kärnöl-Logo Independent Carinthian Art & Cult
Sat May 30 2020 17:43:46 CET
ÜBERBLICK
Aktuell
Glossen
+Alle Beiträge
Autoren
Veranstaltungen
Links
Kontakt
LESERFORUM
Leserbriefe
Reaktionen

Globale Bildung im Bündnis für Eine Welt

r Globale Bildung
im Bündnis für Eine Welt

Krise - Themenschwerpunkt 2009

r Unser aktueller Themenschwerpunkt

www.karawankengrenze.at

r Unser Projekt gemeinsam mit dem Verein Erinnern

Nationalsozialismus in Villach

r Hans Haider:
"Nationalsozialismus
in Villach"
(pdf downloaden)

Jüdinnen und Juden in Kärnten

r Hans Haider:
"Jüdinnen und Juden
in Kärnten"
(pdf downloaden)

Pizzakarton Sgt kärnöl´s Lonely Hearts Club Band

r Nähere Informationen zum schönsten Pizzakarton der Welt

WASSER? - Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

r WASSER?
Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

Bildung - Themenschwerpunkt 2007

r Unser Themenschwerpunkt 2007

(c) Arbeit

r Alle Informationen zum Themenschwerpunkt Arbeit

(c) Eigentum

r Unser Themenschwerpunkt Eigentum
r Überblick über alle Themenschwerpunkte

Hans Haider

Reaktionen auf den Beitrag

Print Version

2009-11-12

Sie wurden ermordet, weil sie geboren wurden

Rede anlässlich des Gedenkens an das Novemberpogrom 1938, auch Reichskristallnacht genannt

.

Paris 7. November 1938: Der 17jährige Jude Herschel Grynszpan verübt ein Schussattentat auf den deutschen Botschaftssekretär Ernst von Rath. Eine Verzweiflungstat. Seine Eltern wurden ein Monat zuvor mit 12000 Jüdinnen und Juden nach Polen deportiert. Zwei Tage später stirbt Ernst von Rath und noch am selben Abend hält Propaganda Minister Joseph Goebbels eine antisemitische Hetzrede in der er die Juden in ihrer Gesamtheit für den Tod des Botschaftssekretärs verantwortlich macht und die Bevölkerung zu Aktionen gegen Juden auffordert. Daraufhin kam es im gesamten Deutschen Reich, organisiert von den Nationalsozialisten, zu einer ungeheuren Welle der Gewalt gegen Jüdinnen und Juden. Synagogen wurden zerstört und niedergebrannt, Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert, Jüdinnen und Juden wurden gedemütigt, verspottet, geschlagen, verhaftet und in Konzentrationslager deportiert. Die Aktionen wurden von den Parteistellen angeordnet und von SA-Verbänden und HJ-Gruppen durchgeführt.

Auch in Villach stürmten SA-Verbände mit Unterstützung von HJ-Gruppen die Wohnungen und Geschäfte der Juden. Auch hier rannten die Opfer um ihr Leben. Auch hier wurden die Wohnungen und Geschäfte zerstört und verwüstet.

