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2011-11-20

Mauthausen Komitee: Ball der Burschenschaften 2012 am Internationalen Holocaust-Gedenktag

Ein Dossier über den Kontext des nächstjährigen Balls des Wiener Korporationsrings – kurz WKR-Ball.

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Ob Zufall oder bewusste Provokation: Der nächstjährige Ball des Wiener Korporationsrings – kurz WKR-Ball – findet ausgerechnet am 27. Januar, dem Internationalen Holocaustgedenktag[1], statt. Und zwar an einem der repräsentativsten Orte Österreichs, in der Wiener Hofburg.

Der WKR-Ball gilt als eines der etabliertesten gesellschaftlichen Ereignisse der europäischen Rechten.

Seit den frühen 2000er Jahren versucht die FPÖ (v. a. in Person ihres Chefideologen und MEP Andreas Mölzer), sich als Motor und Zentrum der Einigungsversuche rechtsextremer Parteien Europas zu etablieren.[2] Dazu fanden mehrere Konferenzen und Treffen in Österreich statt.[3] Mit dem WKR-Ball verfügt die FPÖ in ihrem unmittelbaren (burschenschaftlichen) Vorfeld über ein gesellschaftliches Ereignis, das als das größte und etablierteste dieser Art in Europa bezeichnet werden kann: Nur in Österreich können an einem der nobelsten und herrschaftlichsten Orte, in der Wiener Hofburg, Rechtsextreme und sogar Neofaschisten feiern. Und so wurde der WKR-Ball in den letzten Jahren zunehmend als festliches und repräsentatives Rahmenprogramm für die Treffen der Euro-Rechten genutzt, insofern kommt dem Burschenschafterball auch eine eminent politische und europäische Dimension zu.
(Heribert Schiedel, DÖW)

Seit Jahren finden daher Demonstrationen statt, die jedoch diese Veranstaltung ebenso wenig verhindern konnten wie Interventionen auf parlamentarischer Ebene.

Der WKR-Ball

Der WKR-Ball fand erstmals 1952 statt, zuerst im Wiener Konzerthaus, ab dem 16. Ball war – bis auf eine Ausnahme – stets die Wiener Hofburg der Schauplatz dieser Veranstaltung der schlagenden Hochschulkorporationen[4]. Der WKR-Ball ist auch Teil der Wiener Ballsaison, die 2010 von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe in Österreich erklärt wurde.[5]

Die Veranstalter

Veranstaltet wird der Ball vom „Wiener Korporationsring, Ballausschuss – Verein für Brauchtumspflege“. Dieser in Wien registrierte Verein (ZVR-Zahl 569672510)[6] existiert bereits seit 1958; die momentanen organschaftlichen Vertreter sind Udo Guggenbichler und Roland Kahlenberg. Guggenbichler ist nicht nur Mitglied des Organisationskomitees sondern auch FPÖ-Bezirksobmann in Wien-Währing. Kahlenberg ist Kontaktperson in Deutschland (mit Münchner Anschrift), da über ihn die Kartenbestellungen aus Deutschland abgewickelt werden.

Der Wiener Korporationsring (WKR) selbst ist ein Zusammenschluss von aktuell 21 deutschnationalen Verbindungen oder – laut Eigendefinition – die „Arbeitsgemeinschaft der farbentragenden Wiener Hochschulkorporationen“.[7] Der WKR ist nicht per se rechtsextrem, wird aber von als rechtsextrem eingestuften Burschenschaften dominiert.[8] Bekanntes Beispiel: die „Olympia“. Deren bekanntestes Mitglied: der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf.

Die Gäste

Zu den Gästen zählen immer wieder hohe Funktionäre rechtsextremer Parteien bzw. Gruppierungen[9]:

  • Markus Beisicht (2009, 2010, 2011): Vorsitzender der rechtspopulistischen und antimuslimischen Gruppe pro Köln, früher Funktionär der Republikaner, dann der rechtsextremen Deutschen Liga für Volk und Heimat
  • Patrik Brinkmann (2009, 2010, 2011): schwedischer Multi-Millionär und Stifter der Kontinent Europa Stiftung, die zum Ziel hat, die Kooperation der europäischen Rechtsextremen voranzutreiben; ursprünglich Unterstützer der neonazistischen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), heute pro-Bewegung
  • Philip Dewinter (2009, 2010, 2011): Vorsitzender des rechtsextremen Vlaams Belang
  • Alexander Dugin (2009): russischer Antisemit, Ex-Faschist und nunmehriger Rechtsextremist, Mitbegründer der Nationalbolschewistischen Partei Russlands (1994) und der Eurasischen Partei (2002)
  • Matthias Faust (2009): damals Vorsitzender der rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU), seit Ende 2010 stellvertretender NPD-Parteivorsitzender
  • Bruno Gollnisch (2009, 2011): Generalsekretär und Europaabgeordneter des rechtsextremen Front National (FN), verurteilter Holocaustrelativierer, (gescheiterter) rechter Gegenkandidat zu Marine Le Pen um den FN-Vorsitz
  • Jean Marie Le Pen (2008): damals FN-Anführer
  • Andreas Molau (2009): damals Kandidat für den Vorsitz der NPD, danach Pressesprecher der DVU
  • Enrique Ravello (2009): spanischer Neofaschist (Tierra y Pueblo), Reisekader[10]
  • Frank Vanhecke (2008): damals Vorsitzender des rechtsextremen Vlaams Belang

Nicht nur die Prominenz der rechten Gäste am WKR-Ball macht diesen zum Skandal, sondern auch und vor allem die Tatsache, dass mit der Einladungspolitik immer wieder die Grenzen zum Neofaschismus und Neonazismus überschritten werden (Heribert Schiedel, DÖW)

Der Veranstaltungsort

Der WKR-Ball findet traditionell in der Wiener Hofburg und damit an einem der repräsentativsten Orte des Landes statt. Die Wiener Hofburg ist im Besitz der Republik. Im Rahmen eines Pachtvertrages managt die „Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsgesellschaft m.b.H.“ die als Veranstaltungsorte genützten Räumlichkeiten der Hofburg.

