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2007-06-11

Oberster Nestlé-Chef, na und ...?

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villach :stadtzeitung 10/2007, links Visionär Brabeck

Unser Villacher Zentralorgan ist stolz auf die Karriere von zwei ihrer Söhne, nämlich :

„... auf Bürger und Persönlichkeiten wie Brabeck-Letmathe und Löscher, die international erfolgreich sind und als so genannte Global Player an die Spitze von riesigen Weltunternehmen aufsteigen ... Spitzenjobs verlangen einen guten Blick für Realitäten, aber auch ... visionäres Denken. Unsere Stadt habe jedoch eine ganze Reihe von Unternehmern und Managern, die in dieser Hinsicht Hervorragendes leisten, Mut zum Risiko beweisen, mit ihrer Produktpalette absolutes Weltniveau erreichen, die uns Selbstbewusstsein geben und so Villachs Ruf als Stadt mit hoher Wirtschaftsdynamik und hohen Standortqualitäten mehren."
villach :stadtzeitung (Mitteilungsblatt der Stadt) 10/2007, S.9

Der eine, NESTLÉ-CHAIRMAN Peter Brabeck-Letmathe, sei irgendwann einmal Landeschef für Ecuador und Venezuela gewesen. Nestlé? War da nicht einmal was? Gab's da nicht einmal eine Kampagne „Nestlé tötet Babys!"? Stand da nicht der Vorwurf im Raum, dass der Konzern auch in Ländern des Südens Werbung für Babynahrung mache, und zwar mit Gesichtern von weißen, gut genährten Babygesichtern? Die Folge sei, so die damaligen Betreiber/innen der Kampagne, dass den armen Teufeln in der Dritten Welt suggeriert würde, sie müssten nur die Babynahrung kaufen, um ihre Kinder aus dem drohenden Elend zu erlösen. Unhygienische Bedingungen bei der Zubereitung, unzulässiges Verdünnen der Nahrung und die Beendigung der Muttermilchproduktion hätten in weiterer Folge viele Krankheiten und Todesfälle verursacht.

Und dann ist da noch der Film „We feed the world". Da kommt Herr Brabeck selbst zu Wort:

„Also Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei verschiedene Anschauungen. Die eine Anschauung - extrem würd’ ich sagen – wird von einigen, wird von den NGO´s vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heißt, als Mensch sollten sie einfach das Recht haben, Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung, ja. Und die andere, die sagt, Wasser ist ein Lebensmittel. So wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben. Ich persönlich glaube, es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, sodass wir alle bewusst sind, dass das etwas kostet… und dann anschließend versucht, mehr spezifisch für diesen Teil der Bevölkerung, der keinen Zugang zum Wasser hat, dass man dann dort etwas spezifischer eingreift… und da gibt’s ja verschiedene Möglichkeiten…. also…
Ich bin immer noch der Meinung, dass die größte soziale Verantwortung jeglichen Geschäftsführers darin besteht, dass er die Zukunft, die erfolgreiche profitable Zukunft seines Unternehmens… äh … festhält, und dass er die sicherstellt. Denn nur, wenn wir langfristig weiter bestehen können, sind wir auch in der Lage, in der Lösung der Probleme, die es da ja auf der Welt gibt, aktiv teilzunehmen."

Ein Recht auf Wasser ist nach Meinung von Brabeck eine (unvernünftige) Extremlösung! Kurz: Die Welt sei eine Ware, und in Bereichen, in denen dies noch nicht gilt, hat auch gefälligst der Kreislauf der Narretei aus Geld — Bedürfnisschaffung und Abhängighaltung — Kauf — Arbeit — mehr Geld — ... zu gelten. Ein Recht auf Wasser ist nach Meinung von Brabeck eine (unvernünftige) Extremlösung!

Das Gegenteil von Anhimmeln ist nicht Verteufeln ...

So also schaut das „visionäre" Denken von einem aus, den das offizielle Villacher Mitteilungsblatt zu einem Heroen verklärt. Da liegt der Reflex nahe: Dem vermeintlichen Helden den Glorienschein entreißen und das Böse herausstreichen.

... sondern in seiner Banalität sichtbar machen

Doch - so scheint mir - beides ist falsch, die Anhimmelung wie die Verteufelung. Denn beides suggeriert das Gleiche: Den Menschen geht's gut, wenn „die da oben" nur wollen. Geschichte, Gegenwart und Zukunft als Ansammlung individueller guter oder böser Großtaten. Die Gesellschaft als Größe, die nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktioniert (nach soziologischen und im Kapitalismus speziell nach den Gesetzen der „Verwertung des Wertes") kommt gar nicht vor. Das ist die eigentlich reaktionäre Botschaft der offiziellen Villacher Stadtzeitung und – so muss man ergänzen – leider auch so mancher Globalisierungskritiker/innen, die geradezu lustvoll einzelne böse Konzerne, Staatsmänner ... auf's Korn nehmen.

