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Stephan Jank

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2007-09-06

Der giftige Granatapfel

Die Künstlerin Gerhild Tschachler-Nagy startete Anfang des Jahres 2004 in Kärnten ein Kunstprojekt mit dem Titel "Der Granatapfel". Mehrere prominent plazierte Einschaltungen in Kärntner Tageszeitungen, eine ganze Ausgabe des Kärntner Kulturmagazins "Die Brücke"[1] sowie eine Vielzahl an weiteren Medienberichten sorgten für einen überraschend schnellen und hohen Bekanntheitsgrad des Projektes. Folgt man den eigentümlich kurz gehaltenen Projektbeschreibungen auf &ampnbsp;www.granatapfel.com, so scheint es sich bei dem Projekt lediglich um den Versuch einer "Vernetzung" von Kunst- und Kulturschaffendenden, aber auch -RezipientInnen und -VermittlerInnen zu handeln. Realisiert wird die Konzeption mit der Durchführung von „rund 200 künstlerischen Aktivitäten an 30 Stationen“, so berichten es unter anderem die "Kulturnews" des Amtes der Kärntner Landesregierung. In einem Beitrag auf magazin.orf.at[2] erfährt man darüber hinaus: "Die vorrangig privat initiierte Veranstaltungsreihe erstreckt sich über das gesamte Bundesland und soll als Kontrapunkt zum ausschließlich kulturpolitisch geförderten Kulturgeschehen in Kärnten zu sehen sein." Das alles ist Grund genug für kärnöl, einmal einen genaueren Blick auf dieses Projekt zu werfen.

Beginnen wir dabei mit dem "kulturphilosophischen Überbau"[3] des Projektes, den Heinz Tschachler, a. o. Univ. Prof. für Amerikastudien an der Universität Klagenfurt, in seinem Beitrag zum Projektbegleitbuch [Tschachler 2004] liefert. Aus unserer Sicht schreibt er dort die ideologisch überaus fragwürdigen Intentionen des Projektes fest. Bei der Lektüre beginnen bereits im ersten Absatz des Textes die Alarmglocken zu schrillen, wenn dort nämlich von Energiequellen, -Ausmaßen und -Bilanzen kultureller Systeme die Rede ist. Und tatsächlich: Eine Fußnote gibt sofort Hinweis auf die befürchtete Herkunft dieser Begrifflichkeit. Zitiert wird hier (und über weite andere Teile des Textes) Peter Finke, seines Zeichens u. a. Honorarprofessor an der deutschen Privatuniversität Witten/Herdecke sowie Erfinder einer "Evolutionären Kulturökologie". So sehr entwickelt Tschachler in seinem Text das Granatapfel-Projekt aus dem Finke'schen Konvolut, dass man gar nicht umhin kann, dieses einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

Was also sind die Kernaussagen dieser "Evolutionären Kulturökologie" [Finke 2003], deren Begriffswelt Tschachler seinem "Versuch über eine Kulturfiktion" zu Grunde legt? Da wäre einmal die von Finke u. a. auf Jakob von Uexküll, Gregory Bateson und Arne Naess zurückgeführte Idee, Konzepte und Begriffsapparatur der biologischen Ökologie auf geistes- und kulturwissenschaftliche Problemfelder zu übertragen, um durch eine solcherart neugewonnene Sichtweise weitere Erkenntnispotentiale zu erschließen. Was nun bei Uexküll und Bateson vielleicht tatsächlich Früchte trägt, gerät bereits bei Arne Naess zur sogenannten Tiefenökologie, jener dampfenden Mixtur aus Biozentrismus, Anti-Rationalismus und esoterischem Mystizismus, der der Neuen Rechten nicht umsonst als eine ihrer Grundlagen zur Erarbeitung eines modernen, positiv konnotierten Begriffsinstrumentariums dient. Bei Finke aber vergärt der Ansatz dann durch verschiedenste Beimengungen vollends zu einem diffusen Ideologiegebräu, wie in der Folge noch zu zeigen sein wird. Doch bleiben wir vorerst bei den Grundlagen jenes Theoriengebäudes, aus dem heraus Tschachler die Grundlagen des Granatapfelprojekts entwickelt.

