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2010-02-24

Luise Ruhdorfer: Offener Brief zur Denkmalschändung

Stellungnahme zur Zerstörung des »Denkmals der Namen« von Frau Luise Ruhdorfer, deren Großvater Anton Gastl im KZ Dachau um sein Leben gebracht wurde

.

Sehr geehrter Herr Haider,

Ich würde diesmal und in Zukunft das Denkmal nicht mehr herrichten lassen, sondern ich würde es so beschädigt, wie es ist, stehen lassen, damit alle Besucher der Stadt Villach sehen, wie das Klima in dieser Stadt ist, wie man mit diesem Denkmal umgeht und wer aller ganz offiziell einfach wegschaut, wenn die Erinnerung an zu Unrecht ums Leben Gekommene geschändet wird. Mir hat nämlich noch niemand offiziell mitgeteilt, dass mein Großvater inzwischen amtlich rehabilitiert ist, dass er eigentlich gar nichts angestellt hat, weswegen man ihn ohne Verurteilung ins KZ gesteckt hat. Und dass er dort eigentlich ganz elendiglich ums Leben gekommen ist, nur weil er selbstständig gedacht hat und nicht mit dem Strom geschwommen ist, dass ein Krieg das große Glück bringen wird.

Und ich würde in Zukunft auch die Schneestangen und die Scherben nicht wegräumen lassen, denn was soll diese idiotische Schönung und künstliche Beruhigung? Soll doch der Herr Bürgermeister und sollen doch die Repräsentanten der Stadt Villach ihren Kranz oder ihre Ehrenbezeigungen vor dem zerstörten Denkmal absolvieren, damit ihnen endlich klar wird, was da läuft, in dieser Stadt. Eine Menge Fasching und Kirchtag! Und das als leere Fassade, denn sich zur Geschichte zu bekennen, ist was Anderes, was ganz Anderes!

Ich hab´s am Montag auch absichtlich nicht fotografiert, das beschädigte Denkmal und die Schneestange, die abgerissene, weil ich mir gedacht hab, das das Sache der Polizei ist und wenn die wegsieht, dann sieht sie eben weg.

Mit der Verantwortung müssen sowieso die alle leben, die so was tun, die die etwas beschädigen und die, die wegsehen, die nichts hören und sehen, im Museum, in den Geschäften rund herum, im Pfarrhof, im Kaffehaus in der Nähe, usw. usf. Und natürlich die Arbeiter vom Bauhof und die Stadtgranden und die Polizisten und die Sicherheitsleute und die Chefitäten.

Und ich würde ganz einfach schweigend das Bild des zerstörten Denkmals ins Internet stellen, als Denkmal über alle Sprachgrenzen und Kulturgrenzen hinweg.

Warum wird das Denkmal am Friedhof in Annabichl nie geschändet? Lassen Sie doch das Denkmal in der Widmanngasse, so heißt diese Gasse doch, oder, stehen und errichten wir ein neues am Zentralfriedhof in Villach, u.zw. in der Nähe der Gedenkstätten für die gefallenen Soldaten und für die russischen und anderen Gefallenen, denn mein Großvater wurde viel schlechter behandelt als Soldaten, egal welcher Nation, denn die hatten was anzuziehen, die hatten ihren Namen, die hatten zu essen, die waren anerkannt, und um die trauern alle Nationen schon seit 65 Jahren.

Und wenn am 3. März in Villach das Projekt von Hr. Liepold-Mosser präsentiert wird, dann passt das genau zum zerstörten Denkmal dazu, denn jemand muss die heutige Gesellschaft aufrütteln und über z.B. die Partisanen erzählen.

Wissen Sie, es gibt einfach viel zu viele Leute, die von unserer Geschichte keine Ahnung haben!

Ich arbeite an der Veröffentlichung meiner Dissertation in Buchform. Ich musste einen deutschen Verlag nehmen und ich muss das selber vorfinanzieren, weil Florjan Lipuš und weil ich, weil wir nicht in das Schema unseres Kärnten hineinpassen, weil wir darauf hinweisen, dass da gar nichts in Ordnung ist, überhaupt nicht zuckerlsüß und rosarot und himmelblau, wie eben am Faschingsdienstag und am Faschingsumzug.

Mein Großvater Anton Gastl ist nämlich genau heute (17.2.1944) vor 66 Jahren im KZ Dachau gestorben, an Lungenentzündung, als Faschingsscherz, oder wie? Und wenn die Beschädigung in eine solche Gedenkzeit fällt, dann tut das entsetzlich weh!

Und ich gehe heute am Nachmittag wieder dort am Denkmal vorbei zur VHS, wo ich Slowenisch unterrichte.

Machen Sie doch ein erweitertes Internetportal und stellen Sie die Dokumente und die Briefe und die Fotos und noch was hinein, als Mahnmal gegen faschistische und nationalistische Vereinnahmungen durch die schönredenden Verantwortlichen. Wissen Sie, ein solches Mahnmal ist dann nicht an einen Standort gebunden, an dem es unerwünscht ist, absolut unerwünscht!!!

Diese Leute, die im 2. Weltkrieg ums Leben gekommen sind und in der Politik engagiert waren und im Alter meines Großvaters waren, waren schon in der Monarchie denkende Leute und die haben sich z.B. im Abwehrkampf und danach in Villach getroffen, um ihre Aktionen zu planen, weil sie in den Dorfgasthäusern als Slowenen unerwünscht waren. Vielleicht wird sich die Stadt Villach endlich ihrer Rolle bewusst, die sie für ihr Umland hat, denn die Bildung holt man sich dort, Geschäfte macht man dort und man verbreitet als Kursleiter der VHS immer ein positives Bild von der Stadt, wenn man z.B. den Kursteilnehmerinnen erklärt oder erzählt, wie man hier im Gegensatz zu Mainz oder Ptuj oder Venedig den Fasching feiert, auch wenn man persönlich so negative Erlebnisse hat.

Ich bereite mich auch auf die Lange Nacht der Sprachen in der VHS am 25. Sept. 2010 vor und in Latschach wird ein neues Denkmal für die Opfer des NS-Regimes errichtet werden, von Tino Oman, und ich bin jetzt in der Villacher Literaturgruppe, die sich einmal im Monat im Gh. Casino trifft und ich werde dort am 26. März 2010 um 19 Uhr die slowenische Literatur im Allgemeinen und Florjan Lipuš im Besonderen vorstellen. Wir lesen seinen letzten Roman Boštjans Flug und sprechen darüber. In der bereits stattgefundenen Vorbesprechung hat mich die Leiterin des Literaturforums gefragt, warum hier in Kärnten keine Aufarbeitung des 2. Weltkrieges stattfindet, warum dies in Slowenien nicht passiert usw. usf. Und ich konnte ihr nur antworten, dass Leute wie ich und meine Kinder darüber Bescheid wissen, darüber sprechen und schreiben, davon erzählen, weil ich schon als Kind damit konfrontiert war, mit dieser anderen Geschichte, dass das aber in den Schulen noch immer viel zu wenig gelehrt wird, dass die Politik ganz einfach immer auf den eigenen Wahlerfolg konzentriert ist, dass die Mehrheit in Kärnten eben nach wie vor nationalistisch orientiert ist und das auch noch mit Stolz in der Öffentlichkeit verbreitet.

Mit traurigen Grüßen
Luise Ruhdorfer

.

Anmerkung der Redaktion: Von der Autorin erschienen
Lipuš's Identitätenkarussell. Autorin: Luise Maria Ruhdorfer,
ISBN 978-3-86870-173-9, Re Di Roma Verlag, 16,50 Euro, 196 Seiten

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