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Mieze Medusa

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2007-11-22

Schusseliges

Es ziert sich.
Es inszeniert sich.
Und zieht als ewig roter Faden durch mein Hirn und zeigt sich
irgendwie nicht so wie
ich
es gerne sehen würd.
An sich nicht schlimm.
Es darf ja durchaus
mehr als eine Art zu leben geben,
doch weiß ich auch, was dann passiert.
Zersprengte Zuckerinseln fließen durch mein Hirn
und suchen Stofflichkeit
sind überreif - bereit! -
zum Andocken.
Doch Häfen gibt's dort oben nicht, es gibt nur Knoten,
die im Taumel Feste feiern mit über 100 nicht geladnen Gästen.

Wer kennt denn schon den Hintergrund?
Wer kennt die Sozialisation?
Und überhaupt: Blondinenwitze!
Quasi: Kennt ihr den schon?
Ich hab's ein bißchen satt, dass der Witz auf meine Kosten
geht.
Ich hab Brüste, ist schon klar, doch heißt das nicht,
dass diese Wölbung über meinem. IQ steht.
In zu vielen Stunden hab ich die Machtlose gespielt.
Hab nix gesagt,
wenn der Witz
in die Gegend unter meine Gürtellinie zielt.
Schenkelklopfen.
Lach doch auch,
Keine Angst,
Du bist nicht gemeint.
Widersprichst du,
bist du,
Spielverderber.
Das Prinzip dahinter
ist das Frauendogma Nettigkeit.
Verbrüderung als Zumutung - das Konzept ist ziemlich ausgegoren.
Viel zu oft ist mir dabei das Lächeln auf den Lippen eingefroren.
Ich will das anders haben und ich denke,
dass es dir ganz ähnlich geht.
Weil ich nicht glauben kann,
dass ein großer Teil der Leute auf ein auffälliges Machtgefälle steht.

Mieze Medusa hat Bauchweh,
doch liegt das nicht an PMS und überreichem Mittagessen.
Erklärungsversuch: So viele Frauen sind darauf versessen zwischen Männerschenkeln eingeklemmt die eigenen Interessen zu
vergessen.
Schon klar!
Ich hab meine Meinung, du hast deine.
Ich hab schon früh kapiert:
Man macht die größten Fehler, wenn man einfach so ins
menschlich-Allgemeine extrahiert.
Doch neulich er so: Hey, Mieze!
Du bist ganz schön hart geworden in letzter Zeit.
Und ich so: Versteh mich bitte. Ich hab das falsche Lächeln abgelegt
und versuch's jetzt mal mit Ehrlichkeit.
Hab nix am Hut mit gute Miene machen, wenn das Spiel nicht stimmt.
Ich arbeit viel.
Und hart.
Und verdien ein Drittel weniger, weil der Chef denkt, da
kommt sicher bald ein Kind.
Es gibt zuwenig Schlüsselstellen in deren Mitte sich kein
Männerbund verschanzt hat,
ich schusseliges Ding ich,
ich warte immer noch auf die Frau Bundeskanzler.
Es ist schon so, dass so viele Frauen sich so gerne unter ihrem
Wert verkaufen.
Wir engagieren uns für Luft
und Liebe
und Begeisterung.
Das wir ein Pluspunkt, würden die Dinge anders laufen.
Wir wurden - so erklär ich's mir - zu Tugendhaftigkeit und
Hingabe erzogen.
Die Frau, die's anders macht, gilt schnell als Mannweib und
karrieregeil, oder besten Falls als bisschen seltsam und verschroben.
Ich freu mich jedesmal,
wenn ich eine Frau mit lauter Stimme reden hör.
Und wenn's um Rollenbilder geht, dann wähl ich Straßengör.

Es hätt auch anders laufen können,
schleicht sich betreten, frühlingsgrün und leicht errötend,
ein leises Wort von meinem Mund
und
hängt im Raum - luftleer und angewidert.
Im freien Fall gebremst hat sich schon mancher Sinnspruch an
die Tagespolitik verkauft und angebiedert.
Strafraumübertretung!
Rote Karte für Banalität und etwas plumpe Metaphorik.
Komplexe Tagespolitik symbolisch reduziert auf
Einzelschicksal und Betroffenheitsrhetorik.
Ich schusseliges Ding ich,
das tut mir Leid,
das wollt ich nicht,
da hab ich wohl den Nerv getroffen.
Doch liegt das dran, dass der Nerv offen liegt.
Jetzt sag ich es, es ist nicht mal schwer.
Das Halbe-Halbe Glas, es tut mir Leid, das ist halb leer.