Wichtigstes Theorem seiner "Evolutionären Kulturökologie" ist nach Finke die Einsicht, dass es neben biologischen auch kulturelle Ökosysteme gibt. Beim Gewinn dieser Einsicht beruft er sich auf die Analysemethoden einer nicht näher spezifizierten "modernen Systemtheorie", bei der es sich jedenfalls nicht um eine ihrer gesellschaftswissenschaftlichen Spielarten handeln kann, beschimpft Finke doch andernorts[4] gerade Maturana und Luhmann als gefährliche theoretische Modeschöpfer[5]. Wie auch immer. Gestützt auf diese Erkenntnis (der Existenz kultureller Ökosysteme) setzt Finke sodann Kultur gleich mit diesem "[...] evolutionär relativ jungen anderen Typus von Ökosystemen" [Finke 2003, S260] Kulturen trügen daher, so Finke weiter, wenn auch oberflächlich verdeckt, das strukturelle Erbe biologischer Ökosysteme in sich, wären also mit den selben Methoden wie jene beschreib- und erklärbar. Damit ist die Vorarbeit im Wesentlichen geleistet, das Ideologem von einem "evolutionären Strukturerbe" der Kultur postuliert und somit kulturelles (also wohl auch gesellschaftliches) Geschehen auf biomorphe Prozesshaftigkeit reduziert. Biologische Energieflüsse würden kulturell halt nicht in Biomasse umgesetzt, sondern in symbolisch codierte Information, Nahrungsketten da würden zu Informationszyklen dort und mit Blickrichtung auf ihre funktionale Äquivalenz hätte die Kulturzugehörigkeit für den Menschen ja eine ähnliche Bedeutung wie das Meer für den Wal. So weit, so unproblematisch.

Es wäre aber keine wirklich "Evolutionäre Kulturökologie", wenn hier bereits das biologistische Ende erreicht wäre. Denn wenn schon biologistisch, dann aber bitte nicht homöopathisch sondern gleich forte dosiert. Und so lässt Finke an keiner Stelle Zweifel darüber aufkommen, dass nach seiner Theorie die Entwicklung von Kulturen auf Grund des soeben postulierten Strukturerbes durch die selben, auf Steigerung der Fitness zielenden darwinistischen Evolutionsmechanismen (Mutation, Rekombination, Selektion, ...) gesteuert wird, wie die Entwicklung ihrer biologischen Vorfahren. Hilfreich bei seiner diesbezüglichen Argumentation ist ihm dabei Dawkins' Therorie der Meme. Diese immateriellen Informationsträger (Empfindungen, Ideen, Gedanken, ....) lösen nach Dawkins in Kulturen die materiellen Gene in ihrer evolutionären Replikatorfunktion ab. Die biologisch-genetische Evolution erhält also von Finke ihre neue Partnerin in Form der kulturell-memetischen Evolution zur Seite gestellt.

