicht-kommerziellen Kriterien erfolgen. Diese Patente versuchen also das zu verhindern, was James Boyle die „Einzäunung der geistigen Gemeingüter“ nennt [9]. Die Entwicklung von „Copyleft“-Lizenzen ist nur ein Beispiel für die komplexen Lernprozesse der Open-Source-Bewegung.

„Die Kooperative Mondragon“

Die Mondragon Kooperative im spanischen Baskenland zeigt, wie sogar profitorientierte Betriebe mit Hilfe von Kooperativen funktionieren können. Mondragon umfasst rund 85.000 Beschäftigte in einer ganzen Reihe von Industrien, darunter die Herstellung von Solarzellen wie im Bild oben. Mondragon begrenzt die Einkommensunterschiede zwischen leitenden Positionen und den Arbeiterinnen und Arbeitern. Alle Mitglieder haben eine Stimme bei den Generalversammlungen der Unternehmen von Mondragon.

Der Erfolg von Informations-Commons wie Wikipedia und anderer verweist darauf, dass Menschen nicht notwendigerweise durch Geld motiviert werden, etwas zu erzeugen – obwohl Geld für das Überleben in der modernen Gesellschaft nach wie vor notwendig ist. Vielmehr können Menschen auch durch die Freude an der Produktion selbst motiviert werden, in Verbindung mit dem Vertrauen auf Reziprozität, auf Wechselseitigkeit. Wenn jemand einen Artikel auf Wikipedia schreibt oder verbessert, so vertraut diese Person darauf, dass dieser Einsatz durch Tausende gleichzeitig eingebrachte Verbesserungen anderer Personen kompensiert wird. Wikipedia zeigt auch, dass es keinen Bedarf an zentralem Management gibt – tatsächlich kann ein nützliches Produkt ebenso durch kollektiv organisierte Tätigkeit entstehen.

Es ist nur ein Schritt weiter – und dieser Schritt ist nicht annähernd so groß wie man vielleicht glauben möchte – die Prinzipien der Commons auf den Bereich der materiellen Technologie und Produktion zu übertragen, wie das schon weiter oben anhand Solidarischer Ökonomien beschrieben worden ist. Neuere Open-Source Software Produkte umfassen zum Beispiel 3-D Drucker, etwa RepRap www.reprap.org/wiki/RepRap, Fab@Home www.fabathome.org und MakerBot www.makerBot.com, die kleine Kunststoffobjekte in beliebiger Form erzeugen können. Solche Maschinen bringen sozusagen die Fabrik zur Konsumentin. Der 3-D Drucker RepRap ist sogar dazu in der Lage, einige seiner eigenen Komponenten herzustellen, er ist damit eine Art sich selbst replizierender Maschine. Sicherlich wäre es fragwürdig, jeder und jedem ihre und seine kleine Fabrik zur Verfügung zu stellen. Dennoch handelt es sich dabei um erstaunliche Beispiele, die zeigen, dass eine komplett andere Produktionsweise jenseits von Lohnarbeit und Marktwirtschaft potenziell in Reichweite liegt.

Eine solche Ökonomie ohne Geld wäre nicht mehr dazu gezwungen zu wachsen. Sie könnte das tun, wofür eine Ökonomie im griechischen Sinn der oikonomia ursprünglich gedacht war: menschliche Bedürfnisse nach Nahrung, Behausung und kultureller Entwicklung auf effiziente Weise zu befriedigen.

Wie kommen wir zur Großen Transformation?

Innovationen diffundieren in die breitere Gesellschaft wenn ein herrschendes System in die Krise gerät. Eine Krise birgt damit die Chance auf eine bessere Zukunft – eine Wahrheit, die nicht zuletzt die jüngste Ausweitung von Solidarischen Ökonomien und von Commons weltweit illustriert. Die Debatte um die Gemeingüter hat sich nicht zuletzt durch den Nobelpreis für die vor Kurzem verstorbene Elinor Ostrom beschleunigt. Ostrom widmete ihre Arbeit den Organisationsmodellen einer Ressourcennutzung jenseits von staatlicher Intervention und Marktwirtschaft.

