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Danijel Jamrič

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2010-02-20

Wie viele Leichen im Keller verträgt unsere Stadt?

Überarbeitet Dezember 2010

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Dieser Artikel wird gerade überarbeitet. Im Sommer 2012 erscheint das Werk mit dem Arbeitstitel „Hermagor unterm Hakenkreuz“, das umfangreiche Erkenntnisse über den Bezirk Hermagor zur NS-Zeit liefern wird.

Daniel J., März 2012

Schon in der offiziellen Chronik unserer Stadtgemeinde Hermagor gibt man sich nur allzu zaghaft mit Informationen über lokale Geschehnisse während des zweiten Weltkrieges: „Die Ereignisse des 2. Weltkrieges verschonten auch unsere Täler nicht“, heißt es etwa, weiters „wurde auch das Gailtal Ziel von Tieffliegerangriffen und Bombenabwürfen durch feindliche (sic!) Flugzeuge“. Was hier leicht geschichtsrevisionistisch anmutet, ist grundsätzlich Konsens in Hermagor. Unverständlich? Eine Stadt, die sich – sieht man sich nur die Chronik der jüngeren Geschichte an – kaum bis nicht die Mühe gemacht hätte, ihre jüngste Vergangenheit zu thematisieren, geschweige zu bewältigen, denn berücksichtigt man zudem Personen aus der Region, die seinerzeit höhere (politische) Ämter kleideten und seitdem zum Teil weiterhin in denjenigen Positionen stehen, die eigentlich dazu anstellen müssten, dieses Wissen weiter zu geben, es aber eben nicht tun – wer wird sich denn am Ende schließlich noch selbst denunzieren? – häufen sich sprichwörtlich die Leichen im Hermagorer Keller.
Anm. November 2010: Die neue Chronik von Hermagor erschien im Herbst 2010 und thematisiert nun immerhin einige NS-bezogene Vorgänge in Hermagor ab der Zeit des Ständestaates. Die Hermagorer Bürgermeister zwischen 1938 und 1945, Georg Kandolf und Josef Ressi, waren naturgemäß bekennende Nationalsozialisten. Gauleiter war Dr. Friedrich Rainer. Den Anschluss an das Deutsche Reich feierte man in Hermagor auf überdurchschnittlich euphorische Weise, so strömten am Abend des 10. April 1938 rund 3000 Menschen zu einer Siegesfeier zusammen. Die Volksabstimmung ergab in Hermagor eine hundertprozentige Zusage an den Anschluss. In Egg wurde der Anschluss nicht ausschließlich begrüßt, v.a. auch wegen der bis zum Anschluss überdurchschnittlich hohen slowenischen Bevölkerungszahl, die spätestens mit den Ereignissen um 1938 ausgelöscht, da germanisiert, wurde – dazu mehr in meinem Artikel „Hermagors historische Schlüsselstellung“. Aus dem Hauptplatz wurde sofort nach dem Anschluss der Adolf-Hitler-Platz. Mit französischen Zwangsarbeitern und dem Reichsarbeitsdienst wurde im Gailtal die durch den Krieg resultierte fehlende Arbeitskraft kompensiert.

Steht es nun, Jahrzehnte nach der sg. Entnazifizierung, etwa an der Schmerzgrenze (bzw. an einem Vergehen gegen das Verbotsgesetz), nationalsozialistische Literatur unkommentiert bzw. unvermerkt in der Stadtbibliothek (nebst Stephen King-Büchern) den öffentlich-zugänglichen Status zu gewähren, wird bei unseren Stammtischbrüdergesprächen oft direkt aus solcher Literatur zitiert. Über Eugenik, Rassenkunde und das Finanzjudentum scheint man im Gailtal bestens informiert zu sein, denn die Entnazifizierung ist in Hermagor auf keinen Fall durchgedrungen. Dieses Gedankengut ist also nach wie vor gang und gäbe, öffentlich etwa in Gasthäusern in Egg, Micheldorf und in Hermagor selbst. Einen ironischen Unterton, der NS- verherrlichende Aussagen eventuell auf eine höhere Ebene der Rechtfertigung heben könnte, sucht man hier nur zu oft vergebens.