Am Beispiel des oben genannten Nestlé-Chefs lässt sich dies deutlich zeigen: Was Brabeck in bezug auf die potenzielle Ware Wasser von sich gibt, ist einfach das, was die innere Dynamik des Systems vorgibt: Alles muss verwertet werden. Da denkt nicht einer, sondern das System denkt ihn. Und wenn er dessen Gesetzen nicht hinterher nach–denkt, dann ist er weg vom Fenster. Von wegen Visionen – nur banal ist 's.

Und gleichzeitig für alle, die etwas anderes wollen, so schwierig: Wenn die einzige Verantwortung, die das System kennt, die des Wachstums des Kapitals ist, dann hilft nur Systemveränderung.

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Mimenda, 2007-06-11, Nr. 3656

ja, lieber walther, recht hast du. aber wie sehr steckt das doch in uns allen, dass wir mehr gedacht werden als dass wir selbst dächten? und trifft es nicht auf viele kleinere systeme und subsystem zu, dass es sich ähnlich verhält wie bei dem nestléherrn?

nach meinem empfinden gibt es allenthalben eine obrigkeitshörigkeit im denken, die du in jedem sich unter einer oder mehreren ideen sammelnden kreis von menschen findest. warum gibts keine abtreibungsgegner unter kommunisten und keine vegetarier unter braven katholiken? das überall herrschende parteische denken ist das problem. wir stellen uns stets über die sache, haben keine ehrfurcht vor ihr, und wo keine furcht ist, kann man sich etwas sehr gut sub-jektivieren, also unterwerfen.

die arroganz (das überhebliche, das den gegenstand des denkens entfremdet, obwohl es sich - und nicht die anderen - ihm ganz nahe wähnt) oder präpotenz (denn potent ist dieses denken mit sicherheit nicht), wie gedacht wird ohne selbst zu denken, kannst du doch in jeder talkshow mit händen greifen. dieser gestus des sich mit der mehrheit in übereinstimmung zu wissen, der gleichzeitig mit der abwertung des "abschaums" einhergeht, der da noch wagt, "andersnichtzudenken".

warum sagt der nestléherr sinngemäß, dass etwas, was nichts kostet, auch nichts wert ist? weil er eben nicht denkt, sondern nachplappert. aber vielleicht bezahlt er ja seine frau mittelbar oder unmittelbar für ihre liebesdienste, wer weiß? das problem mit den ideologemen ist, dass sie einen über kurz oder lang in sich einsaugen, sodass alles ihnen unterworfen wird.

die menschen scheuen die freiheit wie der teufel das weihwasser. lieber schon reden sie nach, was alle sagen und fühlen sich dadurch frei. sie sind repressiv entsublimiert, nicht revolutionär. aber das revoluzzerleben ist ja auch fürchterlich anstrengend, weswegen auch dieses so oft zum gestus verkommt.

wie um alles in der welt können wir eine gesellschaft schaffen, die mit sich und ihrem denken permanent unzufrieden ist? das wäre nach meiner überzeugung eine wesentliche und zuverlässige bedingung der möglichkeit von gerechtigkeit und glück, aber sicher wäre auch diese allein nicht hinreichend.

minimales bewusstsein, 2007-06-12, Nr. 3659

gedanken über ein selbstbestimmtes denken.
mimendas & walthers essay trifft den subjektiven und objektiven geist.
der gedanke sollte FREI und unabhängig vom denken sein.
jeder begriff ist denkbar sogar ein nicht-denken - verneint das denken.
nestlé & co –industrie unterliegen „prinzipiellen denkfehlern“!

gobe, 2007-06-13, Nr. 3661

"...Dem vermeintlichen Helden den Glorienschein entreißen und das Böse herausstreichen.
... sondern in seiner Banalität sichtbar machen

Doch - so scheint mir - beides ist falsch, die Anhimmelung wie die Verteufelung. Denn beides suggeriert das Gleiche: Den Menschen geht's gut, wenn „die da oben" nur wollen. Geschichte, Gegenwart und Zukunft als Ansammlung individueller guter oder böser Großtaten. Die Gesellschaft als Größe, die nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktioniert (nach soziologischen und im Kapitalismus speziell nach den Gesetzen der „Verwertung des Wertes") kommt gar nicht vor."

Vorsicht: Die Geschichte kennt sehr wohl auch handelnde Akteure - die Dialektik zwischen Objekt in diesem Fall (Gesellschaft) und Subjekt (Individuum) ist vielfältig. Es sind nicht alle Opfer des Systems (Beispiel oben..) sondern sie sind das System - mit Namen und Adresse. Also bekämpfenswert..

Apropo's "Gesetzmäßigkeiten"....

"In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.

Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.

In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären.


Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind. Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind." (K.M.)

So gesehen ist alles was wir heute unter Neoliberalismus subsummieren am Ende nichts anderes als der ideologische Reflex auf tatsächlich vonstatten gehende Vergesellschaftungsprozesse - im globalen System des Kapitalismus.

gobe - and so on and so forth, 2007-06-16, Nr. 3671

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