Damit leistet Finke (wohl eher bewusstlos denn bewusst) keinen geringen Beitrag zum Versuch der theoretischen Fundierung eines ökologisch verbrämten kulturellen Rassismus, wie ihn die Neue Rechte nicht nur in Frankreich denkt, sondern in ganz Europa hegemoniefähig machen möchte. Mit der totalen Rückführung kultureller Entwicklung auf biologische Prozesshaftigkeit in dieser "Evolutionären Kulturökologie" lässt sich das Vokabular des genetischen Rassismus endlich bis ins allerletzte Detail auch im kulturellen Bereich völlig unverdächtig auf- und abbeten. Und Finke erweist sich sofort als eloquenter Vorbeter: "Auch kulturelle Vielfalt ist nur möglich, wenn es Grenzen zwischen den Kulturen gibt, die sie von einander zu unterscheiden gestatten." [Finke 2003, S263] Vielfalt als unabdingbare Voraussetzung der Fitnesssteigerung in jeder Art von Ökosystemen, könne im kulturellen Bereich also nur gewahrt werden, wenn entsprechende Grenzen deren Existenz überhaupt erst ermöglichten. Offene Grenzen natürlich, nicht Maturanas strukturelle Abschließungen wohlgemerkt. Grenzen aber, deren Durchlässigkeit ausschließlich einem Zweck zu dienen hat: Neues memetisches Material durchzulassen, um den evolutionären Erfolg kultureller Ökosysteme (=Kulturen) zu garantieren. Grenzen werden in diesem Kontext zur Bedingung des Überlebens halluziniert, Vielfalt und Kreativität (Erzeugung von Vielfalt) zum strukturellen Imperativ im evolutionären, kulturellen Konkurrenzkampf verwurstet. Die ureigentlich heterozide (Aus-) Grenze rechter Identitätskonstruktion wird so zur Bedingung blühender Vielfalt umgelogen. Inter- und multikulturelle Diffusions-, Assimilations- und Integrationsprozesse haben damit in der kleinen, wohlgerasterten und -begrenzten Welt der "Evolutionären Kulturökologie" keine Existenzberechtigung, stehen diese doch der Idee einer durch Grenzen erzeugten Vielfalt geradezu diametral entgegen.

In diesem Zusammenhang ist es übrigens nicht verwunderlich, dass Finke gleich an zwei Stellen [Finke 2003, S266, S268] die aktuellen ökonomischen Globalisierungsprozesse aus seiner bornierten, biologistischen Sicht kritisiert. Sie würden nämlich, so Finke (und mit ihm bekanntlich ein großer Teil der rechten Globalisierungskritik), kulturelle Vielfalt, nach Finke ja die evolutionäre Voraussetzung des erfolgreichen kulturellen Überlebens (-kampfes) schlechthin, zerstören und seien daher, im Sinne seiner kulturökologischen Ethik verwerflich. Bei so viel sündhafter Verkommenheit werden sich die Herren in den Vorstandsetagen von Siemens oder der Bank Austria (beide übrigens Sponsoren des Granatapfelprojektes) sicherlich gleich mächtig Asche aufs Haupt streuen. Die Borniertheit, mit der hier revolutionäre gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Transnationalisierung der kapitalistischen Unternehmung, zu mittelgroßen ethischen Problemchen heruntergedacht werden müssen, ist dabei gar nicht einmal bemerkenswert. Denn die strukturelle Dichotomie von Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen, welche das eigentliche Problem der momentanen Globalisierung konstituiert, ist in dieser Denktradition allein durch die Wahl der Begrifflichkeit noch nicht einmal formulierbar.

Aber das gesamte Ausmaß an intellektueller Schlichtheit in Finkes Weltbild zeigt sich nicht nur hier auf der ethnischen Ebene der "Kulturen der Völker", wie er das nennt, sondern insbesondere auch auf der mittleren Ebene seiner sogenannten "sozialen Kulturen". So liest man etwa: "Aus den Alltagsbemühungen um Wissen wird die Wissenschaft, aus einfacher Güterproduktion und einfachem Gütertausch wird Wirtschaft, aus elementarem sozialen Handeln Politik, ..." [Finke 2003, S262] Was hier wie ein Zitat aus einem Pennäleraufsatz klingt, ist von Finke aber durchaus ernst gemeint. Es kann nämlich nach der Lektüre von [Finke 2003] kein Zweifel daran bestehen, dass er Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kunst, etc.. als kulturelle Systeme begreift, deren "evolutionäre" Entwicklung mit Ausnahme grenznaher Austauschprozesse unabhängig von einander erfolgt. Wer so die Totalität menschlicher Vergesellschaftung in einem globalisierten warenproduzierenden System nur in der fragmentierten Form miteinander "evolutionär" verknüpfter kultureller Systeme begreifen kann, dem muss dann konsequenterweise die Spezialisierung und die damit einhergehende Fragmentierung der "Bacon'schen", also der modernen Wissenschaft geradezu als fratzenhaftes Spiegelbild seiner eigenen Denkschranken entgegentreten.

