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Walther Schütz

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2009-06-25

Über Rechtsextremismus und Radikalismus

Alles andere als ein belangloser Fehler ist bei näherer Betrachtung die falsche Verwendung des Begriffs Rechts-Radikalismus

.

Im Zusammenhang mit rechtsextremen Vorfällen der letzten Zeit (z.B. der Beschimpfung und Provokation von Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung durch Jugendliche jüngst in Ebensee) wird immer wieder der Begriff Rechts-Radikalismus verwendet (etwa bei Werner Wintersteiner in → Ebensee: Patentrezept Aufklärung?). Demgegenüber spricht DAS österreichische Handbuch zu Erscheinungen dieser Art von Rechtsextremismus.

Gleich vorne weg: Auf den ersten Blick scheint es belanglos, ob man die beschriebenen Vorfälle als rechtsradikal oder rechtsextrem bezeichnet. Aber man soll sich nicht täuschen: Auch wenn bzw. gerade weil diese beiden Begriffe weitgehend synonym verwendet werden, ist auf ihrer Unterschiedlichkeit zu beharren. Haben doch die Eigenschaftswörter radikal und extrem eine vollkommen verschiedene Herkunft, Geschichte und Bedeutung. Noch wichtiger: Die Konsequenzen, die aus der begrifflichen Gleichsetzung erwachsen, sind vollkommen andere als wenn man auf der historisch-sprachlich korrekten Differenz zwischen den beiden Begriffen beharrt. Logisch, dass die verschiedene Verwendung der Begriffe auch sehr viel über ihren Benutzer / ihre Benutzerin aussagt.

Eine ausführliche Analyse zu diesen begrifflichen Unterschieden hat bereits 1979 Willibald I. Holzer in seinem Beitrag „Rechtsextremismus – Konturen und Definitionskomponenten eines politischen Begriffs" vorgelegt.[1] Ich beziehe mich im Folgenden auf diese Grundlagenarbeit.

Etymologisch stammt der Begriff radikal vom lat. radix („Wurzel“, man kennt das ja von der Mathematik, wo das „Wurzel ziehen" aus einer Zahl ja auch radizieren genannt wird), bezieht sich also auf die grundlegende Analyse und Kritik des Bestehenden mit den sich daraus ergebenden gesellschaftspolitischen Konsequenzen hinsichtlich einer anderen Gesellschaft.

Mit der Gleichsetzung von radikal und extrem findet nun etwas Ungeheuerliches statt: Wer als radikaler Denker / als radikale Denkerin konsequent nach dem WARUM des Elends dieser Welt fragt, den Dingen auf den Grund zu gehen versucht, wer Stereotype, Feindbilder, Verkürzungen zu vermeiden versucht, sich selbst auch mit seiner gesamten Verstricktheit als Teil der kritisierten Gesellschaft sieht und daher vorsichtig mit dem moralischen Aburteilen des „Anderen" ist, findet sich auf einmal durch die begriffliche Gleichschaltung in Gemeinschaft mit extremistischem Denken: Also einem Denken, das verkürzt, das moralisch aburteilt statt nach den Ursachen zu fragen, das das Elend dieser Welt in das Andere / das Fremde hineinprojiziert, das auf rasche, gewalttätige Lösungen setzt, das unfähig ist, sich selbst als Teil der Gesellschaft und damit des Problems zu verstehen.

Radikales Denken ist links

Historisch war radikales Denken immer im Verhältnis zur jeweiligen gesellschaftlichen Mitte am linken Rand angesiedelt, d.h. es hatte sich den Zielen einer Demokratisierung der Gesellschaft, der Emanzipation verschrieben. Als „radikal" wurden in der zweiten Häfte des 18. Jahrunderts in England die (durchaus auch bürgerlichen) Bewegungen bezeichnet, die „auf Vertiefung und Verbreiterung demokratischer Staats- und Gesellschaftsgestaltung abstellten" - dies im Gegensatz zu einer aristokratischen Gesellschaft (Holzer, S.30). Bis heute fühlen sich die linksliberalen Kräfte in Frankreich, Dänemark, der Schweiz dem Radikalismus verbunden.

Mit der Entfaltung des Kapitalismus wird der ehemals um Emanzipation strebende bürgerliche Teil der Gesellschaft selbst zum Establishment, die Emanzipationsbestrebungen docken an die Arbeiter(innen?)-Bewegung an. Diese Linke ist sehr heterogen, teils geht es um Gleichberechtigung IM Kapitalismus, teils geht es um seine Überwindung, teils ist sie reformistisch, teils extrem bis hin zu terroristisch.[2] Teilweise ist sie aber auch radikal / „an-die-Wurzeln-gehend", wie es wohl in seiner ausgefeiltesten Form in den Analysen von Karl Marx zum Ausdruck kommt. Sein inhaltlich humanistischer Impetus hat heute mehr denn je Gültigkeit, wonach der kategorische Imperativ ist, „... alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist" (Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung). (→ Das erkenntnisleitende Interesse).

Totalitarismustheorie

Mit der Integration der Arbeiterbewegung in die bürgerliche Gesellschaft, dem damit einhergehenden Gedrängel in der „Mitte der Gesellschaft" wird der emanzipatorische Charakter des Begriffs Radikal verdrängt und fast ausschließlich nur mehr in diffamierender Weise verwendet. Alles, was nicht auf dem Boden des Kapitalismus steht, ist einfach „böse". Was ist, das ist, und das, was ist, ist, weil es ist, richtig und gut. Ein Nachdenken über andere Formen der Vergesellschaftung? Einfach absurd!

Wenn heute auch dem grünen Bereich nahestehende Personen mit Begriffen wie „Rechtsradikalismus" hantieren, so deutet dies auf den staatstragenden Charakter dieses Spektrums: Das ehemals Alternative ist voll in der gesellschaftlichen Mitte aufgegangen!

.

Anmerkungen

[1] in: „Rechtsextremismus in Österreich nach 1945" (ed. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes), Wien 1979 (seither in etlichen Neuauflagen und Aktualisierungen erschienen), S.11-97 ... zurück zum Text

[2] Zum Unterschied zwischen linksextrem und radikal: Bei radikalem Denken sind Weg und Ziel dialektisch verbunden.

„Vom Extremismus, der sich in der Wahl seiner Mittel ausschließlich an Opportunität und politischer Effizienz orientiert, wäre Radikales, das sich der Blochschen maxime verpflichtet weiß, qualitativ und scharf geschieden. Denn je radikaler die Politik, desto humaner müssten ihre Mittel sein. An radikaler Utopie orientiert, verbleibt Radikalismus als praktisches Handeln dem Modus dynamischen Ausgleichs, gewaltfreier Aktion und vernunftbezogener Aufklärung verpflichtet, während der Extremismus, auch wo er legalistische Anpassung versucht, stets nach gewalttätigen und demagogisch-manipulativen Durchsetzungsmöglichkeiten hin offen ist. Linker wie rechter Extremismus haben hierin einen weiteren und erheblichen Berührungspunkt."
(Holzer S.34)
... zurück zum Text

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Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

hteeht, 2009-06-30, Nr. 4520

feiner beitrag. anmerken möcht ich aber noch, dass es natürlich ned nur in ebensee rechtsextreme vorfälle gibt, sondern besonders auch in kärnten/Koroska. Das Ulrichsbergtreffen zum Beispiel. Auch dieses Jahr gibt es wieder antifa-aktionstage vom 18. bis 20 september in klagenfurt/Celovec. Einfach mal auf www.u-berg.at schaun :)

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