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Helge Stromberger

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2008-09-18

Ossetien-Russland-Georgien

© by Noam Chomsky, September 2008
Übersetzung: Helge Stromberger
r Originalartikel in englischer Sprache auf r www.chomsky.info

Entgeistert über die Gräuel, die das auf den Philippinen vordringende U.S.-Militär verübt und die rhetorischen Höhenflüge über Befreiung und edle Absichten, die die Verbrechen des Staates routiniert begleiten, warf Mark Twain die Hände empor wegen der Unfähigkeit durch die scharfe Waffe seiner Satire einen Einfluss auszuüben. Das unmittelbare Objekt seiner Frustration war der berühmte General Funston. "Keine Satire von Funston könnte Perfektion erreichen", klagte Twain, "da Funston ihren Gipfelpunkt besetzt hat …. (er ist) die Inkanation der Satire".

Ein Gedanke, der einem oft in den Sinn kommt. Einmal mehr im August 2008 während des russisch-ossetisch-georgischen Krieges. George Bush, Condoleeza Rice und andere Würdenträger beschwören feierlich die Heiligkeit der Vereinten Nationen und verwarnen Russland es könnte aus internationalen Institutionen ausgeschlossen werden, wenn es "in Georgien Schritte setzt, die unvereinbar sind mit" ihren Prinzipien. Die Souveränität und territoriale Integrität aller Nationen muss rigoros geachtet werden, betonen sie - "alle Nationen" bedeutet hier alle außer denen, welche die U.S. für Angriffe ausgewählt haben: Irak, Serbien, vielleicht Iran, und eine Liste weiterer, die zu lang und zu bekannt ist, um sie hier zu erwähnen.

Der Junior-Partner schließt sich gleich an. Der britische Außenminister David Miliband klagt Russland an, eine "19.-Jahrhundert-Form der Diplomatie" zu betreiben, indem es in souveräne Staaten eindringt, etwas, das Groß Britannien heute niemals erwägen würde. "Das ist einfach nicht der Weg wie internationale Beziehungen im 21. Jahrhundert funktionieren können" fügt er hinzu und wiederholt damit den Oberkommandierenden im Weißen Haus, der sagte, dass die Invasion eines "souveränes Nachbarstaates … inakzeptabel ist im 21. Jahrhundert". Mexico und Kanada brauchen daher keine Furcht vor weiteren Invasionen und Annexionen großer Teile ihres Staatsgebietes zu haben, da die U.S.A. mittlerweile ausschließlich in Staaten einmarschieren, die nicht an ihren Grenzen liegen, obwohl solche Zwangsmaßnahmen für ihre Klienten nicht bereit gehalten werden, wie der Libanon einmal mehr im Jahr 2006 erfahren musste.

"Die Moral der Geschichte zeigt sich noch klarer", schrieb Serge Halimi in Le Monde Diplomatique, "wenn der charmante pro-amerikanische Saakashvili, um die Grenzen seines Landes zu verteidigen, einen Teil seiner 2000 Soldaten zurück holt, die er ausgesandt hat, um in den Irak einzumarschieren", mit einem der größten Kontingente, sieht man von den beiden Kriegs-Staaten ab.

Prominente Analysten schließen sich dem Chor an. Fareed Zakaria applaudierte Bush's Bemerkung, dass Russlands Verhalten heutzutage inakzeptabel ist, im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, in dem "die russische Intervention eine Standard-Prozedur für eine große Macht gewesen wäre." Wir müssen daher eine Strategie entwickeln um Russland wieder "auf eine Linie mit der zivilisierten Welt" empor zu heben in der Interventionen undenkbar sind.

Da gab es sicher einiges, das mit Mark Twains Verzweiflung korrespondiert. Ein hervorragendes Beispiel ist Chris Patten, früherer EU-Kommissar für Außenbeziehungen, Vorsitzender der britischen Konservativen Partei, Kanzler der Oxford Universität und Mitglied des "House of Lord". Er schrieb, dass die Reaktion des Westens "selbst ein ungläubiges zynisches Kopfschütteln bewirkt" - und verweist auf Europas Versäumnis auf die Frechheit der russischen Führung energisch zu antworten, die "wie ein Zar im 19. Jahrhundert eine Einflusssphäre rund um ihre Grenzen haben will".

