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Helga Pankratz

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2007-05-09

Is echt a Gaudee!

Satirische, ironische und politische Gesänge der Lesben und Schwulen in Österreich.

Leseprobe aus dem Artikel in “Die andere Hymne. Minderheitenstimmen aus Österreich” - Herausgegeben von Ursula Hemetek, Verlag: Ö.D.A., Wien 2007.


Protest der 1970er

Schwule und Lesben sind keine “Nation” - wiewohl es in der Geschichte ihrer politischen Theoriebildung Begriffe wie “Lesbian Nation” und “Queer Nation” zu finden gibt. Aber einen dem “Nationalfeiertag” ebenbürtigen eigenen Feiertag haben sie wohl. Gay Pride Day, auch Christopher Street-Day genannt: Das legendäre Datum, auf das sich die moderne LesBiSchwulen- und Transgenderbewegung beruft und auf das unsere alljährlich weltweit stattfindenden Paraden zurückgehen.
Am 26. Juni 1969 fand der “Stonewall-Aufstand” statt. Ausgehend vom Homo-Lokal “Stonewall Inn” in der Christopher Street in New York, wo Lesben, Schwule, TransvestitInnen und Transgender der Polizei Widerstand leisteten, als diese eine der üblichen brutalen Razzien durchführen wollte. - Das Maß war übervoll. Die Gays waren nicht mehr bereit, Polizeischikanen als geduldige Opferlämmer zu ertragen.
Tom Robinson war 19, schwul und lebte in London, als das passierte. Er stand am Anfang seiner Entwicklung als Musiker und Song-Poet. Mit Vorbildern wie Alexis Korner - bezüglich Inhalte - und den Sex Pistols - betreffend rebellische Energie - schrieb und sang er Mitte der 1970er seine Lieder, gründete die Band “Café Society” und entdeckte die schwule Szene und Bewegung Londons. (1)

“Glad To Be Gay” schrieb er für die Londoner Gay Pride Demo 1976. Kurz darauf gründete er, zusammen mit drei heterosexuellen Musikern, die Tom Robinson Band. Deren erste Maxi-Single “Rising Free” (1978, EMI Records) enthielt auch “Glad To Be Gay”. Die Scheibe schaffte es auf Anhieb in die britischen Top 20, doch BBC1 weigerte sich, den darauf befindlichen Schwulensong auszustrahlen. Der Konkurrenzsender “Captial Radio” spielte ihn. Dort schaffte es “Glad To Be Gay” sechs Wochen lang auf Platz Eins. Das Lied erschien in den nächsten Jahren mehrfach auf LPs von Tom Robinson und begleitet ihn bis heute bei seinen Auftritten; mit immer wieder runderneuerten, aktualisierten Lyrics. (1)

Ebenfalls in den 1970ern brachte das US-amerikanische feministische Label Olivia Records eine Reihe hervorragende offen lesbische Liedermacherinnen heraus. Versammelt auf der LP “Lesbian Concentrate” (Olivia Records 1977), verdienen viele ihrer Lieder das Prädikat “Hymne”: Meg Christian mit “Ode to a Gym Teacher”: Lobgesang einer Schülerin auf die ermutigende Vorbildwirkung einer gar nicht femininen Turnlehrerin; The Berkely Women’s Music Collective mit dem sprechenden Titel “Gay and Proud”; oder der Song “Leaping Lesbians” von Sue Fink, mit dem stolz geschmetterten Refrain: “Here come the Lesbians!”
Nicht auf “Lesbian Concentrate” zu hören, sondern erst 1979 erstmals als Single, und anschließend auf dem Album “Closet Sale” erschienen, doch unter dem Aspekt “Lesben-Hymne” unbedingt zu erwähnen, ist “Angry Atthis” von Maxine Feldman (3)Sie schrieb diesen Protestsong im Jahr 1969 - Monate vor dem Stonewall-Aufstand -, beim Besuch einer Gay Bar. Das Lied setzt sich poetisch und wütend mit den antihomosexuellen Schikanen durch Gesetz und Polizei auseinander. Der Titel und zugleich Refrain ist ein Wortspiel aus “zornig über diese Zustände” (angry at this) und Atthis, dem Namen einer Geliebten der Sappho. “Angry Atthis” ist bis heute auf Gay-Pride-Paraden zu hören. (4)

