kärnöl-Logo Independent Carinthian Art & Cult
Mon Sep 23 2019 13:04:47 CET
ÜBERBLICK
Aktuell
Glossen
+Alle Beiträge
Autoren
Veranstaltungen
Links
Kontakt
LESERFORUM
Leserbriefe
Reaktionen

Globale Bildung im Bündnis für Eine Welt

r Globale Bildung
im Bündnis für Eine Welt

Krise - Themenschwerpunkt 2009

r Unser aktueller Themenschwerpunkt

www.karawankengrenze.at

r Unser Projekt gemeinsam mit dem Verein Erinnern

Nationalsozialismus in Villach

r Hans Haider:
"Nationalsozialismus
in Villach"
(pdf downloaden)

Jüdinnen und Juden in Kärnten

r Hans Haider:
"Jüdinnen und Juden
in Kärnten"
(pdf downloaden)

Pizzakarton Sgt kärnöl´s Lonely Hearts Club Band

r Nähere Informationen zum schönsten Pizzakarton der Welt

WASSER? - Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

r WASSER?
Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

Bildung - Themenschwerpunkt 2007

r Unser Themenschwerpunkt 2007

(c) Arbeit

r Alle Informationen zum Themenschwerpunkt Arbeit

(c) Eigentum

r Unser Themenschwerpunkt Eigentum
r Überblick über alle Themenschwerpunkte

Lorenz Glatz

Reaktionen auf den Beitrag

Print Version

2011-11-09

Unsere Gedanken sind nicht ohne Grund

Die Zwangsgemeinschaft transnationalen Kapitals und des Welthandels, in der ungeheure Massen von Waren und Geld von nichts als Profiterwartungen dirigiert frei um den Globus strömen, aber Menschen in Grenzzäunen und Polizeiwachen hängen bleiben, ist uns vertraut. Jetzt aber grassiert tiefe Unruhe bei den Reichen und bei den Armen, sowohl im Trikont als auch in den Metropolen.

.

 Der Beitrag erscheint zuerst in
 der Zeitschrift Streifzüge 53,
 Nov. 2011 bzw. im Internet auf
  r www.streifzuege.org.

Die Aufstände in Arabien werden hierzuland auch von den Wächtern des Status quo grade noch als Streben nach Demokratie angesichts korrupter Diktatoren wohlwollend betrachtet. Peinlich ist bloß, dass es sich dabei meist um geschätzte, zuverlässige Partner und oft persönliche Freunde hochgestellter Persönlichkeiten der „freien Welt“ handelte. Es brauchte daher einige Umstellungen im Sprech der veröffentlichten Meinung und politischen Verlautbarungen, bis die befreundeten Herren Präsidenten und Stützen der Weltordnung zu verabscheuungswürdigen Monstern zurechtberichtet waren. Der nunmehr gelynchte Gaddafi war sogar erst unlängst zu einem „Mann tiefer Weisheit“ (Berlusconi, der ihm sogar die Hand küsste) und einem Revolutionsführer, „dessen Geheimdienste mit westlichen Diensten zusammenarbeiten“ (Sarkozy) geadelt geworden.

Noch keimen die Hoffnungen und Versprechungen, dass Demokratisierung die prekären Lebensbedingungen von zig Millionen Menschen zwischen Atlantik und Indischem Ozean verbessern, ja sie an den geltenden Weltstandard des Westens heranführen wird, noch bombardierte die NATO in Libyen die Demokratie herbei – da kommt der (allen Prognosen der Wirtschaftsweisen schon wieder Hohn sprechende) nächste Schub der totgesagten Weltwirtschaftskrise. Im Hort der Demokratie, in EU und USA. Damit auch hier eine Welle von Demos, Streiks, Unruhen und Straßenkämpfen im Paradies der Freiheit und des Wohlstands. Auch die Parolen haben viel Ähnlichkeit mit denen in Arabien: für Demokratie und mehr Geld, gegen die Korruption und Gier der Herrschenden.