Patten unterscheidet Russland zu Recht von der globalen Supermacht, die vor langer Zeit den Punkt überschritten hat, wo es eine Einflusssphäre rund um seine Grenzen forderte, und eine Einflusssphäre über die ganze Welt forderte. Dabei handelte es sich auch um das energische Erzwingen der Forderung, in Übereinstimmung mit der Clinton Doktrin, wonach Washington das Recht hat militärische Machtmittel zu gebrauchen, um vitale Interessen zu verteidigen wie "Sicherung des ungehinderten Zugangs zu Schlüssel-Märkten, Energieversorgung und strategisch bedeutenden Ressourcen" - und in der realen Welt, noch weit mehr.

Clinton hat natürlich kein Neuland erschlossen. Seine Doktrin leitet sich aus Standard-Prinzipien her, die von hochrangigen Planern im Zweiten Weltkrieg formuliert wurden und eine Aussicht auf globale Dominanz offerierten. In der Nachkriegs-Welt legten sie fest, dass die U.S. darauf abzielen "eine unzweifelhafte Macht" in Händen zu halten, die zugleich die "Begrenzung jeder Ausübung von Souveränität" durch andere Staaten garantiert, die mit ihren globalen Entwürfen stören könnten. Um das Ziel zu erreichen war "das erstrangige Erfordernis die rasche Erfüllung eines Programms zur kompletten Wiederaufrüstung", ein Kern-Element einer "integrierten Politik um das Ziel der militärischen und ökonomischen Vormachtstellung der Vereinten Staaten zu erreichen". Diese Pläne wurden während des Kriegs vorgelegt und in verschiedener Weise in den Jahren danach implementiert

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Die Ziele sind tief verwurzelt in stabilen institutionellen Strukturen. Daher erhalten sie sich während eines Wechsels (im Original:"change") beim Einzug ins Weiße Haus, und sind ungestört durch die Möglichkeit von 'Friedens-Dividenden', durch das Verschwinden des großen Rivalen von der Welt-Szene, oder anderer irrelevanter Marginalien. Das Erfinden neuer Herausforderungen ist nie außerhalb der Reichweite doktrinärer Manager, etwa als sich Ronald Reagan die Cowboy-Stiefel anschnallte und den Nationalen Notstand ausrief, weil die Nikaraguanische Armee nur zwei Tage vor Harlingen (Texas) war, und ihre Horden womöglich angeleitet werden "die Vereinigten Staaten zu überschwemmen und das zu nehmen, was wir haben", wie sich Lyndon B. Johnson beklagte als er dazu aufrief in Vietnam die Stellung zu halten. Das Unheilvollste ist dabei, dass diejenigen die die Zügel in Händen halten ihren eigenen Worten tatsächlich glauben könnten.

Zurück zu den Bemühungen, Russland in die zivilisierte Welt empor zu heben. Die sieben Mitglieder der Gruppe der acht Industriestaaten gaben eine Erklärung ab, die "das Vorgehen unseres G8-Mitgliedstaates verurteilt", Russland, das die Anglo-Amerikanische Verpflichtung zur Nicht-Intervention noch begreifen muss. Die Europäische Union hält ein rares Krisen-Treffen ab, um Russlands Verbrechen zu verurteilen, ihr erstes Treffen seit der Invasion des Iraks, das keine Verurteilung gebracht hat.

Russland verlangte eine Krisen-Sitzung des UNO-Sicherheitsrates, doch darpber konnte kein Konsens erreicht werden, da - übereinstimmend mit UNO Diplomaten - die U.S.A., Britannien und einige andere eine Formulierung ablehnten, die beide Seiten dazu aufrief "auf den Gebrauch von Gewalt zu verzichten".