Und so kann Finke natürlich nicht umhin, seine Kritik an diesem "logical point of view" und der damit einhergehenden Fragmentierung der Welt durch die moderne Wissenschaft - klarerweise unter Rekurs auf den New Age-Vordenker Fritjof Capra - vorzutragen. Mit seinem biologistischen Ansatz in der gesellschaftlichen Analyse gleicht er damit jenem bemitleidenswerten Handwerker, der über die Zange flucht, mit der es ihm nicht und nicht gelingen will, den Nagel einzuschlagen. Finke scheint aber die Unangemessenheit seines Werkzeugs förmlich zu riechen und fordert in seiner Wissenschaftskritik gerade nicht die Abkehr von logischer Analytizität, sondern plädiert als Vertreter genau dieser Wissenschaft nur für deren Einbettung in eine "ökologische Perspektive". Bei Tschachler hingegen, der nicht nur den Titel seiner Kulturfiktion, sondern die zentralen Positionen des Granatapfelprojektes genau aus dieser Passage wörtlich übernimmt, geraten die Dinge in der Folge zu einem antirationalistischen Sturmlauf auf das gesamte "westliche Denken" [Tschachler 2004, S170] und zu einer veritablen etude in Esoterik und Mystizismus. So sei das "Grundübel" für die analytische Fragmentierung der Welt im westlichen Denken "die Angst - die Erinnerung an Erlittenes, ..., vor materieller Unsicherheit, vor Misserfolg und Einsamkeit, vorm Altwerden, letztlich vorm Sterben" [Tschachler 2004, S170], zitiert er etwa den "Philosophen" Jiddu Krishnamurti.

Völlig außerhalb seiner Intention liefert Tschachler hier so ganz nebenbei eine messerscharfe Analyse der psychischen Befindlichkeit der österreichischen Bevölkerung mitten in den tiefgreifendsten Reformen ihrer Sozialsysteme seit 1945. Anstatt aber aus solchen Einsichten heraus eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu fordern, welche die Wünsche, Hoffnungen und Träume genauso wie die Ängste und Verletzlichkeiten der Menschen respektiert, kann Tschachler in der Gefolgschaft eines indischen Ex-Theosophen nichts anderes als den Spieß auf das Zynischste umdrehen. Nicht ihre Ursache, nein, die Angst selbst sei das "Grundübel". Nicht etwa die wahnwitzige neoliberale Umgestaltung ganzer Kontinente, nein, die Angst der Menschen davor bewirke ihre Zersplitterung in "Ich" und "Nicht-Ich" und bringe "nur bruchstückhafte Aktivität hervor", welche die Wahrnehmung "jener völlig anderen Dimension, in der der Geist ruhig ist und das Denken schweigt, gar nicht zulässt." [Tschachler 2004, S171] Eine solche Diagnose erfordert dann natürlich eine entsprechend harte Therapie. Diese verordnet Tschachler im Granapfelprojekt in Form einer Gehirnwäsche unter Vollnarkose: "Der Ausweg liegt also in Kommunikation, allerdings in einer, die erst hinter und jenseits der verbalen Kommunikation zu finden sei. Krishnamurti bezeichnet sie daher als 'Kommunion', wie sie nur über eine 'Revolution im Psychischen' zu erreichen wäre, über eine tiefgreifende Wandlung des menschlichen Geistes, ..." [Tschachler 2004, S171]