Ein Experiment eines Kollegen und mir während meiner Schulzeit am BORG Hermagor bestand darin, NS-Symbole, -Zitate und -Bilder (natürlich im Bewusstsein über die möglichen Konsequenzen) an den Wänden des Klassen- und Pausenraumes anzubringen und zumindest die Reaktionen der Mitschüler abzuwarten. Tatsächlich schaffte es ein Schüler aus der höheren Klasse darauf aufmerksam zu machen und nachzufragen, wer dafür verantwortlich ist. Ansonsten blieb diese Aktion ohne jegliche Konsequenzen unbeachtet – bedauerlicherweise vor allem von jedem einzelnen der Lehrkräfte am BORG Hermagor. Diesen Vorfall als reines Lippenbekenntnis gegen den Nationalsozialismus zu werten, ist nicht weit gefehlt.

Was hat das jetzt mit Leichen im Keller zu tun? Die wahren Leichen hat es immerhin schon während der Jahre 1938-45 gefordert. Allseits bekannt ist u.a. die Ausweisung des jüdischen Hermagorer Arztes Dr. Albert Menninger von Lerchenthal aus seiner Ordination in Hermagor nach Deutschland. Der Arzt galt nicht nur „fachlich, sondern auch menschlich als vorbildhaft“. Nach dem Anschluß Österreichs an Deutschland mied der Großteil der Hermagorer Bewohner seine Gegenwart, seine plötzliche Abwesenheit schien niemanden näher zu beschäftigen. Widerstand, ob aktiv oder passiv, konnte man sich auch angesichts des „Ermessenspielraumes der jeweiligen lokalen Parteigröße oder der Nachbarschaft selbst“ von Hermagor in diesem Fall nicht erwarten. Im Juli 1944 stirbt Dr. Menninger von Lerchenthal bei einem Besuch in Hermagor auf der Radniger Alm – die offizielle Todesursache lautet „Herzmuskelentartung, Herzschlag“. „Dass es Selbstmord war, vermuten viele“, heißt es auch. Dass es Mord war, vermuten allerdings ebenso viele.

Im Gespräch ist auch weiterhin der Fall F. P. (Anm. November 2010: Der Fall wurde im Zuge der Gedenkveranstaltung „Was damals Recht war“ im April 2010 tatsächlich erstmals näher behandelt und ausgeführt, der Beitrag hierzu ist u.a. auf hermagor.at nachzulesen), der kurz nach Kriegsende drei deutsche Wehrmachtsdeserteure in der Nähe des Hermagorer Friedhofes standrechtlich erschoss bzw. erschießen ließ – bemängelt wird in diesem Zusammenhang das Fehlen eines Mahnmales gegen den Faschismus, natürlich unter Berücksichtigung der Existenz des sogenannten „Heldenfriedhofes“, an dem gefallene Hermagorer Wehrmachts- und SS-Soldaten posthum und mit einem unheimlichen, nationalen Bewusstsein geehrt werden. Ein weiteres der vielen „Heldendenkmale“ steht in Möschach neben dem Steinwender-Gebäude.
Anm. November 2010: Der Name F. P. war bis zum August 2010 ausgeschrieben. Ein Sohn von Hr. F. P. (Hr. F. P. ist im Jahre 2005 verstorben) kontaktierte mich mit der Bitte, den Namen seines Vaters in diesem Artikel zu streichen mit der Begründung, Hr. F. P. hätte im Krieg keine Stellung zu politischen oder militärischen Vorgängen bezogen und sei gänzlich unschuldig. Doch alleine, dass Hr. F. P. während des Zweiten Weltkrieges ein Unternehmen leitete, das als „Rüstungsbetrieb“ wichtige kriegerische Funktionen für das Deutsche Reich erfüllte, bestätigt nur eine gewisse leugnende Haltung der Nachkommen. Im Nachruf zu Hr. F. P. hieß es 2005 öffentlich: „(…) Nach dem bitteren Ausgang des Krieges (sic!) wurden auch im Bezirk Hermagor führende Männer und Frauen aus Partei, Stadt und Wirtschaft von der englischen Besatzung interniert. Darunter auch der Verstorbene (…)“. Zum Fall F. P. heißt es in einer Gedenkveranstaltung des Vereines „Erinnern“ vom April 2010: „Die SS bringt die drei Soldaten am Sonntag, 6. Mai 1945, nachmittags an die Südmauer des Hermagorer Friedhofs. Friedhofsbesucherinnen werden nun unfreiwillig Zeuge der Erschießung. Dass die Ermordung durch die SS geschah, soll einem nicht den Blick verstellen, dass sie mit Wissen oder gar auf Auftrag lokaler Parteigänger geschehen konnte.“ Ich persönlich finde, Namen sind ein Teil der Geschichte und müssen im historischen Kontext ausgeschrieben werden dürfen.