Diese typischen Reaktionen erinnern an George Orwell's Bemerkungen über die "Gleichgültigkeit gegenüber der Realität" bei "Nationalisten", die "nicht nur die Gräuel, verübt durch die eigene Seite, nicht ablehnen, sondern .... eine bemerkenswerte Fähigkeit haben nicht einmal davon zu hören"

Die zugrunde liegenden Fakten sind nicht ernsthaft in Frage gestellt. Südossetien sowie die viel wichtigere Region Abchasien wurden von Stalin seinem Heimatland Georgien zugeteilt. Westliche Führer ermahnen streng, dass Stalin's Direktiven trotz starker Opposition bei Osseten und Abchasiern zu respektieren sind. Die Provinzen erfreuten sich relativer Autonomie bis zum Niedergang der UDSSR. Im Jahr 1990 schaffte Georgiens ultranationalistischer Präsident Zviad Gamsakhurdia die autonomen Regionen ab und marschierte in Südossetien ein. Der folgende bittere Krieg hinterließ 1000 Tote und zehntausende Flüchtlinge, mit einer Hauptstadt Tskhinvali "demoliert und entvölkert" (New York Times).

Kleine russische Truppenkontingente beaufsichtigten einen unruhigen Waffenstillstand, der am 7. August 2008 gezielt gebrochen wurde, als Georgiens Präsident Saakashvili seiner Militärmacht befahl einzumarschieren. Übereinstimmend mit einer "großen Zahl von Zeugen", wie die Times berichtet, begann georgisches Militär gleichzeitig "zivile Sektoren der Stadt Tskhinvali und eine russische friedenserhaltende Basis zu zerstören mittels schwerem Sperrfeuer durch Raketen und Artillerie". Die vorhersehbare russische Antwort trieb die Georgischen Truppen aus Südossetien hinaus, und Russland ging dazu über Teile Georgiens zu erobern, worauf ein teilweiser Rückzug in die Nähe Südossetiens erfolgte. Es gab viele Opfer und Abscheulichkeiten. Wie üblich litten die Unschuldigen schwer.

Russland berichtete als erstes, dass zehn russische friedenserhaltende Soldaten durch Georgisches Artilleriefeuer getötet wurden. Der Westen nahm davon kaum Notiz. Das ist normal. Es gab zum Beispiel keine Reaktion als Aviation Weeki berichtete, dass 200 Russen 1982 bei einem israelischen Angriff im Libanon während einer US-gestützten Invasion getötet wurden, die insgesamt 15 bis 20 Tausend Tote hinterließ, mit keinem glaubwürdigen Vorwand der über die Verstärkung der israelischen Kontrolle über die besetzte Westbank hinausreicht.

Unter Osseten, die nach Norden flohen ist die "vorherrschende Sicht", in Übereinstimmung mit den London Financial Times, "dass Georgiens pro-westlicher Führer, Mikheil Saakashvili, die weg gebrochene Enklave auszulöschen versuchte". Ossetische Milizen trieben, unter russischen Augen, daraufhin ebenfalls Georgier brutal in Areale außerhalb Ossetiens. "Georgien sagt seine Angriffe waren notwendig, um den russischen Angriff zu stoppen, der bereits im Gang waren", berichtet die New York Times, aber Wochen später "gab es kein unabhängiges Beweismaterial, außer Georgiens Insistieren, dass seine Version wahr ist, dass russische Truppen angriffen bevor die Georgier das Sperrfeuer eröffneten".

In Russland, berichtet das Wall Street Journal, "haben Gesetzgeber, Funktionäre und lokale Analysten die Theorie aufgegriffen, dass die Bush-Administration seinen Alliierten Georgien ermutigte den Krieg zu beginnen, um eine international Krise herauf zu beschwören, was die nationale Sicherheits-Erfahrung von Senator John McCain, republikanischer Präsidentschaftskandidat, in den Vordergrund rücken würde." Im Kontrast dazu verkündet der französische Autor Bernard-Henri Levy, wenn er in New Republic schreibt, dass "niemand die Tatsache ignorieren kann, dass sich Präsident Saakashvili erst zum Handeln entschied als er nicht länger die Wahl hatte, und der Krieg bereits gekommen ist. Trotz der Akkumulation von Tatsachen, die allen gewissenhaften, gut meinenden Beobachtern blind einleuchten sollten, hetzen viele in den Medien wie ein Mann in Richtung der These von den Georgiern als Anstifter, als verantwortungslose Provokateure des Kriegs."