  • Das Mobiliar im Büro und in der Wohnung des Notars Weissberger in der Peraustraße wurde zertrümmert und beim Fenster hinaus geschmissen. Weissberger flüchtete mit seiner Frau und seiner Tochter nach Jugoslawien, wo sie den Krieg überlebten.
  • Dem jüdischen Rechtsanwalt Marcell Glesinger am Hans Gasser Platz wurde die Berufsberechtigung entzogen. Er emigrierte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Palästina.
  • Leopold Fischbach aus der Klagenfurterstraße gelang die Flucht in die USA. Seinem Vater Moritz und seiner Mutter Amalia wurde der Aufenthalt in den USA verwehrt. Beide wurden zurückgeschickt. Amalia Fischbach wurde im KZ Auschwitz ermordet. Moritz Fischbach verstarb vereinsamt, verzweifelt und verarmt 1941 in Frankreich.
  • Das Kaufhaus „Elba“ für Stoffe und Bekleidung in der Weissbriachgasse wurde arisiert. Der Besitzer Leopold Blau wurde verhaftet und in ein KZ deportiert. Leopold Blau wurde 1942 im Vernichtungslager Treblinka mit Dieselabgasen erstickt.
  • Das Geschäft von Eduard Glesinger „Konfektion und Wäsche“ am oberen Kirchenplatz wurde verwüstet und arisiert. Eduard Glesinger emigrierte nach Palästina. Seinem Sohn Eduard gelang die Flucht nach England.
  • Das Geschäft von Filip Lilian am unteren Hauptplatz wurde verwüstet und arisiert. Über das weitere Schicksal von Filip Lilian, seiner Frau Luzia und ihren drei Söhnen Ignaz, Josef und Leo, die in Villach die Richard Wagner Hauptschule besuchten, haben wir keine Informationen.
  • Die Papierfabrik von Josef Sternschuss in der Oberen Fellach wurde arisiert. Josef Sternschuss wurde verhaftet. Später kam er frei und emigrierte nach Palästina.
  • Maria Gornik, die mit ihrem Mann eine kleine Greißlerei am Kiesweg in den Auen betrieb, wurde von der Villacher Gestapo verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.
  • Das Textilwarengeschäft von Osias Fischbach in der Italienerstraße wurde verwüstet und arisiert. Der Familie Fischbach gelang die Flucht in die USA.
  • Die Wohnung von Leon Zwerling am Oberen Heidenweg wurde von einem SA-Trupp verwüstet. Um Villach judenfrei zu machen, zwang die Gestapo Leon Zwerling im Alter von 70 Jahren nach Wien zu übersiedeln. Leon Zwerling kam 1945 nach Villach zurück.
  • Die Geschirrhandlung von Leo Sobel in der Lederergasse wurde arisiert. Über das weitere Schicksal von Leo Sobel haben wir keine Informationen.
  • Die unbewohnten Häuser von Juden in Velden am Wörthersee, die Villa Arnstein, das Giebelhaus, das Haus Seehof, das Haus Helene, das Haus Weishut und das Landhaus Freisler wurden von der SA-Velden verwüstet.
  • Das Wochenendheim des Juden Rogar in Sattendorf mit 1000 m Grund wurde arisiert.
  • Das Mobiliar des Wochenendhauses in Stöcklweingarten des Kaufmanns Glesinger aus Villach wurde von jugendlichen Nazis zertrümmert.
  • Sämtliche Einrichtungen des Juden Dr. Erich Löwe, Berghof in Heiligengestade, wurden von den Nazis zertrümmert und zerschlagen. Der Besitz wurde arisiert.
  • Emilie von Litassy aus Velden am Wörthersee wurde wegen ihrer jüdischen Herkunft verhaftet und in das Ghetto von Theresienstadt deportiert, wo sie verstarb.
  • Charlotte Klarfeld aus Velden am Wörthersee, Besitzerin der Villa Clothilde in Velden, wurde im KZ Auschwitz ermordet. Der Besitz wurde arisiert.

Das Novemberpogrom 1938, auch Reichskristallnacht genannt, war der Auftakt zu Auschwitz, zu Treblinka, zu Belcec, zu Sobibor und Hartheim. Der Auftakt zum Massenmord an Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti und behinderten Menschen. Der Kern der NS-Ideologie fußte auf der Behauptung von der Ungleichheit der Menschen im Gegensatz zum christlichen Menschenbild, im Gegensatz zum Gleichheitsprinzip der Menschenrechtserklärung der amerikanischen und französischen Revolutionäre des 18. Jahrhunderts. Die Nationalsozialisten vertraten die Ideologie von der Volksgemeinschaft. Ausgeschlossen aus dieser Volksgemeinschaft waren Juden, Sinti und Roma und Menschen mit einer Behinderung. Sie galten als rassisch minderwertig. Im Interesse eines „gesunden deutschen Volkskörpers“ ergriffen die Nationalsozialisten Maßnahmen zu ihrer „Ausmerzung“. Das war die Sprache der Nationalsozialisten in ihren Programmen, Büchern, Zeitschriften, Zeitungen und auf den öffentlichen Plätzen im Deutschen Reich. Auch in Villach.