Mit freundlicher Genehmigung der Autorin:
Mieze Medusa
aus: „textstrom, Poetry Slam – Slam Poetry“, Herausgegeben von Diana Köhle&ampMieze Medusa, Edition Aramon, 2006
ISBN: 3-9502029-2-7

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Mimenda, 2007-11-24, Nr. 4021

da will sich jefraud auf sich selbst besinnen - zurecht. aber dann klingt es doch bloß wie eine buhlende entschuldigung gegenüber dem mann, dass frau auch mal das maul aufzusperren wagt. ich frage mich: wo ist das genuin weibliche, das da endlich einmal auftsteht und der männerwelt eine konkrete gegenwelt vor augen führt, von der MANN etwas lernen könnte.

nein, ich frage mich das gar nicht mehr, denn ich habe den glauben an das spezifisch weibliche verloren. frauen konformieren immer, selbst da noch, wo ihre hilflose autosuggestion zur scheinbar unumstößlichen überzeugung gerinnt, anders zu sein oder gar besser. dann spielen sie böses mädchen. aber was ist das anderes als das gegenstück zum bösen mann? überall verholener penisneid, statt unverholene vulvafreud. das ist traurig und zugleich ekelt es mich.

und dieses schale lamento, sie verdienen nicht genug. pech - da müssen sie sich halt besser verkaufen. verkaufen, darauf kommt es an, nicht darauf, wie die ware beschaffen ist. das muss aber der böse mann nicht weniger als das böse mädchen. und all die lieben mädchen und lieben männer, die sind schon verkauft, bevor sie überhaupt dazu kommen, sich feilbieten. die kann man natürlich bemitleiden, wenn man ein jammerlappe oder eine jammerlappin ist, aber diese art mitleid ist ebenso hilflos und daher dem grunde nach faul wie das gejammere derer, die leiden. geld ist der code der analen männergesellschaft, geld ist kot. kotau vor der eigenen libido, die nur hilflos umleitet, statt im leiden auszuhalten und zu wachsen. aber da will frau halt auch einmal stolz auf ihren stuhlgang sein. na bitte, also dann: fart proudly.

blondinenwitz: geronnene wahrheiten. gestern im hotel in GB - a true story -: ich sag der blondine, die rechnungsadresse sei falsch, sie solle statt des v ein w schreiben, also [dabbeljú]. sie schreibt "uu". kein witz, bittere wahrheit. die blondine ist DAS wahrzeichen der herrschaft des komplett verblödeten mannes, dem sie in ihrer dummdreistigkeit alleruntertänigst den hof macht. das problem dabei ist, dass die dumme frau und der blöde mann glauben, sie seien frei und individuell. in wahrheit sind sie bloße abziehbilder. was versteht eine kopie von freiheit, was weiß sie über das original? nix halt. aber warum bildet sie sich beides dann ein?

mann und frau in dieser welt, das ist ein bloßes alibithema. es wird immer wieder gern genommen zur selbstbeweihräucherung, zur selbtverHERRlichung, zur (selbst)verneblung und zur prävention eins klaren verständnisses davon, dass sich die frau gemeinsam mit dem mann aus der unmündigkeit zu befreien hätte. wir leben nicht in einem postemanzipatorischen zeitalter. nein, die emanzipation hat noch gar nicht angefangen.

