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Walther Schütz

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2003-04-21

Edison scheitert bei der Abschlussprüfung

Ein Text von Tali Woodward, speziell für CorpWatch, 20. Juli 2002. Übersetzung: Hans Kircher, redaktionelle Nachbearbeitung: Reinhilde und Walther Schütz.

Vor ungefähr einem Jahr – also Mitte 2001 - ging es der Edison´s Corporation sehr gut. Mit 133 Schulen unter ihrer Kontrolle wurde Edison schnell Amerikas größter profitorientierter Anbieter für öffentliche Bildung. Und die Mittel für öffentliche Bildung, die von der Edison Company angezapft wurden, schienen für diese Firma praktisch nie enden wollende Einkünfte zu garantieren. Der Gründer dieser Firma Chris Whittle hatte vorausgesagt, dass bis zum Jahre 2020 Edison eine von zehn öffentliche Schulen in den USA betreiben werde. Die Fa. Edison war ein Hit an der Wall Street: Ihre Aktien wurden zu einem Preis von bis zu $ 38,-- gehandelt, zwei Jahre vorher war ihr Ausgabepreis noch bei etwa $ 18,-- gelegen.

In der Zwischenzeit werden die Aktien zu einem Preis von etwa 1 Dollar gehandelt, dies ist der Minimalbetrag, der notwendig ist, um in der NASDAQ gelistet zu sein. Edison hat seit dem Beginn der Talfahrt ungefähr $ 250 Millionen Verlust gemacht. Am 3. Juni 2002 hat die Company verlauten lassen, dass sie die 40 Millionen Dollar, die notwendig sind, um die Schulen im kommenden Herbst zu öffnen, sichergestellt hätte. Aber die Zukunft von 74.000 Schülerinnen und Schülern in den Edison-Schulen von Maryland bis California hängt an einer Firma, um die es wirtschaftlich sehr schlecht steht. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Firma Edison werfen erneut die Frage auf, wie weise es ist, öffentliche Schulen privaten, profitorientierten Gesellschaften zu überlassen – und dies könnte ein massiver Rückschlag einer Bewegung der Privatisierung „öffentlicher Schulen“ sein.

Edison wird noch immer gebeutelt von einer dreimonatigen Untersuchung der Firmenfinanzen durch die Securities and Exchange Commission (SEC). Die Ermittler stellten fest, dass die Gesellschaft die Gewinnentwicklung falsch dargestellt und ihren Investoren gegenüber ein sanftes rosiges Bild der Entwicklung gezeichnet hätten. Zum Beispiel berichtete Edison, dass sie im Fiskaljahr 2001 375,8 Millionen $ Gewinn gemacht hätte. Gemäß der Untersuchung der SEC´s vom 14 Mai 2002 sind 154 Millionen Dollar nie durch die Firma gelaufen: dieses Geld wurde von Schulbehörden für Gehälter von Lehrer/innen und andere Arbeitskräfte, die von Edison beschäftigt wurden, ausgegeben. SEC fand weiters heraus, dass die Fa. Edison kein entsprechendes System habe, wie man die interne Abrechnung kontrollieren könnte.

In der Zwischenzeit sind 10 Gerichtsverfahren gegen die Fa. Edison anhängig, eine davon von der Fa. Milberg Weiss, welche einen Großteil der Aktionäre gegen die Fa. Enron vertritt. Alle Anzeichen gehen davon aus, dass die Gesellschaft ihre Investoren in die Irre geführt hätte. Trotz dieser momentanen Probleme plant der ehemalige Musterschüler einer profitorientierten Erziehung sein bislang größtes zukünftige Projekt im nächsten Herbst: Edison plant die Übernahme von 20 schlecht dastehenden Schulen in Philadelphia.

