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2011-09-16

Erinnern: Aufstand in Ottakring 1911

Der 17. September 1911 war ein Tag, an dem mehr als 100.000 Menschen in Wien gegen die unzumutbaren Lebensbedingungen demonstrierten. Ein Tag, der mit drei Toten und hunderten Verletzten endete – und mit der militärischen Besetzung eines ganzen Stadtviertels.
Ein Text des Komitees 17.9.1911,Stiftgasse 8, 1070 Wien

.

Begonnen hatte dieser Tag mit einer Kundgebung vor dem Rathaus gegen die rasant steigenden Lebensmittelpreise. Organisiert hatte diese Kundgebung die sozialdemokratische Partei, und gekommen waren vor allem die Bewohner/innen der Vorstädte, aus Landstraße, Simmering, Ottakring …

Hunger wird gemacht

Der Hunger in den Vorstädten war nicht Folge von Missernten, sondern der Zollgesetzgebung, die den Interessen der Großagrarier folgte. Ebenso hatte es sich mit der Hungersnot in Frankreich 1846/47 verhalten, die auf die massenhafte Ausfuhr von Getreide zurück zu führen war (und die zu massenhaften Aufständen führte). Und genauso verhält es sich mit der Preisexplosion bei Getreide seit 2008, die Folge der Umstellung auf „Bio-Sprit“-Produktion ist und ebenfalls zu weltweiten Hungerrevolten führt.

Ebenso konnte die Wohnungsnot nicht auf die massive Zuwanderung nach Wien zurückgeführt werden. Sie war Ergebnis von Spekulation mit Grund und Boden sowie Baumaterialien. Neu-Ottakring war ein in den 1890er Jahren errichteter, auf dem Reissbrett entworfener Bezirksteil, mit schnurgeraden Straßen, Substandardwohnungen und horrenden Mieten. Die Architektur spiegelt bereits die Angst der Herrschenden vor den „Geistern, die sie gerufen hatten“ (gemeint sind die für die kapitalistische Entwicklung nötigen Arbeitskräfte) wider:

Es gab keine verwinkelten Gassen, die sich, wie in der Revolution 1848, leicht verbarrikadieren ließen. Das gesamte Grätzl war von drei Seiten leicht abzuriegeln: zur Innenstadt stellte der Gürtel mit der hoch geführten Stadtbahn eine ideale Befestigungsanlage dar, nach Süden grenzte ein riesiger Truppenübungsplatz an das Gelände, und im Westen endete das Gebiet an der Vorortelinie.

Verschiedene Sprachen

Am 17. September 1911 explodierte die Wut der Vorstadtbewohner/innen. Nach den Reden vor dem Rathaus zogen Gruppen von mehreren tausend Demonstrant/innen durch die Innenstadt. Sie wurden von Polizei und Armee ständig angegriffen und abgedrängt. Dagegen wehrten sie sich mit allem, was ihnen in die Hände fiel. Und wenn die Presse (und die Sozialdemokratie) später von „unverantwortlichen Elementen“ und „Lumpenproletariat“ sprach, so musste sie gleichzeitig zugestehen, dass die „Exzedenten“ von einem Großteil der Bevölkerung unterstützt wurden: Frauen versorgten Jugendliche mit Steinen, die sie in ihren Schürzen herbeischafften, aus Gasthäusern wurden die Ordnungshüter mit Bierkrügeln, aus den Fenstern der Wohnhäuser mit allem, was verfügbar war, beworfen.

Die sozialdemokratischen Führer verstanden ebenso wenig wie die Bürger, warum Papierhandlungen und Schulen verwüstet und Straßenlaternen zerstört wurden. Für sie standen diese Einrichtungen für den „Fortschritt“. Wir verstehen diese Zerstörungswut besser, wenn wir uns an Stelle der Straßenbeleuchtung die Kameraüberwachung öffentlicher Räume und an Stelle der Papierhandlungen und Bezirksämter die Datenbanken der Ministerien und Polizei (sowie die privatwirtschaftliche Sammelwut von Daten) vorstellen.

Was die einen notwendige Voraussetzung für „sozialen Frieden“ und „geordnetes Zusammenleben“ nennen, bedeutet für andere Überwachung, Reglementierung, Unterdrückung jeglichen Ansatzes eines selbstbestimmten Lebens. Und oft Bestrafung und/oder Abschiebung.