Hr. Steinwender, der nach Kriegsende festgenommen wurde, war zur Zeit der Diktatur als bekennender Nationalsozialist Bürgermeister von Möschach und Leiter der Hitlerjugend in Hermagor, deren Teilnahme neben dem Bund deutscher Mädel für junge Menschen zwar nicht verpflichtend war, obwohl trotzdem fast jeder an dem Programm teilnahm. Im Dezember 1939 wurde so ganz Hermagor zum „Kriegsgebiet der HJ“ – gekämpft wurde gegen den unsichtbaren Feind England – erklärt. Die HJ erfreute sich sogar großer Beliebtheit seitens der Jugendlichen – etwa aufgrund des breiten Ausbildungsangebotes: angefangen von der Motor-HJ (bei der der Interviewte V. R. selbst Mitglied war) über die Segelflieger-HJ (bei der V. R.‘s Bruder teilnahm) bis hin zu der Gebirgs-HJ „gab es nichts besseres als diese Organisation“ und für jeden sei „etwas dabei gewesen“, Jugendliche seien durch die Hitlerjugend „gefordert und gefördert worden“. „Es gab für Jeden, der sich zur HJ meldete, eine Aufnahmsprüfung, ich (Anm.: V. R.) musste etwa innerhalb eines Tages von Grünburg zu Fuß auf den Guggenberg, weiter über die Möselalm nach Weißbriach und wieder zurück nach Grünburg marschieren“. Eine der wenigen Ausnahmen, die sich gegen die nationalsozialistische Erziehung stellten, bildete die Familie Arbeiter aus Egg bei Hermagor. Das Ehepaar Maria und Franz Arbeiter, das u.a. Schriften von den Zeugen Jehovas bezog, ließ deren Kinder Antonia, Franz, Johann und Paul nicht zur Hitlerjugend beitreten – mitunter ein Grund, wieso die Eltern in Haft genommen und die Kinder in Kinderheime gebracht und dort von Pädagogen schließlich nach den Idealen der Hitlerjugend erzogen wurden.