Edisons unlautere Praktiken der Buchführung wird wahrscheinlich die Firma weiter verfolgen, so wie es bei Enron der Fall war. [Anmerkung: Enron, eine Ölgesellschaft, hat auch jahrelang der Gesellschaft falsche Zahlen vorgegaukelt]. Jedoch handelt es sich bei der Edison-Geschichte um mehr als einen Skandal in der Rechnungslegung. Das Konzept von Edison beruht auf der Grundannahme, dass eine private Gesellschaft eine öffentliche Schule effektiver und effizienter als eine lokale Regierung (Bund, Land, Gemeinde) betreiben könnte. Schließt man jedoch vom aktuellen Untersuchungsbericht auf das Ergebnis, könnte sich diese Annahme als falsch herausstellen. Bruce Fuller, ein Professor für Erziehung und öffentliche Politik an der Universität von Berkeley, der Schulen untersuchte und auch mit der Entwicklung der Firma Edison vertraut ist, sagt, dass die Entwicklung der Edison-Aktien nicht ohne Zusammenhang mit den Firmenberichten aus den Klassenzimmern sei. „ Ich denke, dass die niedrige Marche , den die Aktien momentan an der NASDAQ bietet, in Zusammenhang steht mit der Schwäche der Ergebnisse der Schultests und den erzieherischen Ergebnissen.“, meint er. „Man könne es auf eine andere Art und Weise ausdrücken - nämlich so: wenn sie in der Erziehung bessere Ergebnisse bringen und mehr Verträge abschließen würden, dann bräuchten sie auch nicht bei ihren Zahlen schwindeln. Auch Märkte haben Regeln – und Edisons Beweislage ist so zwiespältig, dass sie beginnt, sich auf den Ruf bei Investoren auszuwirken.“

Das Edison Design H. Christopher Whittle ist wahrscheinlich am besten bekannt durch die Tatsache, dass er dem „Esquire Magazine“ in den 80er Jahren wieder auf die Beine half. Aber er machte großen Eindruck auf die Welt der Erziehung mit „Channel One“. Diese umstrittene Firma plazierte in Schulen quer durch die Bundesstaaten Fernsehgeräte unter der Bedingung, dass die Schüler jeden Tag speziell produzierte Nachrichtensendungen ansehen mussten – inklusive demographisch zielgerichteter Werbung.

Nachdem Whittle den Channel One zusperrte, hatte er die Idee, eine Kette von gewinnorientierten Privatschulen auf die Beine zu stellen. Aber dieser Plan hätte eine riesige Kapitalinvestition für den Bau neuer Schulgebäude erfordert. So hat Whittle seine Aufmerksamkeit der öffentlichen Erziehung zugewandt – und den Dollars, die sie erhält. Das Edison Projekt (so hieß es ursprünglich) argumentierte im Wesentlichen mit dem Versprechen, dass es öffentliche Schulen erfolgreicher als Beamte von öffentlichen Einrichtungen betreiben könne – und dass es dabei einen Gewinn erwirtschaften könne. Die Tatsache, dass so viele Leute dem Experiment so wohlwollend gegenüber standen, zeigt, wie tief das Vertrauen der Öffentlichkeit in die traditionelle - von der öffentlichen Hand organisierte und bezahlte - Erziehung gesunken war. Nach Jahrzehnten eines Teufelskreises aus sinkenden Ausgaben und eines immer schlechter werdenden Schulsystems waren die Leute für etwas Neues bereit.

Whittlers Vorschlag war, dass Edison mit öffentlichen Schulerhaltern folgende Übereinkunft treffen würde: Seine Firma übernimmt die Führung einer Schule und die öffentliche Hand gibt Edison jenes Geld, das normalerweise verwendet worden wäre, um diese Schule zu führen. Von diesem Geld würde Edison die Betriebskosten der Schule zahlen (und in einigen Fällen auch die Lehrergehälter); jegliches übrigbleibende Geld würde in die Privatkasse des Unternehmens gehen.