Nachdem also Tschachler mit Finke die Renaturalisierung des Sozialen abgebetet und damit jede gesellschaftliche Krise zu einem Naturphänomen erklärt hat, kann es mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerkes wieder einmal nur der böse, böse Mensch sein, der durch seine bloße Existenz den ungestörten Gang der schönen Maschine stört und dessen Unterwerfung unter die naturhaft objektivierten gesellschaftlichen Verhältnisse es daher auch in der Kunst durchzusetzen gilt. "Die Kunst wird zu Wirtschaft, zu Philosophie, zum politischen Handeln", schreibt dann auch Gerhild Tschachler-Nagy konsequenterweise auf www.granatapfel.com in Erklärung ihrer Projektidee. Wie recht sie doch hat und wie brav sie auch an alle Kunstschaffenden, und -Interessierten die Forderung der Stunde nach "Übernehmen von Verantwortung" weiterleitet, just in jener politischen Atmosphäre, in der plötzlich der Einzelne Verantwortung übernehmen soll für Verhältnisse, deren Verhandelbarkeit seinem Einfluss noch nie unterworfen war. Bei so viel Systemaffirmation kann es nicht wundern, dass die Liste der Sponsoren auf www.granatapfel.com an Länge so ziemlich alles andere übertrifft. Dieses Projekt ist nicht nur mit jeder herrschenden Politik kompatibel. Dieses Projekt verkörpert die herrschende Politik.

Zusammenfassend lässt sich also vom Standpunkt unserer Kritik sagen, dass das Kunstprojekt "Der Granatapfel" auf Grund seiner Fundierung auf einem tendentiell rechten Kulturbegriff und dem darauf aufbauenden esoterischen Gesülze schlichtweg zum Speiben ist. Oder, um es mit den Worten Jutta Ditfurths zu sagen: "Esoterik hilft dabei, den Menschen jeden emanzipatorischen Gedanken auszutreiben." Damit aber passt das Kunstprojekt "Der Granatapfel" haargenau in jenes "kulturpolitisch geförderte Kärntner Kulturgeschehen", gegen welches es kontrapunktisch anzutreten vorgibt.

Literatur

[Finke 2003] Peter Finke, Kulturökologie, in: Konzepte der Kulturwissenschaften, S248ff, Stuttgart, J. B. Metzler, 2003

[Tschachler 2004] Heinz Tschachler, Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Versuch über eine Kulturfiktion, Der Granatapfel, S164ff.

[1] "Die Brücke", herausgegeben von der Kulturabteilung der Kärntner Landesregierung
[2] Die wahrscheinlich nicht mehr verfügbare Seite kann bei uns nachgelesen werden
[3] So jedenfalls bezeichneten die "Kulturnews" des Amtes der Kärntner Landesregierung den Artikel von Heinz Tschachler
[4] vgl. Peter Finke, "Misteln, Wälder und Frösche: Über Metaphern in der Wissenschaft" auf http://www.metaphorik.de/04/finke.htm, 2003
[5] Eine nicht unhübsche Idee, käme sie nicht von Finke sondern aus einem emanzipatorischen Eck
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Mimenda, 2007-09-08, Nr. 3908

mir hätten zur übergabe gegessenen auch schon diese worte von Gerhild Tschachler-Nagy gereicht, in welchen sie DAS PROJEKT "umreißt":

"Der Granatapfel steht für menschliche Existenz pur.
Die Organisationsform des Granatapfels und das Thema sind ident. Die soziale und die Kunst-Vernetzung gehen Hand in Hand. Es kommt zur Belebung, zum Miteinander, zur Bewegung. Ganze Orte und Städte geraten in eine völlig neue Dynamik. Jeder Künstler macht seine eigenen Felduntersuchungen.
Die Kunst wird zu Wirtschaft, zu Philosophie, zum politischen Handeln. Das bedeutet ein Zulassen, ein nicht-hierarchisches Miteinander, eine Vernetzung, die durch Mit-Tun und Übernehmen von Verantwortung für das Gesamte entsteht. Der Granatapfel ist still, macht die Kunstszene nicht noch bunter, noch eventmäßiger, sondern auf hohem Niveau dynamisch. Innerhalb der Kunst ist privatwirtschaftliches Denken fast aufgehoben, dafür kommt es zu einem neuen Einklicken in die Wirtschaft."