Das russische Propaganda System machte den Fehler Zeugenaussagen zu präsentieren, die einfach zu widerlegen waren. Sein westliches Gegenstück, um einiges klüger, hielt sich an autoritative Erklärungen wie Levy's Denunziation der großen westlichen Medien, sie ignorieren was "allen gewissenhaften, gut meinenden Beobachter blind einleuchtet", für die die Loyalität zum Staat genügt, um Die Wahrheit zu beweisen - die, vielleicht, sogar wahr ist, ernsthafte Analysten mögen zu dem Schluss kommen.

Die Russen verloren den "Propaganda Krieg", berichtete BBC, als es Washington und seinen Alliierten gelungen ist "die russischen Militäraktionen als Aggression zu präsentieren und den georgischen Angriff auf Süd Ossetien vom 7. August herunter zu spielen, der die russische Operation ausgelöst hat", obwohl "das Beweismaterial aus Süd Ossetien über den Angriff zeigte, dass er umfangreich und verheerend war". Russland hat "noch nicht gelernt wie das Medien Match zu spielen ist", bemerkte die BBC. Das ist natürlich. Propaganda wird typischerweise intellektuell raffinierter, wenn die Länder freier werden und der Staat die Fähigkeit einbüßt die Bevölkerung durch Zwang zu kontrollieren.

Das russische Versäumnis glaubwürdige Beweise bereit zu stellen wurde zum Teil durch die Financial Times ausgeglichen, die entdeckte, dass das Pentagon für Gefechtstraining georgischer Spezial- und Kommandoeinheiten kurz vor der georgischen Attacke am 7. August Vorsorge getroffen hat. Die Enthüllungen könnten zusätzliches "Öl ins Feuer der Anklagen Wladimir Putins, russischer Premier Minister, vom letzten Monat gießen, dass die USA den Krieg in der georgischen Enklave 'orchestriert'" habe. Zum Teil wurde das Training von früheren US Spezial Einheiten durchgeführt, rekrutiert von privaten Militär-Unternehmern, einschließlich MPRI, die, wie die Zeitung schreibt, "vom Pentagon 1995 angeheuert wurden, um das kroatische Militär vor seiner Invasion in die ethnisch-serbische Krajina Region zur trainieren, was zur Vertreibung von 200.000 Menschen führte und eines der schlimmsten Ereignisse während der ethnischen Säuberungen im Balkan Krieg war". Die US-gestützte Krajina Vertreibung (insgesamt geschätzte 250.000, mit vielen Toten) war wahrscheinlich der schlimmste Fall von ethnischer Säuberung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Ihr Schicksal in der akzeptierten Geschichtsschreibung ähnelt den Photographien von Trotzky im stalinistischen Russland, aus einem einfachen und hinreichenden Grund: Es stimmt mit dem geforderten Bild von den edlen Vereinigten Staaten im Kampf gegen das serbische Übel nicht überein.

Der blutige Tribut des Kaukasus Krieges im August 2008 ist Gegenstand verschiedener Schätzungen. Ein Monat danach zitiert die Financial Times Russische Berichte, dass "mindestens 133 Zivilisten bei den Angriffen starben, ebenso wie 59 ihrer eigenen Friedenserhalter", während beim darauf folgenden Russischen Massen-Einmarsch und Flächen-Bombardement in Georgien, übereinstimmend mit der FT, 215 Georgier starben, einschließlich 146 Soldaten und 69 Zivilisten. Weitere Enthüllungen werden voraussichtlich folgen.

Im Hintergrund liegen zwei entscheidende Punkte. Der eine ist die Kontrolle über die Pipelines nach Aserbeidschan und Zentralasien. Georgien wurde unter Clinton als Korridor gewählt, um Russland und den Iran zu umgehen, und wurde für den Zweck militärisch massiv aufgerüstet. Folglich ist Georgien "ein sehr großer und strategischer Gewinn für uns", wie Zbigniew Brzezinski bemerkte.

Es ist bemerkenswert dass Analysten weniger schweigsam werden beim Erklären der realen US-Motive in der Region als Vorwand für äußerste Drohungen und dem Verschwinden der Befreiung und dass es schwieriger wird, vom irakischen Verlangen nach Rückzug der Okkupationsarmee abzulenken. So verwarnten die Herausgeber der Washington Post Barack Obama bezüglich Afghanistans als der "zentralen Front" der Vereinigten Staaten und erinnerten ihn daran, dass der Irak "im geopolitischen Zentrum des Mittleren Ostens liegt und einige der größten Ölreserven der Welt enthält", und Afghanistans "strategische Bedeutung neben der des Irak verblasst". Eine Einladung, wenn auch verspätet, die Realität der US-Invasion anzuerkennen.