Die Vorstandsmitglieder der Edison-Gesellschaft argumentierten, sie könnten die Jugendlichen effektiver unterrichten, wenn sie den Schultag und auch das Schuljahr ausdehnen und indem sie das sogenannte „Edison Design“ einführen würden - ein standardisiertes Lehrprogramm, gepaart mit streng strukturierten Unterrichtszeiten. Man argumentierte auch mit der Tatsache, dass ein immer größer werdender Anteil des Schulbudgets sich in administrativen Kosten verlieren würden. Die Edison-Kompanie, sagten sie, könne die aufgeblasene Bürokratie der öffentlichen Hand durch die stromlinienförmige Effizienz des privaten Sektors ersetzen und durch den Vorteil der Größe, die sich mit einer über ganz Amerika verbreiteten Schulkette einstellen würde.

Skeptiker aber sagten., es gäbe nur zwei Möglichkeiten, wie Edison einen Profit herausschlagen könnte:

Entweder durch Reduktion der Eckdaten des Unterrichts oder durch Anpumpen der Schuldistrikte um mehr Geld. Sie sagten voraus, dass Edison weniger erfahrene und deswegen billigere Lehrer anheuern würde. Sie befürchteten, dass die Edisongesellschaft ein einziges vorgefertigtes Schulpaket über alle Schulen drüberstülpen würde, ohne die Unterschiede zwischen einzelnen unterschiedlichen Gemeinschaften und Schülern zu berücksichtigen. Und man warnte auch davor, dass ein Unternehmen, welches auf Expansion erpicht sei, ausschließlich auf Testergebnisse fixiert sein würde – und dass ihnen grundsätzlich jedes Mittel recht sein würde, um sicherzustellen, dass sich diese erhöhen. Sie warnten davor, dass ein profitorientiertes Unternehmen weniger berechenbar wäre und dass mit der Menge an Geld, die übertragen würden, die Distrikte in Verträge gelockt würden, die sich als unhaltbar oder sogar schädlich herausstellen würden. Und Edisons sechsjährige Geschichte der Schulführung gibt genug Beweise dafür, dass viele der Sorgen begründet waren.

Herumwerkeln mit Texas

Städte wie New York und Austin haben den Lockgesängen von Edison von Beginn an standgehalten. Aber ein anderes halbes Dutzend haben mit der Firma Verträge gemacht – oft sehr umstrittene. Aber bis Edison mit dem Niedergang der Aktien und der Untersuchungen von SEC (der Securities and Exchange Commission) im letzten Frühling mehr Beachtung fand, wurde der zweifelhafte Ruf dieser Firma in vielen Kommunen kaum zur Kenntnis genommen.

Eines der ersten Geschäfte von Edison war 1995 die Übernahme der Washington-Grundschule in Sherman, Texas; im darauffolgenden Jahr wurde die benachbarte Junior High School ebenfalls übernommen. Trotz steigender Einschreibungsziffern hat die Gesellschaft die Zahl von Lehr- und Verwaltungspersonal an beiden Schulen reduziert. Offizielle Zuständige ließen daraufhin den Vertrag mit Edison im Jahre 1999 auslaufen und sie sagen, im Endeffekt hätten sie der Firma aufgrund der im Vertrag versteckten Kosten im Jahr 1 Million Dollar mehr bezahlt als sie angenommen hatten. Edison hat nicht einmal einen Finger gerührt, um die Beziehung, welche Firmengründer Whittle als „untragbar“ beschrieben hatte, zu verlängern.

Versteckte Kosten waren auch ein Streitpunkt in San Franzisko, wo die öffentlichen Schulerhalter einen Vertrag zerrissen, wonach Edison eine Grundschule im Jahr 2001 betreiben sollte. Die Schule musste einen riesigen Lehrerwechsel durchmachen: Beinahe die Hälfte der Lehrer/innen die im ersten Jahr unterrichtet hatten, gaben nämlich im Frühjahr auf. Im nächsten Jahr waren es dann mehr als die Hälfte. Viele kritisierten das militärisch geführte Lehrprogramm und die starke Betonung auf Testvorbereitung. Diese Lehrer/innen führten auch die Tatsache an, dass sie länger arbeiten mussten als ihre Kolleg/innen an anderen öffentlichen Schulen in San Franzisko.