Kooperation ist nicht auf das Lokale beschränkt, wie die Informations-Commons am Besten zeigen. Die Mondragon Kooperative im Baskenland, die mehr als 85.000 Mitglieder hat und 256 Betriebe und Körperschaften umfasst, wovon etwa die Hälfte ihrerseits Kooperativen sind, ist ein weiteres gutes Beispiel. Diese Betriebe werden nicht durch den Markt oder staatliche Regulation koordiniert, sondern – freilich innerhalb enger Grenzen – durch demokratische Governance [10]. Ein anderes Beispiel sind die Kibbutzim der 1960er Jahre, die komplexe Beziehungen der Kooperation sowohl nach Innen als auch nach Außen im Rahmen eines übergreifenden Institutionen-Netzwerks der Kibbutz-Siedlungen aufgebaut hatten [11].

Solche kooperativen Netzwerke funktionieren wie Super-Commons, die verschiedene Systeme und kleinere Gemeinschaften mittels kollaborativer Entscheidungsprozesse verbinden. Insoweit diese Netzwerke Geldverhältnisse durch einen direkten Fokus auf konkrete menschliche Bedürfnisse ersetzen, sind sie nicht auf die Produktion von Profit orientiert und würden daher ein Degrowth erlauben. In Marktwirtschaften ist die Lebenshaltung an Lohnarbeit gebunden, die wiederum von Profiten und von Wachstum abhängt; in Solidarischen Ökonomie und im Rahmen von Gemeingütern dagegen wird die Produktion idealerweise lediglich durch konkrete Bedürfnisse bestimmt. Sie könnte daher im Prinzip auch freiwillig reduziert werden. Soziale Sicherheit könnte in einem solchen Szenario durch die gleiche Verteilung der Produkte gewährleistet werden, und durch öffentliche Infrastrukturen, von Gemeinschaftsgärten über kostenlose Sporteinrichtungen, die von Nachbarschaften betrieben werden, bis hin zu offenen Bibliotheken. Wenn die Produktion die Umwelt schädigt, würde ihre Einschränkung unter solchen Voraussetzungen zum gesellschaftlichen Wohlbefinden beitragen anstatt die soziale Krise der Wachstumswirtschaft noch zu verschärfen.

Erst eine Wirtschaft, die zum Degrowth fähig ist, kann auch einen Steady State erreichen, worin Produktion und Konsum konstant auf einem niedrigen Niveau hochgradig effizienter Ressourcennutzung bleiben. So wäre jenes Ziel zu verwirklichen, das die kapitalistische Ökonomie in zunehmendem Maße verfehlt: ein gutes Leben für alle.

Literatur

[1] Haberl, H, Fischer-Kowalski, M, Krausmann, F, Martinez-Alier, J & Winiwarter, V. A socio-metabolic transition towards sustainability? Challenges for another Great Transformation. Sustainable Development 19, 1–14 (2011) zurück zum Text

[2] Gordon, RB, Bertram, M & Graedel, TE. Metal stocks and sustainability. Proceedings of the National Academy of Sciences 103, 1209-1214 (2006) zurück zum Text

[3]] Martínez-Alier, J, Pascual, U, Vivien, F-D & Zaccai, E. Sustainable de-growth: Mapping the context, criticisms and future prospects of an emergent paradigm. Ecological Economics 69, 1741–1747 (2010) zurück zum Text

[4] Singer, P in Universities and Rio+10: Paths for Sustainability and Interdisciplinary Challenge (Deutscher Akademischer Austauschdienst & Gesamthochschule Kassel, eds) 73-84 (Kassel University Press, Reihe Entwicklungsperspektiven, 2003) zurück zum Text

[5] de Faria, MS & Cunha, GC. Self-management and solidarity economy: The challenges for worker-recovered companies in Brasil. Journal für Entwicklungspolitik 3, 22-42 (2009) zurück zum Text

[6]Weber, WG, Unterrainer, C & Schmid, BE. The influence of organizational democracy on employees’ socio-moral climate and prosocial behavioral orientations. Journal of Organizational Behavior 30, 1127–1149 (2009) zurück zum Text

[7] r www.justatrama.com.br zurück zum Text

[8] r http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia. zurück zum Text

[9] Boyle, J. The Public Domain: Enclosing the Commons of the Mind (Yale University Press, New Haven, 2008). zurück zum Text

[10] r www.mondragon-corporation.com zurück zum Text

[11] Dar, Y. Communality, rationalization and distributive justice: Changing evaluation of work in the Israeli kibbutz. International Sociology 17, 91–111 (2002) zurück zum Text

Ursprünglich erschienen in: “The Solutions”, Volume 3 | Issue 4 | Page 45-49 | Aug 2012, „Social Innovations for Economic Degrowth”

Übernommen von: www.social-innovation.org
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