Ginge es um die nähere Ausführung darüber, könnte man ganze Bücher füllen mit Geschichten weiterer durch die Nazi-Politik verursachte Familienschicksale in Hermagor und Umgebung: ob die Familie Wutti aus Mellweg (näher thematisiert im „Letters to the Stars“-Projekt 2008), Warmuth (bzw. Kopitsch) aus Egg (beide bekennende Kärntner Slowenen), Krieber aus Hermagor (Zeugen Jehovas, Trude Krieber verurteilt zu Zwangsarbeit), der Fall Vinzenz Kuglitsch aus Dellach (Wehrdiensverweigerung) und Johann Wernitznig aus St. Stefan (ebenfalls Wehrdienstverweigerung) oder Wilhelm Möslacher aus St. Stefan („Zersetzung der Wehrmacht“, geb. 1925 in Edling, 1944 Tod durch Enthauptung in Halle an der Saale; Anm. November 2010: Im Mitte 2010 erschienenen Buch „Literarische und historische Streifzüge durchs Gailtal“ näher behandelt), Stefanie Ranner (gest. 1944 im KZ Ravensbrück, Lungentuberkulose; Anm. November 2010: ebenfalls im letztgenannten Titel näher behandelt) die grausamen Urteile der Nazi-Justiz, die sich in den Fällen im Gailtal von Haftstrafen über Deportationen bis hin zu Todesurteilen zogen, wurden auch durch die Hermagorer Funktionäre der NSDAP in unmenschlicher Weise vollzogen – und werden heute als unrühmliches Kapitel der Chronik Hermagors aus Schamgefühl in die Versenkung gebracht, bzw. wird heute z.T. gar eine Gedenkkultur betrieben, die Mittäter zu Opfer umbesetzt. Die Opfer sind nicht wieder zum Leben zu erwecken, die wahren Leichen im Keller zeigen sich allerdings durch keine bzw. eine falsche, öffentliche Thematisierung – egal ob Hermagor nun eine Stadt oder ein Dorf ist – vielmehr übt man sich darüber hinaus in Akzeptanz mit den noch lebenden Gailtalern Ehemals-Nationalsozialisten, die in erster Linie über das Verbotsgesetz klagen und im Grunde genommen ehestens einen Fall für eine mögliche Meldung im Simon-Wiesenthal-Zentrum darstellen.
Anm. November 2010: Der interviewte Zeitzeuge V. R. (geb. 1922) betonte in einem 2009 geführten Interview die nationalsozialistischen Opfern aus dem Gailtal zur Zeit des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes. Als bekennende Nationalsozialisten wurden u.a. der damalige Polizist S. aus Presseggen und H. aus Hermagor in das Konzentrationslager Wöllersdorf inhaftiert, „als der H. wieder entlassen wurde und nach Hermagor zurückkehrte, haben wir ihn zunächst gar nicht wieder erkannt, so hat man ihn zugerichtet.“ Zur Zeit des Ständestaates ist es in Hermagor immer wieder zu Hakenkreuz-Schmierereien gekommen (z.B.: in der Bezirkshauptmannschaft, am Lagerhausgebäude beim Bahnhof, an Felsen in der Garnitzenklamm) und im Sommer 1934 prangerte vom Spitzegel gar ein überdimensionales Hakenkreuz. Doch das Vorgehen gegen deutschnationale Faschisten in Hermagor war zu dieser Zeit offenbar zu passiv organisiert, was sogar zu Rücktrittsforderungen gegen den Hermagorer Bezirkshauptmann führte.
Anm. November 2010: Tatsächlich hat sich gerade 2010 diesbezüglich einiges zum Positiven gewendet. Die Gedenkveranstaltungen am BORG Hermagor trugen dem Gymnasium den Titel der Unesco-Schule ein, die neu erschienene Chronik beschäftigt sich ausführlicher mit den Opfern des NS-Regimes und das ebenfalls 2010 herausgegebene Buch „Literarische und historische Streifzüge“ portraitiert einige dieser Gailtaler Opfer des Nationalsozialismus. Eine verurteilende Haltung gegenüber dem NS hat sich zum ersten, kleinen Teil oberflächlich durchgesetzt, zum anderen, zweiten Teil funktioniert diese nach wie vor als bloßes Lippenbekenntnis (siehe Hakenkreuz-Experiment am BORG Hermagor), zum dritten, offenbar noch überwiegenden Teil stellt dies aber weiterhin kein diskussionswürdiges Thema dar (siehe Stammtischbrüdergespräche).

