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Martin Mittersteiner

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2008-11-10

zwei Generationen, ein Denkanstoß…

Die so genannten 68er haben die Gesellschaft radikal verändert. Ohne das Aufbrechen verkrusteter Denkmuster durch eine mutige Generation, die das duckmäuserische Akzeptieren von unerträglichen Zuständen nicht länger mitmachen wollte, sähe unsere Welt heute zweifelsfrei anders aus. Unerträglicher.

Was sind nun 40 Jahre später die Früchte dieses Aufbegehrens? Ist der Mensch heute freier? Ist die Welt eine bessere?

Die 70er brachten in Österreich mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Aber wenn wir die letzten beiden Jahrzehnte betrachten, werden deutlich Rückentwicklungen bemerkbar. Dass die Reichsten reicher werden, während immer mehr Menschen unter der Armutsgrenze leben, ist allgemein bekannt. Will man aber genauer wissen, wie es um eine Gesellschaft steht, muss man die Situation ihrer Jugend analysieren.

Die 68er wurden mehrheitlich von Herrn und Frau Karl erzogen, von autoritären Nazis, opportunistischen Mitläufern und hündischen Wegschauern, von stolzen Hitlerjungen und Helden der Wehrmacht, von Trägerinnen des Mutterkreuzes, und von jenen, die ihre wahre Herkunft leugneten, um als braver Deutscher zu gelten. Nicht jeder junge Mensch war stark genug, einer solchen Elterngeneration etwas entgegenzusetzen. Denen, die den Konflikt nicht scheuten, verdanken wir, dass unsere Gesellschaft lebenswerter wurde.

Was die Jungen heute nicht alles haben, wovon die 68er nur träumen konnten! Wir können über Sex und Verhütung sprechen, sogar mit den Eltern! Die „gsunde Watschn“ wird viel seltener eingesetzt. Es gibt Jugendjahre mit kostenlosen Workshops, die versuchen, junge Talente zu fördern. Jugendparlamente und gesenktes Wahlalter laden früh zur politischen Partizipation ein. Die NS-Verbrechen sind fixer Bestandteil der Lehrpläne. Zumindest der Massenmord an den Jüdinnen und Juden, der ja Kärnten weniger stark getroffen hat. Über die Verbrechen an der slowenischsprachigen Bevölkerung vor, unter und nach Hitler wird in vielen Klassen weiterhin geschwiegen.

Aber das nur am Rande. Obwohl genau dieser Punkt sehr gut illustriert, dass zwar scheinbar vieles besser ist, aber nur, wenn man nicht zu genau hinsieht. Denn diese heutige Jugend, die scheinbar so viel Freiheit, so viel Möglichkeiten hat wie keine Generation zuvor, ist unsicher, labil und verklemmt. Wählten die Jungen vor 10 Jahren noch verstärkt Parteien, die Zukunftsthemen ansprachen und für Weltverbesserungsideale standen, so flüchtet die Mehrheit heute zu Populisten, die ihre Stimmen mit Angst vor dem Fremden, vor der Zukunft, vor dem Versagen gewinnen.

Warum sind die Jungen so ängstlich? Hat die 68er-Generation, nach der alles besser werden sollte, schlussendlich versagt?

Ja, wenn man liest, dass Kinder in Wien das Gefühl haben, Hunde wären in unserer Gesellschaft mehr wert als sie. Die Viecherlnation Österreich lässt den Nachwuchs spüren, dass er für die Pensionssicherung zwar nützlich, aber ansonsten nur lästig laut und unerwünscht ist. Eine derartig feindselige Grundprägung kann durch großzügige Angebote an die Jugend durch die Politik, wie im heurigen Jugendjahr, nicht so einfach wieder gut gemacht werden. Hinzu kommt, dass sich die meisten nach der Ausbildung weder einen sicheren Job, noch eine staatliche Pension erwarten, im besten Fall Sozialhilfe.