Der zweite Punkt ist die Expansion der Nato nach Osten. Von George Kennan 1997 beschrieben als "der verhängnisvollste Irrtum der Amerikanischen Politik in der ganzen Ära seit dem Kalten Krieg, von dem das Aufflammen nationalistischer, anti-westlicher und militaristischer Tendenzen in der russischen öffentlichen Meinung erwartet werden kann; ein ungünstiger Effekt auf die Entwicklung der russischen Demokratie; die Restauration der Atmosphäre des Kalten Kriegs in den Ost-West Beziehungen."

Als die UDSSR im Begriff war sich aufzulösen, machte Michael Gorbatschow ein Zugeständnis, das im Licht der jüngsten Geschichte und strategischen Realitäten erstaunlich war: Er erklärte sich einverstanden dem vereinten Deutschland zu gestatten sich mit einer feindlichen militärischen Allianz zu verbinden. Diese "phantastische Konzession" wurde bejubelt von westlichen Medien, NATO, und Präsident Bush senior, er nannte es eine Demonstration des "Staatsmännischen … im besten Interesse aller Länder Europas, einschließlich der Sowjet Union".

Gorbatschow stimmte der phantastischen Konzession zu auf Basis der "Versicherung, dass die Nato ihre Zuständigkeit nicht nach Osten ausdehnt, 'keinen Inch' in (Außenminister) Jim Bakers exakten Worten". Diese Erinnerung von Jack Matlock, führender Sowjet Experte der US-Diplomatie und US-Botschafter in Russland in den entscheidenden Jahren 1987 bis 1991, wird bestärkt durch Strobe Talbott, der höchste offizielle Verantwortliche für Ost Europa in der Clinton Administration. Auf Basis eines vollständigen Überblicks über die diplomatischen Aufzeichnungen berichtet Talbott, dass "Außenminister Baker zum damaligen Außenminister Eduard Shevardnadze, im Zusammenhang mit einer von der Sowjet Union nur ungern konzedierten Bereitschaft das vereinte Deutschland Teil der Nato bleiben zu lassen, sagte, dass sich die Nato nicht nach Osten ausweiten würde."

Clinton brach diese Vereinbarung sehr rasch, ebenso verwarf er Gorbatschow's Leistung den Kalten Krieg zu beenden durch Kooperation unter Partnern. Die Nato lehnte auch den Russischen Vorschlag einer Atomwaffen-freien-Zone von der Arktis bis zum Schwarzen Meer ab, das würde "den Plan die Nato auszuweiten behindern", bemerkte der strategische Analyst und früherer NATO Planer Michael MccGwire.

Solche Möglichkeiten ausschlagend nahm die U.S.A. einen triumphalistischen Standpunkt ein der die Russische Sicherheit bedrohte und auch eine wichtige Rolle spielte als Russland in einen schweren ökonomischen und sozialen Kollaps getrieben wurde, mit Millionen Toten. Der Prozess eskalierte sichtlich während Bush's weiterer Expansion der Nato, der Demontage entscheidender Abrüstungsabkommen, und eines aggressiven Militarismus. Matlock schreibt dass Russland eventuell die Einverleibung früherer russischer Satelliten in die Nato toleriert haben würde, wenn sie "nicht Serbien bombardiert (hätte) und kontinuierlich gewachsen wäre. Aber in der entscheidenden Analyse überschreiten ABM Raketen in Polen und das hinein Drängen von Georgien und der Ukraine in die NATO absolut rote Linien. Das Beharren auf der Anerkennung von Kosovo's Unabhängigkeit war der letzte Tropfen bevor das Fass zum Überlaufen kam. Putin hat gelernt, dass Konzessionen an die USA nicht erwidert werden, sondern benutzt um die US-Dominanz in der Welt zu erhöhen. Einmal hatte er die Kraft Widerstand zu leisten, er tat es" in Georgien.