"Ich hab das falsche Lächeln abgelegt
und versuch's jetzt mal mit Ehrlichkeit."

in diesem satz allein steckt die ganze verlogene ideologie einer emanzipation, die über den selbstbetrug nicht hinauskommen darf. als ob das eine option wäre, ein kleid, dass ich mir nur anzuziehen bräuchte: heute lach ich, morgen heul ich, übermorgen geb ich mir eine portion ehrlichkeit. ach, wie gut dass niemand weiß, dass ich manzimiezchen heiß.

erika, 2007-11-24, Nr. 4023

an mimenda

ganz schön heiß, deine kritik!

es ist wahr, die emanzipation hat noch gar nicht begonnen!

nur, wie soll das gehen, die gemeinsame emanzipation?
ein schritt, ein weitsprung ?
gemeinsam über die vielen jahrhunderte springen?

diese freude, die da entstehen soll, wenn`s schläge gibt,
diese freude, die da entstehen soll, wenn sie sich verlogen hingibt, weil da ein kind ist,
weil da die miete zu zahlen ist,
weil da, ER mehr verdient!

selbst meín hund macht eine aufgabe für mich mit freude nur wenn er etwas bekommt, das ihm schmeckt.

der kleine unterschied im GH hat grosse auswirkung im KH.
SIE ist einfach geschickter als ER mit seinem übergewichtigen bleischweren GH

so bebt sie manchmal ruckartig und sorgt sich um das gleichgewicht.

e i g e n e Dynamik, 2007-11-24, Nr. 4024

Sobald das Individuum eine „e i g e n e Dynamik“ seiner Lebensgestaltung anstrebt, wir uns nicht mehr auf Muster oder Planung der Erziehenden berufen, sind wir emanzipiert!

Emanzipation sollte doch für Gleichheit und Freiheit stehen, oder?

Mimenda, 2007-11-25, Nr. 4025

@erika

hast du dir nicht schon eine antwort selbst gegeben, wenn du danach fragst, wie die gemeinsame emanzipation gehen soll? ein weitsprung über die jahrhunderte? die frau allein soll den schaffen, der mann kann es nicht, beide gemeinsam auch nicht, willst du das sagen? oder nur auf die unmöglichkeit schlechthin von emanzipation verweisen?

es ist wohl erst einmal die frage, wen man bei dem thema im auge hat. ich weiß, dass es eine unmenge von beziehungen gibt, die man immer noch als männlich diktierte zwangsmonogamie der frau zu bezeichnen hätte, aber vergessen wir darüber doch bitte nicht das, was mittlerweile wohl typisch für die gesellschaftliche entwicklung ist: die ökonomische unabhängigkeit der frau.

die gegebenheiten sind in meinen augen so, dass sich frau nicht mehr rausreden kann, sie habe keine chancen, aus dem ehelichen oder sonstigen zwangssystemen auszubrechen. aber gerade hier gibt es eine diskrepanz zwischen der immer wieder postulierten freiheit und dem, was der einzelne daraus macht. schaust du dir die an, die landläufig als frei gelten, so sind diese für die öffentliche meinung "gemachte frauen", schaust du in den schatten der freiheitsmanie, siehst du die fratze der freiheit. aber du kannst sie eben auch bei den gemachten männern und frauen sehen, du darfst dich nur nicht blenden lassen.

die frau ist nicht mehr das unterdrückte, immer benachteiligte wesen, wenn wir es im lichte dieser ideologie betrachten. wenn wir diese aber einmal ausschalten, dann liegt eben viel mehr im dunkeln. und dann vermag mensch sogar zu sehen, dass sehr viele männer, wenn nicht die meisten, demselben leiden ausgesetzt sind wie die frauen.

uns wird suggeriert, gleich ob mann oder frau, wir sollen alphatiere sein. nur als alphatier bist du ein richtiger mann und eine starke frau. aber wenn man die menschen mal fragt, die da die rollen zu spielen haben, dann merkt man schnell, dass sehr sehr viele dazu gar keine lust haben.

die freude daran, ein mann oder eine frau zu sein, ein eigenes selbstverständnis und -bewusstsein zu gewinnen, ist prekärer denn je. für beide geschlechter, nicht nur für eines. die freiheit, die durch die ökonomische selbstbestimmung sich anzubahnen versprach wird postwendend kassiert durch die vorschrift, was du zu leisten hast, wenn du dem modernen bild genügen willst.

selbst dein hund versieht seine aufgabe nur dann, wenn er etwas dafür bekommt. ja, und da genau liegt die gemeinsamkeit. denn dein hund ist abgerichtet so wie männer und frauen, der mensch an sich, abgerichtet sind. es ist egal, was getan wird, wenn bloß am ende die belohnung folgt.