  • 1940 begannen die Nazis mit der Deportation und industriellen Ermordung der behinderten Menschen. 150 Menschen aus dem Bezirk Villach fielen der NS-Euthanasie zum Opfer.
  • 1941 begannen die Nazis mit der Deportation und Ermordung der Villacher Sinti. An die 100 Menschen aus dem Villacher Bezirk waren davon betroffen.
  • 1942 wurden im Rahmen der „Aktion Reinhard“, unter der Leitung des Kärntners Odilo Globočnik, mit Unterstützung seines Adjutanten, des Kaffeehausbesitzers Ernst Lerch aus Klagenfurt, die Vernichtungslager Belcec, Sobibor und Treblinka errichtet und in Betrieb genommen. Der Beginn der industriellen Ermordung der Jüdinnen und Juden.

Die Juden, die Sinti und Roma und die Opfer der NS-Euthanasie wurden ermordet auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer biologisch determinierten Gruppe. Hermann Langbein, Spanienkämpfer und Häftling im KZ Auschwitz, den ich oftmals als Zeitzeugen an die Villacher Schulen einlud, sagte den bemerkenswerten Satz: „Die Jüdinnen und Juden, die Sinti und Roma und die behinderten Menschen wurden ermordet, weil sie geboren wurden“.

Quellen:
Österreichisches Staatsarchiv, ÖStA/AdR/02/NS-Vermittlungsstelle/Ktn. 2, Mappe 24.
Hans Haider, Nationalsozialismus in Villach, Kitab Verlag, ISBN: 978-3-902005-99-1

Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

1998, 2013-04-06, Nr. 5913

Also ich habe bei einem grodfen Versandhaus einen Gutschein eingelf6st, deessn Betrag hf6her ist als der Bestellwert. Dementsprechend steht auf der Rechnung, die mir per Mail geschickt worden ist, dass ich -0,01 Euro bezahlen muss.Jetzt kam aber der Bote und verlangt von mir den Bestellwert zu entrichten.Kann ich das Paket einfach ablehnen oder was soll man in so einer Situation tun? (Bote kommt morgen mit dem Paket wieder)

Reaktionen auf andere Beiträge

.

ZUM NACHLESEN

Freitag, 22. November 2019
r Auch Krawattenträger sind Naturereignisse
Thekenlesung und Buchpräsentation von und mit Engelbert Obernosterer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 11. Oktober 2019
r SCHEISS TERMIN

mit Ali Götz (Lieder, die keiner mehr kennt), Magrimm (art), Peter Laminger (art), Boris Randzio (1m2 Balett), Hans D.Smoliner (Buchpräsentation), Rudi Streifenstein (Thekendekoration), VADA (Buchpräsentation)


tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Dienstag, 18. Juni 2019
r Die letzten hundert Jahre
Thekenlesung und Buchpräsentation von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Dienstag, 9. April 2019
r Elsie Slonim – Meine ersten 100 Jahre

Mit der Kamera auf Spurensuche zwischen Kaiser Franz Josef, dem Holocaust und der Sperrzone auf Zypern.
Ab 18:30 Volxküche


Begegnungszentrum Kreml, Ludwig Walter Straße 29, Villach

Freitag, 7. Dezember 2018
r Bad Weihnachten
Thekenlesung von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 23. November 2018
r SWANGAR
Ausstellungseröffnung, Lesung und Buchpräsentation von Doris Libiseller, Klaus Hollauf und Hans D. Smoliner
Cafe Sternweiss, St. Paul im Lavanttal

Freitag, 13. April 2018
r (Neo)Kolonialismus und Widerstand in Afrika am Beispiel Burkina Fasos, Buchpräsentation mit Günther Lanier
Katholische Hochschulgemeinde Klagenfurt, Nautilusweg 11, 9020 Klagenfurt

Dienstag, 13. März 2018
r Grundeinkommen für alle?! Das bedingungslose garantierte Grundeinkommen und die Zukunft der Erwerbsarbeit. mit Karl Reitter
Begegnungszentrum im Kreml, Ludwig Walther Straße 29, 9500 Villach

Donnerstag, 1. März 2018
r Tagung:#GLEICHBERECHTIGUNG; 01.März bie 03.März, Europahaus Klagenfurt
Europahaus Klagenfurt, 1. Stock, Reitschulgasse 4, 9010 Klagenfurt

Freitag, 20. Oktober 2017
r kärnöl Auslese 2003 - 2012 Teil III
Offene Diskussion über Beiträge von Walther Schütz et al. aus dem Jahre 2003 bis 2004
tio pepe

r Weitere Dokumentationen