Schlussendlich ist es ein Faktum, dass die Mittäter als Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges nicht ewig leben werden, deren Ideologie allerdings schon – doch nur, sofern man es zulässt. Das Verschweigen bzw. Akzeptieren ist allerdings kein Weg, um dieses problematische Kapitel in der Geschichte wirkungsvoll zu behandeln. Vielmehr ist es ein Aussparen von Mitteln, das einerseits ein bewusstseinsmüdes Bild über geschichtliche Ereignisse repräsentiert und andererseits viele interessante Details über die Geschichte selbst vernichtet. Gegen das Vergessen!

Aus dem Gespräch mit einem Zeitzeugen erschließen sich desweiteren folgende Details:
- die Arbeitslosigkeit vor dem Anschluß betraf auch Hermagor sehr stark. Die nationalsozialistische Politik kompensierte diese bspw. durch den Ausbau des Straßennetzes und den Bau der „Neuen Heimat“, „Arbeit sei damals auch wichtiger gewesen als Politik“. Während davor „unvorstellbar viele Jugendliche keine Arbeit hatten und nur zuhause waren“, gab es beispielsweise durch den Bau der „Neuen Heimat“ in Hermagor wieder Arbeit für viele der bis dahin Beschäftigungslosen.
- Nach dem Krieg war die Stimmung in Hermagor „mehr oder weniger deprimiert“ und der Großteil hätte auch „weiterhin gerne unter dem Nationalsozialismus gelebt“.
- der Nachfolger des jüdischen Arztes (der laut Meldekartei eigentlich katholisch war) Dr. Albert Menninger von Lerchenthal, Dr. Rösler, kam als Militärarzt bei Partisanenkämpfen an der slowenischen Grenze ums Leben.
- die englischen Besatzungssoldaten waren in Hermagor u.a. im Lerchenhof und im Wurian-Haus in der Kurygasse untergebracht, es gab des öfteren Aufmärsche der Soldaten, unter denen auch Schotten und Iren waren, bei denen u.a. mit Dudelsäcken englische Volksmusik gespielt wurden. Deren Gegenwart wurde allerdings nicht bei allen Einwohnern der Stadt positiv aufgenommen. So schenkte ein englischer Besatzungssoldat Süßwaren und Zuckerln an die Kinder und Enkel von Fr. K., die Fr. K. ihren Kindern wegnahm und dem englischen Soldaten spuckend vor die Füße auf den Boden warf. Die englischen Besatzer führten Hausdurchsuchungen durch, entwaffneten die Hermagorer und erteilten ihnen Reise- und Ausgangsbeschränkungen. Im Oktober 1946 verließ der letzte englische Besatzungssoldat Hermagor.

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Quellen:

Interview mit V. R. (geb. 1922), Interview geführt 2009

Carinthia I 2008: Jüdische Spuren im Bezirk - Marina Jamritsch

A letter to the Stars – Die letzten Zeugen: Von der Gestapo aus der Schulklasse geholt – Sara Stroj, Julia Mistelbauer

Kärnten Down Under: Kärntens vergessene Opfer der NS-Zeit – redaktion@kdu.at

Chronik der Stadtgemeinde Hermagor – Presseggersee: Der 2. Weltkrieg, 1969 – Gotbert Moro

Stadtgemeinde Hermagor – Pressegger See – Geschichte – Kultur – Natur – Heidi Rogy (Hg.)

Literarische und historische Streifzüge durchs Gailtal – Engelbert Obernosterer (Hg.)

Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

Helge Stromberger, 2010-02-20, Nr. 4757

Ich hab mir den Artikel auf eine Festplattendatei heruntergladen, um einige Aspekte, die darin angesprochen sind, bei Gelegenheit zu prüfen, ob sie geeignet sind im Rahmen meines NS-Opferforschungsprojekts weiter bearbeiten zu werden. Ich bin dem Herrn Daniel Jamritsch also sehr dankbar, dass er sich die Mühe gemacht hat diesen Artikel zu schreiben.

