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2007-08-10

Identität, Heimat und Umweltbewegung

Ein Diskussionsbeitrag der kulturinitiative kuland (Berg im Drautal) aus dem Jahre 1996 . Redaktionelle Bearbeitung: Walther Schütz

Länger schon ist zu beobachten, dass in der Ökobewegung völlig unreflektiert mit „Heimat“ herumhantiert wird. Fuer viele Bürgerinitiativen ist die Verwendung des Heimatbegriffes als Appell an die Bevölkerung, doch gegen die Zerstörung "ihrer" Umwelt (= "Heimat") einzutreten , als Mobilisierungsmethode völlig unproblematisch. Ausgegangen wird dabei von der Annahme, dass "Heimat" in der Bevölkerung weitgehend positiv verortet ist und der Hinweis auf ihre mögliche Bedrohung Abwehrreaktionen gegen was auch immer das Drohende ist hervorruft. Diese reaktive, abwehrende Haltung wollen BIs aktivieren und meist gegen irgendwelche kleineren oder größere Projekte mobilisieren. „Heimat“, das wissen die BIs, konotiert mit einer Abwehrhaltung gegen eine Bedrohung von außen, ein „wir gegen sie“. Wer "Heimat" für politische Mobilisierung verwenden will, knüpft an die nach dem gleichen Heimat-Muster verbreitete Angst und Abwehrhaltung gegenüber allem dem Nicht-Identischen zugewiesenen etwa in Gestalt von „Ausländern“, „Kriminellen“, „Drogenabhängigen“, „Unkultur" etc. an. Im Zusammenhang mit der Mobilisierung gegen einzelne Projekte geht dies oft mit einem anti-städtischen Reflex einher und der Zeichnung der eigenen Umgebung als ein noch weitgehend „unverdorbenes" Areal. Die gesellschaftlichen Verhältnisse vorort, dort „wo die Welt noch in Ordnung ist", werden dann als eines der letzten Paradiese gegen den kolonisatorischen Zugriff der unheilbringenden Moderne aus den Städten verteidigt.

Andererseits nehmen sich verstärkt rechte Ideologen des Ökologie-Themas an und verknüpfen es mit „Heimat" und Konzepten kultureller Identität. Freudig sehen sie die Gemeinsamkeiten mit einer breiten wertkonservativen Strömung in der Umweltbewegung, „die (...) in Wahrheit in typisch deutschen Traditionen des Naturbewusstseins denkt und fühlt. (...) In Zeiten aber, da das nationale Element weltweit (...) neue Bedeutung erhält, in der die nationale Identität der Völker und Volksgruppen als kulturelle Selbstbestimmung zu einer zentralen, ideellen Forderung geworden ist, kann sich auch in Österreich die Ideenbrücke zwischen volksverbunden, heimatbewusst und umweltbewusst kaum verhindern lassen.“ (Andreas Mölzer im Kärntner Grenzlandbuch 1995) Umweltzerstörung wäre demnach auf die Entfremdung der Menschen von ihrem Volk und ihrer Heimat in der modernen Industriegesellschaft zurückzuführen. Dem gilt es durch die Betonung der kulturellen Identität und einer organischen Symbiose zwischen Volk, Natur und Individuum entgegenzutreten. Allerdings ist festzuhalten, daß die Idee der organischen Symbiose von Volk, Natur und Individuum immer schon Bestandteil rechter Ideologiebildung gewesen ist und auch patriarchal begründet ist. Verwiesen sei hier nur auf die Heimat- und Naturschutzbewegungen im deutschsprachigen Raum seit der Jahrhundertwende, die allesamt früher oder später im Nationalsozialismus aufgegangen sind. Es lässt sich aber auch leicht zeigen, wie unkritisch sich die Umweltbewegung gegenüber so manchen ihrer sog. „Vordenker" verhält, die nicht zufällig auch in rechtsextremen Kreisen zu den meistzitierten Naturwissenschaftlern gehören; allen voran Konrad Lorenz, dessen Denken als unmittelbarer Ausgangspunkt für den rechten Ökologiediskurs zu sehen ist. Das Primat der Natur in Lorenz` Denken mit der besonderen Betonung der Triebhaftigkeit des Menschen bedeutet, dass sie es sind, die im wesentlichen das soziale Handeln des Menschen bestimmen. Die Verteidigung des eigenen „Reviers“ und die Abwehr von allem „Fremden“ wären daher nur natürlich, zumal in Zeiten bedrohlicher „Überbevölkerung“. Das impliziert zweierlei: Einerseits die Behauptung einer naturgegebenen einheitlichen Gruppe (kollektive Identität), andererseits eine natürliche Rechtfertigung von Rassismus und über die Feststellung einer naturgegebenen Arbeitsteilung auch die Akzeptanz von patriarchaler Herrschaft. Gesellschaftliche und politische Verhältnisse werden also naturalisiert.

