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2007-04-11

Das 3.Testament

Der bloßfüßige Gabriel stand am Obstregal, als er ein furchtbares Unglück sich anbahnen sah. Die automatische Eingangstür schwenkte zur Seite und keuchend betrat Frau Zebedin, die durchaus fülligen Brüste auf den Kindersitz ihres Einkaufwagens gestützt, den Supermarkt. Unaufhaltsam ackerte sie sich durch die Fleischabteilung, bei jedem Griff waren die dunklen Schweißflecken an jener Stelle ihres Jeanshemds, wo Gabriel ihre Achseln vermutete, der Öffentlichkeit preisgegeben. Außerdem ließ das ringförmige Muster der weißen Salzkruste auf die vorangeschrittene Stunde und den Grad bisheriger Anstrengungen schließen. Ihr Einkaufswagen war schon mit allerlei Fettigkeiten angefüllt, als sie schnaufend knapp vor Gabriel zum Stehen kam.
Gabriel, den es kurz reckte, als er die vakuumverschweißte Großpackung Weißwürste erblickte, beobachtete mit Entsetzen Frau Zebedins Verhalten am Gemüseregal. Wahllos ergriff sie irgendeine Rispe Tomaten und begann sie vor Gabriels weit aufgerissenen Augen gefühllos in ein Plastiksäckchen zu stopfen. Da wurde es ihm endgültig zu viel und er musste einschreiten.
„Frau Zebedin, jetzt hab ich ihnen schon letzte Woche erklärt, dass man gerade bei der Auswahl von Obst und Gemüse besonders viel Sorgfalt an den Tag legen muss. Sie aber, Frau Zebedin, haben diese Tomate keines Blickes gewürdigt, geschweige denn ihre inneren Energieströme überprüft zu haben.“ Er seufzte. „Aber ich erkläre es ihnen gern noch einmal.“
Mit diesen Worten griff er nach einer von Frau Zebedins Tomaten um mit einem entschuldigenden „Ich darf eh?“ eine Frucht von Frau Zebedins Rispe zu zupfen.
„Dieses Exemplar hier, zum Beispiel, ist völlig wertlos, denn es hat keinerlei Chi in sich. Wie ich schon vermutet habe, hat die Oberflächenspannung hat schon völlig nachgelassen. Streng genommen hat diese Frucht nicht einmal die Bezeichnung „Lebensmittel“ verdient. Sie ist vielmehr ein totes Mittel, denn sie wird ihrem Körper mehr Energie entziehen als zu spenden.“
Angewidert verstaute er die Tomate in den Tiefen der Chinakohlkiste, wo schon etliche Tomaten ihrer düsteren Zukunft verbittert entgegenblickten. Dann wandte er sich eifrig seinem Einkaufswagen zu und holte zielstrebig eine Tomate daraus hervor.
„Der Chi-Haushalt dieser Tomate“, berichtete er stolz, „ist da gleich ein ganz ein anderer. Das kann man sehen, das kann man riechen und das kann man spüren. Zum Beispiel wenn man die Tomate an die Körpermitte hält und behutsam auf den eigen Chi-Kreislauf wirken lässt.“
Befremdet beobachtete Frau Zebedin Gabriel, der mit geschlossenen Augen die Tomate ein wenig unter seinen Bauchnabel hielt und sie mit einem zufriedenen Lächeln langsam auf und ab rieb. Diese Gelegenheit nützte Frau Zebedin und eilte in Richtung Tiefkühlabteilung.

Nach einiger Zeit konnte sich Gabriel wieder vom Chi seiner Tomate lösen und musste enttäuscht feststellen, dass seine Zuhörerin das Weite gesucht hatte. Er verließ die Obstabteilung und setzte seinen Einkauf fort, nicht ohne den unreifen Mangos einen abschätzigen Blick zuzuwerfen. Auf dem Weg zur Kassa veranlasste ihn irgendetwas dazu, seine Schritte zu verlangsamen. Mechanisch drehte er sich zur Seite und starrte wie gebannt auf ein Gurkenglas. Kein normales Gurkenglas! Das wusste er sofort. Das war auch offensichtlich! Schließlich schwamm nur eine einzige Gurke darin – das das noch niemand vor ihm bemerkt hatte! Es kribbelte in Gabriels Zwölffingerdarm. Er spürte, dass tief greifende Veränderungen bevorstanden. Ein leises Knacken machte ihn auf eine Pfefferonidose aufmerksam, auf der unaufgefordert und aus dem Nichts eine lodernde Flammenschrift erschienen war – die letzten Worte seines alten Zen-Meisters: „Du bist auserwählt, den Auserwählten als erster zu blicken, und kein andrer soll ihn vor dir blicken, denn du bist der Auserwählte, der den Auserwählten zuerst blicken soll.“ Von nun an überschlugen sich die Ereignisse. Krachend explodierte die Deckenbeleuchtung und ein gleißender Funkenregen sprühte vom Plafond, bevor der ganze Supermarkt in Dunkelheit gehüllt wurde. Mit einem lauten Knall gingen die Tortillachip-Säckchen in Flammen auf, woraufhin ein paar Sekunden später die Mikrowellenpopcorn explodierten und auf die verwirrten Kunden prasselten. Chaos brach aus, erschrockene Schreie und das Poltern von umgestoßenen Wühltischen dröhnten durch den Raum. Gabriel aber bemerkte von alldem nichts, denn ein hehrer Lichtkegel war von der Decke gefallen, zerteilte die Dunkelheit und beleuchtete das Essiggurkenglas – graziös begann das eine Gürkchen darin hin und herzutanzen. Überwältigt von diesem Schauspiel fiel Gabriel auf die Knie und neigte andächtig sein Haupt.


Mit freundlicher Genehmigung der Autoren:
Alfred und Martin / Martin und Alfred , 2007

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