Clintons Administratoren argumentieren, dass die Expansion der NATO keine militärische Drohung darstellt, und nicht mehr ist als ein freundliches Entgegenkommen den früheren russischen Satelliten zu erlauben der EU bei zu treten (Talbott). Das ist schwerlich überzeugend. Österreich, Schweden und Finnland sind in der EU aber nicht in der NATO. Wenn der Warschauer Pakt überdauert hätte und sich Lateinamerikanische Länder einverleiben würde - ausgenommen Kanada und Mexiko - die U.S.A. würde nicht leicht zu überzeugen sein, das der Pakt bloß eine Quäker Versammlung ist. Es gibt an sich keinen Bedarf die Aufzeichnungen über die U.S. Gewalt nochmals durch zusehen, die die größtenteils phantastischen Beziehungen zu Moskau blockieren in "unserer kleinen Region hier herüben", der westlichen Hemisphäre, um Kriegsminister Henry Stimson zu zitieren, als er erläuterte, dass alle regionale Systeme nach dem Zweiten Weltkrieg demoliert werden müssen, außer unser eigenes, das soll erweitert werden.

Um die Schlussfolgerung zu unterstreichen: In der Mitte der laufenden Krise im Kaukasus behauptet Washington, dass Russland militärische und nachrichtendienstliche Kooperation mit Cuba auf einem Level wieder aufnehmen könnte, die nicht entfernt den Beziehungen USA - Georgien nahe kommt, und keinen weiteren Schritt in Richtung einer signifikanten Sicherheits-Bedrohung darstellt.

Darüber hinaus wird hier Raketen Abwehr als etwas gutartiges präsentiert, obwohl führende US Strategie-Analysten erklärten, warum russische Planer die Systeme und ihre ausgewählten Standorte als Basis einer potentiellen Bedrohung der russischen Abschreckung ansehen müssen, folglich im Effekt Erstschlag Waffen darstellen. Die russische Invasion Georgiens wurde als Vorwand genützt Abkommen zur Aufstellung der Systeme in Polen abzuschließen, somit "eine Streitfrage abzufedern, die von Moskau wiederholt vorgebracht und von Washington zurückgewiesen wurde: dass das wahre Ziel des Systems Russland ist," wie Associated Press Kommentator Desmond Butler anmerkte.

Matlock steht nicht allein bezüglich des Kosovo als einem wichtigen Faktor. "Die Anerkennung von Süd Ossetiens und Abchasiens Unabhängigkeit wurde gerechtfertigt über des Prinzip des Rechts einer misshandelten Minderheit auf Abspaltung - das Prinzip das Bush für den Kosovo eingeführt hat", so der Kommentar der Herausgeber des Boston Globe.

Aber da ist eine entscheidende Differenz. Strobe Talbot räumt ein dass "da eine gewisse Reaktion mitspielt für das was U.S. und NATO im Kosovo vor neun Jahren getan haben", aber insistiert darauf, dass die "Analogie total und vollkommen fasch ist". Niemand ist in einer besseren Lage zu wissen, warum das total falsch ist, und er hat einleuchtend die Gründe erklärt, in seinem Vorwort zu einem Buch über das NATO-Bombardement auf Serbien von seinem Kollegen John Norris. Talbott schreibt, dass diejenige, die wissen möchten "wie die Ereignisse aussehen und sich anfühlen während der Zeit für die unter uns die involviert sind" in den Krieg, sollten sich Norris gut informierten Bericht ansehen. Norris kommt zum Schluss, "es war Jugoslawiens Widerstand gegen den breiteren Trend der politischen und ökonomischen Reform - nicht die Notlage der Kosovo Albaner - das erklärt den NATO Krieg am besten".