Mit diesem Ansatz lässt sich die ökologische Krise als Folge und Ausdruck einer bestimmten Wirtschaftsweise auf eine ethnisch-kulturelle Ebene umdeuten. Ursache der Umweltzerstörung ist - wie schon erwähnt - dann der Verlust einer kollektiven (nationalen) Identität durch „Überfremdung“ oder „Umvolkung“ und der Verlust der "wahren" Werte, die dazu führen, dass der Mensch nicht mehr eins ist mit seinem „Volk" und „Mutter Natur"; die Lösung wäre die Rück-Besinnung auf die eigene kulturelle Identität und die Ausgrenzung von zu einer bestimmten Gruppe zugehörig definierten Menschen. Sie sollen dort bleiben, wo sie herkommen; nicht-entfremdet von ihrer heimatlichen Umwelt. Es wäre kein großes Aufheben um diese kruden Ideen zu machen, würden sie irgendwo am rechten Rand dahindümpeln, bestünde nicht die Gefahr, dass sie in der bürgerlichen Ökologiebewegung, in ihren Diskursen und Strategien, Anknüpfungspunkte finden könnten.

Die Aktion „Feuer in den Alpen“ bzw. „AlpenFeuer“ etwa droht unserer Meinung nach den Ansätzen des neu-rechten Ökologiediskurses Anknüpfungspunkte zu bieten, auch wenn hier dezidiert nicht von Überbevölkerungs- oder Umvolkungsphantasmen ausgegangen wird. Die Alpen und ihre Bewohner/innen, die „Älpler“, wie sie vereinheitlichend genannt werden, werden da eher als von „Schreibtischtätern in Wien, Brüssel oder Rom“ und den "Touristenmassen" beherrschtes und um ihre Lebensgrundlagen gebrachtes "Volk" gesehen. Vor allem in verschiedenen Beiträgen der Publikation „AlpenFeuer“ von Gerhard Leeb lässt sich dies bzgl. des Identitätskonstruktion des "Älplers" und dem Primat der Ökologie gegenüber allen anderen sozialen/politischen Themen zeigen. Eine angebliche gemeinsame kulturelle Identität wird mit dem Kampf gegen Umweltzerstörung verknüpft und kommt in der Forderung nach Erhaltung eines "eigenständigen Kultur- und Lebensraumes" aus.