Etwas irritierend empfand ich allerdings folgenden Satz: "Einen zynischen Unterton, der NS-verherrlichende Aussagen eventuell auf eine höhere Ebene der Rechtfertigung heben könnte, sucht man hier nur zu oft vergebens."
Die Fragen die sich mir dabei stellen sind u.a.:
- Hat hier ein ansonst sprachlich kompetent erscheinender Autor den Begriff des Zynismus mit dem der Ironie (oder dem des Sarkasmus) verwechselt?
- Oder meint er tatsächlich, was er sagt? Dass man mit Zynismus, der sich bei Bedarf selbstverständlich als antifa-gestylt inszenieren muß, den althergebrachten Nazi-Zynismus beseitigen kann?
Selbst wenn letzteres gelingen sollte, der Zynismus bleibt. Und das wird wohl kaum ein argumentierbares Ziel von Erinnerungsarbeit in Hermagor, in Kärnten oder wo auch immer sein. Die führenden und ihre Gewaltprogramme aus-führenden Nazis erweisen sich bei näherer Betrachtung regelmäßig als DIE Meister des Zynismus. Und an denen braucht man sich wirklich kein Beispiel nehmen; speziell dann nicht wenn man im Gailtal die NS-Zeit aufarbeiten will.

Stephan Jank, 2010-02-21, Nr. 4758

Lieber Helge,

ich finde, das Daniel Jamritsch in seinem Beitrag auf so beeindruckend klare und unzweideutige Art und Weise gegen den Nationalsozialismus, seine Exekutoren und seine Anhänger Stellung bezieht, dass man ihm den Fehlgriff bei der Wahl eines einzigen Wortes ein wenig entspannter nachsehen könnte, als Du es in Deiner Reaktion tust. Nichts desto trotz halte ich Deine Intervention in der Sache nicht nur für korrekt,sondern auch für überaus wichtig.

Helge, 2010-02-21, Nr. 4759

Hallo Stephan, irgendeine Art von 'solidarischer Kritik' zu üben, war hier das anvisierte Ziel. Nur scheint das auch so eine Kunst zu sein, die nicht in allen Lebenslagen gelingt.

staroselsko Gailtaler, 2010-05-04, Nr. 4792

Ungeachtet vom Inhalt dieses Textes von Daniel Jamric empfinde ich es als sehr wichtig die Quellen die hinter jeder Aussage stehen zu überprüfen.

Doch jetzt meine Meinung zum Text:

Meine Frage nun an den Autor selbst: Wann und von wem wurde die „Chronik der Stadtgemeinde Hermagor – Presseggersee: Der 2. Weltkrieg „ geschrieben?
Ich hege den Verdacht, dass der Verfasser dieser Chronik diese in der Nachkriegszeit geschrieben hat und deswegen nicht, auf Grund seiner Lebensgeschichte (seine nationalsozialistische Schulbildung, etc.) und der damals noch nicht stattfindenden objektiven Aufarbeitung der Geschehnisse, fähig war, eine objektive Chronik zu verfassen, und aufgrund dessen nicht anzuklagen ist, eine Leiche im Keller der Gemeinde Hermagor vergraben zu haben.

Der Absatz in dem die Stadtbibliothek Hermagor mit den Stammtischthemen in Verbindung gebracht wird ist absolut lächerlich.
Die von der Bevölkerung wenig frequentierte Bibliothek in Hermagor ist sicher nicht Quelle der Gesprächsthemen in gailtaler Wirtshäusern!
Um das Gegenteil zu beweisen, müsste der Autor schon eine Auflistung der Bibliotheksausweisbesitzer, mit Geburtsdatum vorlegen. (Geburtsdatum deshalb, weil die gemeinten Gasthäuser der Umgebung bekanntermaßen meistens von älteren Herrschaften aufgesucht werden.)
Weiters glaube ich kaum, dass die Dame, welche die Verwaltung der Bibliothek inne hat, den Autor einen Einblick in ihr Datensystem gestattet hat um eine solche Aussage zu fundieren.