Untersuchungen von Seiten des Schuldistrikts fanden auch heraus, dass die Schule die Angewohnheit hatte, Schüler, die Lernschwierigkeiten oder Verhaltensprobleme aufwiesen, aus der Schule auszuweisen. Diese Klage geht einher mit den Beschwerden von anderswo, dass Edison-Schulen jene Schüler/innen ausmistete, von denen man annahm, dass sie bei den standardisierten Tests nicht gut abschneiden würden. Jene Schule in San Franzisko bot auch nicht das von der Regierung verlangte bilinguale Angebot und das für diese Region verlangte spezielle Erziehungsprogramm an, wie es laut Vertrag vorgesehen war, führte der Bericht der Regierungsstelle an.

Das Unterrichtsministerium von Kalifornien, das allgemein gewinnorientierten Modellen eine große Stütze ist, erlaubte dem Unternehmen kurzfristig eine Veränderung dieses Vertrages und Edison hat diese Schule dann weitergeführt. Weitere Lehrer haben jedoch die Schule verlassen und die Testergebnisse sind so weit gesunken, dass die besagte Schule von allen 75 Grundschulen in San Franzisko an letzter Stelle gereiht ist.

In diesem Frühling haben Beschwerden in einer Vielzahl von Schulbezirken, wo Edison tätig ist, mehr Fragen über die Firma aufgeworfen.

Am 14. Mai hat der Chester Upland Schuldistrict in Pennsylvania einen Bericht herausgebracht, in dem der hohe Ausschließungsgrad von Schülern an den von Edison geführten Schulen hervorgestrichen wird. 2 Tage später hat die Boston Renaissance Charter School, eine der ersten von Edison geführten Schulen, angekündigt, sich aus dem auf 9 Millionen im Jahr belaufenden Vertrag drei Jahre vor dem geplanten Ende zurückziehen zu wollen. Besagte Schule - eine von Edisons größten - hatte Testergebnisse unter dem Stadtdurchschnitt hervorgebracht. Am selben Tag haben Vertreter am Clark County Nev. Distrikt gesagt, dass sie die Bezahlung von 3 Millionen Dollar an Edison einfrieren würden. Edison hatte zugesichert, in diesem Schuljahr einen Betrag von 4 Millionen Dollar an philantropischer Unterstützung für die Nevada School aufzutreiben. Bis dato hatten sie aber nur 1,8 Millionen geliefert.

In Dallas, wo von Edison 7 Schulen geführt werden, sind zwei bei staatlichen Tests in der Benotung von „akzeptabel“ auf „schwache Leistung“ abgerutscht, was die lokalen Schulbehörden dazu brachte, den Vertrag zu überprüfen. Beamte des Distrikts Inkster, Michigan, wo Edison alle 1500 Schüler/innen unterrichtet, sind bereits in einem monatelangen Kampf mit der Firma. Und die Schulbehörden in Hamden, Connecticut, haben bekannt gegeben, dass sie den Fünfjahresvertrag mit Edison nicht mehr erneuern würden. Und zwar begründen sie das mit der Tatsache, dass die Zuwendungen der Firma Edison an die Schulen über die Jahre geringer geworden seien.

All diese kontroversiellen Dinge werden sich in Philadelphia ziemlich sicher zuspitzen, wo Edison dazu ausersehen ist, in einer vom Staat getragenen Initiative zur Reform der städtischen Schulen eine Führungsrolle zu spielen. Im letzten August hatte der damalige Governor Tom Ridge die Firma Edison für 2,7 Millionen angeheuert, um die Philadelphia-Schulen zu untersuchen und einen eventuellen Reformplan zu entwickeln. Im Oktober empfahl Edison nicht überraschenderweise, dass der Staat eine private Gesellschaft anheuern sollte, um die Stadtbüros und die 45 der sich am schlechtesten entwickelnden Schulen zu übernehmen. (Das Unternehmen hat auch Tausende von Unterstützungsjobs im Sinne von Budgetkürzungen im Visier, z. B. Dienstleistungen von Schulwarten). Im Dezember hat der Bürgermeister und der Governor den Schuldistrikt in die Hand einer fünfköpfigen Reformkommission übergeben. Nach Monaten von Debatten und öffentlichen Protesten gab die Kommission am 17. April bekannt, dass man 42 Schulen an privates Management übergeben würde, 20 von ihnen an Edison. (Obwohl es Edisons größter Einzelvertrag wäre, hatte die Wallstreet mit noch einem größeren gerechnet und die Aktien begannen zu fallen).