Das liegt nicht nur an der kränklichen Weltwirtschaft. Schuld daran ist auch die Politik, eine Politik für alte Säcke von alten Säcken, eine Ausbeutungspolitik, die die Jungen jahrelang in unbezahlten Praktika auspresst, für offensichtlich zum Scheitern verurteilte Pensionssysteme zur Kasse bittet. Wurden nach 68 die Zeiten rosiger, so sind mit der jungen Generation heute die fetten Kreiskyjahre endgültig vorbei: Schulbuchselbstbehalt, stetig sinkende Zuschüsse zu Bus-und Bahntickets, Lehrstellenbeschiss, Jugendarbeitslosigkeit, Studiengebühren, Demokratieabbau an den Unis, mit uns kann man’s ja machen, wir werden ohnehin immer weniger, die Geburtenrate sinkt, warum wohl?

Weil Kinder schwer leistbar sind wenn man jahrelang nur Praktika gemacht hat. Oder der Wiedereinstieg in den Beruf höchst unsicher ist, bei befristeten Arbeitsverträgen! Oder weil wir Jungen einfach keine Kinder in dieses Umfeld setzen wollen, in diese Welt der alten Säcke, schließlich selbst erfahren haben, wie attraktiv Jungsein heute ist.

Diese Generation, sie ist die „gearschte“ Generation, auch im Liebesleben, waren wir doch so lange wir denken können mit dem Damoklesschwert HIV konfrontiert. Soziologen nennen uns Aidsgeneration, beschreiben uns in Artikeln als Generation, die unbewusst die Risiken der freien Liebe scheut, seit der Küsserkrankheit sogar auf harmlose Vergnügen misstrauisch verzichten muss, und sich verunsichert ins andere Extrem stürzt. Eine Generation von Emos, die den Schmerz des gebrochenen Herzens weinerlich in ihre Arme ritzen, von schüchternen Romantikern, die von der großen Liebe träumen, sich nach einer lebenslangen Beziehung und absoluter Treue sehnen, aber den ersten Schritt, den kleinen Flirt, nicht wagen. Gäbe es keine Festivals, wo man sich mit Alk und Gras wegsprengt um plötzlich über wildfremde Menschen herzufallen, die angestaute Geilheit im kollektiven Rausch zu den Bässen der alternative music auszuleben – das Ideal vom ersten Sex nach der Eheschließung wäre längst wieder common sense.

Diese junge Generation von heute, die sich so nach Schutz und Sicherheit sehnt, wie wird sie ihre Kinder erziehen? Mehr Disziplin, mehr Gehorsam? Mehr moralische Werte, die man jetzt noch als erzkonservativ bezeichnen würde? Wertvorstellungen, die die 68er damals zutiefst schockiert hätten? Die sie jetzt aber bei uns, ihren Kindern, keineswegs irritieren, vielleicht weil sie damals nur ein bisserl mitgeschwommen sind und inzwischen längst ihre Ideen von damals unter der Decke der Angepasstheit erstickt haben? Wurde 1968 ein Hoffnungsstreichholz im Dunkel der Verbohrtheit entzündet, das jetzt langsam aber sicher erlischt? Dann sind die nächsten Jugendkrawalle vorprogrammiert.

Aber keine Angst, liebe 68er, ihr werdet das Wohlstandspölsterchen, auf dem ihr fett und träge geworden seid, noch genüsslich bei voller Pension auskosten können. Die nächste Rebellion gegen eine verkrustete Gesellschaft, gegen die übermächtigen Alten, die die Jungen immer mehr ausbeuten, weil sie die Mehrheit des Wahlvolkes stellen werden, die Rebellion, bei dem es zum Massenmord an den Greisen, zu brennenden Seniorenresidenzen kommen wird, die wird jene Generation erwischen, die diese Entwicklung heute stumm hinnimmt, die sich in prekären Arbeitverhältnissen bis zum Burnout abrackert. Die gearschte Generation. Die, die wir heute jung sind. Die jahrzehntelang Abstriche hinnehmen werden, um schlussendlich im Mai 2068, ein Jahr vor ihrer Pensionierung, von aufgebrachten Jugendlichen niedergeschlagen zu werden.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden Ausstellungsbesuch. Vielleicht geben Ihnen die gezeigten Werke junger Künstlerinnen und Künstler Grund, einen optimistischeren Blick auf unsere gemeinsame Zukunft zu richten. Auch ich will dieses Schreckensbild nicht akzeptieren und freue mich über jeden Beweis, dass alles doch ganz anders ist. Und doch werde ich täglich an meine düstere Vision erinnert.

Angenehmen Abend.

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