kärnöl-Logo Independent Carinthian Art & Cult
Thu Jul 07 2022 07:36:49 CET
ÜBERBLICK
Aktuell
Glossen
+Alle Beiträge
Autoren
Veranstaltungen
Links
Kontakt
LESERFORUM
Leserbriefe
Reaktionen

Globale Bildung im Bündnis für Eine Welt

r Globale Bildung
im Bündnis für Eine Welt

Krise - Themenschwerpunkt 2009

r Unser aktueller Themenschwerpunkt

www.karawankengrenze.at

r Unser Projekt gemeinsam mit dem Verein Erinnern

Nationalsozialismus in Villach

r Hans Haider:
"Nationalsozialismus
in Villach"
(pdf downloaden)

Jüdinnen und Juden in Kärnten

r Hans Haider:
"Jüdinnen und Juden
in Kärnten"
(pdf downloaden)

Pizzakarton Sgt kärnöl´s Lonely Hearts Club Band

r Nähere Informationen zum schönsten Pizzakarton der Welt

WASSER? - Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

r WASSER?
Jetzt gehts um die LEITUNGSKOMPETENZ!

Bildung - Themenschwerpunkt 2007

r Unser Themenschwerpunkt 2007

(c) Arbeit

r Alle Informationen zum Themenschwerpunkt Arbeit

(c) Eigentum

r Unser Themenschwerpunkt Eigentum
r Überblick über alle Themenschwerpunkte

Peter Gstettner

Reaktionen auf den Beitrag

Print Version

2009-06-07

Rede am 5. Juni 2009 anlässlich des Präsidententreffens beim ehem. Loibl-KZ-Nord

Die „Zukunft des gemeinsamen Gedenkens“ beginnt an einem symbolischen Tag und an einem symbolischen Ort.

Auf den Tag genau vor 66 Jahren traf der erste Transport mit Mauthausen-Häftlingen auf der Südseite des Loibl/Ljubelj ein. Es waren zunächst überwiegend französische Häftlinge, die im Juni 1943 in Mauthausen für das Arbeitskommando am Loiblpass ausgewählt wurden. Viele Transporte folgten nach: Russen, Polen, Tschechen, Jugoslawen, Griechen, Holländer, Belgier, Norweger, Spanier, Ungarische Juden. KZ-Häftlinge aus 16 Nationen mussten von 1943 bis 1945 hier beim Tunnelbau Schwerstarbeit leisten. Nicht alle Häftlinge, die auf der „Baustelle des Todes“ arbeiteten, sollten auch die Befreiung im Mai 1945 erleben.

Das Treffen der beiden Staatspräsidenten an diesem Ort, der so überhaupt nicht ins geschönte Selbstbild des offiziellen Kärntens passt, hat für uns hohe symbolische Bedeutung. Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte dieses Landes wird von höchster Stelle aus die Erinnerung an die KZ-Opfer vom Loiblpass gewürdigt und ihr Andenken durch eine Kranzniederlegung geehrt.

Die gemeinsame Geschichte beider Länder von 1941 bis 1945 war eine des deutschen und österreichischen NS-Terrors auf slowenisch-kärntnerischem Boden. Diese Geschichte zeugt von der damals üblichen Ausgeburt der Nazi-Eroberungspolitik. Die Blutspur der Täter hat sich tief in die kollektive Erinnerung der Menschen dieser Region eingegraben. Jeder Stein, der heute hier freigelegt wird, ist ein Blutzeuge und eine Anklage gegen die Mörderhand, die KZ-Häftlinge hier schrecklich misshandelte und ihnen den Tod durch Erschlagen, Erhängen oder Erschießen brachte.

Dass Sie, sehr verehrter Herr Doktor Danilo Türk, als Slowenischer Staatspräsident diesen Ort aufsuchen, kann Ihnen nicht hoch genug angerechnet werden. Ihre und unsere slowenischen Landsleute waren in dieser Zeit an diesem Ort Opfer, Opfer ihres Widerstandes gegen die Nazibesatzer. Viele von ihnen waren Widerstandskämpfer und bewiesen Menschlichkeit und Mut, als sie geflohenen KZ-Häftlingen Obhut, Verpflegung und Verarztung ihrer Wunden boten. Es waren auch Männer des slowenischen Widerstandes, die im Mai 1945 Loibl-Häftlinge auf dem Evakuierungsmarsch durch das Rosental aus den Händen der SS-Schergen befreiten. Die Dankbarkeit der Überlebenden des Loibl-KZ für ihre Fluchthelfer, Retter und antifaschistischen Mitkämpfer geht natürlich weit über das hinaus, was wir Ihnen heute an Dank für ihren Besuch sagen können.

Seit dem Jahr 1995, als das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška begann, die Erinnerungsarbeit an diesem Ort auch in die Öffentlichkeit zu tragen, gab es politische Begleiter, die uns unterstützt haben und denen wir dafür danken. Dazu dürfen wir den amtierenden Bundespräsident der Republik Österreich ebenso zählen wie die Präsidentinnen des Nationalrates und des Bundesrates.

Zu den treuesten wissenschaftlichen Begleitern gehört – neben dem unvergesslichen Zeitzeugen und Loibl-Chronisten Janko Tišler – mein Kollege Josef Zausnig, der 1995 die erste deutschsprachige Monografie zum Loibl-KZ veröffentlichte; das war damals seine Diplomarbeit, die er im Fachbereich Pädagogik geschrieben hatte.