dieser belohnung sind wir auf der spur, anstatt die eigene gratifikation zu suchen mit unseren partnern und freunden, in dem halt, was an privatem von der maschinerie noch übriggelassen wird.

die arme unterdrückte frau, sie ist ein klischee, das gesellschaftlich gerne gefüttert wird mit allem möglichen halbwahrheiten. ob das nun die unterschiedlichen verdienstmöglichkeiten sind (hierzu empfehle ich eine internetrecherche) oder die in zwangsehe gehaltene hausfrau. natürlich gibt es das alles (das klischee ist immer auch typisch), aber das ist nicht unser gemeinsames menschliches problem, denn selbst wenn es keine frau mehr gäbe, die ein solch jämmerliches dasein fristen müsste, hätte sich im blick auf die allgemeine freiheit des menschen nichts getan.

die männerwelt ist in wahrheit keine welt der männer, sondern eine welt, die einem prinzip obliegt, dass allgemein als männlich vorgestellt wird: das der konkurrenz und des brachialen durchsetzens. daran, dass sie aus der dominanten stellung des mannes entstanden ist, kann indes kein zweifel sein. wenn sich die frau nun aber mit ihrer neuen theoretischen freiheit just auf dasselbe spielfeld begibt, dann zeigt das nur, dass sie für den fetisch der (arbeits)welt ebenso empfänglich ist wie der mann. und es zeigt auch, dass sie sich, wenn ihr das missfällt, mit allen unterdrückten menschen, also auch mit den männern, zusammenschließen sollte, um gemeinsam daran zu arbeiten, das jahrtausende alte verhältnis, das diese welt zusammenhält, das von herrn und knecht, endlich zugunsten des aufbruchs zur mündigkeit zu überwinden.

die klischeebesetzte larmoyanz ist da nach meinem empfinden schlicht kontraproduktiv. zudem entbehrt sie nicht einer deutlichen dämlichkeit, sie ist sozusagen die fortsetzung des blondinentums mit anderen mitteln.

Angst und Rollenspiele, 2007-11-25, Nr. 4027

Geht es nicht um ein zentrales Bedürfnis des Zugehörigseins – lässt Zugehörigsein unser Kulturkreis überhaupt zu?
Wenn aber keine Rückverbindung vorhanden ist, was dann?
Neugeborenen Erdenbürger können uns zur Rückbesinnung bringen, sofern wir bereit sind und berühren zu lassen.

miezemedusa, 2007-11-25, Nr. 4028

@mimenda:

hm.
über das "genuin" weibliche nachzudenken, find ich komisch. wenn es das gäbe, dann wären wir ja demnach eh alle gleich.. es gibt das genuin weibliche nicht, es gibt nur viele verschiedene frauen... jede mit ihrem lebensentwurf und ich will nicht für sie wählen, ich will aber, dass sie die freiheit haben, es selbst zu tun.

und ja, der mann ist nicht das zu bekämpfende feindbild, die jungs, die ich mitmeine, profitieren von dem, was ich emanzipation nenne, auf jedenfall genauso sehr. weil ein gewisser erwerbsdruck von den schultern genommen wird, weil sie eingeladen sind, zeit mit ihren kindern zu verbringen und nicht nur die abenden und mal am wochenende... und alle erzählen mir ja immer, dass sei das erfüllendste, also warum nicht für die jungs auch?
(meinem freund erzählen sie das übrigens nicht).

fakt ist trotzdem, dass ich hartnäckiger nach meiner gehaltserhöhung fragen muss. fakt ist auch, dass ich manche stellen nicht bekomme, weil ich ja im gebährfähigen alter bin, da kann ja immer was kommen...
(bei meinem freund haben sie die bedenken nicht)

fakt ist auch, dass ich nach einem auftritt gefragt werde, ob ich meine texte selber schreibe (meinen freund fragen sie das nicht)

meine faktenliste wird noch länger, aber ich mag auch kein monsterpostin erzeugen.

aber danke sagen mag ich noch, fürs meinen text lesen und drauf reagieren.

mieze medusa

erika, 2007-11-26, Nr. 4030

1.@mieze medusa
2.@mi männa

was mir gefällt:

ad 1.:
"das prinzip dahinter ist das frauendogma
"NETTIGKEIT"!

ad 2.:
" die handlungen sind die frucht der gedanken.
waren diese weise, so sind jene erfolgreich."