„Der ganze Prozess ist geschoben“, sagt Craig Robbins, ein Aktivist der Pennsylvania-Sektion der >Assoziation der kommunalen Organisationen für sofortige Reformen<, derselben Gruppe, die letztes Jahr einen Vorstoß von Edison in New York zu Fall gebracht hat. „Ich denke, wir haben eine Entscheidung getroffen, dass wir diesen Zug nicht stoppen können. Aber es wird eine höllische Kampagne geführt werden darüber, wie das ganze zustandegekommen ist. Wir wollen sicherstellen, dass es Qualitätslehrer in jedem Klassenzimmer gibt und dass dort genug Lehrbücher vorhanden sind.“

Üblicherweise verwendet die Firma Edison etwa 1 Million Dollar, um eine einzelne Schule zu eröffnen. Am 18. Mai dieses Jahres gaben Vorstandsmitglieder der Edison-Company zu, dass sie nicht genug Bargeld bei der Hand hätten, um die Verpflichtungen der von ihnen geführten 20 Schulen zu bedienen und dass sie versuchen würden, 30 bis 50 Millionen Dollar von Investoren aufzutreiben. In der Vergangenheit hatte die Firma Edison die großen jährlichen Verluste und hohen Overheadkosten insofern abgefangen, als dass sie immer mehr Aktien verkaufte. Aber bei einem so niedrigen Aktienkurs war es unwahrscheinlich, dass es gelingen würde, mehr Geld aufzutreiben.

„In jedem einzelnen Jahr der Existenz von Edison sind wir gezwungen Geld aufzutreiben“, sagte Edisons Sprecher Tucker. „Es gefällt uns nicht, aber unsere Aktienkurse sind am niedrigsten Stand, seit sie auf dem Markt sind –trotzdem bleibt Edison unglaublich lebensfähig. Geschäfte gehen wegen niedriger Aktienkurse nicht bankrott.“

Edison hat am 3. Juni bekanntgegeben, dass Chelsey Capital und Merrill Lynch beschlossen hätten, 40 Millionen flüssig zu machen – und aufgrund dieser Tatsache ist der Aktienkurs schnell in die Höhe geschossen, er schloss bei $ 1,60. Aber die Zahlungsbedingungen dieses Deals sind nicht sehr günstig für Edison. Sie hatten nämlich zugestimmt, irrsinnig hohe Zinsen für die Kredite zu bezahlen.

Zukunft der Profitorientierung

Gewinnorientiertes Management öffentlicher Schulen ist ein derart neues Phänomen, dass schwer vorherzusagen ist, was mit den von Edison geführten Schulen geschehen wird im Falle dessen, dass der Konzern untergeht. Tucker sagt, dass es - wenn die Firma den Bankrott erklärt - notwendig sei, mit jeder Schule zu verhandeln, „denn jeder Vertrag ist unterschiedlich“.

„Werden die Gläubiger die Computer abholen? Die Teppiche entfernen und Materialien von den Wänden nehmen?“, fragt Margaret Brodkin, die inoffizielle Sprecherin der Edison-Gegenbewegung in San Franzisko. „Es ist für mich schwer zu glauben dass es so weit kommen würde, aber insgesamt ist die Sache für mich unglaublich.“

Brodkin ist eine der Aktivistinnen in San Franzisko, die versuchen, das Unterrichtsministerium in Kalifornien dazu zu bewegen, dass die Edison-Schulen wegen der wackeligen Finanzlage der Firma vor dem Herbst wieder an den Staat zurückkommen. Aber San Franzisko ist nicht der einzige Ort, wo man hinterfragt, ob es sinnvoll ist, mit so einem unsicheren Unternehmen zu arbeiten. In Flint, Michigan, rufen Mitglieder der Schulbehörden öffentlich nach einer Neu-Evaluierung der Verhältnisse und auch andere Gemeinden beginnen mit Strtegieüberlegungen.

