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Peter Ulrich Lehner

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2009-08-02

Aktien kaufen, wenn man bereits Eigentümer ist?

Brief an den Vorstand der PostAG

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Anbei ein zwar bereits vor einiger Zeit abgesandter Brief, der aber dennoch aktueller denn je ist. Behandelt er doch einen Aspekt, der beim aktuellen Volksbegehren „Stopp dem Postraub" nicht behandelt wurde.

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absender: arbeitsgemeinschaft für demokratisierung der arbeitswelt
(peter ulrich lehner) postfach 220, a 1172 wien

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An den Vorstand der
Österreichischen Post
Postgasse 8
1010 Wien

Wien, am 2. Juni 2006

Sehr geehrte Herren!

Wir bestätigen den Erhalt Ihres an unseren Zustellungsbevollmächtigten gerichteten Briefes vom Mai 2006, mit dem Sie uns einladen, Post-Aktien zu zeichnen und dadurch unseren „persönlichen Anteil an der Österreichischen Post“ zu sichern.

Wir sind uns dessen bewusst, dass Ihnen bei der Leitung des Unternehmens seitens der Eigentümerin Republik Österreich, repräsentiert durch die seit dem Jahr 2002 amtierende Bundesregierung, bestimmte Auflagen erteilt wurden, die Ihren Handlungen einen engen Rahmen stecken. Dennoch teilen wir (als ein Verein, der aus österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern besteht, die in ihrer Gesamtheit die eigentlichen Eigentümer/innen der Post sind) Ihnen unsere Meinung mit, damit Sie auch mit den Standpunkten anderer Eigentümer/innen konfrontiert werden. Zumal wir seit dem Jahr 1972 auch Kunde des von Ihnen geleiteten Unternehmens sind.

Danke also für Ihre Einladung zum Aktienkauf. Sie gibt uns Gelegenheit, Ihrer Darstellung des „erfolgreichen Weges“ des von Ihnen geleiteten Unternehmens jene Eindrücke entgegen zu halten, wie sie sich nicht nur uns, sondern jeder Kundin und jedem Kunden Ihres Unternehmens seit Jahren bei jedem Schalterbesuch und anderen Post-Dienstleistungen bieten, so zum Beispiel

  • drastisch weniger Postfilialen,
  • dadurch bedingte länger gewordene Menschenschlangen vor den Schaltern der noch bestehenden Postfilialen,
  • keine Koordinierung des Schalterzugangs durch flexible Kordons (wie sie auf Flughäfen, Bahnhöfen und mittlerweile auch in einzelnen Bankfilialen üblich sind),
  • Verteuerungen der Post-Dienstleistungen bei gleichzeitigen
  • Verschlechterungen ihrer Leistungsqualität (so registrieren wir seit einigen Jahren, dass unsere Zeitschrift in einzelnen Wiener Bezirken häufig erst 10 bis 14 Tage nach dem Aufgabedatum zugestellt wird, oder: ein an einen Mitarbeiter unserer Zeitschrift am 15. Mai 2006 in 4020 Linz aufgegebener Brief langte erst am 22. Mai 2006 im Wiener Hausbrieffach ein; im Gegensatz dazu schreiben Sie von „einer der kürzesten Zustellzeiten Europas“).

Diese wenigen Fakten (wir könnten Ihnen noch weitere aufzählen) mögen in Ihnen zumindest ein Problembewusstsein dafür wecken, dass das, was Sie in Ihrem Schreiben als „besten Service“ oder „Qualitätsoffensive“ bezeichnen (die Sie durch die zurückliegenden Investitionen von 300 Millionen Euro bewirkt haben wollen), vom bedeutsamsten Teil Ihrer Geschäftspartner/innen, den Kundinnen und Kunden, beträchtlich anders erlebt wird.

Die Wirklichkeit der Unternehmenstätigkeit ist häufig nicht so, wie sie sich Unternehmensvorständen aufgrund von statistischen Auswertungen, unternehmensexternen honorarorientierten Beratungsagenturen, gestreamlinten Berichten dienstbeflissener Stäbe und anderen Abschottungsmechanismen darstellt. Vielleicht sollte jedes Vorstandsmitglied und jede/r ihm Zuarbeitende vierteljährlich einen Tag lang Schalterdienst in einer Postfiliale oder im Zustellungsdienst verrichten, um zu erfahren, wie die Unternehmenswirklichkeit tatsächlich beschaffen ist? Diese Postfilialen sollten vorsorglich vom Betriebsrat (oder der Personalvertretung) ausgewählt werden!

Vielleicht würden durch diese solcherart zu gewärtigenden Erlebnisse die Erinnerungen an das Aktiengesetz wach, wonach der Vorstand einer Aktiengesellschaft diese unter Bedachtnahme auch auf andere Interessen als nur auf die der Aktionäre zu leiten hat? Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass sich dies gewährleisten lässt, wenn der Vorstand ausschließlich von Vertretern der Kapitaleigentümer bestimmt wird. Aber im Hinblick auf die Konzentration auf den Anlassfall unterlassen wir weiterführende Reflexionen zu diesem Gesichtspunkt.

