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Walther Schütz

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2003-01-03

Eine andere Welt ist möglich!

Bericht vom und Gedanken zum global action day am 20. Dezember 2002

Vor einem Jahr, am 20. Dezember 2001 explodierte die soziale und wirtschaftliche Krise in Argentinien. Zehntausende Menschen gingen - auf Töpfe (Cacerolas) schlagend - auf die Straße und bewirkten den Rücktritt des Präsidenten de la Rúa. Die damaligen Massenproteste mündeten in blutigen Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften, die mindestens zehn Menschen das Leben kosteten und rund 200 Verletzte forderten. Die aktuelle Regierung unter dem peronistischen Präsidenten Duhalde setzt die gleiche Wirtschaftspolitik fort, die zum Explodieren der Krise geführt hat.

Auf der anderen Seite entwickeln sich im Schatten der Krise auch Alternativen: Die Rebellion hält bis heute an und hat sich zu einer Bewegung entwickelt, die Alternativen der Selbstbestimmung hervorbringt: Von besetzten, selbstverwalteten Fabriken über selbstorganisierte Nachbarschaftsversammlungen bis hin zu alternativer Ökonomie durch Tauschbörsen und Umsonstläden.

Gegen dieses "Vergessen von Argentinien" gab es am 20. Dezember 2002 einen weltweiten Aktionstag, um auf die sich weiter verschlimmernde wirtschaftliche und soziale Situation aufmerksam zu machen und um politische Alternativen zu fordern. (siehe www.indymedia.de).

Auch in Klagenfurt/Celovec gab es eine Aktion, die aus einer Versammlung sowie einer Demonstration durch die Klagenfurter Innenstadt bestand.

Gut 50 Personen folgten dem Aufruf, in dem es hieß: "Wir - eine Gruppe von AktivistInnen - haben uns entschlossen, uns mit der argentinischen Bevölkerung zu solidarisieren und unseren Unmut über die kapitalistische Globalisierung zu äußern - während Argentinien schon ein Jahr lang im Widerstand gegen den Neoliberalismus steht, soll auch in Klagenfurt/Celovec gezeigt werden, daß eine andere, eine gerechtere Welt möglich und nötig ist. Während der Konsumwahn in Europa in der Vorweihnachtszeit am Höhepunkt ist, verschließen wir die Augen davor, daß Milliarden von Menschen in Armut leben und die USA einen Vernichtungskrieg gegen den Irak führen wollen - nur wegen des Ölreichtums dieses Landes."

Neben dem Hauptinitiator Gregor Wakounig und Christopher Frank (KPÖ-Klagenfurt/Celovec) war ich als Exponent von ATTAC-Kärnten eingeladen, eine kurze Rede zu halten. Ich stelle sie hiermit auch auf der Homepage von Kärnöl (www.kaernoel.at) zur Diskussion:

"Liebe Freunde, die Situation, in der ich mich hier als "Redner" befinde, kenne ich bislang nur von der anderen Seite her: Ich langweile mich und oben reden sie ewig lang. Das ist öde zuzuhören, wenn einer das sagt, was die da unten ja eh alle wissen, denn sonst wären sie nicht da.

Ich möchte mich kurz auf drei allgemeine Punkte beschränken:

1) Wofür kämpfen wir?
2) Wogegen kämpfen wir?
3) Was tun?

dies alles in möglichst einfachen Worten.

Wofür kämpfen wir?

Die Antwort wird wohl für alle ein bißchen anders sein, aber für meine Person schaut das so aus:

Ich trete ein für eine Welt, in der mindestens die Hälfte der Fluggesellschaften überflüssig ist, die Angestellten heimgehen, es sich besser gehen lassen oder anderen helfen bei ihrer Arbeit, damit alle es gemeinsam leichter haben. Nebenbei ist damit gleich ein riesiger Klimakiller weg.

Dann setze ich mich ein in für eine Welt, in der um mindestens die Hälfte weniger Autos produziert werden. Dann für eine Welt, in der die ganze Werbebranche überflüssig ist, einfach zugesperrt wird. Das heißt natürlich nicht, daß die Leute in das abgleiten, was wir als Arbeitslosigkeit kennen - das heißt, daß sie nicht dann um ihre Zukunft bangen müssen, darum bangen müssen, daß sie ein entsprechendes Auskommen haben, daß sie gesellschaftlich an den Rand gedrängt werden, von Arbeitsvermittlungen schikaniert werden ... Nein, sie könnten dann anderen helfen, etwa in einer ökologischen Landwirtschaft, etwa in Pflegeberufe, damit etwa die Leute, die dort total überarbeitet sind, sich auch besser erholen könnten. Und die Leute könnten sich untereinander besser stützen, hätten ganz einfach mehr Zeit füreinander ....