Das sogenannte „Experiment“ des Kollegen des Autors ist mir ebenfalls bekannt.
Die Lehrerschaft, zu denen auch die Autorin einer der Quellen zählt, ist sicher nicht anzuschwärzen, da diese, das „Experiment“ des Kollegen, das nebenbei als Wiederbetätigung gewertet werden kann, (nur um zu wiederholen, was der Autor selbst schon andeutet) weder gut heißen konnte, noch ungeachtet ließ. Vielmehr nahm die Lehrerschaft, wegen den daran beteiligten Personen, die dieses „Experiment“ unangekündigt (!) und zu rein provokativen Zwecken durchgeführt hatten, dieses schlichtweg nicht ernst. [Um nichts offensichtliches vorzugreifen, bitte ich die Lehrerschaft selbst um Kommentare!]

Ein Hinweis für den Autor:
Wenn mündlich überlieferte Geschehnisse für einen Text verwendet werden, sollte man diese nicht nur von einer (!) [„Aus dem Gespräch mit einem Zeitzeugen...“] Person erfahren, sondern vielmehr mehrere Quellen einholen um eine sichere Aussage zu gewährleisten, auch wenn manche Erzählungen als Fakten genommen werden können. [„- der Nachfolger des jüdischen Arztes...“]

(Hierbei ist mir sehr wohl klar, dass es sicher einen Mangel von Zeitzeugen gibt, die solches gerne weitergeben und dass es sehr zeitaufwändig wäre solche Recherchen in der Freizeit zu betreiben.)

Was dem Autor hoch anzurechnen ist, ist die Tatsache, dass er ein Thema aufgreift, das viele nur passiv wahrnehmen und unbedingt diskutiert werden muss.

@ Stephan Jank: Soviel zur „beeindruckend klare[n] und unzweideutige[n] Art und Weise“.

Die Textteile von „Gespräch ist weiters der Fall Patterer,..“ bis „Gegen das Vergessen!“ heiße ich gut und teile die Ansichten des Autors.
Was im Text jedoch mitschwingt, ist die Verallgemeinerung, dass alle Zeitzeugen, noch lebend oder bereits verstorben, gegenüber dem Nationalsozialismus positiv eingestellt sind bzw. waren.
Was in einer solchen Diskussion zusätzlich noch interessant wäre, wären nicht nur die Vergehen von Kriegsverbrechern, sondern auch die Geschichten jener slawisch-stämmigen, die sich nicht zum Deutschtum bekannt haben und wegen solcher Gründe `Repressionen´ erleiden mussten.
Diese Personen gelten ebenfalls als Zeitzeugen, als Zeugen, die die Grausamkeit der Nazis aus ihrer Sicht beschreiben können.
Das Aufzeigen derartiger Geschichten würde der Annahme einer Verallgemeinerung der politischen Einstellung aller Leute aus dieser Zeit vorbeugen.

Karin Albrecht, 2017-11-27, Nr. 6548

Sehr geehrter Herr Jamric

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen.
Dr. Albert Menninger ist mein Grossvater. Er hatte mit Irma Gasser eine uneheliche Tochter, Isolde Gasser, geboren 1931.
Diese Isolde Gasser, verheiratet Isolde Albrecht hat 2 Kinder, Peter und Karin Albrecht.

Wir haben als Kinder die Geschichte um meinen Grossvater und seine Mutter immer wieder gehört, jedoch recht geschönt, wie ich jetzt lese.
Meine Urgrossmutter, Margit geb. Holzmann habe ich als kleines Mädchen noch ein oder zweimal gesehen, in deren Haus am Pressegersee. Sie hat also das KZ überlebt.

So habe ich auch noch einige Bücher von Albert Menninger des älteren und eines von Albert Menninger des jüngeren über das Gailtal und den Pressegersee.
Sollten Sie Interesse an den Informationen haben, können Sie mich jederzeit kontaktieren.
Karin Albrecht

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