Dass die Motive für die NATO Bombardierung nicht "die Notlage der Kosovo Albaner" sein konnte war bereits klar durch umfangreiche westliche dokumentarische Berichte, die enthüllten, dass die Gräuel weitaus überwiegend die vorweg genommenen Konsequenzen der Bombardierung waren, nicht ihre Ursache. Aber selbst bevor die Berichte frei gegeben wurden sollte es evident sein für alle außer den glühendsten Loyalisten, dass humanitäre Angelegenheiten die U.S. und Britannien schwerlich motiviert haben könnten, die gleichzeitig Gewaltmaßnahmen entschiedene Unterstützung gewähren weit jenseits von dem was aus dem Kosovo berichtet wurde, mit einem Hintergrund weitaus entsetzlicher als alles, was auf dem Balkan geschehen ist. Aber das sind bloß Fakten, daher ohne Bedeutung für Orwell's "Nationalisten" - in dem Fall, der Großteil der westlichen intellektuellen Community, die ein enormes Investment in Selbst-Glorifizierung und in Ausflüchte gemacht hat über die "edle Phase" der U.S. Außenpolitik und ihr "heiligmäßiges Glühen" als das Ende des Milleniums nahte, mit der Bombardierung Serbiens als dem Juwel in der Krone.

Trotzdem, es ist interessant aus der höchsten Ebene zu hören, dass der tatsächliche Grund für die Bombardierung darin lag, dass Serbien in Europa einen Alleingang gegenüber den politischen und ökonomischen Programmen der Clinton Administration und ihrer Alliierten ausgehalten hat, daher wird es noch eine lange Zeit dauern bis einem solchen Ärgernis die Aufnahme in den allgemeinen Kanon erlaubt ist.

Da gibt es natürlich weitere Differenzen zwischen Kosovo und den Regionen von Georgien, die nach Unabhängigkeit oder einer Union mit Russland rufen. Bisher ist nichts bekannt, dass Russland riesige Militärbasen hat, benannt nach Helden der Invasion in Afghanistan, und vergleichbar mit Camp Bondsteel in Kosovo, benannt nach einem Vietnamkriegs-Helden und vermutlich ein Teil des gewaltigen U.S. Basensystem das auf die Energie produzierenden Regionen des Mittleren Ostens zielt. Und da sind viele andere Differenzen.

Da wird viel geredet über einen "neuen Kalten Krieg" angezettelt durch das brutale Russische Vorgehen in Georgien. Man kann nicht fehl gehen durch Zeichen der Konfrontation alarmiert zu sein - unter ihnen neue U.S. Marine Kontingente im Schwarzen Meer - das Gegenstück dazu würde in der Karibik wohl schwerlich toleriert werden. Die Anstrengungen, die NATO in die Ukraine auszudehnen, die nun überlegt werden, könnten extrem riskant werden.

Nichtsdestotrotz, ein neuer Kalter Krieg ist unwahrscheinlich. Um diese Aussicht zu bewerten, sollten wir mit Klarheit über den alten Kalten Krieg anfangen. Fiebernde Rhetorik beiseite, in der Praxis war der Kalte Krieg ein stillschweigender Pakt in dem jeder Teilnehmer weitgehend frei war notfalls mit Gewalt und Subversion den eigenen Bereich zu kontrollieren: Russland, seine östlichen Nachbarn; die globale Supermacht, den Großteil der Welt. Die menschliche Gesellschaft muss nicht dauerhaft sein - und wird möglicherweise nicht überleben - die Wiederauferstehung von allem was dem gleicht.

Eine sinnhafte Alternative ist die Gorbatschow-Vision, zurückgewiesen durch Clinton und untergraben durch Bush. Einen gesunden Rat in die Richtung hat jüngst der frühere israelische Außenminister und Historiker Shlomo ben-Ami gegeben als er im Beiruter Daily Star schrieb: "Russland muss eine ernsthafte strategische Partnerschaft mit den U.S. suchen, und letztere müssen begreifen, dass ein ausgeschlossenes und verachtetes Russland ein größerer globaler Spielverderber sein kann. Ignoriert und gedemütigt durch die U.S. seit Ende des Kalten Krieges braucht Russland die Integration in eine neue globale Ordnung, die seine Interessen als wiederauflebende Macht respektiert, nicht eine anti-westliche Strategie der Konfrontation."

P.S. - Den Originaltext findet man auf der offiziellen Web-Site von Noam Chomsky unter der Adresse: r www.chomsky.info in Rubrik 'articles' unterm Titel 'Ossetia-Russia-Georgia'. Die Site wird mit der Zielstellung "celebrating Chomsky's work and encouraging activism worldwide" zur Verfügung gestellt.

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