Die sozialdemokratische Führung verstand den Aufruf zur Kundgebung als „Ventil“ für die Massen, die ihre Wut artikulieren „durften“, und als Unterstützung ihrer Parlamentsfraktion. Die Massen selbst verstanden, dass eine Kundgebung nichts ändern würde, sahen sie sich doch von Anfang an tausenden Ordnungshütern gegenüber, die nur darauf warteten, die Demonstration so rasch wie möglich aufzulösen.

Die Polizei wiederum konnte ebenso wenig wie die Armee begreifen, wieso die Aufständischen nicht abhauten, wenn der Befehl, die Gewehre anzulegen, erteilt wurde. Sie verstanden nicht, dass es für diese Menschen, die in ihrem eigenen Bezirk angegriffen wurden, gar keine Rückzugsmöglichkeit mehr gab. Und sie verstanden nicht, dass Menschen, die für ihre eigenen Interessen kämpfen, sich anders verhalten als zum Dienst für fremde Interessen verpflichtete Soldaten.

Verlorene Schlacht

Der Aufstand in Neu-Ottakring endete noch am Abend des 17. September 1911. Er endete mit dem Einsatz nahezu der gesamten in Wien verfügbaren Truppen gegen die Bevölkerung eines einzigen Bezirksteiles. Er endete mit der militärischen Besetzung des gesamten Bezirks, mit drei toten und hunderten verletzten Bewohner/innen. Und er sollte so rasch wie möglich aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden, das war sowohl die Absicht der Regierung und der Bourgeoisie als auch der sozialdemokratischen Führung.

Er hatte gezeigt, dass es keinerlei Vertrauen der Vorstadtbevölkerung in die Regierung mehr gab. Er hatte auch gezeigt, dass die Menschen genug hatten von den Reden der sozialdemokratischen Opposition. Und dass sie verstanden hatten, dass „geordnete, disziplinierte Demonstrationen“ nichts ändern. Dieser Aufstand musste so rasch wie möglich unterdrückt werden, ehe er sich so weit entwickeln konnte, dass die Menschen selbstorganisiert ihr Leben in die Hand nahmen.

Wohin selbstorganisierter Widerstand führen kann, lernen wir zur Zeit etwa von den Ägypter/innen. Die Zugeständnisse, die die Militärs gemacht haben, indem sie Präsident Mubarak verhafteten und anklagten, können die Menschen nicht mehr beruhigen. In immer neuen Mobilisierungen stellen sie immer weitergehende Forderungen, die schließlich nicht nur die Militärführung, sondern das Prinzip der kapitalistischen Verwertung selbst betreffen könnten.

Nicht vergessen

Der 17. Septemer 1911 in Neu-Ottakring ist uns wichtig, und deshalb erinnern wir an ihn. Er ist in vielerlei Hinsicht aktuell. Spekulation mit Lebensmitteln und Wohnraum, Überwachung und Unterdrückung sind so wenig Geschichte wie ihre Ursache, die kapitalistische Verwertung – und der Kampf dagegen.

Komitee 17.9.1911,Stiftgasse 8, 1070 Wien

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Siehe auch auf Wikipedia r Teuerungsrevolte

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17september.noblogs.org, 2011-09-16, Nr. 5273

17. September 2011: Parkfest am Yppenplatz - 100 Jahre Wiener Teuerungsrevolte

Am Samstag den 17. September soll am Yppenplatz ein friedliches Parkfest gefeiert werden.

Ein guter Anlass, um ein paar historische und aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge zu beleuchten. Dies ist ein erster Versuch. Andere sind aufgerufen, zu recherchieren, sich selbst Gedanken zu machen, diese zu Verbreiten, auf ihre Art für diesen Tag aufzurufen.

Dass wir jetzt, hundert Jahre später diesen Tag in Erinnerung rufen wollen, hat nichts mit Revolutionsromantik zu tun. Es geht auch nicht um eine Verherrlichung der damals entstandenen "Schäden" oder der ausgeübten Gewalt, oder darum, die Toten von damals als Held_innen zu feiern. Das Ziel ist eher, dieses Stückchen Geschichte aus der Versenkung zu holen, im Kontext seiner Zeit zu diskutieren, aber auch einen Bezug zu heute herzustellen.