Es zeigt sich: Die Unruhe ist das Kind der Ordnung, nach der sie kommt. Wenn die bislang wohlintegrierten Mittelschichten sich empören und das Wort ergreifen, spricht aus ihnen spontan die alte Ordnung, die sich über das empört, was aus ihr geworden ist. Es soll weitergehen mit Staat, Recht, Geld und Arbeit, bloß anders, mit ehrlichen Bankern, Unternehmern und Politikern statt Heuschrecken und korrupten Bonzen, gerecht verteilen soll man das Geld des Staats, statt es „den Märkten“ in den Rachen zu werfen, und vor allem: wirklich demokratisch soll es zugehen und alle sollen „gutes Geld für gute Arbeit“ haben.

Nur die Leute, die vom System schon als überflüssig abgestempelt sind, glauben derlei nicht mehr. Sie wissen, dass sie abgeschrieben, ein Fall fürs Sozialamt und die Polizei sind. Es ist ihr Frust, der sie an die herrschende Ordnung bindet. Wenn sie dem Luft machen, schlagen sie die Scheiben ein und nehmen sich, was man aus der Werbung kennt, schlagen nieder, fackeln ab. Bis Polizei, Nationalgarde und was sonst für die Ordnung prügelt, schießt, verhaftet, sie wieder zur Räson bringen. No future. Das ist, was sie verkörpern, das schlechte Beispiel, das, was passiert, wenn eins es nicht schafft. In den letzten Jahren erspart sich die Politik auch schon die früher üblichen Versprechungen, man werde die Leute wieder in die schöne alte Welt von Arbeit und Konsum reintegrieren: Sarkozy hat für die Banlieue den „Kärcher“ übrig, Cameron droht: „fightback is under way“.

Es ist nicht zu entscheiden, ob uns die Illusionen oder die blanke Desillusionierung mehr dran hindern, uns ein besseres Leben zu machen. Beide stecken fest im Leben, das wir gelernt haben. Doch: So sieht spontane Unruhe aus, wenn eins aufwacht aus dem Alptraum eines Lebens in allgegenwärtiger Konkurrenz miteinander, in der unsere Kooperation nur als ein Teil von jener existiert, im grundsätzlichen Misstrauen gegeneinander und in der Fragilität und Fragwürdigkeit jeder Freundschaft und persönlichen Bindung, in Abhängigkeit von unpersönlichen Strukturen wie Staat, Nation und Recht, Arbeit und Kapital, die allein dem chaotischen Gewusel der Individuen Gestalt und Sicherheit oder wenigstens ein gemeinsames Feindbild geben. Das alles sind doch Dinge, die sich jeden Tag dutzendmal bestätigen und längst das Aussehen von „Natur“ erhalten haben.

Es stiftet Angst und Wut, wenn man entdeckt: Dieser „Natur“ gemäß zu handeln führt immer weiter in die Bredouille. Und: Wer auch immer ihn verwaltet, ob Diktatoren oder Demokraten, ehrliche Makler oder gerissene Banker und Manager, Linke oder Rechte, der Kapitalismus schleift sie zu und mit, kränkt und tötet täglich Menschenmassen und verwandelt das, wovon wir leben, in großem Stil in Abfall und Gift. Nicht aus bösem Willen oder „menschlichem Versagen“, sondern schlicht aus der Logik der Verhältnisse. Das muss erst einmal in einen Kopf hinein. Da wird es Fragen geben, da kann unsereins sich erst nützlich machen.

Das Leben in den überkommenen Strukturen beschädigt Leib und Seele mehr denn je. Das lässt sich nur durch Bruch mit der destruktiven Ordnung heilen. Vom Haarriss bis zum Abbruch. Fähigkeit zu und Lust an Zusammenwirken und Gemeinschaft, Bedürfnis nach Zuneigung und Anerkennung aktiv und passiv – darauf beruht das Menschsein. Ohne dies könnte der Kapitalismus so wenig bestehen wie jede Herrschaft bisher auch, und nur so haben Menschen die schlimmsten Katastrophen überlebt.