Baltasar gracian
1601 - 1650

zitiert by kärnöl glosse: mimenda

das erstere erlebe ich oft,
das letztere eher selten.

erika

Mimenda, 2007-11-27, Nr. 4031

ja, du hast wohl recht, dass es nichts genuin weibliches gibt. und du hast wahrscheinlich auch die moderne seite der medaille für dich, wenn du sagst, es sei komisch, darüber nachzudenken.

denn alle sind ja individuell und "jedefrau" und "jedermann" sind einfach bloß menschen, die eine frau ist ein wenig männlicher als die andere, dieser mann weiblicher als jener. aber selbst hierin steckt noch der versuch der unterscheidung, etwas darüber auszusagen, was mann oder frau eigentlich seien oder besser: was denn männlich oder weiblich sei.

ich hatte mal einen onkel, der später zu meiner tante wurde. wenn es kein ungeschriebenes "gesetz" gäbe in den hirnen der menschen, warum meint dann eine(r), er sei eine frau im männlichen körper und müsse diesen verweiblichen, um zu seiner/ihrer bestimmung zu gelangen? warum können wir es trotz aller demonstrativen toleranz nicht aushalten, wenn wir nicht einem selbstgesetzten idealbild entsprechen, von dem wir doch eigentlich wissen könnten, dass es ein trugbild ist. warum können wir uns nicht akzeptieren, wie wir sind: jede und jeder ein wenig anders halt. ich selbst halte mich übrigens für einen "untypischen" mann. ich weigere mich aber, irgendwas in mir als typisch weiblich oder männlich einzuordnen oder das vermeintlich untypische zu typisieren. wenn die außenwelt hier männliche, da weibliche züge an mir entdecken will, soll sie. für mich zählt das nicht. ich habe einen männerkörper, aber in meinem "geist" weht, was da halt wehen kann. und geist ist für mich geschlechtslos, auch wenn er im deutschen und vielen anderen sprachen männlich ist.

ein weicher mann gilt dem harten mann als weichei, eine harte frau dem weichen und auch dem harten mann bestenfalls als emanze oder als mannweib. ist weich weiblich und hart männlich? sicher nicht. aber wenn wir das akzeptieren, ist es dann nicht auch unsinnig, von weiblich und männlich überhaupt zu reden? denn diese adjektive verlieren damit doch ihren sinn.

für mich kommt da die frage nach dem menschenbild auf. was macht den menschen zum menschen. und was macht die frau zum "bauch-menschen" und den "mann" zum menschen ohne bauch (womb-man und man). bloß die biologie? die frau hat biologisch "etwas mehr", nämlich zwei "vollständige" chromosomen XX. dem mann fehlt eine "rippe" XY. er ist daher "unvollkommener" und zugleich der dynamische und tätige, der, welcher vorantreibt, weil er an seiner unvollkommenheit leidet. die frau hingegen genügt sich selbst, ist undynamisch und träge. ein feministischer entwurf im sinne luce irrigarays - true or false? für mich ist das pseudobiologistischer schmus, der sozusagen die schöpfungsgeschichte der bibel vermeintlich vom kopf auf die füße stellt. denn ich sehe keine frauen, die sich selbst genügen und keine männer, die qualitativ vorantreiben, wenigstens nicht in dem sinne, dass sie als geschlecht so oder so sind. ich denke auch, dass diese pseudo-biologistische schiene die zementierung des angeblichen und falschen unterschieds im schilde führt, den wirklich zu entwickeln keines der geschlechter bisher überhaupt nur die geringste chance hatte. insofern führt sie in die reaktionäre sackgasse.