Der Älpler, die Älplerin, als immer schon widerständige, mit den Alpen tief verbundenen, von ihnen geprägte und in ihnen kulturell geformte Wesen, tauchen immer wieder als Hoffnungsträger/innen für ein „neues Leben" in den Alpen auf, deren Wurzeln aber, wie betont wird, weit zurück reichen. Wie jede Identitätskonstruktion, die nach außen gerichtet ist, ist sie voll heroischer Idealisierungen, aus der Luft gegriffener Zuschreibungen, durch nichts haltbare Eigenschaften und eine Idealisierung „ihrer“ Geschichte. Die Ablehnung des anderen (des Flachländers, des Städters mit seiner Überheblichkeit) trägt sie implizit mit sich herum. „Den heute sich blindlings verlaufenden Neureichen wird man wieder den Pranger errichten für ihre Schandtaten gegen die Natur" (S.51). Die Älpler, die im Gegensatz dazu eigentlich schon immer „sowohl im Denken (für die nächste Generation) als auch im handeln (ganzheitlich) einer uralten bäuerlichen alpinen Traditionen" folgend und aus den selbstgemachten Erfahrungen von Generationen heraus" (S.118) gewusst haben, wie mit den Ressourcen umzugehen sei, wurden leider „von den ersten Jahrzehnten der sogenannten `Neuzeit` und von ihren Interessenvertretungen (...) überrumpelt". [Anm. der Autor/innen: Für welche historische Zeit steht denn hier die Neuzeit? Für die Zeit seit Ende des 2. Weltkrieges? Vorher war alles paletti? 1492 kann wohl nicht gemeint sein.] Aber „jetzt haben sie sich gefangen. (...) Sie pflegen wieder ihre alten Sprachen, verweigern den Tourismusgewaltigen ihre Folklore und der EU ihre Produkte." (ebd.) Knapp sind sie noch einmal dem Untergang durch die Zerstörung der Ganzheitlichkeit und die Entwurzelung des Menschen aus der Mutter Erde durch die Moderne entgangen. Ganz abgesehen davon, dass in dieser Haltung weitgehend nur eine "Flucht in die Dorfverschönerungsaktion, in die Volkstanzgruppe, in den Dialekt, (..) eine Flucht aus dem Alltag in die Regression" (PÖTSCHER) zum Ausdruck kommen würde und an sich keinerlei emanzipatorische Kraft entwickeln könnte, stellt sich die Frage, wo denn dies auch wirklich der Fall wäre? Und wie verweigert denn ein Bauer "der" EU seine Produkte? Isst er alles selber? Ist die Realität nicht die, dass es aufgrund der ökonomischen und politischen Strukturen keine Flucht vor "der" EU geben kann?

Hier kommt doch eher die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, nach der glücklichen Kindheit in einer unkomplizierten unverdorbenen kleinen Welt zum Vorschein, als die genannten Merkmale einer „alpinen Lawine" evident wären. Dass „immer mehr junge Menschen zurück kehren in die Dörfer" kann zumindest aus unserer Sicht nicht behauptet werden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die mythische Verklärung der Alpen (der Dobratsch - der heilige Berg der Kärntner) und der „Älpler" gibt dem ganzen schon fast einen religiösen Touch. Eine ähnliche mythische Begründung lässt sich bei Hans Haid finden, wenn er über die Alpenfeuer schreibt: „Bis an die Wurzeln und zutiefst in unsere Identität hinein greift das ALPENFEUER (...) Deswegen ist dieser neue BRAUCH so griffig, weil er so unmittelbar auf der Wurzel-Kultur baut: auf alten, uralten Symbolen und Kulthandlungen, auf Feuer und Stein.“

Die Identitätskonstruktion des Älplers behauptet kulturelle Gemeinsamkeiten der in den Alpen wohnenden Menschen. Wie einst Völkerkundler im fernen afrikanischen Urwald oder in der australischen Wüste eine direkte kulturelle Determinierung, durch die geographischen Gegebenheiten behaupteten, wird hier eher implizit als explizit den Bergen und Tälern des „wichtigsten Gebirges Europas“ die kulturelle Formung der Menschen nachgesagt. „Nur sie verstehen etwas von dem Boden der langsam wegzurutschen droht, von den Wäldern und den Menschen die dahinsiechen und von den Tieren und Pflanzen deren Lebensraum zusehends verschwindet“. (S.123) Der Rekurs auf „die“ Geschichte, auf „die“ Wurzeln, auf die „Essenz“ mahnt jede/n, der/die - durch welche Kriterien auch immer – gewaltsam eingereiht wird, sich betroffen fühlen zu müssen, mitmarschieren zu müssen und schreibt die einzelnen in einen kollektiven Plan fest, der „Kommandosprache des Heimatgefühls“ (J.Riedl) zu gehorchen.