Das Schöne in allen Krisen von Herrschaft ist daher: Am Horizont taucht auf: Es geht auch ohne. Freiheit irrlichtert aus den Rissen der Festung. In einer Fundamentalkrise, wie sie sich anbahnt, bebt die Ordnung von Jahrtausenden. Patriarchat, Rassismus und das Kapital. In den Strukturen und vor allem in uns selber. Freilich, alles kann schiefgehen. Aber zugleich wird wieder in Farben vorstellbar: Das bis tief hinein in jeden einzelnen gestaffelte System der Herrschaft samt „thought control“ ist überwindlich. Ersetzbar durch Solidarität und Freundschaft. Unsere Wünsche sind nicht albern, unsere Gedanken nicht ohne Grund: Freiheit und Lust sind zu haben. Weitermachen!

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf r www.streifzuege.org und ist ein Vorabdruck aus dem nächsten Heftes der Streifzüge 53/2011

Weitere Beiträge zur Protestbewegung
Alexis Passadakis, r Ein neuer globaler Bewegungszyklus. In SoZ, 11/2011
r AKIN, Ausgabe vom 9.11.2011, S. 4 ff.

Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

Keine Reaktionen vorhanden

Reaktionen auf andere Beiträge

.

ZUM NACHLESEN

Dienstag, 18. Juni 2019
r Die letzten hundert Jahre
Thekenlesung und Buchpräsentation von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Dienstag, 9. April 2019
r Elsie Slonim – Meine ersten 100 Jahre

Mit der Kamera auf Spurensuche zwischen Kaiser Franz Josef, dem Holocaust und der Sperrzone auf Zypern.
Ab 18:30 Volxküche


Begegnungszentrum Kreml, Ludwig Walter Straße 29, Villach

Freitag, 7. Dezember 2018
r Bad Weihnachten
Thekenlesung von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 23. November 2018
r SWANGAR
Ausstellungseröffnung, Lesung und Buchpräsentation von Doris Libiseller, Klaus Hollauf und Hans D. Smoliner
Cafe Sternweiss, St. Paul im Lavanttal

Freitag, 13. April 2018
r (Neo)Kolonialismus und Widerstand in Afrika am Beispiel Burkina Fasos, Buchpräsentation mit Günther Lanier
Katholische Hochschulgemeinde Klagenfurt, Nautilusweg 11, 9020 Klagenfurt

Dienstag, 13. März 2018
r Grundeinkommen für alle?! Das bedingungslose garantierte Grundeinkommen und die Zukunft der Erwerbsarbeit. mit Karl Reitter
Begegnungszentrum im Kreml, Ludwig Walther Straße 29, 9500 Villach

Donnerstag, 1. März 2018
r Tagung:#GLEICHBERECHTIGUNG; 01.März bie 03.März, Europahaus Klagenfurt
Europahaus Klagenfurt, 1. Stock, Reitschulgasse 4, 9010 Klagenfurt

Freitag, 20. Oktober 2017
r kärnöl Auslese 2003 - 2012 Teil III
Offene Diskussion über Beiträge von Walther Schütz et al. aus dem Jahre 2003 bis 2004
tio pepe

Freitag, 6. Oktober 2017
r kärnöl Auslese 2003 - 2012 Teil II
Offene Diskussion über Beiträge von Walther Schütz et al. aus dem Jahre 2003 bis 2004
tio pepe, Kaiser Josef Platz, Villach

Samstag, 23. September 2017
r kärnöl Auslese 2003 - 2012
Offene Diskussion über Beiträge von Walther Schütz et al.
tio pepe, Kaiser Josef Platz, Villach

r Weitere Dokumentationen