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Solidarisch G'sund
Erwin Riess

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2011-06-06

Hunnensturm. Oder: Kleine Kärntner Krankenhauskunde

Herr Groll auf Reisen. Folge 161.

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Solidarisch Gsund

Die öffentliche Daseinsvorsorge ist massiv bedroht! Der potenzielle Reichtum unserer Gesellschaft kommt nicht mehr bei den Menschen an. Dabei wäre alles vorhanden für ein gutes Leben für Alle. Das Wissen, die Menschen, die Einrichtungen. Dies sollte man nicht vergessen, den Sanierer/innen ist die Idee einer humanen Gesellschaft entgegen zu halten.

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Der Dozent und Groll saßen in einem kleinen Gasthaus in Hunnenbrunn an der St. Veiter Schnellstraße. Der Dozent hatte Groll um eine Aussprache gebeten.

„Der Sozialstaat, den wir kennen, geschätzter Groll, ist ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehört dem Hunnensturm“, eröffnete er seinen Bericht und nahm einen Schluck vom Apfelmost.

Er verbitte sich rassistische Äußerungen, erwiderte Groll.

Er berufe sich auf Ernst Jandl, sagte der Dozent. Immer wieder habe Jandl, wenn von Nazi die Rede war, von „Hunnen“ gesprochen, er habe das aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft mitgebracht.

„Viele Jahre wetteiferte das Landeskrankenhaus Klagenfurt mit dem Landeskrankenhaus Graz um den Rang des größten Spitals in Österreichs Süden“, fuhr der Dozent fort. „Es wies zweitausend Angestellte, rund zweitausend Patienten und ein reichhaltiges Ensemble von Abteilungen auf, von denen einige, wie die Kieferchirurgie, die Urologie oder die Schmerztherapie, zu den besten ihres Faches zählten. Letztere genießt heute noch einen ausgezeichneten Ruf. Auf dem Gelände gab es eine Wäscherei, Schlosserei- und Elektrikbetriebe, eine Gärtnerei und eine weithin geschätzte Bäckerei. Das Arbeitsklima war gut, die Patienten waren zufrieden, das Krankenhaus war ein Vorzeigebetrieb.“

Die Kellnerin, eine aparte Frau im besten Alter, nickte wissend und wartete auf die Fortsetzung des Berichts.

„Ende der neunziger Jahre beschlossen SPÖ und die Haider-FPÖ die Auslagerung der Spitäler in eine Holding-Gesellschaft, die keinerlei demokratischer Kontrolle unterliegt“, setzte der Dozent fort. „Alle, die am Ausbau des Sozialstaats interessiert waren, bezeichneten die Auslagerung als Vorbereitungshandlung für eine spätere Privatisierung.“

Wiederum nickte die Kellnerin. Der Dozent nahm dies als zusätzlichen Ansporn.

„In der Folge wurde die Infrastruktur des Spitals systematisch ausgehöhlt und dem Verfall preisgegeben, bis es hieß, eine Renovierung sei zu teuer, ein neues Spital müsse her, das, anders geht es im superlativischen Österreich nicht, zu den modernsten Kliniken der Welt zählen werde. Also wurde die Glan verlegt, in einen traurigen Kanal gezwungen, und auf dem gewonnenen Areal wurde ein anthrazitgrauer Gebäudewurm hochgezogen, der an einen Großmarkt für Grabsteine erinnert. Im Sommer 2010 wurde schließlich das „Wörthersee Klinikum“, so der aufgepeppte Name, eröffnet. Daß Kärnten zu diesem Zeitpunkt längst bankrott war, störte die verantwortlichen Politiker von FPK und ÖVP nicht.

Die Kellnerin seufzte. Unbeirrt setzte der Dozent fort.

„Und es wurde gespart! Beim ärztlichen und pflegenden Personal, bei den Warteräumen der Patienten, ja selbst bei den Röntgenbetten. Gehunfähige Patienten werden gebeten, auf das Bett hinaufzuhüpfen. Eine Lappalie, gewiß, aber eine sinnfällige. Schwerer wiegt schon, daß Intensivmediziner nunmehr für achtzehn statt zwölf Intensivbetten verantwortlich sind und die Diensteinteilungen zu Lasten der Bedienten geändert wurden, während für Primarärzte Ordinationen innerhalb der Klinik eingerichtet wurden – auf daß die medizinische Betreuung für Privatversicherte ohne Wartezeiten ablaufen kann.“

Nur mit Mühe konnte die Kellnerin ihre Empörung bezähmen.

„Die Beschäftigten reagierten mit innerer Emigration, viele entwickelten schwere Burn-Outs, hochqualifizierte Oberärzte, die sich dem verschärften Arbeitsdruck und der Verschlechterung der medizinischen Qualität nicht beugen wollten, setzten sich in die Allgemeinmedizin ab“, setzte der Dozent fort. „Ihr Spezialwissen ging mit einem Schlag verloren, neu eingestellte Ärzte mußten sich den neuen Bedingungen unterwerfen. Innerhalb weniger Monate war eine von der Landespolitik und der Holding verordnete Dequalifizierung ärztlicher Arbeitskraft Realität geworden. Es wird Sie nicht überraschen, daß in den Organen der Holding ausschließlich Parteigänger der ruhmreichen Kärntner Freiheitlichen und der nicht minder lichtvollen Kärntner Volkspartei sitzen, sogar für den ehemaligen Sozialminister Haupt fand sich ein gut dotiertes Pöstchen.“

Die Kellnerin spuckte seitlich auf den Boden.

„Die Zukunft des Klinikums ist vorgezeichnet“, sagte der Dozent tonlos. „Weitere Einsparungen, extremer Arbeitsdruck, eine drastische Reduktion der Patientenanzahl. Da schon der laufende Betrieb des Krankenhauses durch einen Kredit finanziert wird – von der Hypo Alpe Adria, wie Sie richtig vermuten – , liegt die weitere Entwicklung auf der Hand …“

„Ein privater Krankenhausbetreiber wird das bankrotte Spital übernehmen“, unterbrach die Kellnerin. „Die Krankenkassen werden den Betrieb finanzieren, die medizinische Qualität wird sich weiter verschlechtern und die Patienten werden in überlastete Allgemeinpraxen und die Behandlungslosigkeit abgedrängt.“ Sie habe bis vor kurzem im Klinikum als Anästhesiepflegerin und Betriebsrätin gearbeitet, fügte die Kellnerin hinzu, nickte knapp und verschwand in der Küche.

Bitte unterstütze auch Du unsere Petition Solidarisch G’sund. Initiative: Für ein öffentliches Gesundheitswesen!, indem Du hier im Netz auf
r www.ipetitions.com/petition/solidarischgsund unterzeichnest!

Der vorliegende Beitrag ist zuerst im Konkret 5 / 2011 erschienen

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