Wenn wir im Sommer 2011 über den 17.9.1911 in Wien nachdenken, dauert es nicht lange, bis die "Krawalle" in London und anderen britischen Städten in den Sinn kommen. Damals in Wien wie heute in London war das Handeln der Menschen nicht unpolitisch, sondern der unter den jeweiligen Umständen vielleicht naheliegendste Weg, sich direkt zur Wehr zu setzen gegen ein System, dass für viele einfach nur Ausbeutung und Ausgrenzung bedeutet. Wer innerhalb eines Ausnahmezustands unbezahlt einen Flachbildfernseher aus einem Elektromarkt trägt, setzt sich damit sehr direkt über die Diktate der Waren- und Eigentumswelt hinweg, und handelt damit durchaus aus einer Art "Klassenstandpunkt". Genauso sind die Verwüstungen von Wien 1911 ein teilweise relativ klar gegen die Verwaltung gerichteter Akt gewesen, weil die Mitschuld an der Misere richtigerweise nicht nur irgendwelchen Chefs oder Banken gegeben wurde, sondern auch den vor allem in deren Sinne agierenden staatlichen Einrichtungen.

Ein kleiner Vorstadt-Aufstand macht noch keine Revolution, und wenn am Ende nicht der Sozialismus, oder heute vielleicht "echte Demokratie" in Aussicht steht, dann versuchen fortschrittlich-liberale und linke damals wie heute, sich von allem zu distanzieren, dass auch sie niemals kontrollieren könnten. "Konsumorientiert" seien die Unruhen in London gewesen, weil sie sich Waren unrechtmäßig angeeignet haben. "Lumpenproletariat" nannte der Sozialdemokrat Otto Bauer damals in Wien die Menschen, die eine Gelegenheit beim Schopfe packten und plünderten, was sie brauchen oder verkaufen konnten.

Am nächsten Tag rief die Sozialdemokratie die Menschen wieder an die Arbeit, um nicht in einem möglicherweise ausbrechenden Streik die Kontrolle über die Geschehnisse komplett zu verlieren, und lieber wieder im Parlament weiter zu reden, aus gemütlicher Entfernung zum Pöbel. Einerseits wurde die Revolte später als politisches Pfand eingesetzt, um die eigene politische Linie zu bestärken, andererseits wurde verächtlich herabgeschaut.

Statt dieser bürgerlich geprägten Distanz sollte eher hervorgehoben werden, unter welchen Verhältnissen solche Zustände entstehen. Die Gewalt geht nämlich immer schon vorher von der anderen Seite aus. Die ganze Gesellschaft, wenn auch damals offensichtlicher als heute, beruht auf Gewaltausübung durch den Staat im Interesse der Eigentumssicherung, die letzten Endes vor allem im Interesse derer ist, die unendlich viel haben im Vergleich zur breiten Masse der Menschen. Zu Tage bricht die Gewalt spätestens dann, wenn sich Menschen über diese Ordnung hinwegsetzen, und der Staat zurückschlägt.

Auch heute ist die soziale Lage prekär, auch heute gibt es viele, die nicht einmal an der faden Warenwelt wirklich teilhaben können, auch wenn sie bezahlte Arbeit haben. Auch heute steigen die Preise von Lebensmitteln und Mieten beträchtlich, wenn auch etwas weniger schlagartig als damals.

Hoffentlich finden wir auch andere Wege, dem zu begegnen, unserer Wut und unserem Änderungswillen Ausdruck zu verleihen, als spontane Revolten, die meist schnell niedergeschlagen werden und große Repression zur Folge haben. Aber sie zu verteufeln, wäre eine Verweigerung der Realität, die eben im jeweiligen historischen Moment diese spezifische Ausdrucksform der gesellschaftlichen Widersprüche gefunden hat.

Vielmehr müssen wir uns fragen, was die Gründe sind, wenn der Gedanke des Aufstands nicht über die paar Tage und Nächte hinaus wirken kann. Welche andere Formen gibt es, aufständisch zu sein, sich in Bewegung zu setzen und die bestehende ungerechte und brutale Ordnung zu unterwandern und zu zersetzen? Was müssen wir aufbauen, um nicht wenn die Supermarktregale leer geplündert sind wieder den alten "Normalzustand" herstellen zu müssen, damit wir etwas zum Essen haben? Was können wir gegen die Vereinzelung tun, die der Grund dafür ist, dass wir im täglichen Leben in diesem System nie den selben Grad an spontaner Solidarität unter "Fremden" aufbauen können, wie es ihn während einer aufständischen Situation zwischen den Menschen auf der selben Seite der Barrikaden gibt? Wie kommen wir an den Punkt, an dem ein Teil der Soldat_innen und Polizist_innen ihre Uniform ablegen, und auf diese Seite der Barrikaden gehen, weil ein großer Teil ihrer Familie und Freund_innen eh schon da sind?