Zur gleichen Zeit, als in Großbritannien “Glad to be Gay” entstand, trat in Wien ein Liedermacher namens Poldo Weinbergermit schwulenbewegten Liedern auf, die es verdient hätten, mindestens im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt zu werden. 1978 oder ’79 hörte ich ihn zum ersten Mal. Im Amerlinghaus las Heidi Pataki Gedichte, dazu spielte Poldo Weinberger Lieder. Der Ausdruck seiner Stimme gab einfach alles her, vom zärtlichsten Schmeicheln bis hin zum erschütternden Orkan gerechten Zorns. Er sang Schwulenlieder zu Melodien von ihm selbst, mit Texten von Roland Kronigl, alias “Prunella de Queensland”, wie Weinberger ein Aktivist der frühen Österreichischen Homosexuellenbewegung: “Muttertag”, beginnend mit den vertrauten Zeilen:
“Konrad, sprach die Frau Mama:
ich geh fort und du bleibst da ...”

ist ein mit liebevollem Humor gespicktes Lied darüber, wie der Konrad sich in Mutters Abwesenheit aus deren Kleiderkasten und Schminkkommode bedient. “Das schwule Treffen”: Ein herzerfrischender Spottgesang über ein Schwulenbewegungstreffen, und was die Schwestern (5) dort alles diskutieren, beschließen, anlaysieren und gesellschaftlich bewegen werden “... oder auch nicht”.
“Unser Kino”: Ein frecher und von höchster politischer Analyse zeugender Song über Kommerzfilme, in denen heterosexuelle Männlichkeit triumphiert, mit Frauen als Aufputz und Tunten zum Auslachen. “Das Motto”: Eine perfekt gereimte, so realistische wie witzige Abhandlung darüber, was wäre wenn die UNO beschlösse, die Menschenrechte der Schwulen als weltweites Motto für das nächste Jahr auf die Agendaliste zu setzen. “Siegfried Blücher”: Eine Moritat über den auf dem Land lebenden Buchhändler Blücher,
“der war ein Sonderling,
der selten in die Gastwirtschaft
und nie zum Kegeln ging”.

Blücher wird in Folge des Bekanntwerdens seiner Homosexualität zuerst wirtschaftlich ruiniert. Dann zündet ihm der männliche Mob aus dem Dorfwirtshaus das Haus an und wartet vor der Tür, dass der Schwule herauskomme. Doch:
“Der Blücher, der Blücher,
der war ein Sonderling,
der floh nicht durch die Hintertür,
als sein Häuschen Feuer fing.”

Weinberger hat nicht nur Texte anderer vertont, sondern auch eigene schwule Lyrics verfasst: Gefühlvolle Liebeslieder, bei denen die Stimme samtig wurde: “Du ... ich möchte dir ein Liedchen schreiben”. “Unsere Geschichte”. “Ich hab dir weh getan”. “Bist du der ...”. “So viele Fragen”, sind einige der Titel.
Heute ist die Stimme nicht mehr so geschmeidig. Poldo Weinberger lebt als Frühpensionist in bescheidenen Verhältnissen, hat in den letzten 15 Jahren fast keine Auftritte gehabt und wenig neues geschrieben. Auf meine Frage, ob das denn bedeute, dass er mit der Musik aufgehört habe, schüttelt er bedächtig den Kopf: “Ich muss mich nur erst umgewöhnen”, lächelt er verschmitzt: “Meine helle Jugendstimme ist weg. Ich muss meinen Gesang mehr so anlegen wie die zutiefst verehrte Marianne Faithfull.”


Literatur: (1) http://www.tomrobinson.com
(2)http://www.bothways.com
(3)http://www.queermusicheritage.com/jan2000s.html
(4)Bonnie J. Morris: Eden Built by Eves. A History of Women’s Music Festivals 1974-1999. Alyson Publications 1999, S. 89
(5)"Schwester” als Selbstbezeichnung schwuler Männer benutze ich hier und auf den folgenden Seiten ohne Anführungszeichen.

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Mimenda, 2007-05-09, Nr. 3592

Ach, dieses ergreifende Lamento. Soviel mir bekannt, ist die Fußballhymne schlechthin von einem Schwulenduo, den Pet Shop Boys. Kann ja nicht jeder Anspruch auf Ruhm erheben, nur weil er einer Minderheit angehört und zudem noch Talent hat, oder? Es gibt soviel Gutes, Intelligentes, Revolutionäres etc., das kein Gehör und keine Rezeption findet, so viele Lieder, die nicht gespielt werden, weil sie nicht PC sind. F.Z. zum Beispiel (R.I.P.). Der begnügte sich damit, dies bei öffentlichen Auftritten gebetsmühlenhaft zu wiederholen. Aber diesen larmoyanten Unterton hörte ich da nie.

The present day composer refuses to die

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