der granatapfel stehe für die reine menschliche existenz! fiat lux - es bleibt aber dunkel. oder soll dieser flatus cerebralis hier erst einmal um sich stinken?
die organisationsform und das thema seien ident! wie kann eine form, noch dazu eine organisierte, identisch mit einem inhalt sein?
soziale und kunstvernetzung gehen hand in hand! ei, wie schön, und es kommt dann tatsächlich zu miteinander und bewegung ganzer orte und städte (ich hoffe nicht auch noch der hauptstädte, z.b. münchen). wahrscheinlich bilden all die lieben menschen da gaanz lange kettchen, in welchen sie sich sauwohl fühlen und zudem noch als solche, die etwas tun für das miteinander in der achso kalten welt.
ja, und die künstler betreiben feldforschung, sie sind nun wissenschaftler, nein wirtschaftler, nein philosophen, ach einfach alles, hauptsache dynamisch vernebelt. denn in der kunst ist ja privatwirtschaftliches denken fast aufgehoben. haha, selten so gewürgt.

kunstbetrieb ist das alles, sonst nichts. und der ist seit jeher kommerz, also im privatwirtschaftlichen denken "aufgehoben", in das er nun erneut "einklicken" (???) soll. auch hinz und kunz, sie klicken ein: schön ist es, ein granatapfel zu sein. sackzement!

angesichts solcher sätze, die ich - wenn sie nicht jeglicher sprachlicher kraft aufs äußerste entrieten - heideggeresk genannt haben würde, dreht sich mir wirklich der magen um und hindert mich am w...

Mimenda, 2007-09-08, Nr. 3909

eben wollte ich die seite zumachen und dieses granatenprojekt für mich beenden, da komm ich zufällig auf das, was unter "ägypten, brd [hach, wie geben uns linksintellektuell] österreich dargeboten wird:

"Ägyptische Granatäpfel, virtuell köstlich zubereitet.
Blauer Himmel, so weit das Auge blickt. Jemand sitzt im Schneidersitz vor einem knallroten Beduinenzelt und schreibt konzentriert auf einem Laptop. Im Hintergrund die Berge - aus der Ferne schreit ein Pfau - aus dem Zelt kommt leise ägyptische Musik - wir sind in Kärnten. Das rote Zelt mit dem ausladenden Dach ist eine Werbeagentur, eine mobile Werbeagentur. Doch die Basis ist das Internet - deshalb ist es eigentlich egal, wo wir gerade sind.

Beduinenzelt.com, das sind die Beduinen des 21. Jahrhunderts.
Sie ziehen mit den Kunden wie die Beduinen früher von Brunnen zu Brunnen zogen. Moderne Beduinen steigen vom Kamel runter und rein ins Flugzeug. Und mobil sind sie auch im Kopf: Ihre Ideen sind überraschend wie die Raubzüge der Beduinen früher."

es würde mich schon überraschen, wenn da überhaupt ideen dahinterstünden. es sieht eher danach aus, als sei dieses gesabbel einem textautomaten entnommen, der auf befehl die triologie des fortlaufenden schwachsinns zum thema hat. überraschend ist daran bloß, dass man einen solchen durchsichtigen dünnschiss zum besten gibt. denn dieser kann als nichts anderes gedeutet werden als die widerwärtige anbiederung an den geldgeber und deren subalterne "manager", welchen der text unverhohlen huldigt.

beduinen!? in die wüste mit ihnen zur verordneten extremerfahrung, die all jene brauchen, die für die möglichkeit, erfahrungen zu machen, längst gestorben sind. mir ist schon wieder schlecht...

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