und warum hatten sie keine chance? weil das als männlich vorgestellte prinzip des eroberns, sich gefügigmachens, unterwerfens, das einhergeht mit stolz- und ehrgefühl bezüglich des erreichten, in der tat das ist, was unsere welt antreibt. aber es hat sich verselbständigt und wird nun nicht mehr brav von den männern exekutiert, sondern von all den soldaten und soldatinnen, die "freiwillig" mitmachen. deine verschiedene frauen, jede mit ihrem lebensentwurf, von dem ich nicht glaube, dass sie ihn selbst entwerfen und, wenn du so willst, "meine" verschiedenen männer mit ihrem entwurf, von dem ich einfach steif und fest behaupte, dass es ganz gewiss nicht der ihre ist (isv auf ihrem höchsteigenen mist gewachsen), sie sind in meinen augen die rekruten einer armee, die nun auf die moderne art und weise das ewig gleiche spiel weiterspielt, das vom herrn und knecht, das sich nur anders nennt, weil heut halt jeder eine "herr(inn)enrolle" und eine "herr(inn)enmaske" bekommt, damit er oder sie sich geil und frei fühlen darf, auch und gerade als knecht und als magd. das bewusstsein des einzelnen, keiner klasse anzugehören, sagt eben nichts, aber auch gar nichts über den wahrheitsgehalt dessen aus, was es von sich zu wissen glaubt. und die gefühlte freiheit ist daher eben auch noch lange keine freiheit.

alle erzählen dir, das mit den kindern sei das erfüllendste. hm. ja, erzählen tun die leut viel, wenn der tag lang ist. wenn man sich halt gerad um seine kinder kümmern muss und nicht um seine "karriere", dann wird man nicht umhin kommen, auch ein kleines ideologisches inventar zu entwickeln, sozusagen eine rechtfertigungsmottenkiste, die einem das, was man gerade ist oder tut, erleichtert. als ich ende der 80er jahre ein paar jahre den "hausmann gab" und meiner frau den "karrierevortritt" ließ, habe ich mir das auch innerlich schöngeredet, indem ich es vorgezogen habe, stolz drauf zu sein oder wenigstens so zu tun, weil das ja damals angeblich nicht normal war. das erfüllendste war es sicher nicht, denn ich war teils mit dem kind, dem ersten, überfordert und damit, meine magisterarbeit gleichzeitig voranzubringen und mich um die probleme meiner frau im referendariat zu kümmern. aber irgendwie ging es halt. ich mags aber im nachhinein nicht überhöhen, ebensowenig wie das, was ich jetzt mache (bestimmt zu 70% entfremdete arbeit, wenn das denn marxkonform ist). den erwerbsdruck jedoch, den habe ich mir damals weggezaubert, ihn verdrängt, nicht wahrhaben wollen. aber es gab ihn, denn ich erinnere mich noch genau, wie ich mir dachte, man, du solltest eigentlich an deinen eigenen ambitionen arbeiten, aber du kannst nicht, du bist zu schwach. du kannst das alles nicht erfolgreich miteinander vereinbaren.

aber natürlich bin ich dafür, dass männer ebenso zu hause bleiben wie die frauen. sollten sie mal tun, ist nämlich entgegen vielen anderslautenden behauptungen eine ambivalente erfahrung, die sie machen sollen, damit sie einmal wissen wie sich die "moderne" frau heute fühlt, wenn sie kinder und beruf unter einen hut bringen muss. und sie muss ja arbeiten, um leben zu können, das darf man wohl auch nicht vergessen. ist doch schon ein verdammt smartes system, das den menschen die arbeit als inbegriff der freiheit aufschwätzt und diese das wider besseres wissen für bare münze nehmen, welche sie doch eigentlich bloß dazu benötigen, um materiell über die runden zu kommen.

mit den gehältern ist das so eine sache, die man wohl nicht über einen kamm scheren kann. in der softwarebranche, in der ich arbeite, scheint es keine differenz zu geben, aber wahr ist sicher, dass frauen schon beim eintritt in den beruf eher zu wenig fordern (so wie unsichere, "weibliche" männer auch), dass sie durch kinderpausen strukturell beim wiedereinstieg in den beruf benachteiligt sind (wenn sie lange ausgesetzt haben, müssen sie oft froh sein, wenn sie zu einem niedrigeren gehalt überhaupt wieder anstellung finden), dass sie noch immer viel öfter als männer subalterne tätigkeiten ausführen, in welchen sie per se nicht viel verdienen.