Wenn Edison scheitert, wird es nicht der erste Private sein, der eine Landung dieser Art hinlegt. Education Alternatives Inc. hatte wenig Erfolg in der Führung städtischer Schulen wie z.B. in Hartford, Connecticut, und es gab große Kontroversen über finanzielle Rückflüsse. Das Unternehmen wurde neu gegründet als Tessaract Group, mußte dann aber im Jänner 2001 Bankrott anmelden. Dazu meint Gerald Bracey, Autor von „Der Krieg gegen Amerikas öffentliche Schulen: Privatisierung von Schulen, die Kommerzialisierung von Unterricht“, dass die Erfahrungen mit diesen Unternehmen darauf hindeuten, dass ihr Geschäftsmodell auf falschen Prämissen aufgebaut ist.

„Eine große Zahl von Menschen argumentierten, dass viel Geld in der öffentlichen Erziehung verschwendet werden würde, dass eine Menge Speck abgetrimmt werden könnte. Ich denke, sie haben herausgefunden, dass dies nicht wahr ist.“

Aber Tucker (Sprecher von Edison) ist trotzdem der Meinung, dass es zu früh sei, die Todesanzeige für Edison zu schreiben. „Als wir letztes Jahr in New York keine 5 Schulen bekamen, sagte jeder, es wäre eine Niederlage für dieFirma. Nun gewinnen wir 20 Schulen in Philadelphia und die Leute sagen in etwa das gleiche“, sagte er. „All die Leute, die sagen, ,Lasst uns neu planen, die werden ja schließen müssen‘ – ich denke, die sind sich selbst ein bisschen voraus.“

oline Grannan hat zwei Kinder in einer öffentlichen Schule in Sa n Franzisko. Die Berichte über Edison veranlassten sie dazu, eine Website www.pasasf.org zu erstellen und Hunderte von Stunden aufzubringen, um die Aktivitäten des Unternehmens zu verfolgen. Sie hat wenig Freude am Gau von Edison. „Das Kartenhaus bricht zusammen“, sagt sie. „Aber es ist ein wirkliches Desaster für die Kinder und ihre Familien und für eine Menge von LehrerInnen.“

Schuldistrikte wie der von San Franzisko, welche die Firma Edison als Wundermittel sahen, dürften im Endeffekt viel schlechter dastehen, denn sie hatten das Privatisierungsspiel gespielt. Wenn Edison untergeht, würde der Schulbezirk mit einer riesigen logistischen Herausforderung konfrontiert sein: Es müsste eine Neueinschreibung der Jugendlichen geben, man müsste die Verträge mit den LehrerInnen, die an Edison-Schulen arbeiteten, neu ausverhandeln, eventuell müsste man sogar mit den Gläubigern der Firma Verhandlungen aufnehmen. Und all das Geld, das der Distrikt an Edisongründer Whittle und Kompanie gezahlt hatte, wäre umsonst ausgegeben worden. „Es war ein Irrweg, diese neue Methoden bei der Erziehung von Kindern in öffentlichen Schulen zu verfolgen“, sagte Gannon. „Stattdessen hatten wir Menschen, die dieser Hochstapelei aufgesessen sind.“

„Ich hab’s mir immer gedacht, dass dieser Weg in unseren Bemühungen zur Reform der Bildung eine Sackgasse sein würde“, meint die Anwältin der Kinder Brodkin. „Aber dass es so schnell geschehen würde....... sogar diejenigen von uns, die dagegen waren, haben nicht richtig einschätzt, wie korrumpierend das Gewinnmotiv sein kann.“

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