Uns allen war von Anfang an klar, dass mit dieser Art der Erinnerungsarbeit keine Freunde und keine Meriten zu gewinnen sind. Im Gegenteil: Wer in diesem Land Karriere machen will, muss mit den Wölfen heulen und darf nicht gegen den Strom schwimmen. Mit der bitteren Ernte dieser politischen Unkultur sind wir heute konfrontiert in Form von zunehmender Fremdenfeindlichkeit, von antisemitischen Anpöbelungen, von rechtsextremen Übergriffen, zuletzt auch auf Gedenkstätten und auf KZ-Überlebende.

Die zukünftige Loibl-KZ-Gedenkstätte wird die geschichtliche Wahrheit gegen die unverbesserlichen Verharmloser und gegen die notorischen Verdränger verteidigen müssen. Mit dieser Intention wissen wir uns in Übereinstimmung mit der zuständigen Abteilung des Innenministeriums. Die bisherige Kooperation, auch die mit dem Bundesdenkmalamt in Wien und mit dem Landeskonservator in Kärnten, erfüllt uns mit der Zuversicht, dass die hier in Kärnten geplante KZ-Gedenkstätte auch tatsächlich Wirklichkeit werden wird.

Auf der slowenischen Seite des Loibltunnels gibt es eine bald 60-jährige Tradition des KZ-Gedenkens. Dort befinden sich seit dem Jahre 1950 ein eindrucksvolles Denkmal und eine in Grundrissen rekonstruierte KZ-Gedenkstätte: 60 Jahre Vorsprung Sloweniens in der Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur. Bevor Österreich und Kärnten diesen Vorsprung nicht eingeholt hat, haben wir keine moralische Legitimation mit dem Finger auf unser Nachbarland Slowenien zu zeigen, es möge doch seine Geschichte aufarbeiten. Solange wir nicht die eigene Geschichte hier am Loiblpass aufgearbeitet und sichtbar gemacht haben und solange wir nicht der KZ-Opfer „auf unserer Seite“ in würdiger Weise gedenken, dürfen wir uns eigentlich nicht zum zivilisierten Teil EU-Europas zählen.

Ein wahrhaft großes Erinnerungsprojekt, das die Republik Österreich hier auf der Nordseite des Loiblpasses zu realisieren beginnt. Es darf deshalb nicht sein, dass jetzt alle Anstrengungen des Staates der Bewältigung der Finanzkrise gelten, und dass bei jenen Ministerien eingespart wird, die mit der Förderung von Gedenkstätten und von Politischer Bildung zu tun haben. Vielleicht kann Sie, geschätzte Besucher, dieser Ort in seinem heutigen Zustand davon überzeugen, dass die moralische und demokratiepolitische Krise in unserem Land größer und tiefer ist als die Finanzkrise.

Das Schwierigste jedoch wird sein, einen Beitrag zur nachholenden Trauerarbeit zu leisten, also jene mentalen und psychologischen Prozess zu befördern, die dieses Land bis heute den KZ-Opfern vorenthalten hat.

Stefan Jerzy Zweig, der im Vorjahr an dieser Stelle gesprochen hat – er war das jüngste Kind von Buchenwald und wurde 4-jährig aus dem KZ befreit –, hat an diesem Ort, den er noch nie zuvor in seinem Leben betreten hat, etwas ausgedrückt, das zu erfüllen die Tiefe und Ehrlichkeit unseres Projekt tangieren wird müssen. Er hat gesagt: „Viel Leid, Blut und Tränen sind hier geflossen, aber noch immer fand man an dieser Stelle zu wenig Worte des Trostes“. Die Zukunft wird zeigen, ob wir diesem hohen Anspruch genügen werden können.

Reaktionen Auf den Beitrag reagieren

Keine Reaktionen vorhanden

Reaktionen auf andere Beiträge

.

ZUM NACHLESEN

Donnerstag, 23. Juni 2022
r Weana Gschicht und Weana Geschichtln - Fom End fon da Manachie bis häht
Die Geschichte Wiens auf Wienerisch. Lesung und Buchpräsentation von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 25. März 2022
r Unter den Birken vielleicht
Lesung und Buchpräsentation
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 16. Juli 2021
r Hundert Jahre Seewinkel
Lesung und Buchpräsentation
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 10. Juli 2020
r Weana Gschicht und Weana Geschichtln
Lesung und Buchpräsentation von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 22. November 2019
r Auch Krawattenträger sind Naturereignisse
Thekenlesung und Buchpräsentation von und mit Engelbert Obernosterer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 11. Oktober 2019
r SCHEISS TERMIN
mit Ali Götz (Lieder, die keiner mehr kennt), Magrimm (art), Peter Laminger (art), Boris Randzio (1m2 Balett), Hans D.Smoliner (Buchpräsentation), Rudi Streifenstein (Thekendekoration), VADA (Buchpräsentation)
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Dienstag, 18. Juni 2019
r Die letzten hundert Jahre
Thekenlesung und Buchpräsentation von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Dienstag, 9. April 2019
r Elsie Slonim – Meine ersten 100 Jahre
Mit der Kamera auf Spurensuche zwischen Kaiser Franz Josef, dem Holocaust und der Sperrzone auf Zypern.
Ab 18:30 Volxküche
Begegnungszentrum Kreml, Ludwig Walter Straße 29, Villach

Freitag, 7. Dezember 2018
r Bad Weihnachten
Thekenlesung von und mit Ludwig Roman Fleischer
tio pepe, Kaiser-Josef-Platz 3, 9500 Villach

Freitag, 23. November 2018
r SWANGAR
Ausstellungseröffnung, Lesung und Buchpräsentation von Doris Libiseller, Klaus Hollauf und Hans D. Smoliner
Cafe Sternweiss, St. Paul im Lavanttal

r Weitere Dokumentationen