Der technische Fortschritt der Aufstandsbekämpfung ist hinter den Kulissen schon längst noch weiter, als das was wir täglich von Straßen irgendwo auf der Welt sehen können. Gegen Polizei und Militär auf deren Ebene, mit deren Mitteln einen "Sieg" zu erringen, ist heute noch unrealistischer als damals.

Die Gesellschaftsordnung, die staatliche Gewalt überhaupt erst notwendig macht, können wir aber ändern. Das wird nur möglich sein, wenn ihr von vielen Menschen die Legitimation abgesprochen wird. Wenn wir gemeinsam diskutieren, was wir nicht wollen, und was wir statt dessen wollen. Und dann damit anfangen. Wir werden sicher nicht den Weg gehen, den die Sozialdemokratie 1911 gegangen ist, nämlich die Legitimation der Herrschaft nicht in Zweifel zu ziehen, die angebliche Kriminalität des Aufstands zu verurteilen, sie aber gleichzeitig als Grund zu nehmen, wieder einmal soziale Reformen zu fordern.

Es ist eben dieser linke Reformismus, der zusammen mit dem Unwillen, die hinter den angeprangerten Ungerechtigkeiten stehenden Strukturen zu benennen, der revolutionäre Bewegungen immer wieder in eine Sackgasse geführt hat.

Genau so wie es keinen "grünen" Kapitalismus geben kann wird es auch keinen "sozialen" geben. Die Frage die wir uns stellen müssen ist also, wie Revolution im 21. Jahrhundert gedacht werden kann. Ein militärischer Aufstand oder ein irgendwie gearteter Putsch, der dann eine "revolutionäre Regierung" zur Folge hätte, ist nicht nur angesichts der hochgerüsteten Waffensysteme heutiger Polizei und Armeen völlig illusorisch, auch hat uns die Geschichte gezeigt, dass so nur wieder neue Unterdrückungsmechanismen eingeführt werden.

Nur ein Entziehen der Zustimmung zu dieser Ordnung durch breite Teile der Bevölkerung und der gleichzeitige Aufbau von selbstorganisierten Strukturen und einem solidarischen Miteinander scheint ein Weg zu sein, wenn nicht nach einer Umwälzung wieder Macht und Herrschaft in neuem Gewand auftreten sollen.

Mit dem Fest am Yppenplatz soll ein Schritt gemacht werden, vielleicht um in Ottakring und anderswo ein paar Dinge aus der Geschichte zu lernen, vor allem aber von Mensch zu Mensch ein viel verzweigtes soziales Wurzelwerk zu errichten und zu verdichten, im Grätzel rund um den Platz, in Ottakring, in anderen Bezirken und in der ganzen Stadt, mit Verbindungen zu Kommunen am Land, das uns hilft, unser materielles, gesellschaftliches, kulturelles Leben nach und nach unabhängiger zu machen, damit wir nicht von Zugeständnissen der Herrschenden abhängig bleiben, sondern diese irgendwann einmal nachhaltig vom Sockel stoßen können.

Wie es der Zufall so will, ist am 17. September auch eine große Demo vom Europäischen Gewerkschaftsbund für "europäische Solidarität und Arbeitsplätze" in Wroclaw (Polen) geplant.

In New York wollen Tausende am selben Tag die Wall Street besetzen, und dort Zelte aufstellen, wie am Tahrir Platz oder diversen Städten in Israel oder Spanien.

Und seit Wochen sind Menschen aus Spanien unterwegs, und gehen zu Fuß über Paris, wo sie am 17. September eintreffen wollen, nach Brüssel, um sich dort im Oktober mit angereisten Gruppen verschiedener Länder zu einer Art europäischer Vollversammlung der Bewegungen der Platzbesetzer_innen bzw. "Empörten" zu treffen.

Schon eine Weile kursiert der Tag auch als internationaler Aktionstag gegen die Macht der Banken, was daraus wird ist aber scheinbar noch nicht sehr konkret.