Um der üblichen Antwortstrategie von Unternehmensleitungen vorzubeugen, Fehlleistungen in die Verantwortung der frontenden Mitarbeiter/innen abzuschieben, weisen wir darauf hin, dass es allein die langen Warteschlangen vor den Postschaltern ermöglichen, diese Mitarbeiter/innen bei ihrer Tätigkeit zu beobachten. Sie sind in aller Regel freundlich bemüht und zuvorkommend (mit anderen Worten: kundenorientiert), vermögen aber naturgemäß (also aus physischen Gründen) nicht, die ihnen durch Ihre Einsparungspolitik auf sie zugekommene Mehrbelastung auf Dauer zu kompensieren.

Die Probleme liegen also nicht beim Personal, sondern sind durch die Unternehmensstrategie verursacht, voll auf das Profitmotiv zu setzen. Dadurch werden (zumindest nichtkommerzielle) Kund/inn/en sowie die Mitarbeiter/innen gleichermaßen in den Hintergrund geschoben, also zum Nebenzweck der Unternehmenstätigkeit degradiert.

Rund tausend Postfilialen ließ die Regierung bereits zusperren, um die Post für den Börsegang herauszuputzen. Dies wird durch Ihr erwähntes Schreiben bestätigt. Durch die Schließungen hat sich die Post 23 Millionen Euro jährlich erspart. Die Gewinne der letzten Jahre waren aber viel höher. Seit dem Jahr 2000 konnte die Post der Republik Dividenden in der Höhe von 570 Millionen Euro überweisen, das sind im Schnitt 95 Millionen Euro jährlich, also um 72 Millionen Euro pro Jahr mehr als die Einsparungen durch die jüngste Schließungswelle. Die Post war also schon ein sehr gewinnbringendes Unternehmen, es wäre nicht notwendig gewesen, die Filialen aufzulassen und dadurch dem Personal noch einmal Mehrbelastungen aufzubürden sowie den Kundenservice weiter zu verschlechtern.

Bei Aktienbesitzer/inne/n steht das Interesse an (möglichst kurzfristiger) Gewinnsteigerung im Vordergrund, ihnen ist daher die Befindlichkeit der von den Gewinnsteigerungsmaßnahmen negativ betroffenen Menschen gleichgültig. Sie werden den Druck auf Sie als Unternehmensvorstand verstärken, die Rendite der erworbenen Aktien zu erhöhen, zumal sie auch mit Renditeversprechen angelockt werden.

Da Sie (beziehungsweise Ihre damaligen Funktionsvorgänger) nach der ersten Schließungswelle im Jahr 2002 versprochen hatten, dass damit das Thema „Schließungen“ erledigt ist, aber dennoch drei Jahre später weitere 350 Postfilialen zugesperrt wurden, gehen wir davon aus, dass von den in Ihrem Schreiben hervorgehobenen „über 1.300 eigenbetriebenen Postfilialen“ weitere dicht gemacht werden, um die Gewinne noch weiter zu steigern.

Einsichtigere haben bereits angesichts der Umwandlung der Post in eine Aktiengesellschaft entsprechende Befürchtungen gehabt, die sich auch bestätigt haben. Diese Befürchtungen halten uns davon ab, Ihrer möglicherweise gut gemeinten Einladung zum Aktienkauf Folge zu leisten. Individualisierungen öffentlichen Eigentums durch Aktienstreuung laufen auf eine Verschlimmerung der gesellschaftlichen Schieflage zu Lasten der ohnedies schon Benachteiligten hinaus.

Diese problematische Entwicklung wollen wir nicht unterstützen, auch wenn wir sie nicht verhindern können. Wir wollen jedenfalls keine Unternehmensstrategien legitimieren, die auf eine Verringerung des Einflusses der formaldemokratisch legitimierten Öffentlichen Hand, auf Arbeitsplatzverluste, auf Verschlechterungen arbeits- und sozialrechtlicher Standards sowie auf Beeinträchtigungen des Kundenservices hinauslaufen.

Als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger der Republik Österreich sind wir an einer funktionierenden Post interessiert, deren Dienstleistungen allen Postkund/inn/en preisgünstig und serviceorientiert zugute kommen sollen. In diesem Sinn genügt uns „unser Anteil an der Post“ im Wege eines demokratisch legitimierten öffentlichen Eigentums, weil die „Besitzdemokratie“ des Aktienwesens das Prinzip „eine Person – eine Stimme“, und damit ein wesentliches Element der Demokratie überhaupt, vermissen lässt.

Mit dennoch freundlichen Grüßen!
Für die Arbeitsgemeinschaft:

Herbert Anderson, Vorsitzender

Peter Ulrich Lehner, Stellvertretender Vorsitzender und Zustellungsbevollmächtigter

sowie die weiteren Vorstandsmitglieder Walter Eckhart, Heimo Gruber, Paul Habr, Dipl.-Ing. Alfred Kohlbacher, Dr. Heinz Karl Leitner, Peter Weidner und Ditmar Wenty

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