Das würde wiederum Psychotherapeutinnen und -therapeuten überflüssig machen ... Und die Soft- und Hardwarehersteller könnten sich auch weniger stresseln, denn nicht jedes halbe Jahr würde ein neues gigabyte-pogramm herauskommen, in das sich dann wieder jede neu einlernen muß, für das dann wieder ein neuer PC gekauft werden muß, weil das Teufelszeug von einem Programm für die alten einfach zu komplex ist ...

Träume? Ja!!!! Realistische Träume, ja, von der Sache her leicht umzusetzen, wenn da nicht etwas wäre, das im Wege steht.

Wogegen kämpfen wir?

Kämpfen wir gegen die Konzerne, gegen Weltwährungsfonds, die etwa Argentinien ihre Sanierungsprogramme aufgedrückt haben, gegen die EU ....? Scheinbar, im ersten Moment: "Ja" - und doch nein! Der Punkt ist, daß wir in einer Welt leben, in der die Dinge, die uns nützlich sein könnten, ein Eigenleben haben, sie sind "Kapital". Das heißt, daß wir und die Dinge, die wir zu unserer Hilfe geschaffen haben, in einem Regelwerk eingebettet sind, das ganz einfach lautet: nach jeder wirtschaftlichen Handlung muß mehr davon da sein. Mehr an was? An Geld, oder – korrekter: an "Wert". In der Sprache der Kritik an der Wirtschaftswissenschaft nennt man das die "Profitrate". Und nur wenn mehr wird, wird produziert, nur dann wird weitergegeben genau genommen: nur dann wird verkauft. Und wenn nicht mehr wird, dann ist Krise, dann wird gar nichts mehr produziert, oder eben wiederum nur das, wofür es Kohle gibt. Ob sinnhaft oder nicht, ob schädlich oder nicht – egal.

Wer das nicht schafft, fliegt raus aus dem Spiel. Ich habe Bekannte und Freunde in den höheren Etagen bei Infineon. Das sind sehr nette engagierte Menschen. Die handeln nicht "kapitalistisch", weil sie böse sind. Sondern so, weil sie müssen. Und wenn der Betrieb rausfliegt, dann mit ihm die, die sich im Betrieb gegen Lohn verkaufen mußten.. Die fliegen mit raus. Oder ganze Staaten fliegen raus, weil sie dann als Standort keine Steuern mehr haben. Und dieses absurde Regelwerk ist so tief in die meisten von uns eingebrannt, daß wir uns das gar nicht anders vorstellen können.

Und natürlich treten dann solche Krise nicht über all in gleichem Ausmaß auf, sondern verstärkt an den schwächsten Gliedern der Kette, etwa den Ländern des Südens – wie z.B. Argentinien. Wir kämpfen gegen etwas voll kommen abstraktes, nämlich gegen ein Regelwerk, das unter den Menschen, die innerhalb dieser Gesellschaft leben, herrscht. Und diese Gesellschaft umfaßt mittlerweile den größten Teil der 6 Milliarden Erdbevölkerung.

Wir müssen ein anderes Regelwerk zwischen den Menschen durchsetzen. Man könnte ja auch "Mensch ärgere dich nicht!" mit anderen Regeln spielen, etwa daß keiner mehr den anderen rauswirft. Als Ergebnis käme heraus, daß letztlich alle schneller im Ziel wären.

Was tun?

Wir müssen sehr klug sein in dem was wir tun. Wenn wir etwa in der Öffentlichkeit auftreten, müssen wir immer die Frage stellen: was wollen wir transportieren? Wollen wir die Leute verschrecken, einschüchtern? Oder wollen wir überzeugen, gewinnen? Das heißt, wir müssen eine lange Bildungsarbeit leisten – auch und vor allem einmal bei uns selbst. Überzeugen – gute Beispiele finden, die zeigen, daß eine andere Welt möglich ist – und das ist das Schwerste: Von Margret Thatcher gibt es den Begriff TINA – there is no alternative. Unser Slogan dagegen lautet: Es gibt viele Alternativen, eine andere Welt ist möglich."

Der Autor ist Erwachsenenbildner beim
Bündnis für Eine Welt/ÖIE
Rathausgasse 2, 9500 Villach.
Tel. 04242/24617, Fax: DW 4
e-mail: buendnis.oeie@aon.at

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