„Der Mensch der Alpen hat keine Kriege geführt. Er hat sich aber immer gewehrt. Gegen die Natur ebenso wie gegen die Eindringlinge. Die Tradition dieser Wehrhaftigkeit ist ungebrochen.“

Diese Sätze finden sich am Anfang des Buches „AlpenFeuer".
Der Mensch der Alpen hat keine Kriege geführt? Er hat sich aber immer gewehrt? Gegen die Natur ebenso wie gegen die Eindringlinge? Die Tradition dieser Wehrhaftigkeit ist ungebrochen?

Bis nach Stalingrad und bis in die afrikanische Wüste haben sie Kriege geführt. Gegen die Nazis haben sie sich (größtenteils) nicht gewehrt. Stimmt, die waren auch keine Eindringlinge, sondern größtenteils sie selbst. Gegen die Partisan/innen in Südkärnten oder auf der Koralpe wurde aber heroisch gekämpft. Auch Nachbarn wurden denunziert und ins KZ geschickt. „Die Tötungsmaschinerie", die die Partisanen hingerichtet hat, bestand aus einem guten Teil aus den tollen "Menschen der Alpen"; ebensolche waren wohl auch "die euphorischen jungen Soldaten" des 1. Weltkrieges. (S. 50f.) Und heute stehen schwer bewaffnete Milchgesichter aus den Alpen an den Grenzen und wehren sich wieder sehr heroisch gegen erschöpfte „Eindringlinge" aus dem Iran und Irak, aus Kurdistan, Sri Lanka und Nigeria. (Von der Geschichte des Widerstandes gegen den NS will der Großteil nichts hören, der ist eher unangenehm. Am Kriegerdenkmal stehen ja die alten Kämpfer und nicht die erschossenen Deserteure und Partisan/innen.) Und der Abwehrkampf in Kärnten ist noch immer nicht ausgefochten scheint`s. Zuletzt wurde er - öko-kompatibel - gegen die EU bestritten. „Der Ruf der Heimat" erschallte angemessen laut. In diesem Zusammenhang stimmt`s also: Die Tradition der Wehrhaftigkeit ist ungebrochen. Und weiter stimmt sie und kommt am deutlichsten zum Vorschein, wann immer der bequeme Feind vor die Nase gesetzt wird: die Tschuschen und Slowenen, die Wiana, Brüssl und siehe da: die Flachlandindianer, die den Mensch der Alpen kolonialisieren und ihn mit Autobahnen, Kraftwerken u.a. nur auf sie angewendeten, ausgefinkelten Waffen knebeln und niederhalten.

Allemal zum Ausdruck bringt diese Einleitung: Das Böse kommt von außen. An "uns" kann es nicht kranken. Nur ein Beispiel, weil es so ins Auge sticht: In den anfangs angeführten Sätzen kommen auch alte Reproduktionsmuster des patriarchalen Mann-Seins implizit zum Ausdruck. Der Kampf gegen die Naturgewalten und die heldenhafte Verteidigung der Küchen, Frauen und Kinder: gegen die Natur ebenso wie gegen die Eindringlinge, war immer schon ein Ort der Reproduktion von Männlichkeit und Männerbünden, egal ob an der Grenze, in der Feuerwehr oder jetzt in der Alpenwehr. Diese Tradition dieser Wehrhaftigkeit scheint tatsächlich ungebrochen: „Wo man mit Mannesmut und Frauentreu, die Heimat sich erstritt aufs Neu..." Keine Frage, ob hier und jetzt etwas zu verändern ist im Verhältnis zwischen Männern und Frauen, in den HERRschenden gesellschaftlichen Strukturen. Aber wen kümmert’s, wenn Mann glaubt, dass zu Hause der Laden läuft und der Feind außen steht: in den Ebenen, in den Städten, in Brüssl oder sonstwo; und hier zwischen den hohen Bergen alle Widersprüche platt gemacht werden in Ewigkeit Amen und sich die Illusion von den widerständigen, allzeit zum Kämpfen bereiten „Älplern" vor Augen gehalten wird.