Die Geschäfte dieser Betriebsgesellschaft führt Mag. Renate J. Danler. Die Gesellschafter sind die Austria Hotels Betriebs GmbH, die Danube Hotel-Betriebsges.m.b.H (Hotel InterContinental Wien), die Öst. Verkehrsbüro AG, das Hotel Sacher (Eduard Sacher GmbH), die Schick-Hotels Betriebs GmbH sowie die Casinos Austria AG.[11]

Als Kunden nennt das Unternehmen auf seiner Website u.a. die Vereinten Nationen, die EU, die OSZE, die OPEC, Firmen wie Canon, Essl Foundation, Österreich Werbung, den Kurier, REWE und Siemens, Forschungseinrichtungen wie die Medizinuni Wien und nicht zuletzt die Republik Österreich selbst.

Proteste

Seit Jahren gibt es Proteste der Zivilgesellschaft gegen diese Veranstaltung, u.a. Demos am Abend der Veranstaltung, die jedoch in den letzten Jahren häufig – unter Berufung auf die öffentliche Sicherheit – untersagt bzw. in andere Bezirke verlegt wurden.[12] Es kam auch immer wieder zu Verhaftungen von Demonstranten.[13]

Der Betreiber Wiener Kongresszentrum Hofburg beruft sich was die Vermietung anbelangt auf die langjährige Tradition des Balls in den Räumlichkeiten der Hofburg bzw. auf den Ehrenschutz offizieller Vertreter der Republik Österreich.[14]

Wenn man diese Fakten objektiv und nüchtern analysiert, ist es unverständlich, dass diese Veranstaltung überhaupt stattfindet. Dass sie aber im Jahr 2012 ausgerechnet am Holocaust Gedenktag, 27.01., also genau an dem Tag als vor 67 Jahren das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde, stattfindet, ist eine besondere Provokation.

Es hilft nicht, wenn das politische Establishment den Kopf schüttelt, sich in Sonntagsansprachen des antifaschistischen Grundkonsens der Zweite Republik besinnt, sondern es ist notwendig, dass das offizielle Österreich diesen Auflauf von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten verhindert.

(Willi Mernyi, Vorsitzender Mauthausen Komitee Österreich)

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Fußnoten

[1] 2005 erklärte die UN-Generalversammlung diesen Tag zum Internationalen Holocaustgedenktag, nachdem er bereits seit längerer Zeit u.a. in Großbritannien, Deutschland und Israel begangen wurde. ... zurück zum Text

[2] Vgl. Schiedel, Heribert: Der rechte Rand. Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft. Wien 2007, S. 136ff ... zurück zum Text

[3] Vgl.: http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/2001_11/zzkongress.html, http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/2005_11/fpoe.html... zurück zum Text

[4] http://www.wkr-ball.at/, abgerufen am 7.6.2011 ... zurück zum Text

[5] http://nationalagentur.unesco.at/cgi-bin/unesco/element.pl?bl=9〈=de, /, abgerufen am 7.6.2011 ... zurück zum Text

[6] Der Vereinszweck umfasst neben der Organisation des Balls auch die Förderung des akademischen Nachwuchses, u.a. durch die Vergabe von Leistungsstipendien. vgl. www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100128_OTS0311/wkrballausschuss- zurueckweisung-falscher-behauptungen ... zurück zum Text

[7] www.wkr.at/info.php (abgerufen 14.6.2011) ... zurück zum Text

[8] Anreas Peham (DÖW), zit. in http://derstandard.at/1295571016860/Rechtes-Fest-Fuenf-Fragen-und-Antworten-zum- WKR-Ball (abgerufen 14.6.2011) ... zurück zum Text

[9] Zusammenstellung von Heribert Schiedel (DÖW) ... zurück zum Text

[10] Ravello nahm etwa 2007 am „Weißen Forum“ in Moskau teil. Gleiches taten damals u. a. der US-amerikanische Ex-Klansmann David Duke und der deutsche Neonazi Manfred Roeder. ... zurück zum Text

[11] lt. eigener Website www.hofburg.com ... zurück zum Text

[12] derStandard.at „Demo gegen WKR-Ball untersagt“ (abgerufen am 14.6.2011), orf.at „500 Teilnehmer bei Protesten gegen WKR-Ball“ (abgerufen am 14.6.2011)... zurück zum Text

[13] s. www.no-racism.net, ... zurück zum Text

[14] Parlamentarische Anfrage vom 6.4.2010 ... zurück zum Text

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purple, 2011-11-22, Nr. 5408

Was soll`s? Ist ja eh` der (Gedenk)Tag zur BEFREIUNG d. KZ...

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