das liegt aber daran, dass diese gesellschaft dem wahn obliegt, die menschen als material im arbeitsleben umfassend verwerten zu müssen. human resources heißen daher die personalabteilungen, auf gut deutsch also menschenmaterial oder menschliches ersatzteillager. die sprache verrät so vieles. das problem sind meines erachtens nicht die männer oder eine männerklientel (obwohl das in vielen einzelfällen durchaus so ist), sondern das ökonomische kalkül, das dem system zugrundeliegt. aus demselben grund bekommst du auch als über 40-jähriger mensch weniger leicht einen neuen job: du bist für diese welt nämlich einfach zu unflexibel, nicht mehr als ersatzteil fraglos und vollauf verwertbar.

für die frauen hieße das, wenn sie denn zuhause bleiben wegen der kinder, dass sie, wenn sie wieder einsteigen, erstens zu lange ausgesetzt haben, und zweitens zu alt sind. in unserer achso gendermaingestreamlinten welt kriegt dann eine alibiquotenfrau zwar womöglich ihren professorenlehrstuhl, aber die normalen frauen sind deswegen nicht besser dran, denn in der "freien" wirtschaft redet niemand bei den entscheidungen mit hinein. und auch an den unis gibt es probate mittel und wege, sich ungeliebte männer oder gar frauen vom leibe zu halten.

warum fragt man dich, ob du deine texte selbst schreibst? weil du eine frau bist? oder weil du vielleicht den eindruck machst, dass dein wesen nicht zu deinen texten passt? ich kann es nicht wissen, aber es ist ja nicht selten, dass sich ein eher stiller oder auf einem bestimmten gebiet unauffälliger mensch erst dann offenbart, wenn er den künsterischen ausdruck findet, der es ihm erlaubt, das zu sagen, was er eigentlich so denkt und fühlt. ich kann mir jedenfalls nicht so recht vorstellen, dass das allein am frausein hängen sollte, das kann ich mir auch in österreich nicht vorstellen, obwohl ich da schon ab und zu den eindruck habe, als sei euer land hier und dort noch ein wenig patriarchalischer geprägt als deutschland.

meiner meinung nach ist es so, dass die unterdrückung der frau nach wie vor überall offensichtlich ist. die frau steckt in dem dilemma, dass sie in all ihren lebensbejahenden äußerungen oder was sie dafür hält, die "männliche" herrschaft spiegelt, obwohl diese nicht mehr als solche existiert. frauen konformieren (d.h. passen sich an, ordnen sich unter) demnach selbst da noch, wo sie von sich selbst glauben, in dissenz zu stehen. zu wem aber im dissenz? nicht zum system, sondern zum mann, den sie eben doch als eine genuine macht imaginieren, die alle männer gemeinsam haben, die aber auch jedem einzelnen mann zukommt. das ist ähnlich sinnfrei - und in meinen augen nur ein weibliches angstkonstrukt - wie das gerede von der ungeahnten sexuellen andersartigkeit der frau ein angstkonstrukt der männer ist.

die mehrheit der männer und frauen kreuzen auf ein und demselben schiff, dessen mannschaft wiederum aus einer minderheit von männern und frauen besteht. rettungsboote gibts nur für die mannschaft. die mehrheit will das nicht wahrhaben, weil das schiff ja nicht sinken könne und weil sie glaubt, durch (selbst)verordneten spaß sich ablenken zu können oder durch unterordnung im ernstfall von den krumen, die vom tische der privilegierten fällt, etwas abzubekommen.

ich glaube also mit dir nicht daran, dass es – momentan – etwas genuin weibliches und männliches gibt, aber ich glaube auch, dass es eigenheiten der geschlechter gibt, die zum wohl der menschen erst noch entdeckt und entfaltet werden müssen. und da ich daran glaube und versuche, mit meinen mitteln dafür zu "kämpfen", "reizt es mich", wenn ich das gefühl habe, dass im ideolgischen kampf um die sicher sehr bedauerlichen einzelschicksale das wesentliche zu kurz kommt. und das wesentlich ist eben meiner überzeugung nach nicht, dass wir uns nun eine andere maske aufziehen und uns psychisch verkleiden (stichwort - ich versuch's heut mal mit ehrlichkeit), sondern dass wir uns entlarven, indem wir uns gegenseitig die maske vom gesicht reißen.

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