Das Beweinen des Verlustes einer angeblichen kulturellen Identität in Teilen der Öko-Bewegung kann sich dann mit dem Recht auf Bewahrung einer kulturellen Identität von neu-rechter Seite vereinen. Der Chef-Ideologe der europäischen Neuen Rechten, Alain de Benoist, definiert Kultur als Fortsetzung der Biologie, als alles was zur Natur hinzukommt. Begründet wird die behauptete Verwurzelung des Einzelnen in einer kollektiven kulturellen Identität anti-aufklärerisch und mythisch mit einer „Fähigkeit zum Gesamteindruck“, einem „Gefühl für die Wechselwirkungen“, einem „Gespür für natürliche Verbindungen“ und dem „Bezug zur Erde“ (WEG UND ZIEL 1993). Diese unmittelbare, mythisch begründete Verbindung zwischen geographischen Gegebenheiten und einer entsprechenden Kultur lässt sich dann in einer regionalistischen Perspektive besonders fruchtbar machen. Gegen die Zentralisierungstendenzen der EU und einer diagnostizierten Machtlosigkeit der Nationalstaaten wird mit dem Regionalismus ein neues Selbstbewusstsein und Zugehörigkeitsgefühl gesetzt, um sich gegen die fernen, in Bürokratien anonymisierten Zentral-Mächte zu behaupten. Regionalismus kann als Rückwendung zum ethnisch, historisch, kulturell oder geographisch abgesteckten Revier gesehen werden, das für die dort Lebenden seine „Heiligkeit" hat. Bewusst knüpft die Neue Rechte hier an alternative und ökologische Diskurse an und erhofft sich das Wachsen einer europaweiten „nationalen“ Bewegung von unten.

Dieser meta-politische Ansatz findet seine Entsprechung in der Behauptung, dass „seit dem ersten Buch von Dr. Haid und seit den `AlpenFeuer`-Aktionen" all die guten Alpen-Menschen nicht mehr allein wären. „Es trennen sie auch keine Grenzen, keine weltanschaulichen oder politischen Gründe. Sie alle vereint die Bedrohung ihres Lebensraumes und der Wunsch hierzubleiben". Da wär sie wieder - die gute alte Einheit, ein Buch und ein paar Feuer und schon sind sich alle einig, werden alle in ein Topf geworfen und ungefragt eingereiht in die Alpen-Einheitsfront. Mit sich herum trägt dieses Konstrukt einen latenten Anti-Modernismus, der die Idee der Emanzipation des Menschen zurückstellt hinter das Primat der Natur. Unseren Erfahrungen nach jedoch gibt es weltanschauliche und politische Differenzen genug (sonst würden wir uns nicht äußern und gäbe es auch nichts zu diskutieren). Sie einfach wegzuretuschieren, indem an einem neuen Identitätskonstrukt gebastelt wird und eine drohende „alpine Katastrophe" so schrill hinausposaunt wird, dass alle anderen Widersprüchlichkeiten übertönt werden, halten wir - gelinde gesagt - für politisch gefährlich. Die Tradition - sei abschließend provokant gesagt - ist nicht poetisch. Sie ist vielmehr hierarchisch und autoritär, militärisch und patriarchal.

Literatur

Hasse, J. zit. nach Pötscher Susanne

Mölzer, Andreas: Grün ist heimatverbunden. IN: Grenzlandjahrbuch 1995, S.70.

Schiedl, Herbert: „... welcher Linke würde nicht zustimmen?“. Anmerkungen zur Neuen Rechten. IN: Weg und Ziel. 4/1993, S. 21ff.

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