Jedenfalls werden an vielen Orten der Welt an diesem Tag die Stimmen sozialer Bewegungen zu hören sein. In Wien wird es wohl vermutlich kein Massenspektakel geben, aber gerade deshalb wollen wir sozusagen bei den "basics" anfangen, also bei dem unweigerlich notwendigen ersten Schritt, dass die Menschen zusammen kommen, und über ihre Lage und mögliche gemeinsame Auswege miteinander ins Gespräch kommen. Zum Beispiel auf dem Parkfest am Yppenplatz.

Alle sind aufgerufen, sich selbst einzubringen, Ideen beizusteuern, "Programm" von Workshops über Theater und Musik bis zu bildender Kunst zu organisieren, Infostände mit emanzipatorischen Inhalten aufzubauen, das Datum bekannt zu machen, eigene Aufrufe zu veröffentlichen, andere Veranstaltungen am selben Tag zu planen, Nahrung, Getränke, Spiele, Sitzmöglichkeiten mitzubringen, bei der Vokü mitzuhelfen, in der Geschichte des Widerstands zu wühlen und neue Erkenntnisse zu Tage zu fördern, und überhaupt: die ganze Welt Stück für Stück umzukrempeln.

magellan, 2011-09-16, Nr. 5274

Vielleicht ein bissi spät für den Aufruf, oder?
Die Linke hat vieles zerstört, z. B. die Familie. Und die 68iger haben auch wesentlich zu der von Dir beklagten "Vereinzelung" beigetragen. Aber die Linke hat nicht alles falsch gemacht. Als positives Beispiel möchte ich mal die Idee der Genossenschaften nennen. Leider sind diese Initiativen wiederum sofort politischen Parteien einverleibt, instrumentalisiert bzw. überhaupt erst gegründet worden.

In New York hat sich vor einigen Jahren eine Gruppe von Menschen zusammengeschlossen, um gemeinsam einen "Supermarkt" zu betreiben. Sie kaufen die Waren im Großhandel ein, die Arbeit wird so aufgeteilt, dass jeder zwei bis fünf Stunden pro Woche dort arbeitet. Der Preis für die Produkte liegt in der Folge um mehr als die Hälfte unter dem "handelsüblichen".

Ich bin mir aber nicht sicher, ob das in Österreich geduldet werden würde, vor allem dann, wenn das Beispiel Schule machen würde. Man könnte es ja auch auf das Bankwesen ausdehnen...... :)).
Mit genügend Willen dahinter, könnte man mit diesem System nach und nach dem Kapitalismus ein gehöriges Schnippchen schlagen oder ihn idealerweise überhaupt ersetzen.

mimenda, 2011-09-17, Nr. 5275

Magellan, wieso sollte "die Linke" die Familie zerstört haben? Ich bin ein "ziemlich praktizierender" Katholik, kein wirklich konservativer versteht sich, aber auf die Idee bin ich im Leben noch nicht gekommen. "Die Linke" hat, wie man heute so unschön sagt, sich beim Öffnen eines "Zeitfensters" hinausgelehnt. Mehr nicht.

Man muss mir immer noch - oder wieder (was viel schwerer ist) - plausibel machen, inwiefern das Bewusstsein das Sein bestimmt, wie du insinuierst, und nicht dieses jenes.

Schon beim lieben Jesulein war der Vater schneller fort als dieses laufen konnte und auch die bürgerliche Familie, der ideologische Wurmfortsatz der Krippenstory ohne Ochs und Esel, war nie das, was ihre Apologeten aus ihr zu machen versucht haben.

Mehr Freiheit gibt's nicht ohne Frischluft. Aber sobald sich das Fenster schließt, müffelt's wieder.

magellan, 2011-09-17, Nr. 5276

Klar, Mimenda, müffelt es; und das nicht wenig! Doch übermittellt genau dieser Mief den Menschen auch das Gefühl einer Geborgenheit, welche im Idealfall geeignet ist, für das Leben da draußen mit einem Schutzpanzer ausgestattet zu werden, um den Mitmenschen mit einem gewissen "Urvertrauen" begegnen zu können. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass eine KITA dies leisten könnte.

Was die Zerstörung der Familie betrifft, hat natürlich auch der Kapitalismus reichlich dazu beigetragen. Wer aber damals das Fester aufgerissen hat, wird in der Kürze schwer zu klären sein.

Ich hatte lediglich versucht, eine (von sicher vielen) Erklärung(en) für die "Vereinzelung" der Menschen zu finden. Der Grund meines Posts waren eigentlich die Genossenschaften.

Aber wie so oft im Leben, haben wir wohl beide ein wenig recht.

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